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Ali Mahlodji Blog

Warum ich laufe

Es schmerzt, es tut richtig weh. Das erste Mal dachte ich sogar, dass ich gleich Opfer eines Herzinfarkts werde.

Was war passiert?

Ich habe mich am 10. April 2016 für den Vienna City Marathon 2017 angemeldet.
Es war knapp vor Mitternacht, als ich in diversen Berichten im Internet las, dass über 33.000 Personen sich dieses Jahr ins Ziel gekämpft hatten.

Dabei fiel mein Blick auf eine Liste, die ich – gefühlt seit immer – auf meinen Tisch geklebt habe.

Ali Mahlodji Traumliste

Diese Liste habe ich Ende 2010 erstellt – mein damaliger Burnout war eine Zeit her und ich bereit, an die Zukunft zu denken … und wieder zu träumen – so entstand diese Liste.

Knapp 6 Jahre später, am Abend des 10. April 2016 wurde mir bewusst, dass mir noch ein weißes Kästchen fehlt, dass ich nicht abgehakt hatte:

„Ich möchte einen Marathon laufen“ … stand gleich als erster Punkt auf meiner Liste.

Alles Andere hatte ich schon geschafft. Auf der Liste standen großteils Punkte drauf, die ich damals als Phantasterei abstempelte. Zu weit war ich davon entfernt, etwas zu schaffen.

Am 10. April 2016, als ich mir ansah, was ich von der Liste – obwohl damals Phantastereien – bereits abgehakt hatte, wurde mir bewusst, wie sich die Manifestierung von Gedanken in Worte und in Schrift auf unsere Zukunft auswirkt und dass Gedanken und Träume der Ursprung unserer Gegenwart und unserer Zukunft sind.

Witzigerweise sind meiner Erfahrung nach, Träume die einzig wahre Konstante unseres Lebens. Alles Andere ist viel zu instabil – egal ob der Arbeitsmarkt oder das Liebesleben, beides kann morgen schon vorbei sein, auch ohne unseren Einfluss.
Träume aber, die gehören uns und bleiben auch, wenn andere Konstanten wegbrechen.

Vor knapp zwei Monaten begann ich, Freunden zu erzählen, dass ich den Wien Marathon laufen werde.

„Die ganzen 42 Kilometer? Echt jetzt?“ war die Reaktion von so ca. 90 Prozent der Personen, die es erfuhren.

Ja, ich hatte das Ganze wohl etwas unterschätzt, bzw. war und bin naiv genug, zu denken, dass ich es schon laufen werde 😃
Zwecks Vorbereitung meldete ich mich auch gleich mal für den Halbmarathon im Oktober 2016 in Graz an – quasi Generalprobe.

Wie mir von der Werbung vorgelebt, kaufte ich mir das coolste Laufgewand, die richtigen Schuhe, installierte mir Runtastic und checkte mir eine Pulsuhr.
I was ready to go!
Ich wollte laufen und zwar in einem Wettbewerb und ich wollte im Wettbewerb bestehen.

Dann kam mein erster Testlauf und meine Gedanken manifestierten sich auf einen gemeinsamen Nenner:
Es schmerzt, es tut richtig weh. Das erste Mal dachte ich sogar, dass ich gleich Opfer eines Herzinfarkts werde.

Die Angst und das Gefühl waren real. Mein Körper kannte das Gefühl der Bewegung in diesem Tempo nicht. Und ich rannte bei Gott nicht schnell, es war eher schneller gehen.

Mit ach und krach schaffte ich 20 Minuten zu „laufen“, bevor ich mit hochrotem Kopf und Schnappatmung in meine Wohnung zurück kam, wie verzweifelt an meinem Asthmaspray saugte und dann ca. 1 Stunde ruhen musste, bevor ich es unter die Dusche schaffte.

„42 km … echt jetzt?“ dachte ich mir dann auch das erste Mal.

Vor ca. 2 Wochen lief ich 15 Kilometer. Nach 12 Kilometer machte mein Körper Schluss, meinen Kopf interessierte das zeitgleich recht wenig.

Heute früh stand ich um 6:00 auf und rannte einmal um den Wiener Ring (ca. 6,5-7 km). Das Ganze in 40 Minuten … ohne Asthmaspray.

Die ersten 10-15 Minuten sind nach wie vor die Phase, bei der sich mein Kopf denkt „Mann, hast du nichts besseres zu tun?“. Interessanterweise interessieren mich meine Gedanken dieser Art nicht mehr. Ich höre sie zwar, höre aber nicht zu.

Was war passiert?

Ich begann zu laufen, weil ich eine Box auf einer Todo-Liste abhacken wollte. Ich begann zu laufen, weil ich es mir beweisen wollte und im Wettbewerb bestehen wollte.

Und dann begann ich zu lernen …

Ich lernte, dankbar zu sein für all die Augenblicke voller Aufmerksamkeit und Wahrnehmung des Hier und Jetzt, die ich während des Laufens verspürte.

Ich lernte, dass ich nicht meinen Körper spazieren trage, sondern meine Gedanken und Emotionen mich.

Ich lernte, dass der Fokus auf den Sieg mit sich zieht, dass es Verlierer gibt – ein Gedanke, den ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert hatte.
Wollte ich doch früher immer gewinnen, wurde mir bewusst, dass ich beim Marathon im besten Fall „nur“ ins Ziel komme. Also fernab von Gewinn, Sieg und sonstigem Phallus-ähnlichen Gebärden unserer Zeit … und ich merkte, dass mir  das Bewusstsein, nicht zu gewinnen, absolut nichts ausmachte.
Es war sogar befreiend und schenkte mir ein entspanntes Lächeln.
Was ich lernte: nicht zu gewinnen hat nichts mit verlieren zu tun.

Ich lernte, dass mich Laufen zu mir selbst zurückbrachte.

Ich lernte, dass mein Körper und mein Mindset für das Laufen gemacht sind und ich begann, meine Schmerzen als meine liebsten Begleiter zu sehen.

Ich lernte, dass solange ich in Bewegung bin, ich meine Balance im Leben halte.

Wenn ich in der früh laufe, starte ich mit einer großen Portion Glücksgefühlen in den Tag … und das, bevor die Welt noch wach ist.
Einer Stadt beim Aufwachen zuzusehen – während man seinen Körper bewegt und die Gedanken aktiviert – ist ein Geschenk, dass ich erst entdecken musste … obwohl es immer da war und nur davon abhing, ob ich bereit war, mich zu bewegen.

Warum ich laufe? Es macht mich glücklich … egal ob 20 Minuten oder 42 Kilometer.
Gewinnen und Bestehen „zu müssen“ … das brauche ich längst nicht mehr.

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