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Worauf wir warten

Dieser Post ist allen gewidmet, die an meinem Geburtstag an mich gedacht haben und mir vor Augen geführt haben, warum ich so dankbar für dieses Leben bin.

“Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt” …

… wir kennen diesen Satz.

Entweder, weil ihn uns unsere Umgebung mitteilt, in der Hoffnung eine gute Ausrede zu haben, etwas vor sich herzuschieben oder wir hören uns selbst, wie wir diesen Satz aussprechen … und dabei beginnen, diese Selbstlüge selbst zu glauben.

“Jetzt noch nicht, es ist nicht der richtige Zeitpunkt” ist mir in den letzten Jahren als eine der größten und einflussreichsten Gedankenblockaden begegnet. Egal ob bei hunderten von Schülern, von Unternehmensleitern oder von Menschen in meiner nahen Umgebung.

Was diese alle gemeinsam haben? Sie sind Menschen. Menschen mit Ängsten und Befürchtungen. Ungeachtet ihrer Position oder ihres Alters oder ihres Geschlechtes.

Wann immer ich selbst auf diese Blockaden bei Anderen stoße, beginne ich wie manisch zu hinterfragen, auf was die Person denn wartet. In 99% der Fälle gibt es hierauf keine Antwort, die ihre Grundaussage untermauert, sondern eher dessen Daseinsberechtigung in Frage stellt.

Im Grunde – und seien wir uns ehrlich – ist die Aussage “Jetzt noch nicht, es ist nicht der richtige Zeitpunkt” eine Selbstlüge, mit der wir uns rausreden, wenn wir etwas nicht machen möchten … aber wissen, dass es irgendwann zu machen ist.

Anderen Ratschläge zu geben ist dabei immer leichter als es selbst zu tun. Das wissen wir auch und wer das nicht zugibt, der war noch nicht an seinen Grenzen.

Ich bin vor wenigen Tagen 35 Jahre alt geworden. Das sind ca. 12770 Tage, die auf dieser Erde in Menschenform unterwegs bin.

Vor 10 Jahren habe ich noch wie verrückt “den Sinn” des Lebens gesucht, heute weiß ich, dass alle Antworten schon immer da waren und ich nur nicht bereit war, mein Tempo runterzufahren und abzuwarten, all diese Antworten präsentiert zu bekommen. Zu “wild” und “ungestüm” war ich, um zu erkennen, dass Gehen mehr Achtsamkeit schafft als durchs Leben zu hetzen.

Ja, 35 ist kein Alter … zeitgleich sind es 12770 Tage an Lebenserfahrung.

Bill Gates meinte mal, dass ein Mensch überschätzt, was er in einem Jahr schafft, aber unterschätzt wie viel er in 10 Jahren schafft.

Nun, mit meinem 35 Jahren habe ich schon 3,5 Dekaden hinter mir und noch knapp 7 vor mir (ich werde nämlich 102 Jahre alt, echt jetzt).

Blicke ich heute auf die letzten Jahre zurück, merke ich, dass ich erst ab dem 30sten Lebensjahr bereit war, zu reflektieren und das letzte Jahr mir beim Zusammenfassen meiner Erlebnisse, meiner Freuden, aber auch meiner Narben geholfen hat.

Ich habe gelernt, dass es Dinge gibt, die man nicht aufschiebt … Dinge, die wichtiger sind als all die Alltagsdämonen, die unsere Zeit fressen und die wichtigen Dinge in den Schatten stellen.

Ich habe gelernt …

… dass wir nicht warten dürfen, damit “die richtige Zeit da ist”, um mit unseren Freunden Zeit zu verbringen.

… dass wir nicht warten dürfen, bis wir “mal Zeit finden” um mit unseren Eltern am Telefon zu sprechen.

… dass wir nicht warten dürfen, bis “die richtige Zeit da ist”, um unserem Gegenstück zu sagen, dass wir total verliebt sind.

… dass wir nicht warten dürfen, den Signalen unseres Körpers zuzuhören, weil es gerade zeitlich nicht passt.

… dass wir nicht warten dürfen, um Zeit für uns zu haben, da wir nicht wissen, wie viel Zeit wir noch überhaupt haben.

… dass wir nicht warten dürfen, unser Wohl mit anderen Menschen zu teilen, wenn es uns mal “besser” geht.

… dass wir einfach nicht warten dürfen, unser Leben zu leben, weil es nachher keines mehr gibt.

Was ich wirklich gelernt habe ist, dass mein Leben keine Generalprobe ist und es nichts Wichtiges auf der Welt verdient hat, dass ich es erst dann mache “wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist”.

Wenn wir wissen, dass wir etwas wollen, wenn wir wissen, dass wir alles haben, was es dafür wirklich braucht … dann dürfen wir nicht warten, es auf “später” zu verschieben.

Ich bin 35 Jahre alt. Ich habe mir den Anfang meines Lebens nicht ausgesucht und auch das Datum meines Endes weiß ich nicht.

Mein Leben begann mit einem Zufall und es wird mit einem Zufall enden. Hier Pläne für die nächsten 40 Jahre zu machen klingt lächerlich.

Aber was ich tun kann, ist das hier und jetzt zu bestimmen.

… zu bestimmen, mit wem ich meine Zeit wann verbringe.

… zu bestimmen, welche Prioritäten ich in meinem Leben möchte – ungeachtet der Prioritäten meiner Umgebung und der Gesellschaft.

… zu bestimmen, dass mein körperliches Wohlergehen vor allen anderen Dingen steht.

… zu bestimmen, wie ich meine Tage verbringen möchte und was ich ändern will.

Wir Menschen können JEDEN TAG bestimmen, wie unser Leben auszusehen hat. Die Änderung unseres Lebens dauert einen Augenblick und entsteht mit unseren Entscheidungen.

Sagen wir uns selbst, dass “gerade nicht die richtige Zeit ist und dass wir es mal später machen” verweigern wir uns der Steuerung unseres Lebens, da wir uns weigern Entscheidungen zu treffen, die später andere Menschen für uns treffen.

Die letzten 12 Monate waren eine Ansammlung von Entscheidungen, die ich jahrelang aufgeschoben habe und ich weiß noch, wie ich vor wenigen Tagen das Gefühl hatte, dass ich mich noch nie “kompletter” und mehr als Ich-Selbst gefühlt habe, als jetzt.

Es kann auch daran liegen, dass ich heiraten werde … die wohl beste Entscheidung der vergangenen 3,5 Dekaden. 🙂

… danke allen, die mir zu meinem 35sten Geburtstag gratuliert haben. Diesen Blogpost widme ich euch.

 

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Da stimmt doch was nicht

Es ist 5:30 in der früh.

Ich scrolle in meinem Instagram Feed und entdecke wieder mal einen StartUp Superstar, der ein Foto von seinen zwei neuen Rennautos in der Garage postet.
Darunter Hashtag #workhardplayhard.
Eigentlich nichts aussergewöhnliches.

Der Lauf in die Realität

Gegen 6:00 laufe ich den Wiener Donaukanal entlang – bis auf ein paar Enten, einen Fischer und zwei weitere Läufer, bin ich einer der Wenigen, der die Morgenluft genießt.

Unter einer Brücke sehe ich von Weitem etwas liegen.
Bei genauerem Hinsehen ist es ein Jemand. Ein Mann. Eingewickelt in eine Decke.

Eine Person, die die ganze Nacht auf einer Decke unter der Brücke verbracht hat. Unfreiwillig.

Er lag auch schon gestern und auch schon letzte Woche dort. Morgens packt er seine Sachen, versucht den Tag rüberzubiegen und begibt sich Nachts wieder an „seinen“ Schlafplatz, dem ihm keiner neidig ist – soviel ist Gewiss, auch ohne ihn zu fragen.

Vor zwei Monaten war ich in Wien in einer Schule, in der mir eine Lehrerin erzählte, dass es nicht genug Geld für Lehrmaterialien gibt und private Spenden dabei helfen, Bücher und etwaige Dinge zu finanzieren.

Sie erzählte mir zudem, dass es Eltern gibt, die vorne und hinten nicht wissen, wie sie ihr Leben finanzieren sollen.
Von was ich schreibe passiert in Wien, nicht in (Bitte hier Namen eines Katastrophengebietes eintragen).

Living in a bubble #workhardplayhard

Die letzten fünf Jahre habe ich in einem „höher, schneller, weiter“-Umfeld verbracht, der StartUp Welt.
Manche nennen es eine Ausprägung des Turbokapitalismus – interessanterweise einer Sache, die mir vor dieser Zeit zutiefst wider war und immer noch ist.

Hier geht es im Grunde darum, mit dem Geld fremder Menschen so schnell wie möglich “etwas Großes” aufzubauen und alles diesem “großen” Ding unterzuordnen. Sei es das Familienleben, Freundschaften, die innere Stimme, etc. Es wird geduldet, sogar beklatscht, dass man teilweise am Rande seiner Möglichkeiten agiert und immer noch eins drauf setzt.

Es heißt, dass es am Ende des Tages immer um die Gesellschaft geht. Für Unbedarfte hört es sich an, als ginge es um die Menschen. Kenner wissen, es geht zumeist um einen kleinen Teil der Leute, die am Meisten vom Verkauf des Unternehmens profitieren.

Ach ja, habe ich es nicht erwähnt? Das Ziel von der aktuell gelebten StartUp Thematik ist der Verkauf des Unternehmens. Zuerst spricht man davon, etwas “Großes” aufzubauen, dann dass man eine tolle Company will und das nachhaltig. Und dann zählt es als großer Sieg (“man hat es geschafft”), wenn man das Ganze hernimmt und einem Konzern verkauft, der die junge Pflanze in seinem Apparat eingliedert. Klarerweise nicht gleich, sondern so nach ca. 3-5 Jahren.

Ja, das ist Erfolg. Für wie viel reingestecktes Geld bekomme ich einen Return?

Was ist schlecht daran, Geld zu verdienen?

Absolut nichts, ich mag Geld sogar sehr und ich denke, dass es Möglichkeiten schafft.
Ich denke nur, dass wir in der aktuellen Lage den Fokus auf wie wir Business machen und feiern und das Gesamtbild unserer echten Gesellschaft und die Welt unser Kinder nicht in Relation stellen.

Ich denke, dass nachhaltiges und langfristiges Denken für unseren Planeten und der aktuelle Return-Gedanke sich im Weg stehen. Und zwar massiv.
Ja, ich denke, dass beides Hand in Hand funktionieren kann – zeitgleich sehe ich aber, dass es unsere Denkweisen blockieren.

Warum nicht mal wieder etwas “Echtes” anstreben?

Tolle Unternehmen, die es seit Jahrzehnten gibt, die von Familie zu Familie weitergereicht wurden, könnten im Verständnis der jetzigen StartUp Kultur unmöglich überleben. Es gilt nicht mehr als Erfolg, wenn man ein Unternehmen seit 20 Jahren besitzt, sondern es zählt, wer in kürzerer Zeit über eine Milliarde wert ist. Ungeachtet dessen, was das Unternehmen produziert und wie es damit wirkt.

Zu wichtig ist das Streben nach Maximierung von Anteilen und Returnausschüttungen.

Denen, denen es gut geht – und damit meine ich auch mich – muss bewusst sein, dass es in unserer Welt eine grobe Problematik namens Ungleichheit gibt, die sich darin zeigt, wie Ressourcen und Mittel verteilt sind.

Der “höher, schneller, weiter”-Gedanke der letzten Jahre fördert jedoch kein Miteinander und keine Gesellschaft des Teilens, sondern eine der Verdrängung und des “Nummer 1” seins. Auch wenn dies bedeutet, dass damit einhergehend irgendwer anderer eben der Verlierer ist. Selbst will man das ja nicht sein.

Wer oben ist, der gewinnt und am Weg dahin, will man ja nicht daran denken, jemals zweiter zu sein.

Wer sich Zeit nimmt und die Welt beobachtet, ist sich einig: es benötigt einer Umverteilung und hier dürfen und können wir nicht warten, bis diese die Politik in die Hand nimmt.

Ich denke, Teilen bedarf eines neuen Mindsets und zwar einem, dass das eigene Tun mit einer gesellschaftlichen Komponente verbindet.

Unser Tun und unser Handeln darf langfristig nicht mehr mit einem reinen „Return“-Gedanken verbunden sein.

Die Welt und deren Spaltung, die wir sehen, beruht unter Anderem darauf, dass die, die etwas haben, nicht mit anderen teilen, ohne an „ihren Return“ zu denken.

Unternehmertum und Ansammlung von Wohlstand ist gut

Ja, es ist gut, dass Unternehmertum aktuell gefördert wird.
Ja, es ist gut, dass wir Menschen dazu bringen, ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Und ja, ich werde mich auf jede Bühne stellen, um Entrepreneurship und Unternehmertun zu predigen.

Gleichzeitig sehe ich auch, dass die meisten StartUps der letzten Jahre im Großen und Ganzen keine Probleme unserer Gesellschaft lösen, sondern rein unseren Komfort verbessern wollen und zwar für die, denen es schon gut geht (ist Auslegungssache … wer reflektiert ist, versteht was ich meine).

Der hundertste Essenslieferdienst in Wien führt nicht dazu, dass wir eine bessere Gesellschaft haben, wenn gerade die halbe westliche Welt an Fettleibigkeit leidet und die andere verhungert.

Die tausendste „ich finde des besten Parkplatz“ App hilft im Alltag für die mit Autos, wird aber wohl weniger dazu führen, dass unsere Welt sich in zehn Jahren nach vorne entwickelt hat.
(Ich persönlich denke ja, dass Parkplatzknappheit eine Riesenchance ist, dass mehr Menschen auf kleinere oder keine Fahrzeuge umsteigen – eine Parkplatz Such-App bewirkt ja genau das Gegenteil :).

Bin ich wütend? Ja.
Bin ich verwirrt? Ja.

Was ich nicht verstehe

Wir leben in Zeiten, in denen durch das Internet Wissen fast kostenlos ist, Unternehmen gedeihen können und die hellsten und smartesten Köpfe zusammenkommen.

Und anstatt dass die hellsten Köpfe unserer Zeit sich der wahren Ursachen der Probleme unserer Welt annehmen, wird dieses Potential darin investiert, den nächsten Hockeystock und das nächste Unicorn zu finden.

Beides Anzeichen für radikalen Wachstum auf Kosten „der Company“ – was zählt, ist das nächste große Ding. Oft wird dann auch gepredigt, dass die armen StartUps ein Hochrisiko leben.

Ja, das stimmt, sie leben im Riskio … nur zumeist mit geborgtem Geld anderer Menschen, dass sich hinter Wörtern wir Seed-Round, A-Round, etc. verbirgt.

Wir leben in gedanklichen Blasen

Gestern sprach ich mit einer Freundin, die an der „3. Mann Tour“ teilgenommen hatte. Einer Tour, die den Teilnehmer in die Kanalisation Wiens führt.
Sie erzählte mir, dass tägliche hunderte Kanal-Mitarbeiter sprichwörtlich “die Scheisse von den Wänden abkratzen”. Wie hoch die Gefahr von Infektionen ist will ich gar nicht wissen. Aber das ist echtes Risiko und zwar im Sinne einer Gesellschaft, die sich keine Gedanken machen muss, wo ihre Toilettgänge verschwinden.

Sehe ich mir Wien an, sehe ich, dass wir alles haben:
1. Habe ich Durst, trinke ich aus der nächsten Wasserleitung.
2. Breche ich mir die Hand, kann ich in das nächste Spital.
3. Denke ich, die Politiker spinnen, gehe ich vor das Parlament und schreie es laut und niemand buchtet mich ein und
4. wenn ich als angestellter Mitarbeiter arbeitslos werde, gibt es ein System, dass mich eine Zeit lang auffängt.

Ja, wir leben im Paradies! (wer mir jetzt kommt mit “aber wir müssen schauen, dass es auch so bleibt” -> behaltet euch den Gedanken, das ist die Standardausrede für Ego-getriebenes Verhalten. Das habe ich als Flüchtling schon vor 20 Jahren gehört und seitdem wurde Wien immer besser).

Also, wo war ich? Ach ja, wir leben im Paradies!

Gleichzeitig driftet die Schere zwischen oben und unten auseinander und wer ein Unicorn hat, der ist ganz oben.
Erst danach wird von überlegt „der Gesellschaft etwas zurück zu geben“.

Die “Giving back” Selbstlüge – eine Milderung des schlechten Gewissens

Witzigerweise ist es fast die selbe Wortwahl und im selben Zyklus, wie ich diese in den letzten Jahren von vielen (nicht allen) Konzernen gehört habe, die ihre Weste weiß waschen wollen. Eine Weste, deren Helligkeit verloren ging, als ein verrücktes Wachstumsdenken auf Kosten andere einsetze und sie dazu führte, dafür belohnt zu werden.

Was hier passiert ist folgender Gedanke, den ich dieses Jahr schon zweimal von CEOs von Wachstumsunternehmen gehört habe: “egal wen oder was ich ausquetsche, damit mein Unternehmen erfolgreich wird. Wenn es mal so weit ist ncah dem Exit, geb ich eh was zurück.”
Aha … solange ich später mal was “Gutes” tue, kann ich bis dahin auf alles pfeiffen.

Auch okay, oder?
Da rennt doch was falsch?

Gründe und löse ein Problem

Bei der Gründung von whatchado wollte ich immer ein Problem lösen. Eines, das sich Orientierungslosigkeit bei Kindern nennt und welches langfristig zu Jugendarbeitslosigkeit führt und die Gesellschaftsspirale nach unten dreht. Mit der whatchaSKOOL haben wir gestartet, weil wir nicht zusehen wollten, wie die Zukunft unserer Jugend aufs Spiel gesetzt wird.

Wir haben Investment bekommen. Ja, das stimmt.
Zeitgleich ich hätte mich 2011 niemals getraut, einem Investment zuzustimmen, wenn wir nicht bis dahin ca. 60.000 EUR zugesicherten Umsatz gehabt hätten und bewiesen hätten, dass wir

  1. ein ECHTES! Problem lösen und
  2. ein Model gefunden haben, mit dem wir uns selbst erhalten können und das nachhaltig

Denke ich, dass etwas nicht stimmt.
Ja, das denke ich und zwar von Tag zu Tag mehr.

Zurück in meiner Realität

Es ist ca. 7:20.

Ich nehme mein Handy, klicke wieder auf Instagram und suche nach dem Hashtag #workhardplayhard: 3,169,820 Treffer.
Ich suche nach dem Hashtag #givingback: 526,391 Treffer.

Instagram ist nicht repräsentativ für unsere Welt, zeitgleich stellvertretend für ein Blitzlicht unserer Gesellschaft und ihrer Werte, in der 6-mal so viele Menschen ihre Botschaften mit “höher, schneller, weiter” versehen als mit der Botschaft, etwas zurück zu geben.

Geben, dessen Verlust mir nicht weh tut

Ich komme Heim, dusche mich. Ich denke an den Mann unter der Brücke.

Ich ziehe mich an, gehe zurück und stecke dem Mann unter der Brücke etwas Geld zu.
Geld, dass ich wahrscheinlich für den nächsten Kinobesuch oder den Aperol Spritz an einem Sommerabend sowieso ausgegeben hätte.
Geld, dass mir nicht weh tut, wenn es jemand anderer hat.

Es wird nicht sein Leben ändern, ihm aber vielleicht einen würdigen Vormittag ermöglichen.

Was wir auf der Welt nicht (noch mehr) brauchen ist #workhardplayhard.
Was wir endlich mal brauchen ist #sharingWithoutACause.

Das ist das, womit meine Kinder aufwachsen sollen. Miteinander, nicht gegeneinander.

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Warum ich laufe

Es schmerzt, es tut richtig weh. Das erste Mal dachte ich sogar, dass ich gleich Opfer eines Herzinfarkts werde.

Was war passiert?

Ich habe mich am 10. April 2016 für den Vienna City Marathon 2017 angemeldet.
Es war knapp vor Mitternacht, als ich in diversen Berichten im Internet las, dass über 33.000 Personen sich dieses Jahr ins Ziel gekämpft hatten.

Dabei fiel mein Blick auf eine Liste, die ich – gefühlt seit immer – auf meinen Tisch geklebt habe.

Ali Mahlodji Traumliste

Diese Liste habe ich Ende 2010 erstellt – mein damaliger Burnout war eine Zeit her und ich bereit, an die Zukunft zu denken … und wieder zu träumen – so entstand diese Liste.

Knapp 6 Jahre später, am Abend des 10. April 2016 wurde mir bewusst, dass mir noch ein weißes Kästchen fehlt, dass ich nicht abgehakt hatte:

„Ich möchte einen Marathon laufen” … stand gleich als erster Punkt auf meiner Liste.

Alles Andere hatte ich schon geschafft. Auf der Liste standen großteils Punkte drauf, die ich damals als Phantasterei abstempelte. Zu weit war ich davon entfernt, etwas zu schaffen.

Am 10. April 2016, als ich mir ansah, was ich von der Liste – obwohl damals Phantastereien – bereits abgehakt hatte, wurde mir bewusst, wie sich die Manifestierung von Gedanken in Worte und in Schrift auf unsere Zukunft auswirkt und dass Gedanken und Träume der Ursprung unserer Gegenwart und unserer Zukunft sind.

Witzigerweise sind meiner Erfahrung nach, Träume die einzig wahre Konstante unseres Lebens. Alles Andere ist viel zu instabil – egal ob der Arbeitsmarkt oder das Liebesleben, beides kann morgen schon vorbei sein, auch ohne unseren Einfluss.
Träume aber, die gehören uns und bleiben auch, wenn andere Konstanten wegbrechen.

Vor knapp zwei Monaten begann ich, Freunden zu erzählen, dass ich den Wien Marathon laufen werde.

„Die ganzen 42 Kilometer? Echt jetzt?“ war die Reaktion von so ca. 90 Prozent der Personen, die es erfuhren.

Ja, ich hatte das Ganze wohl etwas unterschätzt, bzw. war und bin naiv genug, zu denken, dass ich es schon laufen werde 😃
Zwecks Vorbereitung meldete ich mich auch gleich mal für den Halbmarathon im Oktober 2016 in Graz an – quasi Generalprobe.

Wie mir von der Werbung vorgelebt, kaufte ich mir das coolste Laufgewand, die richtigen Schuhe, installierte mir Runtastic und checkte mir eine Pulsuhr.
I was ready to go!
Ich wollte laufen und zwar in einem Wettbewerb und ich wollte im Wettbewerb bestehen.

Dann kam mein erster Testlauf und meine Gedanken manifestierten sich auf einen gemeinsamen Nenner:
Es schmerzt, es tut richtig weh. Das erste Mal dachte ich sogar, dass ich gleich Opfer eines Herzinfarkts werde.

Die Angst und das Gefühl waren real. Mein Körper kannte das Gefühl der Bewegung in diesem Tempo nicht. Und ich rannte bei Gott nicht schnell, es war eher schneller gehen.

Mit ach und krach schaffte ich 20 Minuten zu „laufen”, bevor ich mit hochrotem Kopf und Schnappatmung in meine Wohnung zurück kam, wie verzweifelt an meinem Asthmaspray saugte und dann ca. 1 Stunde ruhen musste, bevor ich es unter die Dusche schaffte.

„42 km … echt jetzt?“ dachte ich mir dann auch das erste Mal.

Vor ca. 2 Wochen lief ich 15 Kilometer. Nach 12 Kilometer machte mein Körper Schluss, meinen Kopf interessierte das zeitgleich recht wenig.

Heute früh stand ich um 6:00 auf und rannte einmal um den Wiener Ring (ca. 6,5-7 km). Das Ganze in 40 Minuten … ohne Asthmaspray.

Die ersten 10-15 Minuten sind nach wie vor die Phase, bei der sich mein Kopf denkt „Mann, hast du nichts besseres zu tun?“. Interessanterweise interessieren mich meine Gedanken dieser Art nicht mehr. Ich höre sie zwar, höre aber nicht zu.

Was war passiert?

Ich begann zu laufen, weil ich eine Box auf einer Todo-Liste abhacken wollte. Ich begann zu laufen, weil ich es mir beweisen wollte und im Wettbewerb bestehen wollte.

Und dann begann ich zu lernen …

Ich lernte, dankbar zu sein für all die Augenblicke voller Aufmerksamkeit und Wahrnehmung des Hier und Jetzt, die ich während des Laufens verspürte.

Ich lernte, dass ich nicht meinen Körper spazieren trage, sondern meine Gedanken und Emotionen mich.

Ich lernte, dass der Fokus auf den Sieg mit sich zieht, dass es Verlierer gibt – ein Gedanke, den ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht realisiert hatte.
Wollte ich doch früher immer gewinnen, wurde mir bewusst, dass ich beim Marathon im besten Fall “nur” ins Ziel komme. Also fernab von Gewinn, Sieg und sonstigem Phallus-ähnlichen Gebärden unserer Zeit … und ich merkte, dass mir  das Bewusstsein, nicht zu gewinnen, absolut nichts ausmachte.
Es war sogar befreiend und schenkte mir ein entspanntes Lächeln.
Was ich lernte: nicht zu gewinnen hat nichts mit verlieren zu tun.

Ich lernte, dass mich Laufen zu mir selbst zurückbrachte.

Ich lernte, dass mein Körper und mein Mindset für das Laufen gemacht sind und ich begann, meine Schmerzen als meine liebsten Begleiter zu sehen.

Ich lernte, dass solange ich in Bewegung bin, ich meine Balance im Leben halte.

Wenn ich in der früh laufe, starte ich mit einer großen Portion Glücksgefühlen in den Tag … und das, bevor die Welt noch wach ist.
Einer Stadt beim Aufwachen zuzusehen – während man seinen Körper bewegt und die Gedanken aktiviert – ist ein Geschenk, dass ich erst entdecken musste … obwohl es immer da war und nur davon abhing, ob ich bereit war, mich zu bewegen.

Warum ich laufe? Es macht mich glücklich … egal ob 20 Minuten oder 42 Kilometer.
Gewinnen und Bestehen “zu müssen” … das brauche ich längst nicht mehr.

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Demut, der Spiegel unserer Gedanken

Gestern habe ich gelernt, was wahre Größe und Demut bedeutet.

Ich war eingeladen, im Finale einer großen Marketing-Trophy zu sprechen, bei der die besten Marketing-Konzepte von HAK-SchülerInnen gekürt wurden.

Bevor der Sieger bekannt gegeben wurde, wurden die beiden besten Teams auf die Bühne gebeten – die Spannung war extrem hoch, was auch an den 300 Schülern und ihren Lehrern lag, die im Publikum mitfieberten.

Auch im Finale waren zwei SchülerInnen, die gemeinsam ein tolles Projekt eingereicht hatten und vor der Verlautbarung über das Gesicht strahlten und sich einfach freuten, dass sie dabei waren.

Dann das Ergebnis: sie hatten den zweiten Platz erreicht, nicht den ersten.

Und dann passierte das Interessante … Keine der beiden Mädchen wirkte geknickt oder enttäuscht. Es wirkte sogar so, als ob ihnen noch mehr bewusst wurde, wie weit sie es geschafft hatten.

Ich sprach nachher noch mit Beiden, weil ich ihnen zu ihrer Reaktion und ihrer Stärke gratulieren und sie etwas aufbauen wollte.
War aber nicht wirklich notwendig, weil sie – entgegen meiner Erwartungen – wirklich überglücklich waren, dass ihre Idee es so weit geschafft hatte und sie auf der Bühne stehen durften.

Sie erzählten mir, dass sie jetzt feiern gehen – etwas, das ich auch nicht erwartet hatte.

Ich habe in den letzten Jahren viele Preisverleihungen und Events erlebt, wo es immer einen Erstplatzierten und damit auch gleichzeitig immer Menschen gab, die es eben nicht auf den 1. Platz geschafft hatten. Nirgends ist der Grat zwischen Freude und Kummer so schmal, wie bei einer Preisverleihung, wo nur mehr wenige Teams im Finale stehen.

Bei Erwachsenen habe ich oft gesehen, dass sich diese zwar “offiziell” für die Erstplatzierten freuen, aber ihre Körperhaltung und die Stimme deutlich zeigen, dass sie es den anderen nicht vergönnen und eigentlich stinksauer sind.

Gestern Nachmittag wurde ich von diesen Schülerinnen eines besseren belehrt, denen es wirklich nur um das Dabeisein ging – einer Tugend, die zwar immer wieder bei Wettkämpfen genannt wird, aber von uns Erwachsenen wenig gelebt wird.

Zu groß ist unser Fokus auf “Wettkampf” als Mittel, um ganz oben zu sein – wissentlich, dass dies immer bedeutet, dass jemand anderer “schlechter” ist als man selbst.

Konkurrenz wurde viele Jahre als das Allheilmittel im Business gesehen – dass Kooperation aber mehr bringt und weniger Verlierer zurück lässt, haben dabei viele vergessen oder übersehen.

Im Laufe der letzten vier Jahre hat sich immer wieder gezeigt, dass starker Fokus auf den Wettbewerber einen selbst vom Weg abbringt und mehr für Neid und Zorn sorgt, als es einem hilft.

Ich selbst war ein Mensch, der sich sehr schwer tat, anderen Menschen & Projekten eine bessere Platzierung zu gönnen. Was ich daraus gelernt habe war, dass es mir selbst nicht gut tat.
Anstatt mich auf meine Zukunft und meine Stärken zu konzentrieren, hatte ich immer im Blick, was mir “gerade fehlt”, damit ich aufschliessen kann.

Wachstum und Größe entstehen durch den Fokus auf das, was man kann und erreicht hat – nicht mittels Abgleich mit anderen. Wenn man sich immer mit anderen vergleicht, wird man immer verlieren, weil es immer jemanden geben wird, der das Eine oder Andere einfach besser macht.

Oft höre ich auch, dass Menschen oder Teams unzufrieden mit sich selbst sind, weil sie sich im letzten Jahr nicht “so sehr” gesteigert haben, wie es gerne wollten – dabei vergessen wir, dass wir hier von “nur” 365 Tagen sprechen.

Was ich gelernt habe ist, in 1000-Tagen Zyklen zu denken.
1000 Tage sind ca. 3 Jahre und das ist eine Zeitspanne, in der man Veränderung und Fortschritt erkennt, weil sich hier auch Auswirkungen bestimmter Entscheidungen zeigen.

Vergleiche ich mich selbst mit vor einem Jahr, kann ich sagen, dass ich mich in jedem Aspekt etwas weiterentwickelt habe – kann aber nicht sagen, ob das auch nachhaltige Entwicklungen sind.

Vergleiche ich mich aber mit mir vor 3 Jahren, kann ich sagen, dass ich alle meine Träume weit übertroffen habe und viele Dinge sich verfestigt haben, die vor 3 Jahren nicht möglich gewesen wären und einfach ihre Zeit gebraucht haben.

Wir denken zu oft, dass wir Rennmaschinen sind, die im Wettkampf mit anderen Rennmaschinen stehen und sind enttäuscht, wenn wir das Rennen nicht als Erster gewinnen.

Die Frage ist aber, wer uns wirklich zwingt, dieses Rennen zu fahren – wir selbst oder unser Umfeld?
Ich denke nicht, dass wir über sieben Milliarden VERSCHIEDENE Menschen auf dieser Welt sind, damit wir uns dann miteinander vergleichen.

Diesen Vergleich können wir nur verlieren … oder wir machen es wie die beiden Schülerinnen und zeigen Demut vor dem, wie weit wir gekommen sind.
Glücklicher und lebenswerter macht es unsere Zukunft alle Mal.

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Trennung, der wahre Neubeginn

Ein Vorteil wenn man viel unterwegs ist (70+ Flüge letztes Jahr) zeigt sich darin, dass man viel Zeit allein verbringt.

Manchmal kann das ein sehr einsames Gefühl sein – nein, es ist immer ein einsames Gefühl, gerade wenn man öfters den letzten Flieger nimmt – aber oftmals ist es auch eine wunderschöne Zeit, um zu reflektieren.

Wenn man in einem Unternehmen operativ tätig ist und sich nicht regelmäßig herausnimmt, übersieht man am Ende des Tages die wichtigste Person, um die man sich kümmern muss … sich selbst.

Letztes Jahr habe ich mir vorgenommen, Zeit zum Reflektieren nicht mehr dem Zufall zu überlassen und habe damit gekämpft, mich von Ablenkungen zu befreien, die ich mir selbst geschaffen habe. Ich dachte allen Ernstes, dass ich dies in wenigen Monaten bewerkstelligen könne. Im Endeffekt brauchte ich fast ein Jahr, um mich in eine Position zu bringen, in der ich mich frei, produktiv, glücklich und erfolgreich bewegen konnte.

Ich arbeite keine Minute weniger als früher, aber ich habe mein mentales Setting und meine Gedanken umstrukturiert und damit auch, wie ich den Tag lebe und wahrnehme.

Über den ganzen Prozess zu erzählen wäre zu weitreichend – vielleicht mache ich das ein anderes Mal, aber was ich hier niederschreiben möchte, ist der Einfluss, den mein Umfeld auf mich hatte und hat.

Ich erkannte letztes Jahr zunehmend, dass ich mich teilweise mit Menschen umgab, die ein anderes Bild von Erfolg hatten als ich. Ich erkannte, dass ich von Menschen umgeben war, die ein anders Bild auf den “Menschen als Mitarbeiter” hatten und auch, dass ich viel von Menschen umgeben war, die nur in knallharten Zahlen dachten. Hinzu kamen auch Menschen, die nur Zeit mit Einem verbrachten, wenn dieser ihnen auch etwas brachte.

Teilweise kam ich mir vor wie ein Zahlungsmittel, dessen Wert befristet war und zwar solange, wie ich in den Augen anderer “funktionierte” und deren Erfolgswelt lebte.

Ich musste erst lernen meine Werte zu festigen und zu leben und mich dann von all jenen zu trennen, die meine Weltsicht blockierten und trübten. Bitte nicht falsch verstehen, diese Personen haben nichts „Böses” gemacht – sie waren sie selbst und das ist gut so. Nur passte deren Weltbild nicht zu meinem Bild des Jetzt und der Zukunft und so schwächte ich mich selbst konstant, in dem ich Zeit mit ihnen verbrachte.

Dieses Wochenende saß ich mit Peter zusammen. Er war mal Fussballprofi, was für viele schon ein Traum ist, brach diese Karriere (in den Augen anderer) abrupt ab und lebt heute als Autor, Inspirator und Projektinitiator von Jugendprojekten. Er ist einer der wenigen Menschen, bei denen ich mich nach unseren Treffen “aufgeladen” fühle und zwar auf 140% … und das an schlechten Tagen. 🙂

Das Traurige daran … dass ich dieses Gefühl viele Jahre nicht kannte.

Schuld war ich selbst, verbrachte ich doch zu viel Zeit mit Menschen, die an mir saugten, wo sie etwas benötigten, aber ebenso meine Sichtweisen in die Schublade „werd erwachsen” steckten. Nach solchen Gesprächen war ich zumeist den ganzen Tag in einem seelischen Tief.

Wer sich einmal Zeit nimmt, erkennt selbst, bei welchen Menschen wir nach dem Gespräch mehr Energie haben als zuvor und bei welchen Menschen wir danach am Besten einfach vor dem Fernseher rumlungern wollen.

Mit Peter spreche ich z.B. über Träume und Vision so wie andere über die nächste Überweisung ihrer Miete sprechen.

Für uns ist das “Realität werden” von Träumen und Vision genauso real, wie für andere der nächste Steuerausgleich.

Ich war schon immer so und dachte bis vor einigen Jahren noch, dass ich ein Spinner bin – mein Problem war aber eher, dass ich nur im falschen Umfeld war. Einem, das ich mir selbst ausgesucht hatte, ohne darüber nachzudenken, ob es mich genauso förderte wie ich die Menschen darin.

Heute habe ich eine Liste gemacht mit Menschen, bei denen “meine” Themen als das Normalste auf der Welt betrachtet werden und die ich als Freunde zählen kann. Es sind fast genauso viele “Freunde”, wie noch vor einigen Jahren, aber mit einem kleinen Unterschied. Mehr als die Hälfte der Namen von früher sind nicht mehr auf der Liste.

Klingt auf den ersten Blick schade, aber am Ende des Tages ist es die beste Lösung und zwar für alle Seiten. Die Freunde von früher, die mich als Spinner abstempelten, haben nun andere Freunde, die ihre Sprache sprechen und ich habe den Fokus auf die gelegt, die mit meiner Sichtweise etwas anfangen können.

Die lehrreichste Lektion in diesem Prozess war eine, die schmerzhafter nicht hätte sein können.

Ich musste erst lernen, dass man sich im Leben zuerst von den Dingen, die man in seiner Zukunft nicht mehr haben möchte, trennen muss, damit die Dinge, die einem die Zukunft ausfüllen sollen, erscheinen.

Zu oft sind wir unzufrieden mit etwas, wissen auch warum und haben uns und allen Freunden schon zig mal erzählt, dass wir es hassen, aber trennen uns nicht davon. Lieber reden wir uns ein, dass wir uns neben diesen Dingen, die uns runterziehen, etwas aufbauen können, das das Negative ersetzt und dann erst den Wechsel oder die Trennung vollziehen.

Dabei vergessen wir, dass unser Fokus im Leben begrenzt ist. Wir können nicht täglichen mit etwas Negativem leben und nebenbei etwas Großartiges und Wundervolles aufbauen.

Man kann nicht in einer katastrophalen Beziehung leben und dabei in aller Ruhe eine wundervolle Beziehung nebenbei aufbauen. Wer ehrlich zu sich selbst und seinem Umfeld ist, trennt sich und macht dann erst Raum frei für eine neue Beziehung.

Und so ist es bei allem im Leben. Ein katastrophaler Job lässt uns gar keine Kraft, nebenbei und in akzeptabler Zeit unseren Traumjob zu bauen. Manchmal muss man kündigen und ist dann “frei” für etwas Neues.

Und so musste ich letztes Jahr lernen, dass unser Umfeld, also die Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen, eigentliche die geheime Macht sind, die uns formt … das Gute ist, wir können uns diese selbst aussuchen.

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Manchmal ist die Seitenlinie lehrreicher als das Spielfeld

Ich war es immer gewohnt, dass ich bei meinen Projekten – egal ob als Basketball-Kapitän in meiner Jugend oder als WHATCHADO CEO – immer im Mittelpunkt des Geschehens agierte.

Für mich war es unvorstellbar, Teil von etwas zu sein, ohne auch selbst das Tor zu schießen oder zumindest vorne mitzustürmen.

Egal ob beim Gewinnen oder beim Verlieren … Mittendrin war das einzige Gefühl, welches für mich zählte.

Im Laufe der Zeit bemerkt man aber, dass Teams immer dann funktionieren, wenn jeder und jede das macht, was er oder sie am Besten kann und das bedeutet manchmal auch, dass jemand anders zum Stürmer wird oder sich die Kapitänsschleife umhängt.

Ich habe die letzten Jahre meines Lebens immer wieder Jugendliche als Mentor begleitet, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammen.

Begonnen habe ich damit im Jahre 2010, als ich ehrenamtlich bei der CARITAS Schulungen zum Thema Berufswahl gehalten habe und mich dort eines Jungen angenommen hatte, der nicht aus Österreich kam und auch seiner Hautfarbe nach ganz klar nicht Europäer war.

Neben sprachlichen Barrieren, die er aber verdammt schnell meisterte, war sein Problem ganz klar die Ablehnung, die ihm immer wieder unterkam. Aus meiner Geschichte heraus wusste ich, wie es ihm ging und ich war mir ganz sicher, dass ich ihm bei jeder Sache helfen oder es ihm sogar abnehmen konnte – ein Fehleinschätzung, wie sich herausstellte.

Ich wurde zu einer Art Mentor für ihn und begleitete ihn bei seinen ersten Schritten und tatsächlich, er machte die Abendschule und entwickelte sich sehr schnell weiter.

Er sagte mir mal, dass es für ihn immer dann sehr hilfreich war, wenn er das Gefühl hatte, dass da jemand ist, der das alles selbst erlebt hat, aber ihn von außen begleitet und ihn seine Fehler selbst machen lässt. Er sagte mir, dass er immer dann wenig lernte, wenn ich ihm alles vorzeigte oder es ihm abnehmen wollte.

Bis zum damaligen Zeitpunkt dachte ich, dass es meine Aufgabe war, bei seinen Fehlern einzuspringen – durch ihn erkannte ich aber, dass es gerade seine Fehler waren, die er selbst machen musste.

Und so verhält es sich mit vielen Dingen im Leben … manchmal ist es besser und dankbarer, wenn wir nicht selbst das Tor schießen, sondern als Trainer am Spielfeldrand stehen und zusehen, wie unser Team, das wir begleiten, das Tor selbst macht.

Auch wenn wir theoretisch wissen, wie man es selbst besser machen könnte, ist unsere Aufgabe, andere zu begleiten und für sie dazu sein, wenn sie Rückhalt brauchen.

In einer Welt, in der jeder ganz vorne dabei sein will, wo alle sich als Gewinner sehen wollen und wo Aufgeben keine Option ist, sollten wir vielleicht so demütig sein und erkennen, dass die Seitenlinie aus uns bessere Menschen machen kann, als es das Spielfeld je tun würde.

Es ist wie bei der Kommunikation: Wer immer redet, hört nur das, was er schon weiß – wer aber zuhört, lernt etwas Neues.

(ich denke, der Spruch stammt vom Dalai Lama)

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Vorurteile, meine täglichen Begleiter

Ich spreche in meinen Vorträgen viel über Vorurteile und auch darüber, wie diese die Arbeitswelt und das tägliche Miteinander im Privaten, aber auch im Business beeinflussen.

Klarerweise weiß ich selbst, dass alle Menschen – ob sie wollen oder nicht – Vorurteile in sich tragen, die sie vielleicht nicht bewusst, aber sicher unbewusst ausstrahlen und leben.

Ich selbst sage zwar auch immer, dass ich klarerweise auch Vorurteile habe (weil es ja menschlich ist), denke mir aber immer insgeheim, dass es bei mir wohl doch nicht so schlimm sein wird.

Und dann steige ich heute früh in ein Taxi.
Der Taxifahrer ist augenscheinlich kein Österreicher, die Musik keine westliche, sondern seiner Herkunft nach ausgewählt und diese spielt er richtig laut.

Erster Gedanke: typisch, dass das jetzt wieder so laut sein muss – warum macht er das nicht aus.
Zweiter Gedanke: Ali, bist du irre? Du kennst den Typen gar nicht und was heißt da „Typisch“?

Ja, auch ich lebe mit Stereotypen, die ich mir irgendwann in meinem Leben in mein Gehirn gemauert habe und aller Anschein nach, sind diese immer noch da und so ziemlich gegen alles, woran ich glaube.

Als ich mich wieder gefangen hatte und mir klar wurde, dass ich die etwas laute Musik gleich mit „typisch für eine ganze Nationalität“ auf eine Ebene setzen wollte, fragte ich ihn einfach, was das für ein Lied sei.

Er sagte mir, dass er seine Frau vor zehn Jahren geheiratet hat und heute ihr Hochzeitstag ist und dieses Lied damals bei seiner Hochzeit gespielt wurde und seitdem sein Lieblingslied ist.
In der Sekunde dachte ich mir echt nur, was für ein Idiot ich doch bin.
Er hört sein Lieblingslied und ich denk mir “typisch für dieses Volk, bla bla bla”.

Ja, wieder was dazugelernt.

Man ist wohl selbst niemals vor seinen Vorurteilen geschützt und daher ist Selbstreflektion eine der Fähigkeiten, die ich dieses Jahr ausbauen möchte.
Zum Einen weiß ich, dass ich das ändern will, zum Anderen muss ich mir aber bewusst sein, dass dies nicht von heut auf morgen funktioniert und alles seine Zeit braucht … schliesslich sind wir ja auch alle nur Menschen.

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Wissen entsteht an Grenzübergängen von Generationen

Mein erster Mentor (ohne dass er je eine Ahnung davon hatte) war Franz Kühmayer, ehemaliger Topmanager in der IT, heute erfolgreicher Berater und internationaler Keynote Speaker.

2011 wurde Johann “Hansi” Hansmann neben seiner Rolle als WHATCHADO’s erster Business Angel auch zu meinem Mentor und Freund. In die Runde der Mentoren, die auch Business Angels waren und Mentoren wurden, gesellten sich in den letzten 2 Jahren auch Brigitte Ederer (Ex-Siemens Vorstand HR), Claus Raidl (Präsident der Österreichischen Nationalbank) und Peter Püspök (Ex-Raiffeisen Niederösterreich Chef) hinzu.

Und seit einem Jahr ist auch Gerald Hüther, Autor und Neurobiologe, einer der Menschen, an den ich mich wende, wenn ich reflektierten Rat oder eine Meinung brauche.

Ohne meine Mentoren wäre ich meinen Weg bisher sicher holpriger gegangen, als es bis dato sowieso der Fall war 🙂

Erst Anfang diese Woche hatte ich wieder ein sehr inspirierendes Gespräch mit Hansi Hansmann und gestern auch eines mit Franz Kühmayer und gerade jetzt komme ich von einem Abendessen mit lieben Bekannten, von denen ich in diesen wenigen Stunden mehr über das Leben gelernt habe, als es je ein Buch geschafft hätte.

Diese drei Gespräche haben alle etwas gemeinsam und damit ist nicht nur gemeint, dass mich alle in meiner persönlichen Entwicklung einen Riesenschritt weitergebracht haben, sondern eine andere Tatsache, die mir mehr hilft, als ich dachte: Alle meine Mentoren und auch die Gesprächspartner, von denen ich am Meisten lerne, sind immer Menschen, die nicht in meinem Alter oder meinem Altershorizont sind.

Ich lerne am Meisten von Menschen, die mindestens 5-10 Jahre reifer oder mindesten 5-10 Jahre jünger sind als ich es bin.

Wenn ich z.B. mit Menschen spreche, die reifer sind als ich, merke ich sofort, wie wertvoll die Ansichten dieser Menschen sind, wenn sie die Jahre ihrer Erfahrung sprechen lassen. Jahre, die mir definitiv fehlen.

Jede Zeit und jede Epoche hat bei ihren Zeitgenossen Erfahrungen hinterlassen, die im Zuge eines Reflektionsprozesses wertvolles Wissen in sich birgt. Wissen, dass vielleicht für weitere Zeugen dieser Zeit nichts besonderes darstellt, aber für jemanden, der nicht aktiver Teil dieser Zeit war, ein Fundus an neuen Denkweisen beinhaltet.

Ein Gespräch mit jemanden, der 10 Jahre reifer oder 10 Jahre jünger ist als ich, bringt mir immer mehr als ein Gespräch mit einer gleichaltrigen Person. Der Grund ist einfach: jemand, der genauso wie ich 34 Jahre +/- wenige Jahre ist, lebt in der selben Lebenswelt wie ich. Diese Person hatte wahrscheinlich die selben Kindheitshelden wie ich, hat die selben Serien geschaut und ist mit den selben Geschichten aufgewachsen und hat den selben kulturellen Wandel erlebt so weiter.

Aber jemand, der fast eine Dekade entfernt ist (egal in welche Richtung), hat in allen oben genannten Bereichen ganz andere Inhalte erfahren.

Ich bin noch mit den Spice Girls, den Backstreetboys und mit David Hasselhoff als Michael Knight aufgewachsen und das war für mich das Normalste und ist es immer noch. Sehe ich mir aber an, dass die Helden der Kids heute One Direction heißen und aussehen wie Bubies, die frisch aus der Waschmaschine kommen, kann ich entweder den Kopf schütteln oder mir von einem Jugendlichen erzählen lassen, WAS daran so cool ist.

Anstatt über andere Generationen zu schimpfen, könnte ich doch durch den aktiven Austausch mit einem Zeitgenossen dieser Zeit darüber sprechen, was aktuell “hip” ist und mir erklären lassen, was denn daran ausschlaggebend ist.

Dies führt dazu, dass ich nicht mehr über eine Generation spreche, sondern mit! ihnen.

Das gilt sowohl für das Gespräch als auch für das Verständnis für “jüngere” und “reifere/ältere” Menschen.

Jede Generation hat ihre Erfahrungen und echtes Wissen und Verständnis für die Welt entsteht erst, wenn sich dieses mit dem eigenen vermischt.

Anstatt sich nur mit Gleichaltrigen zu unterhalten, sollten wir lernen, uns mit Menschen zu unterhalten – ungeachtet deren Alter und Generation. Schliesslich sind wir in unserem Leben alle mal “die Jüngeren” und “die Älteren”.

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Das Gefühl, die eigene Ideen in Händen zu halten

Ich wurde heute von einer Studentin, die kurz davor steht, ihr eigenes Ding zu starten, gefragt, wie es sich anfühlt, wenn aus der eigenen Idee ein Produkt entsteht, dass dann wirklich “real” existiert.

Das war in etwa meine Antwort:

“In unserem täglichen Leben halten wir nur selten inne und reflektieren die Wunder, die um uns herum passieren.
Wir laufen und versuchen, Meter um Meter zu machen, um dann festzustellen, dass wir noch immer zu langsam sind.
Manchmal scheint mir, als hätten wir vergessen, stolz auf uns zu sein.

Und dann gibt es Tage und Momente, die einem vor Augen führen, dass Motivation eine innere Kraft ist, die sehr viel mit Überraschungen der eigenen Umgebung zu tun hat.

Der Tag, an dem man sein eigenes Produkt in den Händen hält, ist ein magischer Augenblick, der all die Tränen und investierte Energie der Vergangenheit wieder ausgleicht.
Es ist ein Augenblick, auf den man hingearbeitet hat und wenn dieser da ist, bleibt die Welt kurz stehen.

Sein eigenes Produkt in den Händen ist zu halten ist … ja, es ist, als würde man aus einem Traum erwachen, der hoffentlich niemals enden wird.”

Leute, niemals aufhören, an die eigenen Ideen zu glauben … immer akzeptieren, dass diese realer sind, als wir anfangs glauben.

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“DU, das bessere WIR” und warum Respekt keine Frage der Anrede ist

Kinder im Kindergarten duzen sich,Kinder in der Schule duzen sich,

Studenten an der Uni duzen sich. 

Wohlgemerkt ALLE von Tag eins, wenn sie sich das erste Mal kennenlernen, also wenn sie noch Fremde sind. 

Irgendwann nennen wir es dann Arbeitswelt und es geht los unter Arbeitskollegen mit “Sie”, “Herr”, “Frau” in der Apotheke geht’s dann weiter mit “Grüß Gott Herr Magister”, etc. 

Klar, Österreich ist schon etwas heftiger, wenn es um die Auslegung von Respekt durch die Nennung von Titeln geht. 

Aber allgemein gesehen, machen wir in der Arbeitswelt – also wenn wir ausgelernt und für den Markt ready sind – plötzlich eine Transformation weg von Menschen, die miteinander sprechen zu Rollen, die miteinander kommunizieren. 

Waren an der Uni alle Kollegen noch Peter, Johannes, Lisa und Sandra, sind es am Arbeitsplatz plötzlich Herr Langmann, Herr Kleder, Frau Schmidt und Frau Rohan.

Und das obwohl man am Arbeitsplatz noch enger zusammenhalten muss, weil man dort wirklich in einem Boot sitzt. 

Schon klar, nicht in allen Unternehmen ist das Sie noch an der Tagesordnung, aber trotzdem sehr weit verbreitet. 

Als ich bei einem deutschen Industriegiganten arbeitete, hatte ich Vorgesetzte, bei denen es einer Beleidigung gleichkam, wenn das “Herr Doktor” vergessen wurde. 

Dies schaffte von Anfang an eine Unterscheidung zwischen den Menschen in einem Meeting, weil es plötzlich mehr um Rollen und irgendwelche Titel der Vergangenheit ging, als um die Sache selbst. 

Das Schöne ist, dass ich immer mehr Unternehmen kennenlerne, wo direkte Kollegen sich duzen. 

Aber wenn es um die Kommunikation nach oben in die Chefetage geht, ist plötzlich wieder das “Sie” und Nennungen diverser Titel an der Tagesordnung. 

Als ich bei einem US Unternehmen arbeitete, erlebte ich am ersten Tag (auch unter deutschen und österreichischen Kollegen), dass sich alle – vom Assistenten bis zur Geschäftsführerin – also echt ALLE duzten, ausnahmslos. 

Klar, im Englischen spricht man die andere Person immer mit “you” an, das bei uns übersetzt “Du” bedeutet, aber dass auch die deutschsprachigen Kollegen, wenn sie nur Deutsch sprachen, über Hierarchien hinweg das “Du” verwendeten, war für mich interessant. 

Zur Geschäftsführerin könnte jeder Sabine sagen und zum internationalen DACH Manager sagten wir einfach Giovanni, wenn wir in Meetings saßen. 

Was ich bemerkte war, dass durch den Wegfall von Titeln und der Verwendung von “Sie” die Menschen in den Meetings viel ehrlicher und direkter miteinander kommunizierten und das teilweise über zwei Hierarchieebenen hinweg. 

Da es im Unterbewusstsein nicht mehr um den falschen Respekt am Anfang jedes Satzes ging, konnten alle lockerer und fokussierter über die Sache sprechen. 

Mein damaliger Mentor, der mich auch eingestellt hatte, erzählte mir, dass er vor diesem Job auch jahrelang bei einem Österreichischen Industriekonzern tätig war und beobachtete, dass jedes “Sie” und jedes anführen von Titeln eine Barriere zwischen den Gesprächspartnern einzog, so dass diese immer zuerst an die Konventionen denken mussten, bevor sie zum Punkt kamen. 

Als Unternehmer, der auf jeden Cent schauen muss, halte ich sehr viel von Effektivität und Effizienz. 

Meetings sind, wenn wir uns ehrlich sind, in den meisten Unternehmen (es gibt immer tolle Ausnahmen) eher schlecht gestaltet und wenn dann noch am Anfang jeden Satzes, der ausgetauscht wird, sich alle Teilnehmer die Konventionen in den Kopf rufen müssen, doppelt so ineffektiv. 

Mit dem Einziehen von Titeln und dem “Sie” zieht man auch oft eine falsche Höflichkeit in das Gespräch, welches verhindert, dass klar und deutlich gesprochen wird, also auch über Dinge, die eher unschön sind. 

Mir wurde oft vorgeworfen, dass ich in Meetings zu hart bin und zwar dann jedes Mal, wenn ich rein über die Sache gesprochen habe und es Mal ein Thema war, wo das Feedback nicht positiv war. 

Als ich mit WHATCHADO begonnen habe, war mein Ziel, Menschen sprechen zu lassen und zwar wirklich den Menschen, nicht die Rolle oder den Titel. 

Daher hatte ich mir damals vorgenommen, dass ich ab sofort und in jeder Lebenslage am Anfang jedes Gespräches – egal ob CEO, Minister, Präsident, Blumenverkäufer – frage, ob es eh okay ist, wenn wir “per Du” sind. 

Einer meiner Cofounder sagte mir damals, dass dies respektlos sei, worauf ich erwiderte, dass ich denke, dass dies sogar die schönste Art des Respekts ist, da ich Jemandem anbiete, von Anfang an mit mir als Mensch zu sprechen. Mehr Respekt geht ja gar nicht mehr. 

Respekt wird oft als Wahrung einer Distanz ausgelegt – nach über tausenden Interviews mit Menschen und Gesprächen mit Entscheidern und führenden Köpfen, kann ich aber sagen, dass Respekt viel mehr mit Nähe zu tun hat, als wir denken. 

Zwei CEO’s, einer aus der Baubranche, der andere aus der Telekommunikation, haben mir – unabhängig voreinander – erzählt, dass sie sich, als ich sie beim ersten Treffen fragte, ob wir “per Du” sein können, gefreut haben, weil sie endlich mal wieder als Mensch behandelt wurden – nicht als Rolle und Funktion. 

Und so passierte es mir in vier Jahren nur einmal, dass ich belächelte wurde, was ich mir eigentlich einbilde, als so junger Mensch das Du anzubieten.

Das war bei einer Podiumsdiskussion, bei der ich vorher mit allen Teilnehmern kurz sprechen wollte, um mich vorzustellen – rein aus Höflichkeit. 

Für alle (zwei CEO’s, ein Intendant, ein Journalist) war es okay, sogar sehr willkommen, nur für eine Politikerin war es ein Angriff. 

Fairerweise muss ich sagen, dass sie später zu mir kam, sich entschuldigte (ich denke zumindest, es war eine Entschuldigung) und mir anbot, dass ich sie in Zukunft ohne ihre zwei Titel ansprechen darf. 

Menschen wollen als Menschen behandelt werden. 

Das tun wir, wenn wir geboren werden, im Kindergarten, in der Schule, in unserer Jugend. 

Kinder, also Menschen in ihrer natürlichsten und unverdorbensten Form, machen sich nichts aus Titeln und falscher Höflichkeit. Sie sind ehrlich und das durch und durch. 

Nur irgendwie suggeriert man uns später, dass wir ja aus Höflichkeit Barrieren zwischen uns aufbauen müssen.

Irgendwann akzeptieren wir, dass Rollen miteinander sprechen und nicht mehr Menschen. 

Was dadurch entsteht, ist eine künstliche Kluft … und dann wundert man sich, warum ein CEO, nachdem ich ihm nur das Du angeboten habe, sich bedankt, weil er mal wieder als Mensch behandelt wird. 

Wird es nicht Zeit, dass wir ab sofort nur mehr von Mensch zu Mensch reden, anstatt künstliche Barrieren einzuziehen?