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Da stimmt doch was nicht

Es ist 5:30 in der früh.

Ich scrolle in meinem Instagram Feed und entdecke wieder mal einen StartUp Superstar, der ein Foto von seinen zwei neuen Rennautos in der Garage postet.
Darunter Hashtag #workhardplayhard.
Eigentlich nichts aussergewöhnliches.

Der Lauf in die Realität

Gegen 6:00 laufe ich den Wiener Donaukanal entlang – bis auf ein paar Enten, einen Fischer und zwei weitere Läufer, bin ich einer der Wenigen, der die Morgenluft genießt.

Unter einer Brücke sehe ich von Weitem etwas liegen.
Bei genauerem Hinsehen ist es ein Jemand. Ein Mann. Eingewickelt in eine Decke.

Eine Person, die die ganze Nacht auf einer Decke unter der Brücke verbracht hat. Unfreiwillig.

Er lag auch schon gestern und auch schon letzte Woche dort. Morgens packt er seine Sachen, versucht den Tag rüberzubiegen und begibt sich Nachts wieder an „seinen“ Schlafplatz, dem ihm keiner neidig ist – soviel ist Gewiss, auch ohne ihn zu fragen.

Vor zwei Monaten war ich in Wien in einer Schule, in der mir eine Lehrerin erzählte, dass es nicht genug Geld für Lehrmaterialien gibt und private Spenden dabei helfen, Bücher und etwaige Dinge zu finanzieren.

Sie erzählte mir zudem, dass es Eltern gibt, die vorne und hinten nicht wissen, wie sie ihr Leben finanzieren sollen.
Von was ich schreibe passiert in Wien, nicht in (Bitte hier Namen eines Katastrophengebietes eintragen).

Living in a bubble #workhardplayhard

Die letzten fünf Jahre habe ich in einem „höher, schneller, weiter“-Umfeld verbracht, der StartUp Welt.
Manche nennen es eine Ausprägung des Turbokapitalismus – interessanterweise einer Sache, die mir vor dieser Zeit zutiefst wider war und immer noch ist.

Hier geht es im Grunde darum, mit dem Geld fremder Menschen so schnell wie möglich „etwas Großes“ aufzubauen und alles diesem „großen“ Ding unterzuordnen. Sei es das Familienleben, Freundschaften, die innere Stimme, etc. Es wird geduldet, sogar beklatscht, dass man teilweise am Rande seiner Möglichkeiten agiert und immer noch eins drauf setzt.

Es heißt, dass es am Ende des Tages immer um die Gesellschaft geht. Für Unbedarfte hört es sich an, als ginge es um die Menschen. Kenner wissen, es geht zumeist um einen kleinen Teil der Leute, die am Meisten vom Verkauf des Unternehmens profitieren.

Ach ja, habe ich es nicht erwähnt? Das Ziel von der aktuell gelebten StartUp Thematik ist der Verkauf des Unternehmens. Zuerst spricht man davon, etwas „Großes“ aufzubauen, dann dass man eine tolle Company will und das nachhaltig. Und dann zählt es als großer Sieg („man hat es geschafft“), wenn man das Ganze hernimmt und einem Konzern verkauft, der die junge Pflanze in seinem Apparat eingliedert. Klarerweise nicht gleich, sondern so nach ca. 3-5 Jahren.

Ja, das ist Erfolg. Für wie viel reingestecktes Geld bekomme ich einen Return?

Was ist schlecht daran, Geld zu verdienen?

Absolut nichts, ich mag Geld sogar sehr und ich denke, dass es Möglichkeiten schafft.
Ich denke nur, dass wir in der aktuellen Lage den Fokus auf wie wir Business machen und feiern und das Gesamtbild unserer echten Gesellschaft und die Welt unser Kinder nicht in Relation stellen.

Ich denke, dass nachhaltiges und langfristiges Denken für unseren Planeten und der aktuelle Return-Gedanke sich im Weg stehen. Und zwar massiv.
Ja, ich denke, dass beides Hand in Hand funktionieren kann – zeitgleich sehe ich aber, dass es unsere Denkweisen blockieren.

Warum nicht mal wieder etwas „Echtes“ anstreben?

Tolle Unternehmen, die es seit Jahrzehnten gibt, die von Familie zu Familie weitergereicht wurden, könnten im Verständnis der jetzigen StartUp Kultur unmöglich überleben. Es gilt nicht mehr als Erfolg, wenn man ein Unternehmen seit 20 Jahren besitzt, sondern es zählt, wer in kürzerer Zeit über eine Milliarde wert ist. Ungeachtet dessen, was das Unternehmen produziert und wie es damit wirkt.

Zu wichtig ist das Streben nach Maximierung von Anteilen und Returnausschüttungen.

Denen, denen es gut geht – und damit meine ich auch mich – muss bewusst sein, dass es in unserer Welt eine grobe Problematik namens Ungleichheit gibt, die sich darin zeigt, wie Ressourcen und Mittel verteilt sind.

Der „höher, schneller, weiter“-Gedanke der letzten Jahre fördert jedoch kein Miteinander und keine Gesellschaft des Teilens, sondern eine der Verdrängung und des „Nummer 1“ seins. Auch wenn dies bedeutet, dass damit einhergehend irgendwer anderer eben der Verlierer ist. Selbst will man das ja nicht sein.

Wer oben ist, der gewinnt und am Weg dahin, will man ja nicht daran denken, jemals zweiter zu sein.

Wer sich Zeit nimmt und die Welt beobachtet, ist sich einig: es benötigt einer Umverteilung und hier dürfen und können wir nicht warten, bis diese die Politik in die Hand nimmt.

Ich denke, Teilen bedarf eines neuen Mindsets und zwar einem, dass das eigene Tun mit einer gesellschaftlichen Komponente verbindet.

Unser Tun und unser Handeln darf langfristig nicht mehr mit einem reinen „Return“-Gedanken verbunden sein.

Die Welt und deren Spaltung, die wir sehen, beruht unter Anderem darauf, dass die, die etwas haben, nicht mit anderen teilen, ohne an „ihren Return“ zu denken.

Unternehmertum und Ansammlung von Wohlstand ist gut

Ja, es ist gut, dass Unternehmertum aktuell gefördert wird.
Ja, es ist gut, dass wir Menschen dazu bringen, ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Und ja, ich werde mich auf jede Bühne stellen, um Entrepreneurship und Unternehmertun zu predigen.

Gleichzeitig sehe ich auch, dass die meisten StartUps der letzten Jahre im Großen und Ganzen keine Probleme unserer Gesellschaft lösen, sondern rein unseren Komfort verbessern wollen und zwar für die, denen es schon gut geht (ist Auslegungssache … wer reflektiert ist, versteht was ich meine).

Der hundertste Essenslieferdienst in Wien führt nicht dazu, dass wir eine bessere Gesellschaft haben, wenn gerade die halbe westliche Welt an Fettleibigkeit leidet und die andere verhungert.

Die tausendste „ich finde des besten Parkplatz“ App hilft im Alltag für die mit Autos, wird aber wohl weniger dazu führen, dass unsere Welt sich in zehn Jahren nach vorne entwickelt hat.
(Ich persönlich denke ja, dass Parkplatzknappheit eine Riesenchance ist, dass mehr Menschen auf kleinere oder keine Fahrzeuge umsteigen – eine Parkplatz Such-App bewirkt ja genau das Gegenteil :).

Bin ich wütend? Ja.
Bin ich verwirrt? Ja.

Was ich nicht verstehe

Wir leben in Zeiten, in denen durch das Internet Wissen fast kostenlos ist, Unternehmen gedeihen können und die hellsten und smartesten Köpfe zusammenkommen.

Und anstatt dass die hellsten Köpfe unserer Zeit sich der wahren Ursachen der Probleme unserer Welt annehmen, wird dieses Potential darin investiert, den nächsten Hockeystock und das nächste Unicorn zu finden.

Beides Anzeichen für radikalen Wachstum auf Kosten „der Company“ – was zählt, ist das nächste große Ding. Oft wird dann auch gepredigt, dass die armen StartUps ein Hochrisiko leben.

Ja, das stimmt, sie leben im Riskio … nur zumeist mit geborgtem Geld anderer Menschen, dass sich hinter Wörtern wir Seed-Round, A-Round, etc. verbirgt.

Wir leben in gedanklichen Blasen

Gestern sprach ich mit einer Freundin, die an der „3. Mann Tour“ teilgenommen hatte. Einer Tour, die den Teilnehmer in die Kanalisation Wiens führt.
Sie erzählte mir, dass tägliche hunderte Kanal-Mitarbeiter sprichwörtlich „die Scheisse von den Wänden abkratzen“. Wie hoch die Gefahr von Infektionen ist will ich gar nicht wissen. Aber das ist echtes Risiko und zwar im Sinne einer Gesellschaft, die sich keine Gedanken machen muss, wo ihre Toilettgänge verschwinden.

Sehe ich mir Wien an, sehe ich, dass wir alles haben:
1. Habe ich Durst, trinke ich aus der nächsten Wasserleitung.
2. Breche ich mir die Hand, kann ich in das nächste Spital.
3. Denke ich, die Politiker spinnen, gehe ich vor das Parlament und schreie es laut und niemand buchtet mich ein und
4. wenn ich als angestellter Mitarbeiter arbeitslos werde, gibt es ein System, dass mich eine Zeit lang auffängt.

Ja, wir leben im Paradies! (wer mir jetzt kommt mit „aber wir müssen schauen, dass es auch so bleibt“ -> behaltet euch den Gedanken, das ist die Standardausrede für Ego-getriebenes Verhalten. Das habe ich als Flüchtling schon vor 20 Jahren gehört und seitdem wurde Wien immer besser).

Also, wo war ich? Ach ja, wir leben im Paradies!

Gleichzeitig driftet die Schere zwischen oben und unten auseinander und wer ein Unicorn hat, der ist ganz oben.
Erst danach wird von überlegt „der Gesellschaft etwas zurück zu geben“.

Die „Giving back“ Selbstlüge – eine Milderung des schlechten Gewissens

Witzigerweise ist es fast die selbe Wortwahl und im selben Zyklus, wie ich diese in den letzten Jahren von vielen (nicht allen) Konzernen gehört habe, die ihre Weste weiß waschen wollen. Eine Weste, deren Helligkeit verloren ging, als ein verrücktes Wachstumsdenken auf Kosten andere einsetze und sie dazu führte, dafür belohnt zu werden.

Was hier passiert ist folgender Gedanke, den ich dieses Jahr schon zweimal von CEOs von Wachstumsunternehmen gehört habe: „egal wen oder was ich ausquetsche, damit mein Unternehmen erfolgreich wird. Wenn es mal so weit ist ncah dem Exit, geb ich eh was zurück.“
Aha … solange ich später mal was „Gutes“ tue, kann ich bis dahin auf alles pfeiffen.

Auch okay, oder?
Da rennt doch was falsch?

Gründe und löse ein Problem

Bei der Gründung von whatchado wollte ich immer ein Problem lösen. Eines, das sich Orientierungslosigkeit bei Kindern nennt und welches langfristig zu Jugendarbeitslosigkeit führt und die Gesellschaftsspirale nach unten dreht. Mit der whatchaSKOOL haben wir gestartet, weil wir nicht zusehen wollten, wie die Zukunft unserer Jugend aufs Spiel gesetzt wird.

Wir haben Investment bekommen. Ja, das stimmt.
Zeitgleich ich hätte mich 2011 niemals getraut, einem Investment zuzustimmen, wenn wir nicht bis dahin ca. 60.000 EUR zugesicherten Umsatz gehabt hätten und bewiesen hätten, dass wir

  1. ein ECHTES! Problem lösen und
  2. ein Model gefunden haben, mit dem wir uns selbst erhalten können und das nachhaltig

Denke ich, dass etwas nicht stimmt.
Ja, das denke ich und zwar von Tag zu Tag mehr.

Zurück in meiner Realität

Es ist ca. 7:20.

Ich nehme mein Handy, klicke wieder auf Instagram und suche nach dem Hashtag #workhardplayhard: 3,169,820 Treffer.
Ich suche nach dem Hashtag #givingback: 526,391 Treffer.

Instagram ist nicht repräsentativ für unsere Welt, zeitgleich stellvertretend für ein Blitzlicht unserer Gesellschaft und ihrer Werte, in der 6-mal so viele Menschen ihre Botschaften mit „höher, schneller, weiter“ versehen als mit der Botschaft, etwas zurück zu geben.

Geben, dessen Verlust mir nicht weh tut

Ich komme Heim, dusche mich. Ich denke an den Mann unter der Brücke.

Ich ziehe mich an, gehe zurück und stecke dem Mann unter der Brücke etwas Geld zu.
Geld, dass ich wahrscheinlich für den nächsten Kinobesuch oder den Aperol Spritz an einem Sommerabend sowieso ausgegeben hätte.
Geld, dass mir nicht weh tut, wenn es jemand anderer hat.

Es wird nicht sein Leben ändern, ihm aber vielleicht einen würdigen Vormittag ermöglichen.

Was wir auf der Welt nicht (noch mehr) brauchen ist #workhardplayhard.
Was wir endlich mal brauchen ist #sharingWithoutACause.

Das ist das, womit meine Kinder aufwachsen sollen. Miteinander, nicht gegeneinander.

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Ein Spiel, das wir nicht verlieren können

Ich saß gestern Abend mit einem Freund zusammen, der heute CEO eines recht coolen Startups ist.

Das Produkt ist echt gut, das Team lebt die Kultur und auch die Liste der Unterstützer liest sich wie dass who is who der internationalen Szene.

Er erzählte mir, dass er schon einmal ein Startup hatte, welches aber gescheitert ist und auch, was er daraus gelernt hat. Interessanterweise stellte sich im Gespräch heraus, dass sein erstes Startup gar nicht so schlecht lief, es ihm aber teilweise zu wenig war und er es daher auslaufen ließ.

Wir sprachen so über die vergangenen Jahre, was gut lief, aber vor allem auch, wo wir beide komplett daneben griffen.

Er ist einer dieser Menschen, dessen Vision von der Zukunft seines Startups ansteckend ist. Und so wunderte es mich gar nicht, als mir erzählte, was Anfangs alles schief lief, aber im Endeffekt doch noch gut ausging.

Im Laufe des Gesprächs erzählte er mir auch vom besten Ratschlag seines Lebens, den er von jemandem bekam, der absolut nichts mit dem Startup Leben zu tun hatte.

In einer Phase seines Lebens, in der nichts nach Plan lief und er alles in Frage stellte, traf er auf eine fremde Frau. Nachdem diese ihn gerade Mal wenige Minuten kannte, aber merkte, unter welcher Spannung er stand, sagte sie zu ihm:

Du bist in einem Spiel, dass du gar nicht verlieren kannst.

Er erzählte mir, dass er ab dieser Sekunde alles plötzlich verstand.

Er verstand, dass ganz egal, wie es mit seinen Start-up weitergehen würde, er in jedem Fall eine Weiterentwicklung durchmachen würde, die ihn zu einem reiferen Menschen macht.

Sogar wenn sein Start-up scheitern würde, so hätte er bis dahin in der kurzen Zeit mehr gelernt als überall anders in der Welt und sich weiterentwickelt.

So gesehen, konnte er „sein eigenes“ Spiel, das er losgetreten hatte, gar nicht verlieren, egal was er anstellen würde. Ja, der Ausgang war und ist immer noch ungewiss, aber in jedem Fall ist der Weg, den er geht, die Menschen, die er trifft und die Dinge, die er erlebt, der wahre Gewinn.

Manchmal leben wir in den Tag hinein und haben Angst vor dem Ende der Straße und das ist ganz normal, weil menschlich. Alles, was wir nicht kennen, ist uns fremd und kann ins uns manchen Fällen Angst machen.

Wir haben so viel Angst vor der Zukunft, dass wir den Weg, den wir selbst und freiwillig begonnen haben, gar nicht schätzen. So entgeht uns vieles, dass der eine oder andere als „Leben im Moment“ bezeichnen würde.

Ohne sozialromantisch klingen zu wollen … wer den Weg, den er selbst eingeschlagen hat, nicht als wahren Gewinn ansieht, der wird auch im Ziel nicht erfüllt sein.

Durchs Ziel zu laufen ist ein wunderschönes Gefühl … sich aber zu erinnern, welche Strapazen man auf sich genommen UND gemeistert hat, ein unbeschreibliches.

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Der Businessplan, der Feind im Bett eines StartUps

Diese Woche war ich bei einer Podiumsdiskussion der TU Wien zum Thema StartUps und ein wichtiger Part davon war auch die Frage nach dem Businessplan, welchen man differenziert betrachten muss.

Nach der Diskussion, und das ist eine meiner Lieblingsparts an meinem Job, gibt es Studenten, die zwecks Fragen auf mich zukommen und mit denen ich dann über ihre Idee, Bedenken und Hoffnungen spreche.

Eine Sache, die mir immer wieder unterkommt, ist die Frage nach dem Businessplan. Immer wieder höre ich „ja, an dem arbeiten wir schon seit einigen Wochen und bis Ende (Wunschmonat eintragen) ist dieser fertig.“

Wenn ich nachfrage, wie es mit Prototypen, Usertests, Gesprächen mit potentiellen Kunden, etc. aussieht, ernte ich starre Blicke und den Verweis, dass man eben noch auf den Businessplan wartet.

Versteht mich nicht falsch.

Ich habe nichts gegen Businesspläne, im Gegenteil: ohne diese ist eine vernünftige Planung nicht möglich.

Das ist in etwa wie eine Schiffsfahrt, auf der ich ohne Karte und geplante Route unterwegs bin. Irgendwann geht einem der Sprit aus, ohne dass man am Ziel angekommen ist und auch die eigene Mannschaft kann sich wenig ins Zeug legen, wenn sie keine Ahnung hat, wohin die Reise geht.

Dieser sollte beinhalten, wie sich das Business auf einen geplanten Zeitraum entwickelt und alle Parameter beinhalten, die die Schrauben dieser Maschinerie darstellen.

Also: Businesspläne sind wichtig!

Aber! Steht man am Anfang einer Idee, muss einem klar sein, dass der Businessplan einem Blick in die Schneekugel gleicht. Egal, was man da reinschreibt, man hat keine Ahnung, ob das auch nur annähernd stimmt,

Mit anderen Worten: Wenn ich anfangs nur eine Idee habe, aber keine Erfahrungswerte habe, muss mir bewusst sein, dass der Businessplan ein Gedankenexperiment ist, dass beim ersten realen Eingriff der Aussenwelt endet.

Ja, der Businessplan endet beim ersten Kunden.

Im Grunde bedeutet das, dass jedes StartUp – welches ohne Erfahrung startet – den Businessplan auf jeden Fall durchdenken muss, aber für diesen nicht mehr als ein langes Wochenende einplanen sollte.

Man sollte sich die Zeit nehmen, einmal über das ganze Vorhaben nachzudenken und dieses abzubilden, aber sich gleichzeitig bewusst sein, dass dies nur wage Annahmen sind, die wahrscheinlich nichts oder wenig mit der Realität zu tun haben.

D.h. für alle ohne Erfahrung, die etwas starten wollen: anstatt Wochen und Monate mit dem Businessplan zu verbringen, verkürzt diesen Vorgang auf wenige Tage und beginnt mit etwas, dass euch echtes Feedback und echten Mehrwert bringt:

  • baut einen Prototypen
  • redet mit potentiellen Kunden
  • redet mit potentiellen Usern
  • sprecht mit potentiellen Partnern
  • präsentiert eure Idee auf Events vor fremden Personen
  • NICHT! mit Eltern, Freunden, Bekannten sprechen … die werden euch immer sagen, wie super alles ist

Egal, was ihr tut … bleibt nicht in eurer Wohnung sitzen und denkt, dass ein Excel-Sheet euer Business startet.

Ihr müsst raus und etwas tun, damit ihr auch Feedback erhaltet. Jeder Schritt der Anfangsphase sollte dazu dienen, euch zu zeigen, wie ihr euch verbessern könnt und wo ihr absolut nichts verloren habt.

Lernt, euch eine dicke Haut zuzulegen, weil echtes Feedback verdammt weh tun kann, aber das Einzige ist, dass euch weiterbringt.

Erfahrene Investoren schätzen Prototypen, Kundenfeedbacks und erste Market-Fit-Ergebnisse mehr als jeden Businessplan, der oft nur überzogenes Wunschdenken ist.

… zumindest die ersten zwei Jahre – danach sollte man sein Business schon so sehr kennen, dass man die Zukunft in Pläne gießen kann. Und das kann dann sogar ein richtig schönes Excel Sheet sein.

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Das Gefühl, die eigene Ideen in Händen zu halten

Ich wurde heute von einer Studentin, die kurz davor steht, ihr eigenes Ding zu starten, gefragt, wie es sich anfühlt, wenn aus der eigenen Idee ein Produkt entsteht, dass dann wirklich „real“ existiert.

Das war in etwa meine Antwort:

„In unserem täglichen Leben halten wir nur selten inne und reflektieren die Wunder, die um uns herum passieren.
Wir laufen und versuchen, Meter um Meter zu machen, um dann festzustellen, dass wir noch immer zu langsam sind.
Manchmal scheint mir, als hätten wir vergessen, stolz auf uns zu sein.

Und dann gibt es Tage und Momente, die einem vor Augen führen, dass Motivation eine innere Kraft ist, die sehr viel mit Überraschungen der eigenen Umgebung zu tun hat.

Der Tag, an dem man sein eigenes Produkt in den Händen hält, ist ein magischer Augenblick, der all die Tränen und investierte Energie der Vergangenheit wieder ausgleicht.
Es ist ein Augenblick, auf den man hingearbeitet hat und wenn dieser da ist, bleibt die Welt kurz stehen.

Sein eigenes Produkt in den Händen ist zu halten ist … ja, es ist, als würde man aus einem Traum erwachen, der hoffentlich niemals enden wird.“

Leute, niemals aufhören, an die eigenen Ideen zu glauben … immer akzeptieren, dass diese realer sind, als wir anfangs glauben.

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Ich wünsche mir …

Heute vor 34 Jahren wurde ich geboren.

In den letzten Tagen wurde ich öfters gefragt, was ich mir wünsche und es war eine Frage, die mich letzte Nacht nicht schlafen ließ.

Es ist nämlich so … mir fehlt nichts im Leben.

Wer mich kennt weiß, das die letzten 12 Monate die härtesten meines Lebens waren und auch, dass sich seit damals alle meine Lebensbereiche um 180 Grad gedreht haben.

Ich habe im letzten Jahr mein Leben mit Hinsicht auf die Frage, ob ich wirklich das tue, was mich glücklich macht, hinterfragt und überall dort, wo ich merkte, dass ich nicht mehr ich war, Entscheidungen getroffen, für die ich nicht nur einmal irritierte und verständnislose Blicke und Worte geerntet habe.

Ich habe sowohl im privaten als auch beruflich alles verändert und bin dabei nicht meiner Logik, sondern meinen Herzen und meiner Intuition gefolgt.

Oft hatte ich das Gefühl, dass ich das Falsche tue, stand manchmal da und wusste nicht, ob alles gut ausgehen wird und stellte meine Entscheidungen immer in Frage.

Was tut man im Leben, wenn man seinem Herzen und seinem Bauch folgt, aber das eigene Umfeld das nicht versteht?

Man gibt auf oder man vertraut aufs Leben, auf sich selbst und setzt seine letzte Karten auf die eigenen Stärken und auf die Zuversicht, dass alles im Leben gut gehen wird und dass man im Nachhinein sicher über die schwere Zeit lachen wird.

Ich bin dankbar für diese letzten 12 Monate, haben sie mir doch gezeigt, wer meine wahren Freunde sind und was mir im Leben wirklich wichtig ist.

Ich habe mir bewiesen, dass ich nicht käuflich bin und auch, dass meine Prinzipien so stark mit meinem Tun verwurzelt sind, dass ich mir keine moralischen Vorwürfe zu machen brauche.

In diese letzten 12 Monate habe ich erfahren, was es bedeutet, wenn die eigenen Träume in Erfüllung gehen und erlebt, wie es ist, wenn man loslässt und dafür mehr gewinnt, als man verliert.

Was ich mir heute zu meinem Geburtstag wünsche?

Ich wünsche mir, dass jeder Einzelne, der das hier liest, an seinen Träumen festhält und diese niemals aufgibt – unsere Träume sind der einzig reale Anker in dieser Welt voller Vorgaben, Einschränkungen und Bewertungen.

Ich wünsche mir, dass jeder Einzelne, der das hier liest, sich darauf besinnt, dass es immer andere Menschen waren, die uns bei der Erfüllung unserer Ziele und Träume begleitet haben. Im Leben zählt es, wer und was wir sind, aber auch, wer unsere Wegbegleiter waren. Diese haben uns oft auf den letzten harten Meilen unseres Weges gepusht oder waren die, die uns den Weg erst gezeigt haben.

Ich wünsche mir, dass jeder Einzelne, der das hier liest, heute einen dieser Wegbegleiter anruft und sich bei ihm oder ihr bedankt – einfach so, ohne Grund – sondern mit dem Wissen, dass ihr ohne diese Person heute nicht da wärt, wo ihr heute seid.

Ich wünsche mir, dass jeder Einzelne, der das hier liest, für mindestens einen Tag alle Ängste und Zweifel über Board wirft und heute mit etwas beginnt, dass er oder sie schon immer machen wollte. Ungeachtet dessen, wie peinlich, blöd oder unsinnig es erscheint. Je unlogischer es für andere ist, umso weiter bringt es euch wahrscheinlich und umso mehr wird es wohl auch Spaß machen.

Ich wünsche mir … dass jeder Einzelne, der das hier liest, versteht, dass wir im Leben nur wachsen, wenn wir Wege gehen, die noch keiner vor uns gegangen ist.

Dies beinhaltet Entscheidungen, die schmerzen, aber auch Entscheidungen, die manchmal entgegen jeder Ration getroffen werden und uns in unserem vermeintlichen Freundeskreis als Fremde erscheinen lassen, aber von echten Freunden immer verstanden werden.

Ich wünsche mir, dass ihr euch bewusst seid, dass ihr im Leben vielleicht schon alles habt was ihr wollt und weniger Dingen hinterher rennt, die nach oben keine Grenze kennen.

Im Leben geht es nicht darum, was man hat, wie das Business rennt oder welche hochgesteckten Ziele man erreicht hat.

Es geht darum, die Träume zu leben und … und das ist das Wichtigste … dabei nicht auf die Menschen zu vergessen, die uns zu dem machen, wer wir sind. Unsere Familien, unsere Freunde und unsere Wegbegleiter.

Denkt heute daran, wenn ihr einen dieser Menschen trefft … es gab vielleicht auch mal eine Zeit, wo dieser Mensch noch nicht in eurem Leben war.

So, genug Pathos … ich wünsche mir heute mal selbst alles Gute zum Geburtstag und bin mal offline … ich hoffe, ihr versteht das 🙂

Ali

PS: hier der Link zum gestrigen TV Auftritt, der mich auf diesen Post brachte: http://tvthek.orf.at/program/heute-leben/4660213/heute-leben/10458688/Ali-Mahlodji-ueber-Videoplattform-Whatchado/10459096

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Jubin Honarfar wird CEO von WHATCHADO, der Brief an alle whatchado Mitarbeiter

Im Laufe dieser Woche gab es einen Wechsel in der Führungsspitze von whatchado, der uns noch besser für unsere Zukunft aufstellt und mich irre stolz macht 🙂

Am Besten beschreibt es die E-mail, die ich heute früh an das gesamte Team geschrieben habe.

Ali

———- Forwarded message ———-
From: Ali Mahlodji <ali@whatchado.com>
Date: 2015-07-08 8:02 GMT+02:00
Subject: Announcement – Jubin Honarfar wird CEO von WHATCHADO
To: Team

Liebe whatchadooler!

Diese E-Mail schreibe ich stellvertretend für die gesamte Geschäftsführung und Hansi (Hansmann), unserem Freund und Wegbegleiter der ersten Stunde bei whatchado.

Bereits vorgestern beim Frühstück wurde es schon verkündet – heute per E-Mail an alle, die nicht dabei sein konnten.

Seit Montag ist Jubin neuer CEO der whatchado GmbH und damit die neue Spitze im Game, die beste Orientierungsplattform der Welt zu werden.

Diese Entscheidung ist nach langen Gesprächen und Diskussionen zwischen den drei Geschäftsführern und Hansi gefallen und es ist eine der wichtigsten und wegweisendsten Entscheidungen der Gesellschaft.

Jede Phase eines StartUps braucht eine andere Führung und andere Rollen

Die letzten Jahre habe ich als CEO dabei sein dürfen, als aus einer Idee Substanz entstand und diese mit Leben gefüllt wurde und ich kann euch sagen, es war die beste Zeit meines Lebens 🙂

Heute braucht es einen CEO, der bestehende Strukturen ausbaut, das stark angewachsene Team leitet und den Markt weiter für uns erobert 🙂

Das whatchado Team braucht einen CEO, der öfter im Haus ist, direkt am Ort des Geschehens ist und den Puls des Teams spürt. Alles andere habt ihr als Team nicht verdient.

Wir haben – weil dies unser wichtigstes Jahr wird – in der Geschäftsführung vor einigen Monaten beschlossen, dass wir unsere Rollen noch besser aufteilen und jeder Geschäftsführer das macht, was er am Besten kann:

* Lucanus kümmert sich um die Organisation- und Internationalisierung sowie die nächste Finanzierungsrunde

* Jubin konzentriert sich auf den Ausbau des Sales-Teams in der DACH Region

* Ali ist Botschafter, der die whatchado-Story nach außen bringt

In dieser Phase wurde auch immer klarer, dass das operative Management immer mehr bei Lucanus und Jubin liegen sollte, weil ein Außenbotschafter, der 90% der Zeit außer Haus ist, der Company als CEO nicht das geben kann, was diese braucht.

Nach einer Beobachtungsphase von einigen Monaten hat sich herausgestellt, dass diese Art der Zusammenarbeit eine geniale Konstellation bedeutet, die sich auch in unseren Zahlen widerspiegelt.

Jubin wird neuer CEO

Es gibt wenige Menschen, die in den letzten Jahren von whatchado und den jungen Jahren meiner Kindheit mit mir durch dick und dünn gegangen sind und es gibt wenige Menschen, die dabei immer mehr über sich hinausgewachsen sind.

Jubin, auch laut Status auf Facebook, mein Bruder :), hat whatchado von Tag eins geatmet, war dabei, als wir hingefallen sind und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir wieder aufgestanden sind.

Wir haben gemeinsam einige der härtesten Tage der Company erlebt und es immer noch geschafft, danach zu lachen.

Jubin kennt das Business wie kein zweiter, er hat das Sales-Team aufgebaut und ist mit seinem Team für einen Großteil unseres Umsatzes verantwortlich.

Er ist der richtige CEO, den diese Company braucht und ich möchte, dass ihr alle – so wie ihr mich immer unterstützt habt – auch ihn unterstützt und seiner Marschrichtung folgt.

Er ist unser aller neuer CEO und ich bin mir sicher, dass wir damit in eine extrem coole Zukunft segeln.

Die Geschäftsführung wird weiterhin aus Lucanus, Jubin und mir bestehen.

Da whatchado international und auf Wachstumskurs ist, werde ich in meiner Rolle als Außenbotschafter mehr als genug zu tun haben – diesmal aber als Co-Founder, Chief Visionary & Chief Storyteller.

Ich bin stolz auf das gesamte Team und Leute, es war mir eine Ehre, die letzten 3,5 Jahr euer CEO gewesen zu sein! Haut rein, es wird ein geiles Jahr!!

Ali,

stellvertretend für Lucanus, Jubin und Hansi

PS: und für die Leser des Blogs, anbei noch ein kleines Best-Of der schönsten Augenblicke aus 18 Jahren Ehe Jubin und Ali

Videodreh

The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar

Back Camera

The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar

whatchado Co-Founder Ali Mahlodji & Jubin Honarfar

whatchado Co-Founder Ali Mahlodji & Jubin Honarfar

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What goes around comes around – warum man tut, was man tut

Ali Mahlodji Iran

1981

… wurde ich geboren, im Iran – dem Land, mit dem man sehr zäh verhandeln muss, damit es mal zu Einigungen kommt … aktuell wieder der Fall im Atomstreit zwischen den USA und dem Iran.

Aber ist noch mal gut gegangen, hoffen wir mal 🙂

Kurze Zeit nach meiner Geburt war der Iran bereits ein gefährliches Pflaster – gerade für Menschen mit freiem Willen, die sich nicht der Zensur und der Diktatur des Regimes unter Ayatollah Khomeini unterwerfen wollten und daher von Einheimischen mit einer Heimat zu Gejagten in einer fremden Zukunft wurden.

Meine Eltern und ich waren auf der Flucht. Sie waren politische Flüchtlinge – abgestempelt durch ihren Freiheitswillen und der Ausdrucksweise, die sich in Demonstrationen und Widerstand im Geiste widerspiegelte.

In einer Nacht und Nebelaktion mussten meine Eltern mit mir fliehen. Wohin, wusste niemand. Eines war klar, nur weg.

Mit Hilfe einer Schlepperbande schafften wir es zur grünen Grenze der Türkei und durchwanderten diese.

Teilweise orientierungslos, teilweise tagelang nur ausharrend in einem Versteck, damit Grenzpatrouillen uns nicht entdeckten und zurück schickten.

Nach tagelanger Flucht fanden meine Eltern Unterschlupf im kurdischen Teil der Türkei, in einem kleinen Bergdorf und warteten … auf was genau, wussten meine Eltern damals nicht.

Ali Mahlodji Türkei

Zur selben Zeit nahm die Familie meiner Mutter Kontakt mit Amnesty International auf und bat um Hilfe, meine Eltern und mich bei dieser Flucht zu unterstützen. Meine Eltern hatten wenig Geld bei sich, nur ihre Reisepässe, aber keine Option für ihre Zukunft und niemand, den sie kannten.

Amnesty International reagierte. Meine Eltern und ich wurden von Vertretern von Amnesty bei unserem Aufenthaltsort in der Türkei besucht und die Lage erfasst. Man einigte sich darauf, dass vielleicht Österreich das richtige Land für uns sein könnte.

Amnesty beschloss darauf hin, Gespräche mit der Österreichischen Regierung bezüglich Asyl für uns aufzunehmen, damit wir nicht in den Iran zurück abgeschoben werden.

2015

Ich lebe in Österreich, in Wien – der lebenswertesten Stadt der Welt.

Einer Stadt, in der ich aus jeder Wasserleitung trinken kann, wenn ich durstig bin – einer Stadt, in der ich in jedes Spital gehen kann, wenn es mir nicht gut geht und mir dies auch leisten kann und einer Stadt, in der man – wenn es einem nicht so gut geht – immer noch auf ein soziales Netz hoffen kann. Ach ja, Bildung ist bei uns auch fast for free.

Ich habe gesunde Hände und Beine, auf denen ich stehen kann. Ich bin Teil einer Bewegung, die das Weltbild von Menschen zu ihrem Guten verändert und damit deren Welt rettet und darf als EU Jugendbotschafter tun, was die Zukunft unserer Jugend wirklich nachhaltig verbessern kann. Und ich bin Österreichischer Staatsbürger.

Den Weg hierher habe ich mir selbst erarbeitet … stimmt nicht ganz und ist eigentlich egoistisch, wenn man es recht bedenkt.

Wir sind neben unserem aktiven Handeln abhängig von Menschen um uns, denen wir nicht egal sind. Denen, die aufstehen, wenn andere Missstände akzeptieren und nicken.

Mein ganzes Leben lang war ich mir bewusst, dass meine Familie und ich ohne Amnesty International vielleicht nicht mehr am Leben wären. Dieser Organisation verdanken wir alles und das ist etwas, dass ich mir selbst immer wieder in Gedanken rufe – das gilt auch für alle Wegbegleiter, die mich in meinem Leben unterstützt haben.

Vor einigen Wochen waren Vertreter von Amnesty International bei uns im Büro, weil wir von whatchado denken, dass wir gemeinsam eine gute und fruchtbare Kooperation auf die Beine stellen können und werden.

Für mich war dies ein kurzer, aber wichtiger und emotionaler Moment. Nach über 30 Jahren konnte ich mich endlich bedanken: Für die Chance, dass meine Familie und ich Gehör fanden. Für die Chance, noch so viel zu erleben. Für die Chance, in der besten Stadt der Welt ein Zuhause zu finden.

Diese Woche bekam ich Post … von Amnesty International … sie bedankten sich bei meinem Team und mir.

#WhatGoesAroundComesAround

Amnesty international Ali Mahldji

 

 

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Sonne und Schatten – ein Fazit aus zwei Tagen on the road und drei Flügen

Ich wurde letzte Woche zweimal gebeten, ein bisschen zu beschreiben wie meine Tage aussehen und was ich denke und fühle … gut, hier der Versuch einer Selbstanalyse.

21:46 sitze gerade im Flieger auf der Startbahn in Frankfurt – warten auf den Start Richtung Wien und erfahre gerade, dass ich ja doch während des Starts sogar weiter meinen Laptop verwenden kann … wenn er klein genug ist, Ja, ist er 🙂

22:01 Gerade gestartet und mitten drin im Steigflug, bist du deppad, das ist eine Wacklerei in der Kurve … in Kürze hoffentlich auf Flughöhe und ca. 10000m über dem Boden und dem Himmel wieder mal ein bisschen näher … leider ohne Sonne, aber dass sie da ist weiß ich auch so 🙂
Meine Flugangst hab ich auf delay gestellt, weil gerade zu müde, um den Turbulenzen Raum zu geben.

Gestern um die selbe Uhrzeit, wusste ich nicht mehr in welcher Stadt ich gerade bin. Kurz dachte ich, es ist Berlin – nur um mich zu wundern, warum es hier Labskaus gibt, eine typische Speise aus Hamburg. Ja, ich war in Hamburg.

Wenige Stunden davor war ich auf der SMRC14, der Eventreihe, die mein Baby whatchado und das ganze Team nach Deutschland gebracht hatte. Gerade mal zwei Jahre – fast auf den Tag genau – ist es her, dass ich mich mit meiner Lederhose und dem Wiener Schmäh in Deutschland versucht habe – fürs Business war es hervorragend und für neue Freundschaften sowieso.

Es ist gerade mein dritter Flug in zwei Tagen und wenn am 1.1.2015 das neue Jahr eingeläutet wird, habe ich in meiner Schreibtischschublade über fünfzig Flugtickets als Andenken angereichert … ja, es gibt auch bessere Andenken.

Wir werden oft als cooles, bestes, erfolgreiches, younameit-StartUp bezeichnet und haben das Glück und die Ehre, dass wir doch einige Male medial gefeatured wurden und auch immer wieder bei B2B Events, wo unsere Hauptklientel unterwegs ist, uns zu Wort melden dürfen.

Die Bezeichnungen cool, erfolgreich, etc. sind dabei nicht immer die glücklichsten Bezeichnungen, da Erfolg einen Bruder hat, über den die wenigsten sprechen – ungeachtet davon, was als erfolgreich betitelt wird*.

Dieser Bruder hat nicht einen Namen, er hat mehrere. Scheitern, Arbeiten bis zum Umfallen & TryAndError sind nur wenige der Namen, die man doch manchmal in den Mund nimmt.

Gestern Abend noch mit meinem Kindheitsfreund und Co-Founder Jubin in Hamburg unterwegs, war ich heute zur Frankfurter Buchmesse eingeladen, um über das Handbuch der Lebensgeschichten und unsere Erfahrungen aus fast 3000 Lebensgeschichten zu sprechen. Die Frankfurter Buchmesse bitte!! Hallo, der Traum jedes Medienmenschen und ein Erlebnis, dass man gesehen haben sollte. Fachpresse – offline und online Medien und jede Menge neuer Gesichter und Finnlad dieses Jahr als Gastland … es war herrlich.

Eine Woche zuvor sagte mir mein Arzt, dass ich auf meine Stimme achten soll, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass wir allein zwischen August und Dezember ca. 35 mal auf diversen Bühnen auftreten, um den Menschen WHATCHADO näher zu bringen. Bei diesen Auftritten sind im Durchschnitt 50 bis 150 Personen im Publikum – alles potentielle Netzwerkknoten, die unsere Botschaft weitertragen und hier präsent zu sein, ist in der frühen Phase unseres jungen Unternehmens essentiell wichtig.

22:12: Alter, die ersten Turbulenzen … geh bitte

22:14: wieder vorbei, alles gut

Dieser Post ist fast eine Art Fazit der letzten 2,5 Jahre und fasst zusammen, dass jeder Sonnenstrahl einen Schatten hervorbringt und dass diese zwei unweigerlich miteinander verwandt – ja sogar verheiratet – sind.

Dieses Wochenende werde ich nutzen, um runter zu kommen … wie das funktioniert weiß ich noch nicht ganz, aber es wird eine Mischung aus Training, Fussball, lange schlafen und gutes Essen sein – so die Theorie, denn nach jeder voll gepackten Woche kommt ein Loch, dass alles reflektiert, was passiert ist und einen spüren lässt, was man stattdessen nicht gemacht hat, bzw. bewusst hinten dran gestellt hat.

Ich brauche meistens Samstag fast den halben Tag, bis ich meine Mitte gefunden habe – etwas, dass mir an heftigen Arbeitstagen innerhalb von fünf Minuten gelingt und in der “freien” Zeit die Hälfte meiner Nerven kostet. Wenn ich im Urlaub bin, geht das innerhalb von wenigen Stunden, dass ich komplett unten bin, aber da weiß ich auch, dass jetzt Tage kommen, wo es kein Hoch und kein Tief gibt, sondern – zumeist – nur Strand, Sonne, Cocktails und maximal ein halbwilder Affe, der meinem Motorroller auf irgendeiner thailändischen Insel hinterherläuft 🙂

22:31: es gibt Brötchen und Cafe … geil

In der Nicht-Urlaubszeit hingegen kommt das abwärts nach dem aufwärts wie das Amen im Gebet.
Ehrlicherweise hatte ich es nicht geglaubt, als mir andere Gründer erzählt hatten, dass die Wochenenden das Härteste sind, weil man dort gezwungenermaßen runterkommt (ist ja sonst fast kein anderer im Dienst) und sich plötzlich im Strudel von Gedankenverwirrungen wieder findet und nicht weiß, ob man jetzt einfach in einem Cafe entspannen soll oder doch lieber noch den einen Vertrag lesen soll oder vielleicht doch noch die Präsentation für nächste Woche vorbereiten soll.

Und ehe man sich versieht, ist es Samstag Abend und man weiß, dass kommende Woche noch so viele Themen anstehen, dass man lieber Sonntag Mittag mit der Vorbereitung beginnen sollte. Ja, bisschen stressig ist es manchmal schon und ja, die – noch nicht vorhandenen – grauen Haare lassen grüßen.

Im Endeffekt weiß ich jetzt schon, dass ich bis Ende November knapp zehn Abende und teilweise Tage habe, die es mir erlauben, mich Freunden und Familie zu widmen. Diese sind aber heilig.

Ich habe nicht vor, mich zu beklagen … habe ich mir dieses Leben doch selbst ausgesucht und weiß, dass es da draußen hunderte, tausende Menschen gibt, die sich auf die Reise der Firmengründung eingelassen haben. Ja, es ist eine Reise – kein Sprint, sondern ein Marathon – der aber im Sprinttempo stattfindet und garantiert, dass man am Ende der Teil-Strecke ein anderer Mensch ist.

Wer war dieser Mensch 2012?

Es kommt der Punkt, an dem man zurückblickt und sich die Frage stellt, wer man noch vor wenigen Jahren war. Man sieht sich selbst an und realisiert, dass es im Leben immer irgendwie weitergeht und Ängste und Sorgen, die man vor Kurzem noch hatte, genau die Dinge waren, die einen am Weitesten gebracht haben.

Man erkennt, dass es nur darum geht, niemals aufzugeben und vor allem, dass man verstehen lernt, was man im Leben nicht kann und worin man gut ist.

Dieser Lernprozess ist leider leichter gesagt als getan … in Wahrheit ist es so, dass man – jedes Mal, wenn man denkt, dass man es verstanden hat – wieder bei null anfängt, nur um zu verstehen, dass man eigentich eh am richtigen Weg war und nur aus falschen Zweifeln halbe Entscheidungen getroffen hat, die einen auf den falschen Pfad geführt haben. Klingt kompliziert, ist es aber nicht 🙂

Man erkennt, dass es im Leben immer wieder Menschen sind, die einem die Wegmarken setzen und dass es im Leben nicht viel braucht, um Erinnerungen zu sammeln, die einem vielleicht eines Tages am Sterbebett eine wundervoll bunte Revue des eigenen Lebens präsentieren.

Bevor ich gegründet habe, dachte ich das Erfolg ein Produkt der eigenen Leistung ist – ich musste aber erkennen, dass es – neben der eigenen Leistung – auch ein Abfallprodukt von mehrern Bruchlandungen ist und dass jeder Erfolg umso besser schmeckt und riecht, wenn man sich seine geschundenen Knie ansieht und weiß, dass jede Narbe verdammt noch mal echt verdient wurde.

Und nochmal, ich bin nicht der Einzige, dem es so geht und nein, ich bin nicht arm, mitleidungsbedürftig oder sonst was – it’s part of the deal. Will man verdammt noch mal die Welt retten, kann man dies nicht mit den Händen im Hosensack tun. Das wird euch jeder bestätigen, der es tut oder versucht hat.

Ich bin kommende Woche zwei Nächte in Zürich und beende die Woche mit einem der dankbarsten Teile meines Jobs, nämlich Vorträgen in Schulen. Wenn es gut geht, zusammen mit unserem Minister Hundstorfer. Dann gehe ich ins Wochenende und bereite mich auf die kommenden Wochen vor, wo wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sind – ja, so ist das im Herbst immer und das ist gut so 🙂

Als ich heute in der S-Bahn von der Messe Frankfurt zum Airport fuhr und meiner Musik lauschte, merkte ich, wie müde und leer ich war. Müdigkeit und “ich habs mir selbst ausgesucht, wie geil ist das denn”-Glücksgefühle gaben sich quasi die Klinke in die Hand.
Jedem Glücksgefühl folgten konstant Sorgen über alle möglichen Themen, die man nicht ausschalten kann. Jeder kennt das – wenn man müde ist, ist alles schnell mal ein Problem und eine Sorge.
Ist man fit, geht alles easy – und die Probleme sind plötzlich Herausforderungen 🙂

Im Grunde geht es mir um eine Sache, die normalerweise totgeschwiegen wird, aber einen wichtigen Bereich unseres Lebens ausmacht. Das Umgehen mit den nicht immer schönen Seiten von sonnigen Tagen. Es ist einfach keine Ausnahme, sondern die Regel, dass hell auf dunkel folgt und umgekehrt.

So oft wie in den letzten Tagen habe ich noch nie gehört, dass ich viel unterwegs bin und ich doch irre müde sein muss und dann werde ich immer gefragt, ob das denn gesund sei und wie lange ich das noch mache.

Meine Antwort ist mittlerweile fast immer die Selbe: “ich habe es mir selbst ausgesucht, ich lebe ein Leben, dass ich selbst bestimme … und das mache ich so lange, bis es mir keinen Spaß mehr macht … aber das kann noch eine sehr lange Zeit dauern.”

Ende – wir sind in Parking position und der halbe Flieger hat Stress, dass sie wohl nicht aussteigen dürfen 🙂

23:50 Nachtrag: kein einziges car2go am Flughafen und die letzte Schnellbahn geht erst in 27 Minuten. Wird heut doch noch später, aber hey … bin schon lang nicht mehr um Mitternacht Schnellbahn gefahren – vielleicht wirds ja lustig.

Gute Nacht.
*Ich persönlich denke, ein Unternehmen – egal ob StartUp oder Konzern – ist dann erfolgreich, wenn es jedes Jahr ein besseres Unternehmen als das Jahr zuvor ist und auf dem Weg dorthin nicht das Geld ausgeht.

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Jede Reise ist nur so gut wie ihre Wegbegleiter

“Vergiss niemals, wo du herkommst und die Menschen, die dich auf diesem Weg begleitet haben.” — Meine Eltern

 

10. Oktober, 2012 — Mittagszeit — WHATCHADO tritt das erste Mal in Hamburg bei der Social Media Recruiting Conference auf.

10. Oktober, 2012 — Nachmittag — Robindro Ullah von der Deutschen Bahn sagt zu, als erstes Unternehmen WHATCHADO in Deutschland umzusetzen.

Jänner, 2013 — erste Dreharbeiten in Deutschland bei der Deutschen Bahn und damit der Start für WHATCHADO in Deutschland. Zwar 2 Jahre zu früh laut damaliger Planung, aber das Beste, dass uns hätte passieren können.

Oktober, 2014 — back to the roots

WHATCHADO ist schon ein sehr cooles Konzept, ehrlich — ich steh drauf … vielleicht auch, weil ich einer der Mitgründer bin und finde, dass wir damit echt die Welt retten.

Klingt arrogant, oder? Naja, im Grunde geht es ja darum, im Leben zu sich und seinen Dingen zu stehen — ob im Guten oder im Schlechten. Und ich finde eben, dass WHATCHADO echt echt rockt.

Denke ich aber, dass wir unseren Erfolg nur uns verdanken? Wohl kaum.

Wegbegleiter — die Menschen, die dich pushen, ohne das du es merkst

Teil jeder Umsetzung sind Wegbegleiter, die einen pushen, fördern und fordern — manchmal merkt man es, manchmal nicht. Und doch sind sie da und bestimmen mit, wie dein Leben verläuft.

In wenigen Wochen bin ich wieder in Hamburg — meiner Meinung nach ja die geheime Hauptstadt Deutschlands und eine der schönsten Städte in Europa.

Dass WHATCHADO in Deutschland ist und ich in Kürze wieder in Hamburg, verdanke ich einigen wenigen Menschen, deren Impact größer war, als sie es vielleicht selbst wissen — sowohl beruflich als auch — und das ist das Wichtigste — menschlich.

10253802_10152029358180947_674830817771952869_nDass ich im Oktober 2012 in Hamburg WHATCHADO vorstellen durfte und als Resultat plötzlich die Deutsche Bahn auf uns gesetzt hat, verdanke ich einigen wenigen Menschen, deren Präsenz sich in den letzten Jahren immer und immer wieder in mein Leben eingebrannt hat.

Jörn Hendrik (@jormason) hatte mich im Juni 2012 kurzfristig auf Twitter zur SMRC (Social Media Recruiting Conference) als Vortragenden eingeladen, nachdem er dort am 1. Tag der Konferenz von uns gehört hatte.

Er war zu dem Zeitpunkt einer der Mitorganisatoren und hatte nach kurzem Twittertalk mit mir beschlossen, dass ich am nächsten Tag dort vor Ort die OpenKeynote halten sollte. Uns gab es zu dieser Zeit gerade mal 6 Monate, aber wir bekamen die Chance — im Nachhinein betrachtet recht krass ☺

Vor Ort versuchte ich, so gut wie möglich aufzutreten — war aber durch und durch nervös, weil es gerade mal mein 4. oder 5. Auftritt als WHATCHADO CEO war.

Was danach passierte, war recht verrückt. Frank Sitta, Stefan Person und Jan Kirchner — die Veranstalter der SMRC — fragten mich, ob ich mir vorstellen könnte, in Hamburg bei der SMRC im Oktober 2012 aufzutreten. Was ich auch dankend annahm, ohne zu ahnen, was auf uns zukommt ☺

Frank & Stefan — zwei, die wissen was sie tun

6. September, 2014 — 2 Jahre und einge gemeinsame Events später, die sich von Halle bis nach Eisenach gezogen haben, habe ich Frank und Stefan — die Helden hinter der SMRC — nicht nur besser kennengelernt — nein, ich habe sie ins Herz geschlossen.

Fachlich gesehen, sind ihre Events sowieso top

  • Future Recruiting Camp: Wenn es um kollaboratives Erarbeiten von Zukunftsthemen geht, die schon heute das Recruiting weiterbringen. Hier werden Themen positioniert und besprochen, die Mut benötigen, um diese umzusetzen, aber langfristig unumgänglich sind für gute HR Arbeit. JA!FutureRecruitingCamp WartburgDer Event fand auf der Wartburg statt — einer genialen Burg, auf der auch Martin Luther wirkte — die coolste Location, die ich je gesehen habe ☺
  • Mitteldeutsche Personaltagung: Es ist komplett klar, dass gerade KMUs das Fundament einer guten Wirtschaft sind und genau dieser Bereich wird hier abgedeckt. Vorträge, Diskussionen und eine eigene Fachausstellung garantieren, dass der Event einen selbst weiterentwickelt — sei es um weitere Ideen oder konkrete Umsetzungtips.Mitteldeutsche Personaltagung

Ich hatte das echte Glück, überall dabei sein zu dürfen und mich mit ihnen weiterzuentwickeln.

Der Weg, der noch vor uns liegt

Am 9. Oktober, 2014 werde ich bei der SMRC#14 darüber sprechen, wo wir heute stehen und welche Erfahrungen wir im Personalbereich gesammelt haben, wenn es darum geht, gute Geschichten zu erzählen.

Ich freue mich auf alle neuen und bekannten Gesichter, auf Hamburg und auf den fachlichen Austausch.

Wer dabei sein möchte, einige wenige Tickets gibt es noch.

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Die Entscheidung, ein StartUp zu gründen – worauf mich niemand vorbereitet hat

Ehrlich … hätte ich gewusst, was mir alles bevor steht, als ich im Oktober 2011 beschloss, dass ich ein StartUp mitgründe … ich glaube, ich hätte davor noch mal eine Kur und eine halbe Weltreise gemacht.

Jaja, ich weiß eh alles … oder doch nicht?

Nach fast 10 Jahren Berufserfahrung in mehr als 6 Branchen, darunter auch in Leitungsfunktionen, dachte ich, dass ich vieles schon weiß oder auf vieles schon vorbereitet sei.
Ich dachte, dass ich mittlerweile damit umgehen kann, wenn Unerwartetes sich vor mir auftut und ich ins kalte Wasser springen muss – auch wenn ich davon (wirklich!) absolut keinen Schimmer habe.

Es war ja sonst in meinem Leben auch nie schwer, sich in unentdeckte Gebiete zu schmeissen, sich Aufgaben und Jobs anzunehmen, von denen ich keine Ahnung hatte, aber bereit war, alles zu lernen was dafür notwendig war, um diese umzusetzen.
Ich war von Kindesbeinen immer der, dem gesagt wurde, dass “das ja nicht normal sei” wie ich denke und handle – und trotzdem ging es sich immer gut aus, trotz Schrammen und Wunden.
Egal ob Schulabbruch, Abendstudium, radikaler Jobwechsel über Branchen hinweg, etc. … alles ging sich irgendwie immer aus, auch wenn es immer eine neue Reise war.

Nein, auf das StartUp Leben bereitet dich nichts vor – zumindest hat mich nichts auf das vorbereitet, was in den folgenden zwei Jahren nach der Gründung folgte. Aus einer kleinen naiven Gruppe von 4 Helden ist eine Truppe von über 30 Personen geworden, die an eine Idee glauben, die ich mit 14 Jahren hatte.

Zwei unserer Mitarbeiter haben sogar Kinder … eine Verantwortung, die mich – als unser erster Mitarbeiter mit Kinder bei uns anfing – fast einen Monat lang nicht schliefen ließ.

Vom Wohnzimmer in die “Firma“

Von einem kleinen 4x4m Büro und meinem Wohnzimmer, in dem die Geschichte seinen Anfang nahm, sind wir in eine echtes Büro mit genug Zimmern für alle Mitarbeiter gezogen und ja, wir haben sogar genug Türen, sodass man in Ruhe arbeiten kann. 5 Toiletten und 2 Cafemaschinen runden das Bild des “Unternehmens”, der “Firma”, der “GmbH” ab.

WHATCHADO Team 2012

Es ist schon verrückt, was das richtige Team zustande bringt … was Anfangs als banale Idee begann, ist heute eine der innovativsten HR Lösungen für Österreich, Deutschland und Schweiz mit über 2000 Berufsbildern aus über 5 Kontinenten, ausgezeichnet mit dem UN World Summit Award und erst vor zwei Wochen schrieb die Süddeutsche einen Artikel über uns mit dem Titel “Das Leben der Anderen”.

Ich sitze gerade in der Steiermark in St. Michael, es ist 2:00 früh und ich könnte auf mein Team nicht stolzer sein.
Diese Gruppe aus Träumern, Realisten, Optimisten und Pragmatikern hat etwas erschaffen, dass vielen Menschen dabei hilft, sich selbst auf ihrem Weg zu ihrer Berufung zu finden.

WHATCHADO Weihnachtsgeschenke verschickenWeihnachten 2011 – das Team verschickt scharfe Salamis und handgeschriebene Karten

Und Ende 2011, kurz vor unserer Gründung, reichte unser Horizont nicht mal ganz aus, um für uns selbst die Frage zu beantworten, ob wir jemals aus Österreich hinauswollen, bzw. hinaus können.

Klar, wir wussten, dass WHATCHADO die ganze Welt vernetzen soll, aber wir trauten uns nicht, es auszusprechen, als wir die Dokumente für die Firmengründung vorbereiteten.

Planung vs. “Scheiss drauf, die Chance kommt nie wieder“

Wir waren nicht eine Sekunde darauf vorbereitet, als Ende 2012 der erste deutsche Kunde uns nach Deutschland brachte (nach dem er uns auf einer Konferenz hatte vortragen gesehen). Aber wir gingen trotzdem den Weg, international zu werden … auch wenn wir unsere Hausaufgaben für Österreich noch nicht gemacht hatten. Wir mussten damals eine Entscheidung treffen – wollten wir langsam alles aufbauen oder die Chance nutzen.

Diese eine Chance zu nutzen war ein Segen, der uns und unserer geistigen Vorstellung eine Tür öffnete – bei vielen anderen wahrgenommenen Chancen war es verlorene Liebesmüh und leere Kilometer.

Wenn wir für jedes Mal, als jemand “etwas tolles” mit uns auf die Beine stellen wollte, es aber mangels Arbeitsmoral und -aufwand wieder lies, einen EUR bekommen hätten … Boy, wir hätten die Investmentrunde Anfang 2014 auch mit Kleingeld aufstellen können.

Hast du ein StartUp, ist jede/r um dich ein Experte … wirklich

Es ist ein bisschen so wie beim Fussball. Beim Ländermatch stehen dann plötzlich 40.000 Fussballtrainer auf den Rängen und jeder weiß es besser, weil der eine Freund eines Freundes auch mal in einem Verein einen Ball gekickt hat.

“Geht es langsam an und stresst euch nicht”,
“ihr müsst jede Chance nutzen”,
“wenn ihr zu langsam seid, werdet ihr überholt”,
“lieber mal eine Risikoanalyse machen”,
“Wow, ihr habt es geschafft” (nachdem wir den ersten Kunden hatten),
“wenn ihr alles kontrollieren könnt, seid ihr das Bottleneck”,
“wenn ihr nicht mehr die Kontrolle habt, habt ihr einiges falsche gemacht”
“ihr müsst das investierte Geld verpulvern, damit ihr wachsen könnt”,
“schaut, dass ihr in den ersten 3 Jahren einen Exit hinlegt”,
“lenkt das Unternehmen nicht so, als würdet ihr einen Exit hinlegen wollen“
… und so weiter.

So viele Fragen und Möglichkeiten und am Ende des Tages sind es recht einsame Entscheidungen, für die man gerade stehen muss … gerade dann, wenn es die falschen waren.
Und ganz ehrlich … im Nachhinein, mit dem damaligen Wissensstand, würde ich es bei allen Entscheidungen genauso wieder machen. Woher sollte ich es denn auch besser wissen?

Ich habe das Glück, ein Netzwerk von Unternehmern und Gründern um mich zu haben, die ich immer um Rat bitten kann, aber die letzte Entscheidung nimmt einem dann doch niemand ab.

Teilweise klingt es banal, aber es gibt wirklich diese Augenblicke, in denen man absolut nicht weiß, was richtig oder falsch ist und keine Kapazitäten hat, Szenarien zu entwickeln, wie diese oder jene Entscheidung sich auswirken könnte.

Die Reise, für die du dir selbst dein Ticket ausstellst

Ich spreche normalerweise ja immer nur über die tollen Seiten des Gründens, aber manchmal muss man auch mal den Tradeoff ins Licht rücken. Alles im Leben hat seinen Preis, kein Licht ohne Schatten, kein Pro ohne Contra und kein Regenbogen ohne Regen … klingt melodramatisch, ist aber im Grunde eine simple Gleichung und diese findet sich auch bei einem StartUp.

Ich erwähnte am Anfang, dass es Dinge gibt, die dir am Anfang niemand sagt und auf die du nicht vorbereitet sein kannst … damit meinte ich aber nicht die oben angeführten Punkte.

Was ich meine – und das ist das Tolle – ist, dass es allen Gründern und Gründerinnen genau so geht.

Schlaflose Nächte, Entscheidungs-Ohnmacht, Selbstzweifel, Ablenkungen, Verlust von Fokus, Müdigkeit, Up and Downs im Tagesryhtmus, Glücksausbrüche in fliegendem Wechsel mit kompletter Verzweiflung, you name it … all das ist das Normalste auf der Welt, wenn man sich auf diese Reise einlässt.

Es sind Dinge, die mich sehr Nahe an meine Grenzen und Möglichkeiten bringen und mir zeigen, was mir wichtig ist. Es sind Dinge, die mir vor Augen führen, was noch in mir steckt und was ich bisher nicht gekannt habe. Es sind Dinge, die mich herausfordern … immer dann, wenn ich etwas schon aufgegeben habe.

Es sind – sieht man zurück – die Dinge, die diese Reise zum Leuchten bringen.

Und um den ersten Satz von diesem Post richtig zu stellen:

Ehrlich … hätte ich gewusst, was mir alles bevor steht, als ich im Oktober 2011 beschloss, dass ich ein StartUp mitgründe … ich glaube, ich hätte schon viel früher damit angefangen.

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