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Die Mündigkeit der Mitte

Wir dürfen Regierungen und Präsidenten wählen, dürfen Kinder in diese Welt setzen und haben das Vertrauen, Fahrzeuge zu lenken, die gut und gern auch eine Tonne wiegen können.

Ja, wir dürfen, können und sollen Verantwortung übernehmen. Und das tun wir auch, jeden Tag unseres Lebens.

Doch irgendwie gibt es einen Bereich, wo uns allgemein in Diskussionen die Fähigkeit der Selbstwirksamkeit als fast schon Gott gegeben abgesprochen wird oder zumindest immer wieder in Frage gestellt wird.

Am Arbeitsplatz.

Der noch am Morgen der fürsorgliche Vater, die nachhaltig planende Mutter, der mündige Wähler oder die verantwortungsvolle Autofahrerin, geben aller Anschein nach mit dem Überschreiten der Schwelle zum Arbeitsplatz jegliche Selbstverantwortung und Selbstbestimmung an der Bürotüre ab.
Plötzlich müssen wir das tun, was andere uns sagen und es so umsetzen, wie diese es verlangen. Wenn wir unseren eigenen Kopf einsetzen und das Bestehende hinterfragen, kann es passieren, dass uns dieser kalt gewaschen wird.

Wir gehen fast jeden Tag einer Tätigkeit nach, welche dabei hilft, die Ziele anderer umzusetzen und das machen wir – wenn wir ein Mitglied der Gesellschaft sein wollen – Vollzeit, also mindestens ein Drittel des Tages. Wann wir damit anfangen, gibt uns auch jemand anderer vor.

Wollen wir frei haben, müssen wir jemand anderen um Erlaubnis bitte und wenn alles aus der Sicht dieser Person okay ist, bekommen wir Urlaub. Aber auch nicht so lange, wie wir wollen oder wie sehr es unser Körper oder unser Geist benötigen, sondern es wird uns vorgegeben.

Wir spielen das Spiel solange, bis wir ca. 60 bis 65 Jahre alt sind und dann – und das in voller Abhängigkeit vom Staat und dessen Finanzierungsfähigkeiten – erhalten wir dann endlich die wohlverdiente Pension und können dann die restlichen 20 Jahre endlich das machen, was wir gerne machen wollen. „Denn später hat man ja endlich Zeit zum Leben“.

Was für ein Schwachsinn und welche Zumutung an den Intellekt, an das Potential und an die Menschenwürde eines jeden Menschen.

Kritiker werden sagen „dann spiel doch nicht mit, weigere dich“.
Ja, könnte der mündige Mensch.

Wir können so mutig sein und darauf verzichten, einer Zwangsmitgliedschaft der Leistungsgesellschaft beizutreten und könnten ja echt das machen, wofür wir geboren worden sind.
Ja, wir könnten – anstatt gleich eine Karriere einzuschlagen – uns die Zeit nehmen, uns dem Leistungsdruck verweigern und unserem recht kurzem Dasein auf Erden einfach mal Zeit geben, in uns hineinzuhören. Reinzuhören, was es da drinnen denn gibt, dass wir als Kompass unseres Lebens heranziehen könnten.

Ja, die Zeit könnten wir uns geben.

Doch auf einen positiven und auf Augenhöhe basierenden Dialog mit solchen Menschen ist unsere Gesellschaft nicht vorbereitet.

Arbeitsloser, Schmarotzer, Leistungsverweigerer, Träumer, „einen, den die Gesellschaft aushalten muss“.

Wer es einmal erlebt hat, der kennt den Schmerz, den diese harten Urteile mit sich tragen.

Also ganz ehrlich, da stimmt doch was nicht.

Am Tag meiner Geburt wusste ich ja nicht mal, dass es „die Wirtschaft“ und ihre mittlerweile unkontrollierbaren Auswüchse gibt.

Hätte ich gewusst, dass ich bereits mit 6 Jahren jeden Tag per Zwang in einem Raum sitzen und Dinge lernen muss, die ich ein Jahr später nicht mehr weiß … ganz ehrlich, ich hätte das Leben am Spielplatz und die Lust am Neugierig sein dem ganzen Regelwerk vorgezogen.

Meine Muttersprache habe ich ohne Grundwortschatz gelernt. Einfach so.
Das stand niemand neben mir mit einem Schulstoff und einem Vokabelheft und hat mich gedrängt, die Muttersprache zu lernen.
Nein, ich wollte es. Und hab es einfach getan, weil mein Gehirn, meine Neugierde und mein Potential die Geschenke waren, die alle Menschen am Tag ihrer Geburt erhalten haben.
Oder kennt jemand ein Kind, dass in der Ecke sitzt und sich weigert, die Muttersprache zu lernen?

Hätte ich gewusst, dass ich Jahre später in diesem System als lernschwach und sprachlich unbegabt eingestuft werde, weil schlicht und einfach meine Interessen nicht vorhanden waren, ich denke, ich hätte ein Leben als Sozialschmarotzer gewählt.

Ich habe gehen gelernt, ohne am Tag meiner Geburt zu wissen, dass ich das eines Tages lernen sollte.
Und ich habe gehen gelernt, weil ich es bei anderen Erwachsenen beobachtet habe und es unbedingt wollte. Und ich bin beim Versuch der ersten Schritte hingefallen.
Und bin wieder aufgestanden. Und wieder hingefallen.
Bloß, habe ich aufgegeben? Kennen wir Kinder, die nach dem 20sten Versuch sagen „so, ich gebe auf, das wird nichts mehr“.
Nein, wir Kinder haben einfach weitergemacht, obwohl wir auf die Schnauze gefallen sind.
Es war das auf die Schnauze fallen, dass uns dazu gebracht hat, zu lernen, wie es nicht geht, um dann den einen Schritt zu setzen und endlich stehen zu können.

Hätte ich gewusst, dass mir diese angeborene Fehlerkultur und der Wille, es immer wieder zu versuchen, später mal abtrainiert wird, in dem ich mit dem Anstieg meiner „Fehler“, die meine liebsten Freunde mein Gehen-lernen waren, bestraft werde, ich hätte mich wahrscheinlich schon früher für das Leben eines Schulabbrechers entschieden.

Ich hätte dafür gesorgt, dass der Abbruch Teil des Aufbruchs in das echte Leben gewesen wäre. Wissentlich und beabsichtig und nicht wie Jahre später aus reiner Angst und als Opfer der Umstände.

Ganz ehrlich, da stimmt doch was nicht, wenn Menschen, die sich bewusst Zeit für ihr Leben nehmen, sich Monatelang zurück ziehen und vom Zahnrad der Gesellschaft Pause nehmen, als Exoten wahrgenommen werden.

Und die, die sich ihr Geburtsrecht nehmen, als Individuen ihre Zeit, ihr Leben und ihre Abhängigkeiten von der Gesellschaft selbst zu definieren, sich dieses Recht und diese Möglichkeiten erst hart erarbeiten müssen.

Ja, da stimmt was nicht.

Wir sind aktuell in der Geschichte der Menschheit an einem Punkt, an dem sich nicht mehr leugnen lässt, dass es so nicht weitergehen kann.
Wir erleben Gruppierungen, die das Bestehende in Frage stellen und die, die den Status Quo über den Erhalt hinaus auch gerne mit dem Rad der Zeit in gute alte Vergangenheit drehen möchten.

Was übrigbleibt ist eine Mitte, die zwischen den Stühlen sitzt und hofft, dass endlich jemand die eine Antwort hat, wie mündig und selbstwirksam unsere Gesellschaft sich selbst emanzipieren möchte.

Das Schöne ist, diese eine Antwort – auf die wir alle warten – ist so individuell wie jeder Sessel, auf dem eine Person mit einem Fragezeichen im Gesicht sitzt.
Eine Person, die jede Sekunde die Chance hat, zu bestimmen, wie ihre eigene Zukunft auszusehen hat.

Was es benötigt, ist Mut, der Glaube an sich und eine Gruppe von Menschen, die Mündigkeit neu definiert und mit Freiheit der Verantwortung assoziiert.
Diese Gruppe ist es auch, die sich nicht mehr als Verbraucher oder Konsument beschimpfen lässt und weiß, dass ihre innersten Bedürfnisse nicht von einer Konsumwirtschaft genährt werden, die den Menschen dann als notwendig erachtet, wenn dessen Bedürfnisse sich mit dem Überangebot der Wirtschaft decken.

Ja, da stimmt was nicht. Und es sind immer mehr, die dies erkennen.

Ein hoch auf die neue Mündigkeit in der Mitte der Gesellschaft, die das Eis zum Brechen bringt, wo andere den verzweifelten Versuch leben, diese mit meterlangen Tesa-Streifen zu kitten.

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Stachel im Fleisch

Nach den Regeln anderer spielen: das können wir.

Einen Test schreiben und danach bewertet werden, was jemand anders von uns will: das können wir.

Tun, was die Gesellschaft will, ohne zu hinterfragen, wer denn diese eine Gesellschaft jetzt ist und ob sie recht hat: das können wir.

Aber wollen wir?

Die Welt steht gerade (eigentlich so wie immer) im Umbruch … jedoch ist dieser anders als alles bisher dagewesene: die schiere Anzahl an Herausforderungen, gepaart mit Unsicherheiten und kollektiver Hysterie, zeigen uns, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Ich finde das gut.

Ich denke es wird Zeit, dass die Dinge zerbrechen, die nichts mehr mit der Natur unserer Generation zu tun haben. Ich denke, wir sollten langsam die Regeln in Frage stellen, die vielleicht zum damaligen Zeitpunkt ihres Erschaffens Sinn hatten, aber heute nicht mehr als Barrieren der Gedanken sind, und sie niederreissen.

Doch wer macht sowas? Wer stellt bestehende Systeme, Themen, Regeln ohne Sinn in Frage?

„Die anderen“ werden einige sagen. Ja, das stimmt. Es gibt auf der Welt diese Revoluzzer, die jedoch schon immer „das System“ in Frage gestellt haben.

Doch sich auf die mündige Stimme anderer zu verlassen, lässt uns unsere Mündigkeit, unsere Selbstwirksamkeit und unser Selbst-Bewusstsein auf Sparflamme schalten und das sind alles Andere als Zeichen einer Gesellschaft, die ihre Zukunft selbst in die Hand nimmt.

Was wäre, wenn jeder und jede von uns, die im eigenen Umfeld bemerkt, dass einfach etwas nicht mehr stimmen kann, selbst zu diesem Revoluzzer wird. Nicht zu Einem, der die Straßen anzündet, sondern zu der Art von Mensch, die hinterfragt und den Mund aufmacht, um darauf hinzuweisen.

Ich denke, wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, dass erst die Straßen brennen, bis wir einen gesellschaftlichen Wandel haben. Eher denke ich, dass wir ein inneres Feuer in uns entfachen müssen, um darauf hinzuweisen, dass es uns nicht egal ist, wie unser Land, unsere Region oder unsere gemeinsame Politik und die Empathie der Gesellschaft gelebt werden.

Was wir brauchen ist, dass es wieder Menschen gibt, die zum Stachel im Fleisch werden. Dieses nervende Gefühl, dass da konstant irgendwas ist, mit dem nicht gut Kirschen essen ist.

Sei es der Arbeitsmarkt, die kulturelle Schere zwischen arm und reich, wie wir die älteren Menschen in unserer Gesellschaft behandeln oder wie sehr wir die Jugend sich selbst überlassen.

Diese wenigen, doch für uns Menschen schicksalshaften, Themen sind es, die sich erst dann verändern werden, wenn der Druck der Veränderung aus der Mitte der Gesellschaft entsteht.

Niemand von uns muss morgen ein ganzes System niederreissen, doch es reicht, sich jeden Tag die Frage zu stellen, ob man das alles so hinnehmen mag, wie es ist und wenn nein, was man selbst im ganz Kleinen dagegen tun kann.

Alles, was in unserer heutigen Form existiert, war eines Tages ein Gedanke im Kopf eines Menschen.

Wer mit etwas unzufrieden ist, der soll nicht nur mit dem Finger drauf zeigen, sondern mitdenken, wie eine Alternative aussehen kann und dann verdammt noch mal den Hintern hochbekommen und dafür sorgen, dass diese das Tageslicht erblickt.

Sei ein Stachel im Fleisch, sei nervig und stelle in Frage, was aus deiner Sicht eine schiefe Optik hat. Warte auf niemanden.

Und wartest du auf ein Zeichen? Hier ist es.

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Wenn du merkst, dass du nie alleine unterwegs warst

Am 10. April diesen Jahres habe ich beschlossen, einen der letzten Punkte meiner Traumliste von 2010 zu bewältigen:
Ich will einen Marathon laufen.

Ali Mahlodji Traumliste

Der 10. April, 2016 war der Tag des Wien Marathons und als ich gegen Mitternacht im Internet die Fotos des Events sah, wusste ich, dass ich diesen Wunsch nicht noch ein Jahr aufschieben möchte.

Auf Hinweis von Hans-Jörg, einem meiner besten Freunde, beschloss ich, dass ich lieber davor einen Halbmarathon laufe, damit ich „überhaupt mal irgendwie“ ein Gefühl dafür bekomme.
Angepeilt wurde der Graz Halbmarathon, der heute am 9. Oktober stattfand.

Anfang Juni begann mein Training, dass auf 58 Einheiten zwischen Juni und Anfang Oktober ausgelegt war.
Von diesen 58 Trainingseinheiten schaffte ich allerdings nur 34, die anderen 24 waren zeitlich nicht möglich.

Bei meinem ersten Trainingslauf am 1. Juni, 2016 brach ich den Lauf nach 7 Minuten wieder ab.
Grund war, dass ich dachte, irgendwas stimmt mit meinem Herzen und meiner Brust nicht – die Schmerzen waren nicht zum Aushalten und mein Brustbereich verkrampfte sich immer mehr nach hinten in den Rücken.
Ich war gerade mal einen Kilometer gelaufen, bekam aber keine Luft mehr und mein Puls war in verrückten Höhen.

Ich brach ab, ging zu einem Arzt und einem Lungenfacharzt (ich habe seit meinem 13. Lebensjahr chronisches Asthma) und beide machten mir klar, dass mein Körper in den letzten Jahren nicht das tun durfte, wofür er gemacht ist: sich bewegen. Daher waren meine Zustände nach meinem ersten Lauf einfach das Ergebnis einer schlecht trainierten Person.

Im Laufe der 4 Monate des Trainings mauserte ich mich von Kilometer zu Kilometer – und jede Woche dachte ich mir „warum tust du dir das an, du hast eh genug zu tun“.
Anfangs war ich stolz, dass ich 5 Kilometer schaffte, dann waren es 7, dann 10 und eines Tages sogar 15 Kilometer.
Aber niemals mehr und der Halbmarathon, den ich laufen wollte, betrug doch irgendwie 21 Kilometer 🙂

Meine durchschnittliche Kilometerzeit lag während meines Trainings konstant zwischen 7:20 und 7:55 Minuten und das bei Läufen, die nicht annähernd an die komplette Distanz herankamen.

Daher und weil ich 24 meiner Trainings nicht absolviert hatte, dachte ich mir im Vorfeld des Halbmarathons, dass
1. ich froh bin, wenn ich überhaupt ins Ziel komme
2. ich eine Zeit von ca. 7:40-8:00 Minuten pro Kilometer schaffe

Parallel zu meinem Laufvorbereitungen habe ich in den letzten 4 Monaten auch mit Mentaltraining begonnen.
Es war „Zufall“, dass ich damit fast zeitgleich mit den Marathonvorbereitungen begann – keine Absicht in der Korrelation.
Ein schönes Nebenprodukt des Mentalcoachings ist, dass ich irgendwie – ohne groß nachzudenken – meine Ernährung umstellte und plötzlich auch viel mehr Arbeit in der selben Zeit schaffte und auch genug Zeit für das Schlafen fand (aktuell bei guten 7 Stunden pro Nacht).

Hans-Jörg, der mich angestiftet hatte, den Halbmarathon zu laufen, sagte mir „wir laufen den gemeinsam, ich lass dich nicht allein“.
Eine Entscheidung, wie sie echt besser nicht hätte sein können.

Im Laufe der Zeit bis zum Halbmarathon traf ich mich auch mit Ahmer Khan, der selbst einen Halbmarathon und Marathon gelaufen ist und eine beeindruckende Geschichte hat. Er war es, der mich mit dem „Gefühl des Zieleinlaufs“ infizierte und mir echt gute Ratschläge gab.
Zwecks Abchecken meiner Gesundheit und ob es überhaupt eine gute Idee war, den Halbmarathon zu laufen, besuchte ich das Sportzentrum SPOWI, die mir klar machten, wo aktuell meine Grenzen lagen und mir sagten, wie ich mein Training auslegen soll (Mike Gattereder, danke!).

Ich absolvierte meine Trainings normalerweise immer gegen 5:30 in der früh, weil das die einzige Zeit war, die ich neben meinen Reisen und meinen beruflichen und privaten Themen „frei“ machen konnte. Blöd waren die Tage, als mein Flieger bereits um 6:00 abhob, dann musste ich das Training streichen.

In dieser Zeit waren der Zuspruch meiner Mutter, meines Bruders und meiner Freundin (aka Verlobte) die tragende Stütze, dass ich mir überhaupt den Wecker immer wieder auf 5:00 stellte und laufen ging.

Entgegen aller Pläne, die letzte Woche vor dem Lauf vorbildhaft zu verbringen (gute Ernährung, leichtes Training, kein Stress), wurde die Woche die stressigste aller letzten Wochen 🙂

Gestern Abend fuhren Hans-Jörg und ich nach Graz, um ausgeruht in den Halbmarathon zu starten.

Bis dato hatte ich während des Laufens immer selbst auf meine Uhr geschaut, damit ich ja nicht „zu schnell“ laufe.
Der Tip, den ich am Öftesten hörte, war „lass dich ja nicht mitreissen von der Euphorie und laufe lieber defensiv langsamer“.
Daher war in meinem Kopf einprogrammiert, jeden Kilometer mit ca. 7:40-8:00 Minuten abzuschliessen, damit mir die Puste nicht zu früh ausgeht.
Davor hatte ich echt Respekt.

Auch heute war mein Plan, immer auf die Uhr zu sehen und damit mein Tempo zu kalibrieren.

Hans-Jörg sagte mir, dass ich ihm vertrauen und die Uhr im Hotel lassen soll und einfach mit ihm laufen soll.
Er kümmert sich schon darum, dass wir die richtige Zeit laufen.

Zuerst wehrte ich mich, hatte ich mich doch 4 Monate mit meiner Uhr vorbereitet und hatte „mein Konzept“, dass mir garantierte, dass ich mich körperlich nicht überanstrenge und ausfalle.

Er sagte mir, dass ich ihm vertrauen soll, was ich dann auch tat. Ich lief ohne Zeitnehmer, sondern nur mit ihm.
Hans-Jörg war jahrelang Sportler und ist auch sonst echt fit – bisschen das Gegenteil von mir 🙂

Heute lief ich den Grazer Halbmarathon in 02 Stunden 13 Minuten und 35 Sekunden.
Das bedeutet eine Kilometerzeit von 6:14 Minuten, was über 1,5 Minuten unter dem liegt, was ich dachte laufen zu können.
Schnellste Kilometerzeit: 5:37

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Im Ziel dachte ich zuerst, dass die Zeitnehmung falsch war, dann sah ich aber, dass ich nicht nur die längste Distanz meines Lebens, sondern auch die beste Zeit – und zwar konstant bei jedem der 21 Kilometer – gelaufen war.
Ich verstand nicht, wie das ging – ich hatte immer bewusst das Tempo reduziert, als ich merkte, dass ich von der Menge und den Menschen am Streckenrand begeistert euphorisch aufgepusht war.

Und auch körperlich dachte ich nicht, dass ich so ein „schnelles“ Tempo konstant halte.

Und dennoch hatte es Hans-Jörg irgendwie geschafft, dass ich eine Zeit hingelegt hatte, die komplett absurd geklungen hätte, wenn mir das jemand vor dem Lauf gesagt hätte.

Ich fragte Hans-Jörg warum ich den Lauf „so gut“ absolviert hatte.

Er sagte mir, dass allein das Training und die mentale Vorbereitung eine große Rolle spielen (okay, das wusste ich), aber dann sagte er mir etwas, dass plötzlich alles logisch erschienen liess.

Er sagte mir „hättest du die Uhr die ganze Zeit bei dir gehabt, hättest du dir eingeredet, dass du nicht schneller laufen solltest und das Display hätte in dir ein Warnsignal ausgelöst, wenn du es doch getan hättest. Ohne einer Uhr ging es plötzlich nur mehr um deinen Körper und deinen Willen.“

Es stimmte … als wir liefen, waren Hans-Jörg und meine Gedanken die einzigen Konstanten, der ich folgte und als ich ab Kilometer 19 eine starke Belastung in den Beinen spürte, war es das geistige Regulieren meiner Gedanken und mein Fokus auf Hans-Jörgs Tempo, dass mich dann über die Ziellinie trug.

Im Endeffekt bin ich den Halbmarathon selbst gelaufen, schon klar … trotzdem war es der Glaube eines Freundes daran, dass ich „mehr Potential habe, als ich es selbst denke“, dass mich dazu brachte, mich selbst zu überraschen.

Als ich kurz vor dem Zieleinlauf am Streckenrand noch zufällig Evi, eine ganz liebe Freundin, und ihre Familie sah, die mich auch anfeuerten, war diese Kombination die Mischung, die „einen bekanntlich“ trägt: die vielzitierte Euphorie, die einen erwischt, wenn du merkst, wie viele Menschen sich wünschen, dass du ins Ziel kommst.
Schmerzen in den Beinen und in der Brust sind dann plötzlich wie verschwunden.

Nach dem Zieleinlauf habe ich Hans-Jörg an die hundert Mal abgeknutscht und wusste gar nicht mehr, wie ihm danken soll – zumal er nur wegen mir die Distanz absichtlich langsamer lief. Er braucht in der Regel für die Strecke mindestens eine halbe Stunde weniger.

Als ich dann in meiner Wohnung war, wurde mir plötzlich bewusst, was auch für unser berufliches Leben gilt:
Wir erreichen oft unsere Ziele und laufen in den Augen vieler unsere Rennen alleine … und dennoch sind wir niemals alleine unterwegs.

Es sind immer die Wegbegleiter, die an uns glauben, die uns pushen, wo wir nicht mehr können und die uns überraschen, wenn wir nur mehr grau zu sehen glauben.

Leute, danke … euch allen, die mich die letzten Monate begleitet haben.
Der heutige Lauf ist euch allen gewidmet!

PS: meine Learnings vom heutigen Lauf

1. ich werde 2017 beim Vienna City Marathon den Halbmarathon laufen, nicht den „großen“. Einfacher Grund: es reizt mich nicht und die Balance Trainingszeit und Glücksgefühl ist beim Vienna City Marathon echt schon sehr cool 🙂
2. unser Körper ist dafür gemacht, sich zu bewegen, unglaubliches zu schaffen und ist nicht dafür gemacht „ruhig zu sitzen“. Wir Menschen haben mal Mammuts gejagt, sind Entdecker und Erschaffer unserer Welt und dennoch verletzen wir uns heute manchmal, wenn wir nur „falsch“ einen Kugelschreiber hochheben.

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Das Richtige tun

Letztes Jahr hatte ich über 150 Vorträge und dieses Jahr dürften es auch nicht weniger werden.

Die Bandbreite reicht dabei von Managementvorträgen über Führung im digitalen Zeitalter über HR Konferenzen über den Stand der Generationen am Arbeitsmarkt bis hin zu Lehrvorträgen an Unis und auch Vorträgen an Schulen im Rahmen unserer whatchaSKOOL Serie, mit der wir letztes Jahr über 60.000 Kids in Österreich, Deutschland, Schweiz und Italien erreicht haben.

Vor Ort ist es echt super und so sehr ich auch nervös bin, nach einem Vortrag sind die Glücksgefühle überragend.

Dennoch … die wahre Magie passiert oft danach, wenn Stunden und Tage vergehen und sich Teilnehmer melden und ich sehe, dass ich etwas bewegt habe.

Das sind die Augenblicke, wo ich merke, dass mein Vortrag einen Anker gesetzt hat und ich in einer Person etwas ausgelöst habe.

Ich freue mich über alle Feedbacks, die ich erhalte, da ich weiß, dass die Reise weitergeht und ich Sinn und Mehrwert gestiftet habe.

Gerade habe ich eine Email als Feedback zu einem Vortrag erhalten, die mir Tränen in die Augen getrieben hat.

Zum Einen wegen dem ehrlichen Inhalt an sich und zum Anderen, weil ich weiß, dass es sich hierbei um eine junge Frau handelt, die gerade mit der Schule fertig geworden ist und die ihr ganzes Leben noch vor sich hat und ich in dieser wichtigen Phase für sie eine Sichtweise auslösen konnte, die ihre Zukunft mit begleitet.

Ihren Namen und ihre Emailadresse habe ich unkenntlich gemacht. Der Inhalt spricht für sich.

 

From: S***** ******** <s*****.****@****.*****.***>
Date: 2016-09-05 21:07 GMT+02:00
Subject: Dein Vortrag heute
To: ali@whatchado.com

Hey Ali,

hier ist S*****, aus *******. Um gleich auf den Punkt zu kommen wollte ich dir noch einmal das sagen, was mir direkt durch deine Worte auf´s Herz gelegt wurde. Danke für deinen Vortrag! Oftmals, als du erzählt hattest, kamen mir fast die Tränen, weil mich vieles echt so gerührt und bewegt hat. Danke für deine Motivation und dass du diese Idee weiter trägst.
Ich musste sofort an meine eigene Schulzeit denken, noch nicht allzu lange her, als ich so um die 10.,11. Klasse ständig unter Druck stand und ich kaum Hilfe von meiner Familie erhalten habe. Ich war schon immer die Leistungsstärkste unter meinen Geschwistern und alle sind immer davon ausgegangen, dass ich auf jeden Fall Abi mache und da ich noch nie Hilfe gebraucht hab, auch nie welche brauchen würde. Deshalb war das Meiste, was ich geleistet hab für meine Familie ganz selbstverständlich. Ich hab es ja auch geschafft, sogar einigermaßen gut, aber ich hab mehr drunter gelitten, als einige es gesehen haben. Und zu der Zeit hatte ich immer wieder die Idee, auf irgendeine Art und Weise den Schülern, die unter ihren eigenen schlechten Leistungen kein Selbstwertgefühl ausbilden konnten, irgendwie zu unterstützen. Ich war auf einem sehr leistungsorientierten Gymnasium, für Hochbegabte, und darum sind viele abgesackt. Ich hab es geschafft, aber ich habe mit jedem mitgefühlt, der untergegangen ist. Und meine Idee, die schwachsinnig und dumm klang, was ich zugeben muss, war es, jedem Schüler Urkunden dafür zu geben, wenn er sozial oder werteentsprechend ein guter Mensch ist. Das heißt, auf so einer Urkunde würde dann stehen: „Du bist ein wertvoller Mensch!“ Oder so ähnlich… Naja, viele haben mich ausgelacht. Aber die Idee ist trotzdem hängen geblieben. Vielleicht ist sie nicht ausgereift, oder genügend angepasst, aber vielleicht muss sich diese Idee auch nicht verändern, sondern das Schulsystem, zum Beispiel aus *******, wo ich ja herkomme. Und deshalb nochmal danke! Denn durch dein Beispiel weiß ich, dass ich dran bleiben kann und mit der richtigen Motivation Pläne in die Tat umsetzen kann, vielleicht sogar das ******* Schulsystem revolutionieren. ;D Gut, etwas übertrieben. Aber das war so ein Gedanke.
Ein anderer war es, dass du mich wieder motiviert hast, an meinen Büchern weiter zu arbeiten und sie endlich zu verwirklichen. Ich schreibe, seitdem ich dreizehn bin, aber bisher hab ich noch nichts beim Verlag eingereicht. Irgendwie hat mir immer ein Detail gefehlt und vielleicht war ich auch zu faul für die Arbeit, aber jetzt ist der Wunsch wieder greifbar und ich habe ziemlich Lust, ihn auch zu verwirklichen.
Ich hoffe, dass dir meine Worte nicht nur langweilig vorkamen, sondern dass du mein Danke verstehst. 😉
Liebste Grüße,
S*****

 

Hier meine Antwort dazu:

 

———- Forwarded message ———-
From: Ali Mahlodji <ali@whatchado.com>
Date: 2016-09-06 17:46 GMT+02:00
Subject: Re: Dein Vortrag heute
To: S***** ******** <s*****.****@****.*****.***>

Liebe S*****,

ich danke dir, dass du mir geschrieben hast.
Weißt du, ich habe das Glück, jährliche tausende Schüler zu treffen und doch sind es Nachrichten wie deine, die mich daran erinnern, dass ich auch etwas verändere und anstoße.
Danke für deine Ehrlichkeit und Offenheit, die notwendig ist, um sich reflektieren zu können – eine Gabe, die du auf jeden Fall schon hast und die dich weit bringen wird.
Deine Idee mit den Urkunden finde ich WELTKLASSE!!! Es sind ja immer gerade diese Ideen, die die Gesellschaft verändern und „zeigen“, dass es auch anders geht.
Wenn du eine Idee hast und du hast das Gefühl, dass diese Idee auch nur einer Person helfen kann … dann mach es, wenn du es willst.
Und eines kann ich dir auch sagen … mit deiner Email hast du mich inspiriert, mit deinen Büchern wirst du die Welt erreichen.
Wann immer du etwas startest und das Gefühl hast „so, jetzt habe ich alle Details zusammen“ ist es zu spät.
Die besten Dinge passieren, in dem du es machst und währenddessen merkst, ob es sich gut anfühlt oder nicht.
Und wenn es dir Angst macht, ist es (manchmal) genau richtig! 🙂
S***** … du hast alles, was du brauchst!
Ali

 

Warum ich das teile?

Ich denke, dass wir alle – wenn wir uns nur die Zeit nehmen – jedem anderen Menschen etwas mitgeben können.

Wenn wir uns Zeit nehmen und Mut und Zuversicht teilen und zwar dort, wo bei jungen Menschen Druck und „ich muss“-Denke eingeimpft wurde, können wir gemeinsam eine Welt schaffen, in der junge Menschen dem nachgehen, woran sie glauben … was dazu führt, dass wir eines Tages Erwachsene haben, die tun, was ihnen liegt und ihren Platz in dieser Welt finden.

Manchmal geht es nur darum, das Richtige zu tun und Menschen dazu zu ermutigen, das zu machen, woran sie glauben und was für sie richtig ist – ungeachtet dessen, ob wir es selbst gut finden oder nicht.

Das Richtige zu tun ist dabei nicht immer populär … aber richtig … und wenn es nur für das Weltbild einer Person ist, die damit ihr Potential entfalten kann.

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Warum ich HC Strache und Norbert Hofer like und was ich von ihnen lerne

„Ali, bist du wahnsinnig??? Wie kannst du nur HC Strache und Norbert Hofer liken … von dir hätte ich mir mehr erwartet. Bin echt enttäuscht“.

Solche „Gutmenschen“-Messages erhalte ich fast wöchentlich. Von Menschen, die nicht verstehen, dass sie mit ihrer Denke mehr Hass zwischen uns Österreicher treiben, als dass sie dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft zusammenwachsen.

Wir Grün/Rot/Pink „gegen Blau“ Wähler denken, dass wir mit ihrer Abschottung auf Facebook – also der Verweigerung des LIKE Buttons auf Seiten der FPÖ-Fraktion – etwas Gutes und Sinnvolles tun.

Leute, wacht auf – das ist Bullshit und ihr seid gefangen in eurer „wir sind die Guten“-Blase, die auch schon bei der letzten arschknappen Wahl für Empörung in eurer Informations-Blase gesorgt hat.

Ihr seid gefangen in eurer Welt und habt NULL Verständnis für die Menschen, die blau wählen und das Schlimmste … ihr wisst nicht was auf der „anderen“ Seite abgeht.

Außer … ihr würdet euer Ego mal auf die Seite legen und zuhören!

Zuhören beginnt damit, dass man die Klappe hält (auch auf Facebook) und beobachtet und lernt, warum jemand tut, was er oder sie tut.

Ich LIKE HC Strache, die FPÖ und Norbert Hofer schon seit Langem, weil ich gegen Abschottung und für Öffnung der eigenen Gedankenblase bin.

Ich bin dafür, dass Toleranz damit beginnt, die Meinung der „anderen“ Seite auch in die eigene Kommunikationsblase hineinzulassen.

Als ich meinen Freunden vor der ersten Wahl erzählt habe, dass es mich nicht wundern würde, wenn Norbert Hofer gewinnt, waren alle empört – am Ende der Wahl waren diese Personen verwundert.

Würden wir alle der Facebook Seite von HC Strache, der FPÖ und Norbert Hofer folgen (ja, LIKE klicken oder FOLLOW), würden wir erkennen, dass sie auf ihre Art und Weise und sehr gut die Stimme des Volkes

  1. verstehen,
  2. akzeptieren
  3. und so sprechen, dass das Volk sich verstanden fühlt.

Ich hoffe, dass der oder die Nächste, die mir verwundert und von oben herab die Welt erklärt, in dem ich wieder höre, warum ich den so „radikalen“ Seiten folge, versteht, dass ich keine Lust und keinen Kopf für eine Antwort habe.

Facebook hat mit der Realität soviel zu tun wie das Hochglanzpapier der Vogue mit den wahren Problemen unserer Welt.

Alles was ihr auf Facebook seht, ist ein Spiegelbild eures Wunschbildes. Ihr seht nur Dinge von Menschen, die ihr bewusst in eure Facebook-Blase HINEINGELASSEN habt. Nicht mehr und nicht weniger.

Euch muss das Konzept von Facebook klar sein: Ihr dreht euch alle in eurem eigenen Saft, hört immer den selben Leuten zu, redet auch nur mit den selben Leuten und seid erschrocken, wenn euch einer mal nicht auf die Schultern klopft.

Öffnet eure Sichtweisen und lasst auf Facebook auch die Meinung und Kommunikation von denen zu, die normalerweise euren gedanklichen und intellektuellen Horizont niemals streifen würden.

Wenn ihr dazu bereit seid, wird in Zukunft auch ein Dialog zwischen den Seiten möglich. Nur wer sich öffnet, wird die Möglichkeit haben, die andere Seite zu verstehen.

Ich like HC Strache, die FPÖ und Norbert Hofer, weil ich verstehen möchte. Verstehen, bevor ich spreche und handle.

Ich bin bekennender Van der Bellen Wähler, der das Beste für Österreich will und zwar für alle Österreicher … nicht nur für die, die so denken wie ich und in meiner Facebook-Blase unterwegs sind.

Wer ein gemeinsames Österreich will, der muss bereit sein, allen zuzuhören … und das rate ich euch auch.

Bild: REUTERS (LEONHARD FOEGER)

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Worauf wir warten

Dieser Post ist allen gewidmet, die an meinem Geburtstag an mich gedacht haben und mir vor Augen geführt haben, warum ich so dankbar für dieses Leben bin.

„Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt“ …

… wir kennen diesen Satz.

Entweder, weil ihn uns unsere Umgebung mitteilt, in der Hoffnung eine gute Ausrede zu haben, etwas vor sich herzuschieben oder wir hören uns selbst, wie wir diesen Satz aussprechen … und dabei beginnen, diese Selbstlüge selbst zu glauben.

„Jetzt noch nicht, es ist nicht der richtige Zeitpunkt“ ist mir in den letzten Jahren als eine der größten und einflussreichsten Gedankenblockaden begegnet. Egal ob bei hunderten von Schülern, von Unternehmensleitern oder von Menschen in meiner nahen Umgebung.

Was diese alle gemeinsam haben? Sie sind Menschen. Menschen mit Ängsten und Befürchtungen. Ungeachtet ihrer Position oder ihres Alters oder ihres Geschlechtes.

Wann immer ich selbst auf diese Blockaden bei Anderen stoße, beginne ich wie manisch zu hinterfragen, auf was die Person denn wartet. In 99% der Fälle gibt es hierauf keine Antwort, die ihre Grundaussage untermauert, sondern eher dessen Daseinsberechtigung in Frage stellt.

Im Grunde – und seien wir uns ehrlich – ist die Aussage „Jetzt noch nicht, es ist nicht der richtige Zeitpunkt“ eine Selbstlüge, mit der wir uns rausreden, wenn wir etwas nicht machen möchten … aber wissen, dass es irgendwann zu machen ist.

Anderen Ratschläge zu geben ist dabei immer leichter als es selbst zu tun. Das wissen wir auch und wer das nicht zugibt, der war noch nicht an seinen Grenzen.

Ich bin vor wenigen Tagen 35 Jahre alt geworden. Das sind ca. 12770 Tage, die auf dieser Erde in Menschenform unterwegs bin.

Vor 10 Jahren habe ich noch wie verrückt „den Sinn“ des Lebens gesucht, heute weiß ich, dass alle Antworten schon immer da waren und ich nur nicht bereit war, mein Tempo runterzufahren und abzuwarten, all diese Antworten präsentiert zu bekommen. Zu „wild“ und „ungestüm“ war ich, um zu erkennen, dass Gehen mehr Achtsamkeit schafft als durchs Leben zu hetzen.

Ja, 35 ist kein Alter … zeitgleich sind es 12770 Tage an Lebenserfahrung.

Bill Gates meinte mal, dass ein Mensch überschätzt, was er in einem Jahr schafft, aber unterschätzt wie viel er in 10 Jahren schafft.

Nun, mit meinem 35 Jahren habe ich schon 3,5 Dekaden hinter mir und noch knapp 7 vor mir (ich werde nämlich 102 Jahre alt, echt jetzt).

Blicke ich heute auf die letzten Jahre zurück, merke ich, dass ich erst ab dem 30sten Lebensjahr bereit war, zu reflektieren und das letzte Jahr mir beim Zusammenfassen meiner Erlebnisse, meiner Freuden, aber auch meiner Narben geholfen hat.

Ich habe gelernt, dass es Dinge gibt, die man nicht aufschiebt … Dinge, die wichtiger sind als all die Alltagsdämonen, die unsere Zeit fressen und die wichtigen Dinge in den Schatten stellen.

Ich habe gelernt …

… dass wir nicht warten dürfen, damit „die richtige Zeit da ist“, um mit unseren Freunden Zeit zu verbringen.

… dass wir nicht warten dürfen, bis wir „mal Zeit finden“ um mit unseren Eltern am Telefon zu sprechen.

… dass wir nicht warten dürfen, bis „die richtige Zeit da ist“, um unserem Gegenstück zu sagen, dass wir total verliebt sind.

… dass wir nicht warten dürfen, den Signalen unseres Körpers zuzuhören, weil es gerade zeitlich nicht passt.

… dass wir nicht warten dürfen, um Zeit für uns zu haben, da wir nicht wissen, wie viel Zeit wir noch überhaupt haben.

… dass wir nicht warten dürfen, unser Wohl mit anderen Menschen zu teilen, wenn es uns mal „besser“ geht.

… dass wir einfach nicht warten dürfen, unser Leben zu leben, weil es nachher keines mehr gibt.

Was ich wirklich gelernt habe ist, dass mein Leben keine Generalprobe ist und es nichts Wichtiges auf der Welt verdient hat, dass ich es erst dann mache „wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist“.

Wenn wir wissen, dass wir etwas wollen, wenn wir wissen, dass wir alles haben, was es dafür wirklich braucht … dann dürfen wir nicht warten, es auf „später“ zu verschieben.

Ich bin 35 Jahre alt. Ich habe mir den Anfang meines Lebens nicht ausgesucht und auch das Datum meines Endes weiß ich nicht.

Mein Leben begann mit einem Zufall und es wird mit einem Zufall enden. Hier Pläne für die nächsten 40 Jahre zu machen klingt lächerlich.

Aber was ich tun kann, ist das hier und jetzt zu bestimmen.

… zu bestimmen, mit wem ich meine Zeit wann verbringe.

… zu bestimmen, welche Prioritäten ich in meinem Leben möchte – ungeachtet der Prioritäten meiner Umgebung und der Gesellschaft.

… zu bestimmen, dass mein körperliches Wohlergehen vor allen anderen Dingen steht.

… zu bestimmen, wie ich meine Tage verbringen möchte und was ich ändern will.

Wir Menschen können JEDEN TAG bestimmen, wie unser Leben auszusehen hat. Die Änderung unseres Lebens dauert einen Augenblick und entsteht mit unseren Entscheidungen.

Sagen wir uns selbst, dass „gerade nicht die richtige Zeit ist und dass wir es mal später machen“ verweigern wir uns der Steuerung unseres Lebens, da wir uns weigern Entscheidungen zu treffen, die später andere Menschen für uns treffen.

Die letzten 12 Monate waren eine Ansammlung von Entscheidungen, die ich jahrelang aufgeschoben habe und ich weiß noch, wie ich vor wenigen Tagen das Gefühl hatte, dass ich mich noch nie „kompletter“ und mehr als Ich-Selbst gefühlt habe, als jetzt.

Es kann auch daran liegen, dass ich heiraten werde … die wohl beste Entscheidung der vergangenen 3,5 Dekaden. 🙂

… danke allen, die mir zu meinem 35sten Geburtstag gratuliert haben. Diesen Blogpost widme ich euch.

 

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Da stimmt doch was nicht

Es ist 5:30 in der früh.

Ich scrolle in meinem Instagram Feed und entdecke wieder mal einen StartUp Superstar, der ein Foto von seinen zwei neuen Rennautos in der Garage postet.
Darunter Hashtag #workhardplayhard.
Eigentlich nichts aussergewöhnliches.

Der Lauf in die Realität

Gegen 6:00 laufe ich den Wiener Donaukanal entlang – bis auf ein paar Enten, einen Fischer und zwei weitere Läufer, bin ich einer der Wenigen, der die Morgenluft genießt.

Unter einer Brücke sehe ich von Weitem etwas liegen.
Bei genauerem Hinsehen ist es ein Jemand. Ein Mann. Eingewickelt in eine Decke.

Eine Person, die die ganze Nacht auf einer Decke unter der Brücke verbracht hat. Unfreiwillig.

Er lag auch schon gestern und auch schon letzte Woche dort. Morgens packt er seine Sachen, versucht den Tag rüberzubiegen und begibt sich Nachts wieder an „seinen“ Schlafplatz, dem ihm keiner neidig ist – soviel ist Gewiss, auch ohne ihn zu fragen.

Vor zwei Monaten war ich in Wien in einer Schule, in der mir eine Lehrerin erzählte, dass es nicht genug Geld für Lehrmaterialien gibt und private Spenden dabei helfen, Bücher und etwaige Dinge zu finanzieren.

Sie erzählte mir zudem, dass es Eltern gibt, die vorne und hinten nicht wissen, wie sie ihr Leben finanzieren sollen.
Von was ich schreibe passiert in Wien, nicht in (Bitte hier Namen eines Katastrophengebietes eintragen).

Living in a bubble #workhardplayhard

Die letzten fünf Jahre habe ich in einem „höher, schneller, weiter“-Umfeld verbracht, der StartUp Welt.
Manche nennen es eine Ausprägung des Turbokapitalismus – interessanterweise einer Sache, die mir vor dieser Zeit zutiefst wider war und immer noch ist.

Hier geht es im Grunde darum, mit dem Geld fremder Menschen so schnell wie möglich „etwas Großes“ aufzubauen und alles diesem „großen“ Ding unterzuordnen. Sei es das Familienleben, Freundschaften, die innere Stimme, etc. Es wird geduldet, sogar beklatscht, dass man teilweise am Rande seiner Möglichkeiten agiert und immer noch eins drauf setzt.

Es heißt, dass es am Ende des Tages immer um die Gesellschaft geht. Für Unbedarfte hört es sich an, als ginge es um die Menschen. Kenner wissen, es geht zumeist um einen kleinen Teil der Leute, die am Meisten vom Verkauf des Unternehmens profitieren.

Ach ja, habe ich es nicht erwähnt? Das Ziel von der aktuell gelebten StartUp Thematik ist der Verkauf des Unternehmens. Zuerst spricht man davon, etwas „Großes“ aufzubauen, dann dass man eine tolle Company will und das nachhaltig. Und dann zählt es als großer Sieg („man hat es geschafft“), wenn man das Ganze hernimmt und einem Konzern verkauft, der die junge Pflanze in seinem Apparat eingliedert. Klarerweise nicht gleich, sondern so nach ca. 3-5 Jahren.

Ja, das ist Erfolg. Für wie viel reingestecktes Geld bekomme ich einen Return?

Was ist schlecht daran, Geld zu verdienen?

Absolut nichts, ich mag Geld sogar sehr und ich denke, dass es Möglichkeiten schafft.
Ich denke nur, dass wir in der aktuellen Lage den Fokus auf wie wir Business machen und feiern und das Gesamtbild unserer echten Gesellschaft und die Welt unser Kinder nicht in Relation stellen.

Ich denke, dass nachhaltiges und langfristiges Denken für unseren Planeten und der aktuelle Return-Gedanke sich im Weg stehen. Und zwar massiv.
Ja, ich denke, dass beides Hand in Hand funktionieren kann – zeitgleich sehe ich aber, dass es unsere Denkweisen blockieren.

Warum nicht mal wieder etwas „Echtes“ anstreben?

Tolle Unternehmen, die es seit Jahrzehnten gibt, die von Familie zu Familie weitergereicht wurden, könnten im Verständnis der jetzigen StartUp Kultur unmöglich überleben. Es gilt nicht mehr als Erfolg, wenn man ein Unternehmen seit 20 Jahren besitzt, sondern es zählt, wer in kürzerer Zeit über eine Milliarde wert ist. Ungeachtet dessen, was das Unternehmen produziert und wie es damit wirkt.

Zu wichtig ist das Streben nach Maximierung von Anteilen und Returnausschüttungen.

Denen, denen es gut geht – und damit meine ich auch mich – muss bewusst sein, dass es in unserer Welt eine grobe Problematik namens Ungleichheit gibt, die sich darin zeigt, wie Ressourcen und Mittel verteilt sind.

Der „höher, schneller, weiter“-Gedanke der letzten Jahre fördert jedoch kein Miteinander und keine Gesellschaft des Teilens, sondern eine der Verdrängung und des „Nummer 1“ seins. Auch wenn dies bedeutet, dass damit einhergehend irgendwer anderer eben der Verlierer ist. Selbst will man das ja nicht sein.

Wer oben ist, der gewinnt und am Weg dahin, will man ja nicht daran denken, jemals zweiter zu sein.

Wer sich Zeit nimmt und die Welt beobachtet, ist sich einig: es benötigt einer Umverteilung und hier dürfen und können wir nicht warten, bis diese die Politik in die Hand nimmt.

Ich denke, Teilen bedarf eines neuen Mindsets und zwar einem, dass das eigene Tun mit einer gesellschaftlichen Komponente verbindet.

Unser Tun und unser Handeln darf langfristig nicht mehr mit einem reinen „Return“-Gedanken verbunden sein.

Die Welt und deren Spaltung, die wir sehen, beruht unter Anderem darauf, dass die, die etwas haben, nicht mit anderen teilen, ohne an „ihren Return“ zu denken.

Unternehmertum und Ansammlung von Wohlstand ist gut

Ja, es ist gut, dass Unternehmertum aktuell gefördert wird.
Ja, es ist gut, dass wir Menschen dazu bringen, ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Und ja, ich werde mich auf jede Bühne stellen, um Entrepreneurship und Unternehmertun zu predigen.

Gleichzeitig sehe ich auch, dass die meisten StartUps der letzten Jahre im Großen und Ganzen keine Probleme unserer Gesellschaft lösen, sondern rein unseren Komfort verbessern wollen und zwar für die, denen es schon gut geht (ist Auslegungssache … wer reflektiert ist, versteht was ich meine).

Der hundertste Essenslieferdienst in Wien führt nicht dazu, dass wir eine bessere Gesellschaft haben, wenn gerade die halbe westliche Welt an Fettleibigkeit leidet und die andere verhungert.

Die tausendste „ich finde des besten Parkplatz“ App hilft im Alltag für die mit Autos, wird aber wohl weniger dazu führen, dass unsere Welt sich in zehn Jahren nach vorne entwickelt hat.
(Ich persönlich denke ja, dass Parkplatzknappheit eine Riesenchance ist, dass mehr Menschen auf kleinere oder keine Fahrzeuge umsteigen – eine Parkplatz Such-App bewirkt ja genau das Gegenteil :).

Bin ich wütend? Ja.
Bin ich verwirrt? Ja.

Was ich nicht verstehe

Wir leben in Zeiten, in denen durch das Internet Wissen fast kostenlos ist, Unternehmen gedeihen können und die hellsten und smartesten Köpfe zusammenkommen.

Und anstatt dass die hellsten Köpfe unserer Zeit sich der wahren Ursachen der Probleme unserer Welt annehmen, wird dieses Potential darin investiert, den nächsten Hockeystock und das nächste Unicorn zu finden.

Beides Anzeichen für radikalen Wachstum auf Kosten „der Company“ – was zählt, ist das nächste große Ding. Oft wird dann auch gepredigt, dass die armen StartUps ein Hochrisiko leben.

Ja, das stimmt, sie leben im Riskio … nur zumeist mit geborgtem Geld anderer Menschen, dass sich hinter Wörtern wir Seed-Round, A-Round, etc. verbirgt.

Wir leben in gedanklichen Blasen

Gestern sprach ich mit einer Freundin, die an der „3. Mann Tour“ teilgenommen hatte. Einer Tour, die den Teilnehmer in die Kanalisation Wiens führt.
Sie erzählte mir, dass tägliche hunderte Kanal-Mitarbeiter sprichwörtlich „die Scheisse von den Wänden abkratzen“. Wie hoch die Gefahr von Infektionen ist will ich gar nicht wissen. Aber das ist echtes Risiko und zwar im Sinne einer Gesellschaft, die sich keine Gedanken machen muss, wo ihre Toilettgänge verschwinden.

Sehe ich mir Wien an, sehe ich, dass wir alles haben:
1. Habe ich Durst, trinke ich aus der nächsten Wasserleitung.
2. Breche ich mir die Hand, kann ich in das nächste Spital.
3. Denke ich, die Politiker spinnen, gehe ich vor das Parlament und schreie es laut und niemand buchtet mich ein und
4. wenn ich als angestellter Mitarbeiter arbeitslos werde, gibt es ein System, dass mich eine Zeit lang auffängt.

Ja, wir leben im Paradies! (wer mir jetzt kommt mit „aber wir müssen schauen, dass es auch so bleibt“ -> behaltet euch den Gedanken, das ist die Standardausrede für Ego-getriebenes Verhalten. Das habe ich als Flüchtling schon vor 20 Jahren gehört und seitdem wurde Wien immer besser).

Also, wo war ich? Ach ja, wir leben im Paradies!

Gleichzeitig driftet die Schere zwischen oben und unten auseinander und wer ein Unicorn hat, der ist ganz oben.
Erst danach wird von überlegt „der Gesellschaft etwas zurück zu geben“.

Die „Giving back“ Selbstlüge – eine Milderung des schlechten Gewissens

Witzigerweise ist es fast die selbe Wortwahl und im selben Zyklus, wie ich diese in den letzten Jahren von vielen (nicht allen) Konzernen gehört habe, die ihre Weste weiß waschen wollen. Eine Weste, deren Helligkeit verloren ging, als ein verrücktes Wachstumsdenken auf Kosten andere einsetze und sie dazu führte, dafür belohnt zu werden.

Was hier passiert ist folgender Gedanke, den ich dieses Jahr schon zweimal von CEOs von Wachstumsunternehmen gehört habe: „egal wen oder was ich ausquetsche, damit mein Unternehmen erfolgreich wird. Wenn es mal so weit ist ncah dem Exit, geb ich eh was zurück.“
Aha … solange ich später mal was „Gutes“ tue, kann ich bis dahin auf alles pfeiffen.

Auch okay, oder?
Da rennt doch was falsch?

Gründe und löse ein Problem

Bei der Gründung von whatchado wollte ich immer ein Problem lösen. Eines, das sich Orientierungslosigkeit bei Kindern nennt und welches langfristig zu Jugendarbeitslosigkeit führt und die Gesellschaftsspirale nach unten dreht. Mit der whatchaSKOOL haben wir gestartet, weil wir nicht zusehen wollten, wie die Zukunft unserer Jugend aufs Spiel gesetzt wird.

Wir haben Investment bekommen. Ja, das stimmt.
Zeitgleich ich hätte mich 2011 niemals getraut, einem Investment zuzustimmen, wenn wir nicht bis dahin ca. 60.000 EUR zugesicherten Umsatz gehabt hätten und bewiesen hätten, dass wir

  1. ein ECHTES! Problem lösen und
  2. ein Model gefunden haben, mit dem wir uns selbst erhalten können und das nachhaltig

Denke ich, dass etwas nicht stimmt.
Ja, das denke ich und zwar von Tag zu Tag mehr.

Zurück in meiner Realität

Es ist ca. 7:20.

Ich nehme mein Handy, klicke wieder auf Instagram und suche nach dem Hashtag #workhardplayhard: 3,169,820 Treffer.
Ich suche nach dem Hashtag #givingback: 526,391 Treffer.

Instagram ist nicht repräsentativ für unsere Welt, zeitgleich stellvertretend für ein Blitzlicht unserer Gesellschaft und ihrer Werte, in der 6-mal so viele Menschen ihre Botschaften mit „höher, schneller, weiter“ versehen als mit der Botschaft, etwas zurück zu geben.

Geben, dessen Verlust mir nicht weh tut

Ich komme Heim, dusche mich. Ich denke an den Mann unter der Brücke.

Ich ziehe mich an, gehe zurück und stecke dem Mann unter der Brücke etwas Geld zu.
Geld, dass ich wahrscheinlich für den nächsten Kinobesuch oder den Aperol Spritz an einem Sommerabend sowieso ausgegeben hätte.
Geld, dass mir nicht weh tut, wenn es jemand anderer hat.

Es wird nicht sein Leben ändern, ihm aber vielleicht einen würdigen Vormittag ermöglichen.

Was wir auf der Welt nicht (noch mehr) brauchen ist #workhardplayhard.
Was wir endlich mal brauchen ist #sharingWithoutACause.

Das ist das, womit meine Kinder aufwachsen sollen. Miteinander, nicht gegeneinander.

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Warum ich laufe

Es schmerzt, es tut richtig weh. Das erste Mal dachte ich sogar, dass ich gleich Opfer eines Herzinfarkts werde.

Was war passiert?

Ich habe mich am 10. April 2016 für den Vienna City Marathon 2017 angemeldet.
Es war knapp vor Mitternacht, als ich in diversen Berichten im Internet las, dass über 33.000 Personen sich dieses Jahr ins Ziel gekämpft hatten.

Dabei fiel mein Blick auf eine Liste, die ich – gefühlt seit immer – auf meinen Tisch geklebt habe.

Ali Mahlodji Traumliste

Diese Liste habe ich Ende 2010 erstellt – mein damaliger Burnout war eine Zeit her und ich bereit, an die Zukunft zu denken … und wieder zu träumen – so entstand diese Liste.

Knapp 6 Jahre später, am Abend des 10. April 2016 wurde mir bewusst, dass mir noch ein weißes Kästchen fehlt, dass ich nicht abgehakt hatte:

„Ich möchte einen Marathon laufen“ … stand gleich als erster Punkt auf meiner Liste.

Alles Andere hatte ich schon geschafft. Auf der Liste standen großteils Punkte drauf, die ich damals als Phantasterei abstempelte. Zu weit war ich davon entfernt, etwas zu schaffen.

Am 10. April 2016, als ich mir ansah, was ich von der Liste – obwohl damals Phantastereien – bereits abgehakt hatte, wurde mir bewusst, wie sich die Manifestierung von Gedanken in Worte und in Schrift auf unsere Zukunft auswirkt und dass Gedanken und Träume der Ursprung unserer Gegenwart und unserer Zukunft sind.

Witzigerweise sind meiner Erfahrung nach, Träume die einzig wahre Konstante unseres Lebens. Alles Andere ist viel zu instabil – egal ob der Arbeitsmarkt oder das Liebesleben, beides kann morgen schon vorbei sein, auch ohne unseren Einfluss.
Träume aber, die gehören uns und bleiben auch, wenn andere Konstanten wegbrechen.

Vor knapp zwei Monaten begann ich, Freunden zu erzählen, dass ich den Wien Marathon laufen werde.

„Die ganzen 42 Kilometer? Echt jetzt?“ war die Reaktion von so ca. 90 Prozent der Personen, die es erfuhren.

Ja, ich hatte das Ganze wohl etwas unterschätzt, bzw. war und bin naiv genug, zu denken, dass ich es schon laufen werde 😃
Zwecks Vorbereitung meldete ich mich auch gleich mal für den Halbmarathon im Oktober 2016 in Graz an – quasi Generalprobe.

Wie mir von der Werbung vorgelebt, kaufte ich mir das coolste Laufgewand, die richtigen Schuhe, installierte mir Runtastic und checkte mir eine Pulsuhr.
I was ready to go!
Ich wollte laufen und zwar in einem Wettbewerb und ich wollte im Wettbewerb bestehen.

Dann kam mein erster Testlauf und meine Gedanken manifestierten sich auf einen gemeinsamen Nenner:
Es schmerzt, es tut richtig weh. Das erste Mal dachte ich sogar, dass ich gleich Opfer eines Herzinfarkts werde.

Die Angst und das Gefühl waren real. Mein Körper kannte das Gefühl der Bewegung in diesem Tempo nicht. Und ich rannte bei Gott nicht schnell, es war eher schneller gehen.

Mit ach und krach schaffte ich 20 Minuten zu „laufen“, bevor ich mit hochrotem Kopf und Schnappatmung in meine Wohnung zurück kam, wie verzweifelt an meinem Asthmaspray saugte und dann ca. 1 Stunde ruhen musste, bevor ich es unter die Dusche schaffte.

„42 km … echt jetzt?“ dachte ich mir dann auch das erste Mal.

Vor ca. 2 Wochen lief ich 15 Kilometer. Nach 12 Kilometer machte mein Körper Schluss, meinen Kopf interessierte das zeitgleich recht wenig.

Heute früh stand ich um 6:00 auf und rannte einmal um den Wiener Ring (ca. 6,5-7 km). Das Ganze in 40 Minuten … ohne Asthmaspray.

Die ersten 10-15 Minuten sind nach wie vor die Phase, bei der sich mein Kopf denkt „Mann, hast du nichts besseres zu tun?“. Interessanterweise interessieren mich meine Gedanken dieser Art nicht mehr. Ich höre sie zwar, höre aber nicht zu.

Was war passiert?

Ich begann zu laufen, weil ich eine Box auf einer Todo-Liste abhacken wollte. Ich begann zu laufen, weil ich es mir beweisen wollte und im Wettbewerb bestehen wollte.

Und dann begann ich zu lernen …

Ich lernte, dankbar zu sein für all die Augenblicke voller Aufmerksamkeit und Wahrnehmung des Hier und Jetzt, die ich während des Laufens verspürte.

Ich lernte, dass ich nicht meinen Körper spazieren trage, sondern meine Gedanken und Emotionen mich.

Ich lernte, dass der Fokus auf den Sieg mit sich zieht, dass es Verlierer gibt – ein Gedanke, den ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert hatte.
Wollte ich doch früher immer gewinnen, wurde mir bewusst, dass ich beim Marathon im besten Fall „nur“ ins Ziel komme. Also fernab von Gewinn, Sieg und sonstigem Phallus-ähnlichen Gebärden unserer Zeit … und ich merkte, dass mir  das Bewusstsein, nicht zu gewinnen, absolut nichts ausmachte.
Es war sogar befreiend und schenkte mir ein entspanntes Lächeln.
Was ich lernte: nicht zu gewinnen hat nichts mit verlieren zu tun.

Ich lernte, dass mich Laufen zu mir selbst zurückbrachte.

Ich lernte, dass mein Körper und mein Mindset für das Laufen gemacht sind und ich begann, meine Schmerzen als meine liebsten Begleiter zu sehen.

Ich lernte, dass solange ich in Bewegung bin, ich meine Balance im Leben halte.

Wenn ich in der früh laufe, starte ich mit einer großen Portion Glücksgefühlen in den Tag … und das, bevor die Welt noch wach ist.
Einer Stadt beim Aufwachen zuzusehen – während man seinen Körper bewegt und die Gedanken aktiviert – ist ein Geschenk, dass ich erst entdecken musste … obwohl es immer da war und nur davon abhing, ob ich bereit war, mich zu bewegen.

Warum ich laufe? Es macht mich glücklich … egal ob 20 Minuten oder 42 Kilometer.
Gewinnen und Bestehen „zu müssen“ … das brauche ich längst nicht mehr.

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Demut, der Spiegel unserer Gedanken

Gestern habe ich gelernt, was wahre Größe und Demut bedeutet.

Ich war eingeladen, im Finale einer großen Marketing-Trophy zu sprechen, bei der die besten Marketing-Konzepte von HAK-SchülerInnen gekürt wurden.

Bevor der Sieger bekannt gegeben wurde, wurden die beiden besten Teams auf die Bühne gebeten – die Spannung war extrem hoch, was auch an den 300 Schülern und ihren Lehrern lag, die im Publikum mitfieberten.

Auch im Finale waren zwei SchülerInnen, die gemeinsam ein tolles Projekt eingereicht hatten und vor der Verlautbarung über das Gesicht strahlten und sich einfach freuten, dass sie dabei waren.

Dann das Ergebnis: sie hatten den zweiten Platz erreicht, nicht den ersten.

Und dann passierte das Interessante … Keine der beiden Mädchen wirkte geknickt oder enttäuscht. Es wirkte sogar so, als ob ihnen noch mehr bewusst wurde, wie weit sie es geschafft hatten.

Ich sprach nachher noch mit Beiden, weil ich ihnen zu ihrer Reaktion und ihrer Stärke gratulieren und sie etwas aufbauen wollte.
War aber nicht wirklich notwendig, weil sie – entgegen meiner Erwartungen – wirklich überglücklich waren, dass ihre Idee es so weit geschafft hatte und sie auf der Bühne stehen durften.

Sie erzählten mir, dass sie jetzt feiern gehen – etwas, das ich auch nicht erwartet hatte.

Ich habe in den letzten Jahren viele Preisverleihungen und Events erlebt, wo es immer einen Erstplatzierten und damit auch gleichzeitig immer Menschen gab, die es eben nicht auf den 1. Platz geschafft hatten. Nirgends ist der Grat zwischen Freude und Kummer so schmal, wie bei einer Preisverleihung, wo nur mehr wenige Teams im Finale stehen.

Bei Erwachsenen habe ich oft gesehen, dass sich diese zwar „offiziell“ für die Erstplatzierten freuen, aber ihre Körperhaltung und die Stimme deutlich zeigen, dass sie es den anderen nicht vergönnen und eigentlich stinksauer sind.

Gestern Nachmittag wurde ich von diesen Schülerinnen eines besseren belehrt, denen es wirklich nur um das Dabeisein ging – einer Tugend, die zwar immer wieder bei Wettkämpfen genannt wird, aber von uns Erwachsenen wenig gelebt wird.

Zu groß ist unser Fokus auf „Wettkampf“ als Mittel, um ganz oben zu sein – wissentlich, dass dies immer bedeutet, dass jemand anderer „schlechter“ ist als man selbst.

Konkurrenz wurde viele Jahre als das Allheilmittel im Business gesehen – dass Kooperation aber mehr bringt und weniger Verlierer zurück lässt, haben dabei viele vergessen oder übersehen.

Im Laufe der letzten vier Jahre hat sich immer wieder gezeigt, dass starker Fokus auf den Wettbewerber einen selbst vom Weg abbringt und mehr für Neid und Zorn sorgt, als es einem hilft.

Ich selbst war ein Mensch, der sich sehr schwer tat, anderen Menschen & Projekten eine bessere Platzierung zu gönnen. Was ich daraus gelernt habe war, dass es mir selbst nicht gut tat.
Anstatt mich auf meine Zukunft und meine Stärken zu konzentrieren, hatte ich immer im Blick, was mir „gerade fehlt“, damit ich aufschliessen kann.

Wachstum und Größe entstehen durch den Fokus auf das, was man kann und erreicht hat – nicht mittels Abgleich mit anderen. Wenn man sich immer mit anderen vergleicht, wird man immer verlieren, weil es immer jemanden geben wird, der das Eine oder Andere einfach besser macht.

Oft höre ich auch, dass Menschen oder Teams unzufrieden mit sich selbst sind, weil sie sich im letzten Jahr nicht „so sehr“ gesteigert haben, wie es gerne wollten – dabei vergessen wir, dass wir hier von „nur“ 365 Tagen sprechen.

Was ich gelernt habe ist, in 1000-Tagen Zyklen zu denken.
1000 Tage sind ca. 3 Jahre und das ist eine Zeitspanne, in der man Veränderung und Fortschritt erkennt, weil sich hier auch Auswirkungen bestimmter Entscheidungen zeigen.

Vergleiche ich mich selbst mit vor einem Jahr, kann ich sagen, dass ich mich in jedem Aspekt etwas weiterentwickelt habe – kann aber nicht sagen, ob das auch nachhaltige Entwicklungen sind.

Vergleiche ich mich aber mit mir vor 3 Jahren, kann ich sagen, dass ich alle meine Träume weit übertroffen habe und viele Dinge sich verfestigt haben, die vor 3 Jahren nicht möglich gewesen wären und einfach ihre Zeit gebraucht haben.

Wir denken zu oft, dass wir Rennmaschinen sind, die im Wettkampf mit anderen Rennmaschinen stehen und sind enttäuscht, wenn wir das Rennen nicht als Erster gewinnen.

Die Frage ist aber, wer uns wirklich zwingt, dieses Rennen zu fahren – wir selbst oder unser Umfeld?
Ich denke nicht, dass wir über sieben Milliarden VERSCHIEDENE Menschen auf dieser Welt sind, damit wir uns dann miteinander vergleichen.

Diesen Vergleich können wir nur verlieren … oder wir machen es wie die beiden Schülerinnen und zeigen Demut vor dem, wie weit wir gekommen sind.
Glücklicher und lebenswerter macht es unsere Zukunft alle Mal.

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Trennung, der wahre Neubeginn

Ein Vorteil wenn man viel unterwegs ist (70+ Flüge letztes Jahr) zeigt sich darin, dass man viel Zeit allein verbringt.

Manchmal kann das ein sehr einsames Gefühl sein – nein, es ist immer ein einsames Gefühl, gerade wenn man öfters den letzten Flieger nimmt – aber oftmals ist es auch eine wunderschöne Zeit, um zu reflektieren.

Wenn man in einem Unternehmen operativ tätig ist und sich nicht regelmäßig herausnimmt, übersieht man am Ende des Tages die wichtigste Person, um die man sich kümmern muss … sich selbst.

Letztes Jahr habe ich mir vorgenommen, Zeit zum Reflektieren nicht mehr dem Zufall zu überlassen und habe damit gekämpft, mich von Ablenkungen zu befreien, die ich mir selbst geschaffen habe. Ich dachte allen Ernstes, dass ich dies in wenigen Monaten bewerkstelligen könne. Im Endeffekt brauchte ich fast ein Jahr, um mich in eine Position zu bringen, in der ich mich frei, produktiv, glücklich und erfolgreich bewegen konnte.

Ich arbeite keine Minute weniger als früher, aber ich habe mein mentales Setting und meine Gedanken umstrukturiert und damit auch, wie ich den Tag lebe und wahrnehme.

Über den ganzen Prozess zu erzählen wäre zu weitreichend – vielleicht mache ich das ein anderes Mal, aber was ich hier niederschreiben möchte, ist der Einfluss, den mein Umfeld auf mich hatte und hat.

Ich erkannte letztes Jahr zunehmend, dass ich mich teilweise mit Menschen umgab, die ein anderes Bild von Erfolg hatten als ich. Ich erkannte, dass ich von Menschen umgeben war, die ein anders Bild auf den „Menschen als Mitarbeiter“ hatten und auch, dass ich viel von Menschen umgeben war, die nur in knallharten Zahlen dachten. Hinzu kamen auch Menschen, die nur Zeit mit Einem verbrachten, wenn dieser ihnen auch etwas brachte.

Teilweise kam ich mir vor wie ein Zahlungsmittel, dessen Wert befristet war und zwar solange, wie ich in den Augen anderer „funktionierte“ und deren Erfolgswelt lebte.

Ich musste erst lernen meine Werte zu festigen und zu leben und mich dann von all jenen zu trennen, die meine Weltsicht blockierten und trübten. Bitte nicht falsch verstehen, diese Personen haben nichts „Böses“ gemacht – sie waren sie selbst und das ist gut so. Nur passte deren Weltbild nicht zu meinem Bild des Jetzt und der Zukunft und so schwächte ich mich selbst konstant, in dem ich Zeit mit ihnen verbrachte.

Dieses Wochenende saß ich mit Peter zusammen. Er war mal Fussballprofi, was für viele schon ein Traum ist, brach diese Karriere (in den Augen anderer) abrupt ab und lebt heute als Autor, Inspirator und Projektinitiator von Jugendprojekten. Er ist einer der wenigen Menschen, bei denen ich mich nach unseren Treffen „aufgeladen“ fühle und zwar auf 140% … und das an schlechten Tagen. 🙂

Das Traurige daran … dass ich dieses Gefühl viele Jahre nicht kannte.

Schuld war ich selbst, verbrachte ich doch zu viel Zeit mit Menschen, die an mir saugten, wo sie etwas benötigten, aber ebenso meine Sichtweisen in die Schublade „werd erwachsen“ steckten. Nach solchen Gesprächen war ich zumeist den ganzen Tag in einem seelischen Tief.

Wer sich einmal Zeit nimmt, erkennt selbst, bei welchen Menschen wir nach dem Gespräch mehr Energie haben als zuvor und bei welchen Menschen wir danach am Besten einfach vor dem Fernseher rumlungern wollen.

Mit Peter spreche ich z.B. über Träume und Vision so wie andere über die nächste Überweisung ihrer Miete sprechen.

Für uns ist das „Realität werden“ von Träumen und Vision genauso real, wie für andere der nächste Steuerausgleich.

Ich war schon immer so und dachte bis vor einigen Jahren noch, dass ich ein Spinner bin – mein Problem war aber eher, dass ich nur im falschen Umfeld war. Einem, das ich mir selbst ausgesucht hatte, ohne darüber nachzudenken, ob es mich genauso förderte wie ich die Menschen darin.

Heute habe ich eine Liste gemacht mit Menschen, bei denen „meine“ Themen als das Normalste auf der Welt betrachtet werden und die ich als Freunde zählen kann. Es sind fast genauso viele „Freunde“, wie noch vor einigen Jahren, aber mit einem kleinen Unterschied. Mehr als die Hälfte der Namen von früher sind nicht mehr auf der Liste.

Klingt auf den ersten Blick schade, aber am Ende des Tages ist es die beste Lösung und zwar für alle Seiten. Die Freunde von früher, die mich als Spinner abstempelten, haben nun andere Freunde, die ihre Sprache sprechen und ich habe den Fokus auf die gelegt, die mit meiner Sichtweise etwas anfangen können.

Die lehrreichste Lektion in diesem Prozess war eine, die schmerzhafter nicht hätte sein können.

Ich musste erst lernen, dass man sich im Leben zuerst von den Dingen, die man in seiner Zukunft nicht mehr haben möchte, trennen muss, damit die Dinge, die einem die Zukunft ausfüllen sollen, erscheinen.

Zu oft sind wir unzufrieden mit etwas, wissen auch warum und haben uns und allen Freunden schon zig mal erzählt, dass wir es hassen, aber trennen uns nicht davon. Lieber reden wir uns ein, dass wir uns neben diesen Dingen, die uns runterziehen, etwas aufbauen können, das das Negative ersetzt und dann erst den Wechsel oder die Trennung vollziehen.

Dabei vergessen wir, dass unser Fokus im Leben begrenzt ist. Wir können nicht täglichen mit etwas Negativem leben und nebenbei etwas Großartiges und Wundervolles aufbauen.

Man kann nicht in einer katastrophalen Beziehung leben und dabei in aller Ruhe eine wundervolle Beziehung nebenbei aufbauen. Wer ehrlich zu sich selbst und seinem Umfeld ist, trennt sich und macht dann erst Raum frei für eine neue Beziehung.

Und so ist es bei allem im Leben. Ein katastrophaler Job lässt uns gar keine Kraft, nebenbei und in akzeptabler Zeit unseren Traumjob zu bauen. Manchmal muss man kündigen und ist dann „frei“ für etwas Neues.

Und so musste ich letztes Jahr lernen, dass unser Umfeld, also die Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen, eigentliche die geheime Macht sind, die uns formt … das Gute ist, wir können uns diese selbst aussuchen.