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Manchmal ist die Seitenlinie lehrreicher als das Spielfeld

Ich war es immer gewohnt, dass ich bei meinen Projekten – egal ob als Basketball-Kapitän in meiner Jugend oder als WHATCHADO CEO – immer im Mittelpunkt des Geschehens agierte.

Für mich war es unvorstellbar, Teil von etwas zu sein, ohne auch selbst das Tor zu schießen oder zumindest vorne mitzustürmen.

Egal ob beim Gewinnen oder beim Verlieren … Mittendrin war das einzige Gefühl, welches für mich zählte.

Im Laufe der Zeit bemerkt man aber, dass Teams immer dann funktionieren, wenn jeder und jede das macht, was er oder sie am Besten kann und das bedeutet manchmal auch, dass jemand anders zum Stürmer wird oder sich die Kapitänsschleife umhängt.

Ich habe die letzten Jahre meines Lebens immer wieder Jugendliche als Mentor begleitet, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammen.

Begonnen habe ich damit im Jahre 2010, als ich ehrenamtlich bei der CARITAS Schulungen zum Thema Berufswahl gehalten habe und mich dort eines Jungen angenommen hatte, der nicht aus Österreich kam und auch seiner Hautfarbe nach ganz klar nicht Europäer war.

Neben sprachlichen Barrieren, die er aber verdammt schnell meisterte, war sein Problem ganz klar die Ablehnung, die ihm immer wieder unterkam. Aus meiner Geschichte heraus wusste ich, wie es ihm ging und ich war mir ganz sicher, dass ich ihm bei jeder Sache helfen oder es ihm sogar abnehmen konnte – ein Fehleinschätzung, wie sich herausstellte.

Ich wurde zu einer Art Mentor für ihn und begleitete ihn bei seinen ersten Schritten und tatsächlich, er machte die Abendschule und entwickelte sich sehr schnell weiter.

Er sagte mir mal, dass es für ihn immer dann sehr hilfreich war, wenn er das Gefühl hatte, dass da jemand ist, der das alles selbst erlebt hat, aber ihn von außen begleitet und ihn seine Fehler selbst machen lässt. Er sagte mir, dass er immer dann wenig lernte, wenn ich ihm alles vorzeigte oder es ihm abnehmen wollte.

Bis zum damaligen Zeitpunkt dachte ich, dass es meine Aufgabe war, bei seinen Fehlern einzuspringen – durch ihn erkannte ich aber, dass es gerade seine Fehler waren, die er selbst machen musste.

Und so verhält es sich mit vielen Dingen im Leben … manchmal ist es besser und dankbarer, wenn wir nicht selbst das Tor schießen, sondern als Trainer am Spielfeldrand stehen und zusehen, wie unser Team, das wir begleiten, das Tor selbst macht.

Auch wenn wir theoretisch wissen, wie man es selbst besser machen könnte, ist unsere Aufgabe, andere zu begleiten und für sie dazu sein, wenn sie Rückhalt brauchen.

In einer Welt, in der jeder ganz vorne dabei sein will, wo alle sich als Gewinner sehen wollen und wo Aufgeben keine Option ist, sollten wir vielleicht so demütig sein und erkennen, dass die Seitenlinie aus uns bessere Menschen machen kann, als es das Spielfeld je tun würde.

Es ist wie bei der Kommunikation: Wer immer redet, hört nur das, was er schon weiß – wer aber zuhört, lernt etwas Neues.

(ich denke, der Spruch stammt vom Dalai Lama)

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