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Wenn nix mehr geht

Wir kennen diese Phasen, wir haben sie alle. Wir wollen unbedingt, versuchen, machen kleine Schritte, stehen an, fühlen uns, als wären wir wieder auf Feld Nummer eins.

Was wir sehen ist der Rückfall, was wir übersehen die Erfahrung.

Bevor wir am obersten Gipfel stehen, begleitet uns ein Weg … ein Weg, der uns dazu einlädt, unseren Blick vom Pfad zu heben und um uns herum zu sehen, was ist: die Umgebung, die Wegbegleiter, die Erfahrungen, die Relikte unserer bisherigen Tuns.

Ob wir den Fokus nur auf unsere Beine und den Pfad legen, auf unsere Gedankenwelt oder auf das was uns umgibt, ist unsere Entscheidung – die Situation jedoch immer die Selbe.

Es ist meiner Meinung nach wichtig, nicht dem FOMO-Syndrom (Fear Of Missing Out) zu verfallen, sondern das – was ist – bewusst zu erfassen und zu leben. Manchmal ist es der Fokus auf den Pfad selbst, manchmal der Blick auf die Umgebung und manchmal, wenn wir bereits geübt sind, der Blick auf die Gesamtheit dessen, was uns im Hier und Jetzt umgibt.

Wie bei so vielen Dingen, ist das Verständnis dafür, was wir aus jeder Reise lernen, Übungssache … nicht mehr und nicht weniger.

Viel Spaß beim Üben 🙂

Ali

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Die Kunst, sich selbst auszuhalten

“Bleib so wie du bist”.

Wie oft hören wir diesen nett gemeinten Rat und wissen schon beim Lesen dieses Satzes, dass “nett” immer der kleine Bruder von “scheisse” ist.

“Bleib so wie du bist” … das ist die Wunschformel, die reflektierten Menschen den Schauer runterjagt, weil es suggeriert, dass man sich ja nicht verändern soll. Um Gottes Willen, nicht nach vorne verändern, sondern bitte auch in einigen Jahren noch so bleiben wie man heute ist.

Ehrlich, kennen wir auch nur eine Person, die wirklich vor hat, sich überhaupt nicht zu verändern?

Gerade war Silvester und die halbe Welt, wenn nicht sogar fast die ganze, hat Neujahrsvorsätze formuliert und sich damit den eigenen KickOff einer neuen Zeitenwende suggeriert.

Neujahrsvorsätze sind das “geht scho Burschen, das nächste Match wird besser” der normalen Menschen, wie wir es sind. In ihnen steckt Hoffnung, Neugierde, Begierde und der Wunsch, sich nicht nach hinten in die Vergangenheit zu entwickeln, sondern nach vorne. Da wo sie sich (noch) versteckt… unsere Zukunft im Garten Eden mit all ihren Erfüllungen unserer Wünsche, die uns zu dem Menschen machen, der wir sein wollen.

“Bleib so wie du bist” … so gesehen eine Schandtat der Bedeutungslosigkeit.

André Heller sagte mal mit einem Augenzwinkern, dass er allen Menschen, die ihm diesen Ausspruch mitgeben, droht, dass sie von seinem Anwalt hören.

Ich selbst habe dies in meiner Jugend sehr oft anderen Menschen gewünscht und checke erst jetzt, dass ich wollte, dass alles so bleibt, wie es ist. Vielleicht war es Angst, dass ich dadurch erkenne, dass ich mich nicht weiterentwickle, wenn sich alle um mich herum evolutionär der Zukunft hingeben.

Es ist 2018, ich sitze in Südafrika – einem Land, in welchem die Menschen wissen wie es ist, wenn man aufgrund seiner Hautfarbe nach unten selektiert wird. In dem Menschen das Gut der freien Wahlen, der Gleichstellung vor dem Gesetz und das Feiern des Lebens als Aufbruch in die Zukunft nur zu gut kennen. Ein Land, in dem die Gegensätze weiter, und manchmal auch näher, nicht sein könnten.

Es war Nelson Mandela, der mal gesagt hat, dass es nicht die Dunkelheit ist, die wir fürchten, sondern unser Licht.

Ich habe mit Gerald Hüther, meinem Mentor, Ende Oktober bei einer Bildungskonferenz im wunderbaren Schloss Puchberg einen Abend darüber sinniert, wie sehr Menschen doch Angst vor ihrem Potential haben, ihrem Licht. Wie sehr wir uns damit begnügen, nicht gut genug zu sein, weil wir Angst davor haben, auf dem Weg zu unserem Glück und unserer Potentialentfaltung zu scheitern.

Angst davor, zu erkennen, dass unsere Träume vielleicht wirklich unsere einzig echte Realität sind und unsere Potentiale die Werkzeuge auf dem Weg dorthin.

Ich muss zugeben, dass ich die letzten Tage mit mir selbst gekämpft habe. Es war vielleicht weniger ein Kampf, als der innere Dialog, wie mein 2018 aussehen soll. Wer ich sein will und wie ich mich erfinden möchte. Eine Prozedur, die ich jedes Jahr um die selbe Zeit durchmache.

Während ich mit mir selbst haderte, wurde mir immer mehr klar, dass es vielleicht nicht immer an der Zeit ist, sich neu zu erfinden. Den Kids, Mitarbeitern und Führungskräften versuche ich immer klar zu machen, dass sie nicht erst “jemand” werden müssen, da sie schon jemand sind und zwar seit dem Tag ihrer Geburt.

Um ganz ehrlich zu sein, es war Anna, die mir in einem stillen Augenblick klar machte, was ich selbst übersah: ich rannte nach vorne, ohne zu wissen, wohin und vergaß dabei, die Reise namens Lebens zu genießen.

Ich wollte mich schon “wieder” (wie jedes Jahr) auf Druck neu erfinden und war drauf und dran, all das Schöne, dass es bei meinem jetzigen Ich noch zu entdecken gibt, mit rasendem Tempo zu überspringen.

Und so sitze ich hier, fast 15 Stunden Flugzeit von meinem Zuhause entfernt und merke, dass ich hier das tun sollte, wofür ich hergekommen bin … nämlich “Loslassen” in seiner reinsten Form. Manche nennen es auch einfach Urlaub.

Wie meine Vision für 2018 aussieht? Keine Ahnung, doch ich weiß, wie es sich anfühlt: ein zufriedener Ali. Zufrieden im Tun, im Beobachten und vor allem im Sein.

Werde ich weitermachen, was ich tue oder kommt etwas komplett neues? Ich denke, etwas von Beidem und vielleicht auch ganz anders. Das Schöne ist, dass gerade – während ich diese Zeilen schreibe – eine Last von meinen Schultern fällt und ich weiß, dass alles genauso wie es ist, gut ist und meine Entwicklung sich ergibt, während ich meinen Weg gehe.

Das Einzige, was ich mental mehr trainieren will, ist das ablegen von Täuschungen. Wir Menschen sind so oft – ja fast tagtäglich – von Dingen um uns herum enttäuscht. Sei es die Politik, der blöde Autofahrer neben uns oder der Arbeitskollege aus dem Lift. Wir machen unsere Unzufriedenheit davon abhängig, wie uns “andere da draußen” enttäuschen, dass wir so unsere Selbstwirksamkeit aufgeben.

Doch eigentlich sind Enttäuschungen etwas wunderbares, da sie das Ende der Täuschung sind und diese entstehen ja eigentlich immer dann, wenn wir von Anfang an Glaubenssätze und Erwartungen in uns tragen, die vielleicht schon immer nur Wunschvorstellungen an Dritte waren, die nur in unserem Kopf, aber nicht in der Realität, existiert haben.

Um mit Mandela zu schließen: “Es ist unser Licht, das wir fürchten. Nicht unsere Dunkelheit.”

Daher lasst 2018 das Jahr eures Lichts werden. Ihr müsst euch nicht neu erfinden, ihr seid schon wer.

Ali

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Der erste Tag

Weltweit ist heute das Fest der Güte, der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit.

Und gleichzeitig erleben wir – zumindest gefühlt – eine Zeitenwende, die uns Angst macht. Wir haben Trump, wie haben den Klimawandel, einen politischen Rechtsruck in Europa und andere unzählige Spannungen, die uns teilweise sprachlos und ohnmächtig erstarren lassen.

Ganz klar müssen wir erkennen, dass es Herausforderungen gibt, die wir so noch nicht gesehen haben und diese Ungewissheit macht uns Angst.

Gleichzeitig denke ich, wir sind nicht die ersten unserer Art, die vor diesen Herausforderungen standen. Eher denke ich, wir Menschen leben nicht lange genug, um zu erleben, wie sich die Geschichte wiederholt.

Finanzkrisen gab es auch vor 2008, Angst vor Arbeitsplatzverlusten durch Technologien auch schon durch die Industrialisierung und dem Radio wurde auch der Tod schon mehrmals vorausgesagt.

Fakt ist, wir leben in der besten aller Welten und Zeiten und trotzdem haben wir das Gefühl, es könnte irgendwo immer schlimmer werden.

Würden wir nur einfach länger leben … so 300 Jahre statt nur 90. Dann wären wir alle Zeitzeugen einer Geschichte und ihrer Muster. Wir müssten uns nicht mehr aufgrund unserer jungen Daseins ängstlich zurück ziehen und auf bessere Zeiten hoffen, nein … wir würden das Negative wie das Positive bewertungsfrei als das sehen, was es ist: Der Lauf der Dinge.

Tag 1

An jedem Tag bekommen wir eine neue Chance, die Welt zu verändern. Nein, nicht die da draußen, die macht sowieso was sie will.

Eher ist es unsere Sichtweise auf die Geschehnisse, die unser Fortkommen bestimmt. Die Dinge, die um uns passieren (Klimawandel, Trump, Rechtsruck in Europa, der hupende Autofahrer neben uns, der selbstmörderische Radfahrer im Weihnachtsverkehr) können wir nicht immer mitbestimmen, doch wir können zu jedem Augenblick in unserer Achtsamkeit festlegen, wie wir mit diesen Dingen umgehen wollen.

Spinnt man dieses Gedankenspiel weiter, merken wir, wie wenig wir – so gesehen – “mit”bestimmen können und auch wenn dies auf den ersten Blick Hoffnungs- und Handlungslosigkeit hervorruft, so merken wir beim zweiten Durchatmen, dass dies die beste aller Freiheiten mit sich zieht.

Zum ersten Mal realistisch zu Erkennen, was wir steuern können und was nicht, erleichtert nicht nur unseren Rucksack der Verbindlichkeiten an die Gesellschaft, sondern schafft auch Raum für den Fokus auf unsere Potentiale und Talente. Denn zu wissen, was wirklich die Dinge sind, die wir beeinflussen können, führt uns unweigerlich dazu, die Werkzeuge, einzusetzen, die wir seit dem Tag unserer Geburt in uns tragen.

Mit dem Geiste des Anfängers

Zu verstehen, wie sehr unser Geist und unsere Gedanken die äußere Welt bewerten, hilft uns dabei, diese Bewertungsmechanismen neu zu schreiben. Wie kann es sonst sein, dass zwei Freunde, die sich seit 20 Jahren kennen, beim Thema Politik komplett auseinander driften? Ist es, weil einer recht hat und der andere nicht? Was ist in diesem Fall recht? Das demokratische Prinzip, auch wenn es dieses war, welches Diktatoren zur Macht verhalf?

Gut und Böse sind genauso nur Projektionen unseres Geistes wie der Umstand, Fan vom FC Barcelona oder Real Madrid zu sein: Befindlichkeiten und deren Auslegungen in unserem Geist.

Doch wie wäre es, wenn wir uns nicht mit der Bewertung von Gut und Böse und deren Konsequenzen quälen müssten, sondern stattdessen die Dinge einfach so sehen würden, wie sie sind, ohne diese zeitgleich zu bewerten.

Dies würde zu einem klaren Geist, einem klaren Fokus und einer inneren Ruhe führen, aus deren Kraft wir auf den Wellen des Lebens surfen könnten.

Im Daoismus ist mir im letzten Jahr der Begriff “Wu Wei” untergekommen, dessen Grundauslegung es ist, die Dinge im Verlauf ihrer Natur zu akzeptieren und sich nicht dagegen zu stellen.

Bedeutet dies, alles mit sich geschehen zu lassen? Klarerweise nein, das wäre naiv.

Bedeutet es, zu erkennen, wie wenig man das Geschehene ungeschehen machen? Ja.

Bedeutet es, sein Leben im Hier und Jetzt zu leben und nicht mit Gedanken in der Vergangenheit oder mit Sorgen an die Zukunft zu verbringen? Ja.

Irrtümlich wird es zu sehr mit “nichts tun” im Sinne von auf der Couch sitzen und abwarten übersetzt, doch es ist eher gemeint, dass man fühlt, was richtig ist und was nicht und sich wie ein Fisch im Wasser bewegt und nicht versucht, gegen den Fluss zu schwimmen, wenn dies dem Fisch nicht gut tut.

Und so ist heute – so wie an jedem Tag – an dem wir aufwachen, Tag 1 vom Rest unseres Lebens.

Eines Lebens, dessen Sichtweise davon abhängig ist, wie wir die Umstände und Vorkommnisse begrüßen und in Dankbarkeit als Lernerfahrungen sehen.

In ca. 100 Jahren werden wir alle aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr Leben und die Frage wird sein, wessen Leben wir gelebt haben und welche Erfahrungen wir als menschliche Wesen gemacht haben.

Es ist unsere Entscheidung, ob wir den heutigen Tag als einen normalen Tag sehen als Tag 1.

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Small is beautiful – Kapitelauszug aus “Und Was Machst Du So?”

Hier eine Kostprobe meines Buches “Und Was Machst Du So?” und zwar eines meiner Lieblingskapitel “Small is beautiful”.


Wachstum um des Wachstums Willen ist dein Grab

Die Natur wächst und vergeht – und der Mensch als Teil von ihr auch. Unternehmen werden von Menschen gebaut. Sie sind unser kreativer Beitrag zur Natur. Warum können wir nicht akzeptieren, dass es auch für ihr Wachstum Grenzen gibt? Vom Philosophen und Umweltaktivisten Leopold Kohr stammt der Ausspruch »Small is beautiful«. In seinem Buch „Das Ende der Großen. Zurück zum menschlichen Maß“ beschreibt er, dass alle Dinge, die wir erschaffen, eine organische Wachstumsgröße haben. Wenn sie überschritten wird, gleitet unsere Schöpfung ins Chaos über. Wir können sie nicht mehr beherrschen. Kohr bezieht diese Theorie auf Nationen und Unternehmen. Wir leben in einer Zeit, in der wir dieses Phänomen gut beobachten können. Viele große altehrwürdige Konzerne und Institutionen kranken und werden von wendigen, kleinen Einheiten links und rechts überholt.

Was macht dieser Wunsch immer weiterzuwachsen, mit uns Menschen?

Macht es uns glücklich? Ich habe viele finanziell sehr erfolgreiche Menschen kennengelernt. Doch Glück und Zufriedenheit haben die wenigsten ausgestrahlt. Die meisten waren innerlich unruhig und getrieben. Ich habe auch kaum einen Chef erlebt, der sich mit dem Wachstum seines Unternehmens zufrieden gab und sich für das kommende Jahr die gleichen Ziele wie für das laufende gesetzt hat. Die simple Rechnung dahinter ist: Mehr Personal, mehr Kosten, mehr Umsatz. Deshalb müssen wir in den Himmel wachsen. Und dabei geben wir Jahr für Jahr die Möglichkeit, unsere Entwicklung zu steuern, aus der Hand.

Unter Druck entstehen Diamanten

Die Maxime, ständig zu wachsen, entfacht einen unheimlichen Druck auf die Verantwortlichen und die Mitarbeiter. »Unter Druck entstehen Diamanten«, sagte mir mal ein Vorstand. Aber Menschen sind keine Steine. Druck setzt für einen kurzen Zeitraum Kräfte frei und lässt uns Aufgaben zu Ende bringen, die wir sonst nicht erledigt bekommen hätten. Hält sich dieser Zustand über einen längeren Zeitraum konstant auf einem hohen Level, dann verwandeln sich die erzwungene Kreativität und Schaffenskraft in Versagensangst. Dieser Dauerdruck ist eine Art von negativem Stress, der krankmacht.

Starker Druck von außen bringt uns dazu, ein Tempo zu laufen, das nicht das unsere ist. Deshalb sollten intrinsische Zielsetzungen die Zukunft der Führung sein. Wenn man selbst beginnt, sich Ziele zu setzen, die dem eigenen geistigen und körperlichen Vermögen entsprechen, ist es weniger wahrscheinlich, aus dem Ruder zu laufen. Legen wir aber den Fokus auf Zielsetzungen, die nur von außen festgelegt werden, laufen wir Gefahr, in einem Hamsterrad zu landen, dessen Betrieb wir nicht mehr stoppen können.

Manche Selbständige und kleine Familienunternehmen haben das erkannt. Sie nutzen die Freiheit, die ihnen ein flexibles Arbeitsumfeld bietet, und stellen andere Attribute in den Vordergrund. Zusammenhalt, Kostendeckung, Nachhaltigkeit. Niemand muss auf Teufel komm raus jedes Jahr um 10 Prozent wachsen, nur weil es der Markt so will.

Schrumpfkur? Fehlanzeige.

Bei Sun Microsystems habe ich diese Spirale von ihrer bittersten Seite kennengelernt. Wir hatten gerade ein schlechtes Jahr hinter uns gebracht. Und waren nur froh, dass es vorbei war. Wir standen knietief in den roten Zahlen. In der Zeit, als ich dort arbeitete, glaubte das Unternehmen noch an einen Turnaround. Ein CFO – Chief Financial Officer – wurde angeheuert, der weiter versuchte, die Zahlen zu optimieren, und hier und da ein paar Anpassungen vornahm. Währenddessen hatten HP und IBM begonnen, die besten Leute abzuwerben. Die Stimmung war im Keller. Bei jedem Strategiemeeting erklärten internationale Manager, wie es wieder aufwärts gehen und um wie viel Sun im nächsten Jahr wachsen werde. Nämlich mindestens schneller als der Markt. Branchenanalysen gingen von 13 Prozent Wachstum aus. Wir wollten 14 schaffen. Wir Mitarbeiter wussten, wie weit diese Träume von der Realität entfernt waren. 14 Prozent? Wir hatten massenhaft Kunden und Talente an die Konkurrenz verloren und hätten dringend neue Perspektiven gebraucht. Ein erster Schritt wäre gewesen, sich gesundzuschrumpfen. Eine Schrumpfkur von 14 Prozent wäre angebracht gewesen.

Die Wachstumsillusion

Bei heutigen Startups läuft diese Wachstumsillusion ähnlich ab. Sie bekommen zu Beginn ein fettes Investment und wollen mit dem fremden Geld in den Himmel wachsen. Platz 1 der Download-Charts. Mindestens. Fragt man nach dem Warum, gibt es keine Antwort. Bei 95 Prozent der jungen Unternehmen geht es nicht um Problemlösungen, auch wenn das auf den Visitenkarten steht, sondern um Wachstum. Höher, schneller, weiter. Am besten quer in eine Branche hinein, deren aufgeblähte Struktur hunderttausende Jobs sichert.

Wachstum funktioniert auf Kosten der Qualität und entfernt den Gründer weit von seinen anfänglichen Zielen. Das ist so, als würde ich meinem zukünftigen Sohn sagen: »Du bist 1,80 Meter groß. Super. Jetzt schauen wir, dass wir dich auf 1,90 Meter bekommen, damit du besser im Basketball wirst.« Dann träufele ich ihm Wachstumshormone in die Frühstücksflocken, und er wächst. Nur dass seine Knochen porös werden, die Arterien verstopfen und er kaum mehr geradeaus laufen kann, geschweige denn Basketball spielen.

Neue Kleidung, neue Schminke, neue Sneakers

Diese Illusion zerrüttet unsere Gesellschaft und unser Miteinander. Alle wollen immer schöner, immer größer, immer besser werden. Sie kaufen Apps, die ihnen helfen, ihr Körperfett runterzutrainieren. Sie kaufen jede Woche neue Kleidung, neue Schminke, neue Sneakers. Weil die Mode plötzlich 52-mal pro Jahr neue Trends vorgaukelt. Dieser Wachstumswahnsinn wird uns noch das Leben kosten und höhlt jetzt schon unsere Natur und unsere Umwelt aus.

Es geht aber auch anders

Ein Startup mit Schwerpunkt auf Medizintechnik für Kinder hatte in den ersten beiden Jahren phantastische Umsätze. Deshalb haben sie Personal eingestellt. Einer der Gründer hat sich hingesetzt und die Kosten durchgerechnet. Er erkannte, dass bei der aktuellen Konstellation ein weiteres Wachstum in dieser Größenordnung nicht zu erwarten ist. Er hat intern durchgeboxt, dass die Planung berücksichtigt, dass das Startup im dritten Jahr nicht wachsen würde. Die Gründer haben die Hälfte der Belegschaft gekündigt, obwohl sie keine Zahlungsprobleme hatten, und sich eine Strategie überlegt. Ihre Fragen waren: Müssen wir um jeden Preis wachsen? Steigert sich unsere Lebensqualität, wenn wir in zehn Jahren tausend Mitarbeiter haben? Es zerreißt uns vor Arbeit. Was ist der Zweck, dass wir uns aufopfern? Sie entschieden, dass sie Umsätze und Mitarbeiter haben wollten, aber auch Zeit für ihre Familien und eine nachhaltige Entwicklung. Daran haben sie die Umsatzziele angepasst. Sie sind gewachsen, aber nur auf dreißig Leute. Der Plan ist aufgegangen. Dem Unternehmen geht es gut.

Wachstumsstreben gibt ein Tempo vor, das kaum mehr zu drosseln ist.

Hat man seinen Investoren einmal versprochen, diese und jene Zahlen zu erreichen, dann ist der Kurs nur sehr schwer zu korrigieren. Dass ich bei whatchado die ersten drei Jahre dieses Spiel mitgespielt habe, war einer meiner größten Fehler. Niemand zwang mich mit vorgehaltener Waffe dazu, und doch war ich ein Getriebener. Dafür kann ich niemandem außer mir selbst die Schuld geben.

Mein Leben lang habe ich gedacht, ich will dieses »höher, schneller, weiter«. Und dann bist du in einem Affentempo an einem Punkt, der dich körperlich und psychisch an deine Grenzen bringt, und fragst dich: »Muss das denn so sein?« Und da hat es bei mir zu rattern begonnen, ob ich langfristig der richtige CEO für whatchado bin. Wachstum ist wichtig, nur eben nicht, wenn es künstlich die Grenzen sprengt. Seien es die des Unternehmens oder die eigenen, die man als Mensch gerne mal übersieht.

Mittlerweile bremse ich, bevor solche Entscheidungen überhaupt anstehen, und erkläre den Investoren, weshalb ich permanentes Wachstum auf hohem Tempo für schädlich halte. Das Schöne ist, dass unsere Investoren – entgegen dem Trend – Nachhaltigkeit vor bedingungsloses Wachstum stellen und wir uns auch deshalb so gut verstehen. Wenn Startups mich als Berater engagieren, und sie schaffen es nicht, mir schlüssig zu erklären, weshalb sie so dramatisch wachsen wollen, wie sie es auf ihren PowerPoint-Folien präsentieren, dann können sie mich in dieser Sekunde von ihrer Mentorenliste streichen.

»Das gefällt den Investoren«, gilt übrigens nicht als Argument.

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Wenn das Potential nur mehr entdeckt werden muss

Heute ist etwas passiert, dass mich sprachlos gemacht hat und wer mich kennt, der/die weiß … das ist echt nicht einfach 🙂

Ich war heute im Zuge meiner letzten whatchaSKOOL für dieses Jahr bei der NMS Herzgasse und zwar schon das 3. Mal in Folge.
Es ist eine Schule im Herzen des 10. Bezirks und ein wunderbarerer herzlicher Ort.

Die heutige whatchaSKOOL fand nicht wir die letzten Jahre im Turnsaal statt, sondern in einer Nachbar-Schule, da der Turnsaal aufgrund der hohen Teilnehmerzahl schon längst nicht mehr groß genug war 🙂

Es war eine meiner schönsten und wunderbarsten whatchaSKOOLs und eine, die mir zeigte: egal, wie schwierig es ist, wir müssen weiter an die Zukunft der Jugend glauben, denn diese sind es, die mit ihrer Energie und offenen Art das Zeug haben, für eine neue Weltordnung zu sorgen … sofern wir sie auf Augenhöhe behandeln.

Nun zu den Dingen, die mich sprachlos gemacht haben und ja, ich hatte nach der whatchaSKOOL Tränen in den Augen.

Alles begann damit, dass ich erfuhr, dass die Kids vor meinem Vortrag etwas vorbereitet hatten und es klang nach einem Geschenk oder einer Überraschung.
Ich freue mich jedes Mal sehr über Geschenke, doch diesmal war ich selbst nicht darauf gefasst, was da kommen würde.

Bevor ich los legte, betrat der Schulsprecher die Bühne und überreichte mir eine – von den Kids selbst gestaltete – Mappe mit ALLEN Stories der Kinder, die im Publikum anwesend waren.
Es waren über 150 Lebensgeschichten der Kinder, welche im Alter von 13 bis 16 waren und sie alle hatten mir einen handgeschriebenen Brief mit ihrer persönlichen Geschichte geschrieben. Wer sie waren, woher sie kamen und was ihre Lebensträume waren.

Es waren berührende Zeilen voller Zuversicht, Witz und lebensbejahender Energie.
Zeilen, die jeder erwachsene Mensch lesen sollte.

Diese Zeilen hatten sie als Dankeschön an das whatchado Team und mich verfasst und so hielt ich eine Mappe mit über 150 Lebensgeschichten dieser Kids in den Händen.

Als ich das Geschenk annahm und ich mich bedanken wollte, fiel mein Blick auf das Cover.
Sie hatten die Mappe „Das Handbuch der Lebensgeschichten“ getauft … als die Urspungsidee von whatchado.

Spätestens da konnte ich nicht anders und eine Träne kullerte meine Augen hinab.

Diese Kids hatten sich die Zeit genommen und in mühevoller und liebevoller Arbeit ein Geschenk geschaffen, welches unbezahlbar ist.
Ein Geschenk, welches Einen daran erinnert, wie sehr wir Großen doch das intrinsische Talent der Jugend vergessen.

Wenn Worte Leben verändern

Während meines Vortrages sprach ich ganz viel über Vorurteile. Über das Anders sein, egal ob wir Ausländern sind oder in den Augen anderer Menschen das falsche Geschlecht haben.
Ich sprach ganz viel über das Frauenbild, welches wir endlich ändern müssen und über die notwendige Gleichstellung von Geschlechtern.

Ich sprach mit den Kids über den Ursprung von Vorurteilen und was diese mit unserer Gesellschaft machen und wie sie uns auch manchmal die Jobchance verbauen.
z.B. wissen wir schon lange, dass Frauen in technischen Berufen oder in Führungsaufgaben den Männern um nichts nachstehen, bzw. teilweise überlegen sind und trotzdem haben wir das Problem, dass es immer noch Vorurteile gibt, die junge Mädchen sehr früh davon abhalten, diese Wege einzuschlagen.

Auch erzählte ich davon, dass ich selbst als Kind meinen Vornamen „Ali“ nicht cool fand, weil ich mich schämte, Ausländer zu sein und dass ich diesen heute jedoch extrem cool finde, weil z.B. auch einer der größten Boxer aller Zeiten, Muhammed Ali, mein Namensvetter ist 🙂

Eigentlich dachte ich ja, dass ich schon vor meinem Vortag das schönste Geschenk erhalten hatte, doch es ging weiter und zwar mit den wunderbarsten Überraschungen, die man sich vorstellen kann 🙂

Nach meinem Vortrag wurde die Bühne von einigen Kids gestürmt, die unbedingt Fotos und Selfies wollten.
Ein Junge kam zu mir und ich sah, dass dieser einen Pullover von Muhammad Ali anhatte. Bevor ich etwas sagen konnte, zog er diesen aus und sagte mir, er ist sehr stolz auf den Namen ALI und er möchte, dass ich seinen Pullover als Geschenk annehme. Er sagte, dass er weiß, dass mir der Pullover zu klein ist, doch er will unbedingt, dass ich diesen annehme.
Ich war so sprachlos und gleichzeitig gerührt, dass ich den Pullover dankend annahm und klarerweise seinen Fotowunsche mehr als gerne erfüllte 🙂

Danach kam ein Mädchen zu mir, dass mir erzählte, dass sie sich entgegen dem Rat ihrer Eltern jetzt doch für einen technischen Job entschieden hat und demnächst bei der ÖBB berufspraktische Tage macht. Sie sagte mir, dass sie in ihrer Familie eher dazu gedrängt wird „frauentypische“ Jobs zu machen und sie sich mit allen Mitteln dagegen gewehrt und auch endlich durchgesetzt hat.
Sie wollte sich bedanken, da unsere whatchaSKOOL ihr klar gemacht hatte, dass sie am richtigen Weg war.

Ich habe in den letzten Jahren viele NMS Schulen besucht und immer wieder habe ich gehört, dass diese einen hohen Migrantenanteil haben und dass der Unterricht dort unmöglich ist, weil die Kids nicht aufmerksam sind und die Lehrer nicht interessiert.

Wie unser Denken die Zukunft verändert

Wer das über NMS Schulen denken möchte, okay. Das werde ich nicht ändern können.

Doch wer daran glauben will, dass wir wunderbare Kids haben und LehrerInnen, die täglich gemeinsam an der Schule arbeiten, dem will ich sagen: willkommen in der Realität einer Welt, in der das, was wir durch Medien konsumieren, nichts mit der Realität zu tun hat.

Ich traue mich wetten, dass es niemanden gibt, der so breit und intensiv Schulen aller Stufen und Niveaus im In- und Ausland besucht hat, wie ich in den letzten Jahren und ich kann nur sagen: wer sich kein eigenes Bild macht, der glaubt letztendlich, wenn andere sagen „die Jugend will nicht und die LehrerInnen schon gar nicht“.

Wer sich die Mühe macht, die Augen aufmacht und die negativen Einzelfälle als das sieht, was sie sind – nämlich Einzelfälle – der wird verstehen, dass unsere Zukunft einen sehr guten Nährboden hat und einzig und allein davon abhängt, welche Zukunftschancen wir in sie hineinprojizieren.

Potentialentfaltung war noch nie so wichtig für unsere Zukunft wie heute und gleichzeitig finden wir Potentiale an jeder Ecke.

Interessanterweise kann ich nach all meinen Schulbesuchen eines mit Sicherheit sagen.
Je weniger eine Schule an materiellen Mitteln hat, umso eher überwiegt oftmals das Menschliche.

Und doch ist leider es der Mangel an materiellen Mitteln, der gerade diese Schulen in ihren Möglichkeiten bremst.

Danke an alle Schulen, die ich die letzten Jahren besuchen durfte.
Danke an die NMS Herzgasse für das heutige Weihnachtsgeschenk, welches ihr mir gemacht habt.

Ich trage es in meinem Herzen und freue mich auf nächstes Jahr bei euch!!
Ali

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Die Mündigkeit der Mitte

Wir dürfen Regierungen und Präsidenten wählen, dürfen Kinder in diese Welt setzen und haben das Vertrauen, Fahrzeuge zu lenken, die gut und gern auch eine Tonne wiegen können.

Ja, wir dürfen, können und sollen Verantwortung übernehmen. Und das tun wir auch, jeden Tag unseres Lebens.

Doch irgendwie gibt es einen Bereich, wo uns allgemein in Diskussionen die Fähigkeit der Selbstwirksamkeit als fast schon Gott gegeben abgesprochen wird oder zumindest immer wieder in Frage gestellt wird.

Am Arbeitsplatz.

Der noch am Morgen der fürsorgliche Vater, die nachhaltig planende Mutter, der mündige Wähler oder die verantwortungsvolle Autofahrerin, geben aller Anschein nach mit dem Überschreiten der Schwelle zum Arbeitsplatz jegliche Selbstverantwortung und Selbstbestimmung an der Bürotüre ab.
Plötzlich müssen wir das tun, was andere uns sagen und es so umsetzen, wie diese es verlangen. Wenn wir unseren eigenen Kopf einsetzen und das Bestehende hinterfragen, kann es passieren, dass uns dieser kalt gewaschen wird.

Wir gehen fast jeden Tag einer Tätigkeit nach, welche dabei hilft, die Ziele anderer umzusetzen und das machen wir – wenn wir ein Mitglied der Gesellschaft sein wollen – Vollzeit, also mindestens ein Drittel des Tages. Wann wir damit anfangen, gibt uns auch jemand anderer vor.

Wollen wir frei haben, müssen wir jemand anderen um Erlaubnis bitte und wenn alles aus der Sicht dieser Person okay ist, bekommen wir Urlaub. Aber auch nicht so lange, wie wir wollen oder wie sehr es unser Körper oder unser Geist benötigen, sondern es wird uns vorgegeben.

Wir spielen das Spiel solange, bis wir ca. 60 bis 65 Jahre alt sind und dann – und das in voller Abhängigkeit vom Staat und dessen Finanzierungsfähigkeiten – erhalten wir dann endlich die wohlverdiente Pension und können dann die restlichen 20 Jahre endlich das machen, was wir gerne machen wollen. „Denn später hat man ja endlich Zeit zum Leben“.

Was für ein Schwachsinn und welche Zumutung an den Intellekt, an das Potential und an die Menschenwürde eines jeden Menschen.

Kritiker werden sagen „dann spiel doch nicht mit, weigere dich“.
Ja, könnte der mündige Mensch.

Wir können so mutig sein und darauf verzichten, einer Zwangsmitgliedschaft der Leistungsgesellschaft beizutreten und könnten ja echt das machen, wofür wir geboren worden sind.
Ja, wir könnten – anstatt gleich eine Karriere einzuschlagen – uns die Zeit nehmen, uns dem Leistungsdruck verweigern und unserem recht kurzem Dasein auf Erden einfach mal Zeit geben, in uns hineinzuhören. Reinzuhören, was es da drinnen denn gibt, dass wir als Kompass unseres Lebens heranziehen könnten.

Ja, die Zeit könnten wir uns geben.

Doch auf einen positiven und auf Augenhöhe basierenden Dialog mit solchen Menschen ist unsere Gesellschaft nicht vorbereitet.

Arbeitsloser, Schmarotzer, Leistungsverweigerer, Träumer, „einen, den die Gesellschaft aushalten muss“.

Wer es einmal erlebt hat, der kennt den Schmerz, den diese harten Urteile mit sich tragen.

Also ganz ehrlich, da stimmt doch was nicht.

Am Tag meiner Geburt wusste ich ja nicht mal, dass es „die Wirtschaft“ und ihre mittlerweile unkontrollierbaren Auswüchse gibt.

Hätte ich gewusst, dass ich bereits mit 6 Jahren jeden Tag per Zwang in einem Raum sitzen und Dinge lernen muss, die ich ein Jahr später nicht mehr weiß … ganz ehrlich, ich hätte das Leben am Spielplatz und die Lust am Neugierig sein dem ganzen Regelwerk vorgezogen.

Meine Muttersprache habe ich ohne Grundwortschatz gelernt. Einfach so.
Das stand niemand neben mir mit einem Schulstoff und einem Vokabelheft und hat mich gedrängt, die Muttersprache zu lernen.
Nein, ich wollte es. Und hab es einfach getan, weil mein Gehirn, meine Neugierde und mein Potential die Geschenke waren, die alle Menschen am Tag ihrer Geburt erhalten haben.
Oder kennt jemand ein Kind, dass in der Ecke sitzt und sich weigert, die Muttersprache zu lernen?

Hätte ich gewusst, dass ich Jahre später in diesem System als lernschwach und sprachlich unbegabt eingestuft werde, weil schlicht und einfach meine Interessen nicht vorhanden waren, ich denke, ich hätte ein Leben als Sozialschmarotzer gewählt.

Ich habe gehen gelernt, ohne am Tag meiner Geburt zu wissen, dass ich das eines Tages lernen sollte.
Und ich habe gehen gelernt, weil ich es bei anderen Erwachsenen beobachtet habe und es unbedingt wollte. Und ich bin beim Versuch der ersten Schritte hingefallen.
Und bin wieder aufgestanden. Und wieder hingefallen.
Bloß, habe ich aufgegeben? Kennen wir Kinder, die nach dem 20sten Versuch sagen „so, ich gebe auf, das wird nichts mehr“.
Nein, wir Kinder haben einfach weitergemacht, obwohl wir auf die Schnauze gefallen sind.
Es war das auf die Schnauze fallen, dass uns dazu gebracht hat, zu lernen, wie es nicht geht, um dann den einen Schritt zu setzen und endlich stehen zu können.

Hätte ich gewusst, dass mir diese angeborene Fehlerkultur und der Wille, es immer wieder zu versuchen, später mal abtrainiert wird, in dem ich mit dem Anstieg meiner „Fehler“, die meine liebsten Freunde mein Gehen-lernen waren, bestraft werde, ich hätte mich wahrscheinlich schon früher für das Leben eines Schulabbrechers entschieden.

Ich hätte dafür gesorgt, dass der Abbruch Teil des Aufbruchs in das echte Leben gewesen wäre. Wissentlich und beabsichtig und nicht wie Jahre später aus reiner Angst und als Opfer der Umstände.

Ganz ehrlich, da stimmt doch was nicht, wenn Menschen, die sich bewusst Zeit für ihr Leben nehmen, sich Monatelang zurück ziehen und vom Zahnrad der Gesellschaft Pause nehmen, als Exoten wahrgenommen werden.

Und die, die sich ihr Geburtsrecht nehmen, als Individuen ihre Zeit, ihr Leben und ihre Abhängigkeiten von der Gesellschaft selbst zu definieren, sich dieses Recht und diese Möglichkeiten erst hart erarbeiten müssen.

Ja, da stimmt was nicht.

Wir sind aktuell in der Geschichte der Menschheit an einem Punkt, an dem sich nicht mehr leugnen lässt, dass es so nicht weitergehen kann.
Wir erleben Gruppierungen, die das Bestehende in Frage stellen und die, die den Status Quo über den Erhalt hinaus auch gerne mit dem Rad der Zeit in gute alte Vergangenheit drehen möchten.

Was übrigbleibt ist eine Mitte, die zwischen den Stühlen sitzt und hofft, dass endlich jemand die eine Antwort hat, wie mündig und selbstwirksam unsere Gesellschaft sich selbst emanzipieren möchte.

Das Schöne ist, diese eine Antwort – auf die wir alle warten – ist so individuell wie jeder Sessel, auf dem eine Person mit einem Fragezeichen im Gesicht sitzt.
Eine Person, die jede Sekunde die Chance hat, zu bestimmen, wie ihre eigene Zukunft auszusehen hat.

Was es benötigt, ist Mut, der Glaube an sich und eine Gruppe von Menschen, die Mündigkeit neu definiert und mit Freiheit der Verantwortung assoziiert.
Diese Gruppe ist es auch, die sich nicht mehr als Verbraucher oder Konsument beschimpfen lässt und weiß, dass ihre innersten Bedürfnisse nicht von einer Konsumwirtschaft genährt werden, die den Menschen dann als notwendig erachtet, wenn dessen Bedürfnisse sich mit dem Überangebot der Wirtschaft decken.

Ja, da stimmt was nicht. Und es sind immer mehr, die dies erkennen.

Ein hoch auf die neue Mündigkeit in der Mitte der Gesellschaft, die das Eis zum Brechen bringt, wo andere den verzweifelten Versuch leben, diese mit meterlangen Tesa-Streifen zu kitten.

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Stachel im Fleisch

Nach den Regeln anderer spielen: das können wir.

Einen Test schreiben und danach bewertet werden, was jemand anders von uns will: das können wir.

Tun, was die Gesellschaft will, ohne zu hinterfragen, wer denn diese eine Gesellschaft jetzt ist und ob sie recht hat: das können wir.

Aber wollen wir?

Die Welt steht gerade (eigentlich so wie immer) im Umbruch … jedoch ist dieser anders als alles bisher dagewesene: die schiere Anzahl an Herausforderungen, gepaart mit Unsicherheiten und kollektiver Hysterie, zeigen uns, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Ich finde das gut.

Ich denke es wird Zeit, dass die Dinge zerbrechen, die nichts mehr mit der Natur unserer Generation zu tun haben. Ich denke, wir sollten langsam die Regeln in Frage stellen, die vielleicht zum damaligen Zeitpunkt ihres Erschaffens Sinn hatten, aber heute nicht mehr als Barrieren der Gedanken sind, und sie niederreissen.

Doch wer macht sowas? Wer stellt bestehende Systeme, Themen, Regeln ohne Sinn in Frage?

“Die anderen” werden einige sagen. Ja, das stimmt. Es gibt auf der Welt diese Revoluzzer, die jedoch schon immer “das System” in Frage gestellt haben.

Doch sich auf die mündige Stimme anderer zu verlassen, lässt uns unsere Mündigkeit, unsere Selbstwirksamkeit und unser Selbst-Bewusstsein auf Sparflamme schalten und das sind alles Andere als Zeichen einer Gesellschaft, die ihre Zukunft selbst in die Hand nimmt.

Was wäre, wenn jeder und jede von uns, die im eigenen Umfeld bemerkt, dass einfach etwas nicht mehr stimmen kann, selbst zu diesem Revoluzzer wird. Nicht zu Einem, der die Straßen anzündet, sondern zu der Art von Mensch, die hinterfragt und den Mund aufmacht, um darauf hinzuweisen.

Ich denke, wir dürfen es nicht so weit kommen lassen, dass erst die Straßen brennen, bis wir einen gesellschaftlichen Wandel haben. Eher denke ich, dass wir ein inneres Feuer in uns entfachen müssen, um darauf hinzuweisen, dass es uns nicht egal ist, wie unser Land, unsere Region oder unsere gemeinsame Politik und die Empathie der Gesellschaft gelebt werden.

Was wir brauchen ist, dass es wieder Menschen gibt, die zum Stachel im Fleisch werden. Dieses nervende Gefühl, dass da konstant irgendwas ist, mit dem nicht gut Kirschen essen ist.

Sei es der Arbeitsmarkt, die kulturelle Schere zwischen arm und reich, wie wir die älteren Menschen in unserer Gesellschaft behandeln oder wie sehr wir die Jugend sich selbst überlassen.

Diese wenigen, doch für uns Menschen schicksalshaften, Themen sind es, die sich erst dann verändern werden, wenn der Druck der Veränderung aus der Mitte der Gesellschaft entsteht.

Niemand von uns muss morgen ein ganzes System niederreissen, doch es reicht, sich jeden Tag die Frage zu stellen, ob man das alles so hinnehmen mag, wie es ist und wenn nein, was man selbst im ganz Kleinen dagegen tun kann.

Alles, was in unserer heutigen Form existiert, war eines Tages ein Gedanke im Kopf eines Menschen.

Wer mit etwas unzufrieden ist, der soll nicht nur mit dem Finger drauf zeigen, sondern mitdenken, wie eine Alternative aussehen kann und dann verdammt noch mal den Hintern hochbekommen und dafür sorgen, dass diese das Tageslicht erblickt.

Sei ein Stachel im Fleisch, sei nervig und stelle in Frage, was aus deiner Sicht eine schiefe Optik hat. Warte auf niemanden.

Und wartest du auf ein Zeichen? Hier ist es.

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Wenn du merkst, dass du nie alleine unterwegs warst

Am 10. April diesen Jahres habe ich beschlossen, einen der letzten Punkte meiner Traumliste von 2010 zu bewältigen:
Ich will einen Marathon laufen.

Ali Mahlodji Traumliste

Der 10. April, 2016 war der Tag des Wien Marathons und als ich gegen Mitternacht im Internet die Fotos des Events sah, wusste ich, dass ich diesen Wunsch nicht noch ein Jahr aufschieben möchte.

Auf Hinweis von Hans-Jörg, einem meiner besten Freunde, beschloss ich, dass ich lieber davor einen Halbmarathon laufe, damit ich „überhaupt mal irgendwie“ ein Gefühl dafür bekomme.
Angepeilt wurde der Graz Halbmarathon, der heute am 9. Oktober stattfand.

Anfang Juni begann mein Training, dass auf 58 Einheiten zwischen Juni und Anfang Oktober ausgelegt war.
Von diesen 58 Trainingseinheiten schaffte ich allerdings nur 34, die anderen 24 waren zeitlich nicht möglich.

Bei meinem ersten Trainingslauf am 1. Juni, 2016 brach ich den Lauf nach 7 Minuten wieder ab.
Grund war, dass ich dachte, irgendwas stimmt mit meinem Herzen und meiner Brust nicht – die Schmerzen waren nicht zum Aushalten und mein Brustbereich verkrampfte sich immer mehr nach hinten in den Rücken.
Ich war gerade mal einen Kilometer gelaufen, bekam aber keine Luft mehr und mein Puls war in verrückten Höhen.

Ich brach ab, ging zu einem Arzt und einem Lungenfacharzt (ich habe seit meinem 13. Lebensjahr chronisches Asthma) und beide machten mir klar, dass mein Körper in den letzten Jahren nicht das tun durfte, wofür er gemacht ist: sich bewegen. Daher waren meine Zustände nach meinem ersten Lauf einfach das Ergebnis einer schlecht trainierten Person.

Im Laufe der 4 Monate des Trainings mauserte ich mich von Kilometer zu Kilometer – und jede Woche dachte ich mir „warum tust du dir das an, du hast eh genug zu tun“.
Anfangs war ich stolz, dass ich 5 Kilometer schaffte, dann waren es 7, dann 10 und eines Tages sogar 15 Kilometer.
Aber niemals mehr und der Halbmarathon, den ich laufen wollte, betrug doch irgendwie 21 Kilometer 🙂

Meine durchschnittliche Kilometerzeit lag während meines Trainings konstant zwischen 7:20 und 7:55 Minuten und das bei Läufen, die nicht annähernd an die komplette Distanz herankamen.

Daher und weil ich 24 meiner Trainings nicht absolviert hatte, dachte ich mir im Vorfeld des Halbmarathons, dass
1. ich froh bin, wenn ich überhaupt ins Ziel komme
2. ich eine Zeit von ca. 7:40-8:00 Minuten pro Kilometer schaffe

Parallel zu meinem Laufvorbereitungen habe ich in den letzten 4 Monaten auch mit Mentaltraining begonnen.
Es war „Zufall“, dass ich damit fast zeitgleich mit den Marathonvorbereitungen begann – keine Absicht in der Korrelation.
Ein schönes Nebenprodukt des Mentalcoachings ist, dass ich irgendwie – ohne groß nachzudenken – meine Ernährung umstellte und plötzlich auch viel mehr Arbeit in der selben Zeit schaffte und auch genug Zeit für das Schlafen fand (aktuell bei guten 7 Stunden pro Nacht).

Hans-Jörg, der mich angestiftet hatte, den Halbmarathon zu laufen, sagte mir „wir laufen den gemeinsam, ich lass dich nicht allein“.
Eine Entscheidung, wie sie echt besser nicht hätte sein können.

Im Laufe der Zeit bis zum Halbmarathon traf ich mich auch mit Ahmer Khan, der selbst einen Halbmarathon und Marathon gelaufen ist und eine beeindruckende Geschichte hat. Er war es, der mich mit dem „Gefühl des Zieleinlaufs“ infizierte und mir echt gute Ratschläge gab.
Zwecks Abchecken meiner Gesundheit und ob es überhaupt eine gute Idee war, den Halbmarathon zu laufen, besuchte ich das Sportzentrum SPOWI, die mir klar machten, wo aktuell meine Grenzen lagen und mir sagten, wie ich mein Training auslegen soll (Mike Gattereder, danke!).

Ich absolvierte meine Trainings normalerweise immer gegen 5:30 in der früh, weil das die einzige Zeit war, die ich neben meinen Reisen und meinen beruflichen und privaten Themen „frei“ machen konnte. Blöd waren die Tage, als mein Flieger bereits um 6:00 abhob, dann musste ich das Training streichen.

In dieser Zeit waren der Zuspruch meiner Mutter, meines Bruders und meiner Freundin (aka Verlobte) die tragende Stütze, dass ich mir überhaupt den Wecker immer wieder auf 5:00 stellte und laufen ging.

Entgegen aller Pläne, die letzte Woche vor dem Lauf vorbildhaft zu verbringen (gute Ernährung, leichtes Training, kein Stress), wurde die Woche die stressigste aller letzten Wochen 🙂

Gestern Abend fuhren Hans-Jörg und ich nach Graz, um ausgeruht in den Halbmarathon zu starten.

Bis dato hatte ich während des Laufens immer selbst auf meine Uhr geschaut, damit ich ja nicht „zu schnell“ laufe.
Der Tip, den ich am Öftesten hörte, war „lass dich ja nicht mitreissen von der Euphorie und laufe lieber defensiv langsamer“.
Daher war in meinem Kopf einprogrammiert, jeden Kilometer mit ca. 7:40-8:00 Minuten abzuschliessen, damit mir die Puste nicht zu früh ausgeht.
Davor hatte ich echt Respekt.

Auch heute war mein Plan, immer auf die Uhr zu sehen und damit mein Tempo zu kalibrieren.

Hans-Jörg sagte mir, dass ich ihm vertrauen und die Uhr im Hotel lassen soll und einfach mit ihm laufen soll.
Er kümmert sich schon darum, dass wir die richtige Zeit laufen.

Zuerst wehrte ich mich, hatte ich mich doch 4 Monate mit meiner Uhr vorbereitet und hatte „mein Konzept“, dass mir garantierte, dass ich mich körperlich nicht überanstrenge und ausfalle.

Er sagte mir, dass ich ihm vertrauen soll, was ich dann auch tat. Ich lief ohne Zeitnehmer, sondern nur mit ihm.
Hans-Jörg war jahrelang Sportler und ist auch sonst echt fit – bisschen das Gegenteil von mir 🙂

Heute lief ich den Grazer Halbmarathon in 02 Stunden 13 Minuten und 35 Sekunden.
Das bedeutet eine Kilometerzeit von 6:14 Minuten, was über 1,5 Minuten unter dem liegt, was ich dachte laufen zu können.
Schnellste Kilometerzeit: 5:37

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Im Ziel dachte ich zuerst, dass die Zeitnehmung falsch war, dann sah ich aber, dass ich nicht nur die längste Distanz meines Lebens, sondern auch die beste Zeit – und zwar konstant bei jedem der 21 Kilometer – gelaufen war.
Ich verstand nicht, wie das ging – ich hatte immer bewusst das Tempo reduziert, als ich merkte, dass ich von der Menge und den Menschen am Streckenrand begeistert euphorisch aufgepusht war.

Und auch körperlich dachte ich nicht, dass ich so ein “schnelles” Tempo konstant halte.

Und dennoch hatte es Hans-Jörg irgendwie geschafft, dass ich eine Zeit hingelegt hatte, die komplett absurd geklungen hätte, wenn mir das jemand vor dem Lauf gesagt hätte.

Ich fragte Hans-Jörg warum ich den Lauf „so gut“ absolviert hatte.

Er sagte mir, dass allein das Training und die mentale Vorbereitung eine große Rolle spielen (okay, das wusste ich), aber dann sagte er mir etwas, dass plötzlich alles logisch erschienen liess.

Er sagte mir „hättest du die Uhr die ganze Zeit bei dir gehabt, hättest du dir eingeredet, dass du nicht schneller laufen solltest und das Display hätte in dir ein Warnsignal ausgelöst, wenn du es doch getan hättest. Ohne einer Uhr ging es plötzlich nur mehr um deinen Körper und deinen Willen.“

Es stimmte … als wir liefen, waren Hans-Jörg und meine Gedanken die einzigen Konstanten, der ich folgte und als ich ab Kilometer 19 eine starke Belastung in den Beinen spürte, war es das geistige Regulieren meiner Gedanken und mein Fokus auf Hans-Jörgs Tempo, dass mich dann über die Ziellinie trug.

Im Endeffekt bin ich den Halbmarathon selbst gelaufen, schon klar … trotzdem war es der Glaube eines Freundes daran, dass ich „mehr Potential habe, als ich es selbst denke“, dass mich dazu brachte, mich selbst zu überraschen.

Als ich kurz vor dem Zieleinlauf am Streckenrand noch zufällig Evi, eine ganz liebe Freundin, und ihre Familie sah, die mich auch anfeuerten, war diese Kombination die Mischung, die „einen bekanntlich“ trägt: die vielzitierte Euphorie, die einen erwischt, wenn du merkst, wie viele Menschen sich wünschen, dass du ins Ziel kommst.
Schmerzen in den Beinen und in der Brust sind dann plötzlich wie verschwunden.

Nach dem Zieleinlauf habe ich Hans-Jörg an die hundert Mal abgeknutscht und wusste gar nicht mehr, wie ihm danken soll – zumal er nur wegen mir die Distanz absichtlich langsamer lief. Er braucht in der Regel für die Strecke mindestens eine halbe Stunde weniger.

Als ich dann in meiner Wohnung war, wurde mir plötzlich bewusst, was auch für unser berufliches Leben gilt:
Wir erreichen oft unsere Ziele und laufen in den Augen vieler unsere Rennen alleine … und dennoch sind wir niemals alleine unterwegs.

Es sind immer die Wegbegleiter, die an uns glauben, die uns pushen, wo wir nicht mehr können und die uns überraschen, wenn wir nur mehr grau zu sehen glauben.

Leute, danke … euch allen, die mich die letzten Monate begleitet haben.
Der heutige Lauf ist euch allen gewidmet!

PS: meine Learnings vom heutigen Lauf

1. ich werde 2017 beim Vienna City Marathon den Halbmarathon laufen, nicht den „großen“. Einfacher Grund: es reizt mich nicht und die Balance Trainingszeit und Glücksgefühl ist beim Vienna City Marathon echt schon sehr cool 🙂
2. unser Körper ist dafür gemacht, sich zu bewegen, unglaubliches zu schaffen und ist nicht dafür gemacht „ruhig zu sitzen“. Wir Menschen haben mal Mammuts gejagt, sind Entdecker und Erschaffer unserer Welt und dennoch verletzen wir uns heute manchmal, wenn wir nur „falsch“ einen Kugelschreiber hochheben.

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Das Richtige tun

Letztes Jahr hatte ich über 150 Vorträge und dieses Jahr dürften es auch nicht weniger werden.

Die Bandbreite reicht dabei von Managementvorträgen über Führung im digitalen Zeitalter über HR Konferenzen über den Stand der Generationen am Arbeitsmarkt bis hin zu Lehrvorträgen an Unis und auch Vorträgen an Schulen im Rahmen unserer whatchaSKOOL Serie, mit der wir letztes Jahr über 60.000 Kids in Österreich, Deutschland, Schweiz und Italien erreicht haben.

Vor Ort ist es echt super und so sehr ich auch nervös bin, nach einem Vortrag sind die Glücksgefühle überragend.

Dennoch … die wahre Magie passiert oft danach, wenn Stunden und Tage vergehen und sich Teilnehmer melden und ich sehe, dass ich etwas bewegt habe.

Das sind die Augenblicke, wo ich merke, dass mein Vortrag einen Anker gesetzt hat und ich in einer Person etwas ausgelöst habe.

Ich freue mich über alle Feedbacks, die ich erhalte, da ich weiß, dass die Reise weitergeht und ich Sinn und Mehrwert gestiftet habe.

Gerade habe ich eine Email als Feedback zu einem Vortrag erhalten, die mir Tränen in die Augen getrieben hat.

Zum Einen wegen dem ehrlichen Inhalt an sich und zum Anderen, weil ich weiß, dass es sich hierbei um eine junge Frau handelt, die gerade mit der Schule fertig geworden ist und die ihr ganzes Leben noch vor sich hat und ich in dieser wichtigen Phase für sie eine Sichtweise auslösen konnte, die ihre Zukunft mit begleitet.

Ihren Namen und ihre Emailadresse habe ich unkenntlich gemacht. Der Inhalt spricht für sich.

 

From: S***** ******** <s*****.****@****.*****.***>
Date: 2016-09-05 21:07 GMT+02:00
Subject: Dein Vortrag heute
To: ali@whatchado.com

Hey Ali,

hier ist S*****, aus *******. Um gleich auf den Punkt zu kommen wollte ich dir noch einmal das sagen, was mir direkt durch deine Worte auf´s Herz gelegt wurde. Danke für deinen Vortrag! Oftmals, als du erzählt hattest, kamen mir fast die Tränen, weil mich vieles echt so gerührt und bewegt hat. Danke für deine Motivation und dass du diese Idee weiter trägst.
Ich musste sofort an meine eigene Schulzeit denken, noch nicht allzu lange her, als ich so um die 10.,11. Klasse ständig unter Druck stand und ich kaum Hilfe von meiner Familie erhalten habe. Ich war schon immer die Leistungsstärkste unter meinen Geschwistern und alle sind immer davon ausgegangen, dass ich auf jeden Fall Abi mache und da ich noch nie Hilfe gebraucht hab, auch nie welche brauchen würde. Deshalb war das Meiste, was ich geleistet hab für meine Familie ganz selbstverständlich. Ich hab es ja auch geschafft, sogar einigermaßen gut, aber ich hab mehr drunter gelitten, als einige es gesehen haben. Und zu der Zeit hatte ich immer wieder die Idee, auf irgendeine Art und Weise den Schülern, die unter ihren eigenen schlechten Leistungen kein Selbstwertgefühl ausbilden konnten, irgendwie zu unterstützen. Ich war auf einem sehr leistungsorientierten Gymnasium, für Hochbegabte, und darum sind viele abgesackt. Ich hab es geschafft, aber ich habe mit jedem mitgefühlt, der untergegangen ist. Und meine Idee, die schwachsinnig und dumm klang, was ich zugeben muss, war es, jedem Schüler Urkunden dafür zu geben, wenn er sozial oder werteentsprechend ein guter Mensch ist. Das heißt, auf so einer Urkunde würde dann stehen: “Du bist ein wertvoller Mensch!” Oder so ähnlich… Naja, viele haben mich ausgelacht. Aber die Idee ist trotzdem hängen geblieben. Vielleicht ist sie nicht ausgereift, oder genügend angepasst, aber vielleicht muss sich diese Idee auch nicht verändern, sondern das Schulsystem, zum Beispiel aus *******, wo ich ja herkomme. Und deshalb nochmal danke! Denn durch dein Beispiel weiß ich, dass ich dran bleiben kann und mit der richtigen Motivation Pläne in die Tat umsetzen kann, vielleicht sogar das ******* Schulsystem revolutionieren. ;D Gut, etwas übertrieben. Aber das war so ein Gedanke.
Ein anderer war es, dass du mich wieder motiviert hast, an meinen Büchern weiter zu arbeiten und sie endlich zu verwirklichen. Ich schreibe, seitdem ich dreizehn bin, aber bisher hab ich noch nichts beim Verlag eingereicht. Irgendwie hat mir immer ein Detail gefehlt und vielleicht war ich auch zu faul für die Arbeit, aber jetzt ist der Wunsch wieder greifbar und ich habe ziemlich Lust, ihn auch zu verwirklichen.
Ich hoffe, dass dir meine Worte nicht nur langweilig vorkamen, sondern dass du mein Danke verstehst. 😉
Liebste Grüße,
S*****

 

Hier meine Antwort dazu:

 

———- Forwarded message ———-
From: Ali Mahlodji <ali@whatchado.com>
Date: 2016-09-06 17:46 GMT+02:00
Subject: Re: Dein Vortrag heute
To: S***** ******** <s*****.****@****.*****.***>

Liebe S*****,

ich danke dir, dass du mir geschrieben hast.
Weißt du, ich habe das Glück, jährliche tausende Schüler zu treffen und doch sind es Nachrichten wie deine, die mich daran erinnern, dass ich auch etwas verändere und anstoße.
Danke für deine Ehrlichkeit und Offenheit, die notwendig ist, um sich reflektieren zu können – eine Gabe, die du auf jeden Fall schon hast und die dich weit bringen wird.
Deine Idee mit den Urkunden finde ich WELTKLASSE!!! Es sind ja immer gerade diese Ideen, die die Gesellschaft verändern und “zeigen”, dass es auch anders geht.
Wenn du eine Idee hast und du hast das Gefühl, dass diese Idee auch nur einer Person helfen kann … dann mach es, wenn du es willst.
Und eines kann ich dir auch sagen … mit deiner Email hast du mich inspiriert, mit deinen Büchern wirst du die Welt erreichen.
Wann immer du etwas startest und das Gefühl hast “so, jetzt habe ich alle Details zusammen” ist es zu spät.
Die besten Dinge passieren, in dem du es machst und währenddessen merkst, ob es sich gut anfühlt oder nicht.
Und wenn es dir Angst macht, ist es (manchmal) genau richtig! 🙂
S***** … du hast alles, was du brauchst!
Ali

 

Warum ich das teile?

Ich denke, dass wir alle – wenn wir uns nur die Zeit nehmen – jedem anderen Menschen etwas mitgeben können.

Wenn wir uns Zeit nehmen und Mut und Zuversicht teilen und zwar dort, wo bei jungen Menschen Druck und “ich muss”-Denke eingeimpft wurde, können wir gemeinsam eine Welt schaffen, in der junge Menschen dem nachgehen, woran sie glauben … was dazu führt, dass wir eines Tages Erwachsene haben, die tun, was ihnen liegt und ihren Platz in dieser Welt finden.

Manchmal geht es nur darum, das Richtige zu tun und Menschen dazu zu ermutigen, das zu machen, woran sie glauben und was für sie richtig ist – ungeachtet dessen, ob wir es selbst gut finden oder nicht.

Das Richtige zu tun ist dabei nicht immer populär … aber richtig … und wenn es nur für das Weltbild einer Person ist, die damit ihr Potential entfalten kann.

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Warum ich HC Strache und Norbert Hofer like und was ich von ihnen lerne

“Ali, bist du wahnsinnig??? Wie kannst du nur HC Strache und Norbert Hofer liken … von dir hätte ich mir mehr erwartet. Bin echt enttäuscht”.

Solche “Gutmenschen”-Messages erhalte ich fast wöchentlich. Von Menschen, die nicht verstehen, dass sie mit ihrer Denke mehr Hass zwischen uns Österreicher treiben, als dass sie dazu beitragen, dass wir als Gesellschaft zusammenwachsen.

Wir Grün/Rot/Pink “gegen Blau” Wähler denken, dass wir mit ihrer Abschottung auf Facebook – also der Verweigerung des LIKE Buttons auf Seiten der FPÖ-Fraktion – etwas Gutes und Sinnvolles tun.

Leute, wacht auf – das ist Bullshit und ihr seid gefangen in eurer “wir sind die Guten”-Blase, die auch schon bei der letzten arschknappen Wahl für Empörung in eurer Informations-Blase gesorgt hat.

Ihr seid gefangen in eurer Welt und habt NULL Verständnis für die Menschen, die blau wählen und das Schlimmste … ihr wisst nicht was auf der “anderen” Seite abgeht.

Außer … ihr würdet euer Ego mal auf die Seite legen und zuhören!

Zuhören beginnt damit, dass man die Klappe hält (auch auf Facebook) und beobachtet und lernt, warum jemand tut, was er oder sie tut.

Ich LIKE HC Strache, die FPÖ und Norbert Hofer schon seit Langem, weil ich gegen Abschottung und für Öffnung der eigenen Gedankenblase bin.

Ich bin dafür, dass Toleranz damit beginnt, die Meinung der “anderen” Seite auch in die eigene Kommunikationsblase hineinzulassen.

Als ich meinen Freunden vor der ersten Wahl erzählt habe, dass es mich nicht wundern würde, wenn Norbert Hofer gewinnt, waren alle empört – am Ende der Wahl waren diese Personen verwundert.

Würden wir alle der Facebook Seite von HC Strache, der FPÖ und Norbert Hofer folgen (ja, LIKE klicken oder FOLLOW), würden wir erkennen, dass sie auf ihre Art und Weise und sehr gut die Stimme des Volkes

  1. verstehen,
  2. akzeptieren
  3. und so sprechen, dass das Volk sich verstanden fühlt.

Ich hoffe, dass der oder die Nächste, die mir verwundert und von oben herab die Welt erklärt, in dem ich wieder höre, warum ich den so “radikalen” Seiten folge, versteht, dass ich keine Lust und keinen Kopf für eine Antwort habe.

Facebook hat mit der Realität soviel zu tun wie das Hochglanzpapier der Vogue mit den wahren Problemen unserer Welt.

Alles was ihr auf Facebook seht, ist ein Spiegelbild eures Wunschbildes. Ihr seht nur Dinge von Menschen, die ihr bewusst in eure Facebook-Blase HINEINGELASSEN habt. Nicht mehr und nicht weniger.

Euch muss das Konzept von Facebook klar sein: Ihr dreht euch alle in eurem eigenen Saft, hört immer den selben Leuten zu, redet auch nur mit den selben Leuten und seid erschrocken, wenn euch einer mal nicht auf die Schultern klopft.

Öffnet eure Sichtweisen und lasst auf Facebook auch die Meinung und Kommunikation von denen zu, die normalerweise euren gedanklichen und intellektuellen Horizont niemals streifen würden.

Wenn ihr dazu bereit seid, wird in Zukunft auch ein Dialog zwischen den Seiten möglich. Nur wer sich öffnet, wird die Möglichkeit haben, die andere Seite zu verstehen.

Ich like HC Strache, die FPÖ und Norbert Hofer, weil ich verstehen möchte. Verstehen, bevor ich spreche und handle.

Ich bin bekennender Van der Bellen Wähler, der das Beste für Österreich will und zwar für alle Österreicher … nicht nur für die, die so denken wie ich und in meiner Facebook-Blase unterwegs sind.

Wer ein gemeinsames Österreich will, der muss bereit sein, allen zuzuhören … und das rate ich euch auch.

Bild: REUTERS (LEONHARD FOEGER)