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Reflexion ist ein Marathon, kein Sprint

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Bill Gates sagte mal, dass Menschen überschätzen, was sie in einem Jahr schaffen, aber noch mehr unterschätzen, was sie einer Dekade vollbringen. 

Heute habe ich ein Buch fertig gelesen, dass ich das erste mal vor knapp sechs Jahren gelesen hatte.
Es ging um Selbstbestimmung und darum, das zu tun, was einem Freude macht. 
Damals hatte ich mir gewünscht, all das zu machen, was da drinnen stand: selbstständig sein, Menschen motivieren, dem Herzen folgen. 

Damals war ich als Führungskraft tätig und lief banalen Dingen wie Geld, Ruhm und Aufstieg auf der Karriereleiter hinterher, innerlich wünschte ich mir aber Freiheit a la raus aus dem Hamsterrad und eine Stimme, mit der ich andere wachrütteln kann. 

Ich bin selbst ein gutes Beispiel für jemanden, der sich selbst oft genug vorwirft, Dinge nicht gut genug gemacht zu haben oder sich selbst vorwirft, nicht genug weiterbekommen zu haben. 

Nachdem ich heute das Buch fertig gelesen hatte, wurde mir eines klar: die Zeitspanne, mit der ich meinen privaten Erfolg messe, war in der Vergangenheit teilweise zu kurz angesetzt. 

Ich verglich mich selbst immer mit meinem “ich” vor einem Jahr und war oft enttäuscht, weil ja nicht so viel weitergegangen war. 
Mich selbst mit mir vor sechs Jahren zu vergleichen hingegen war irre motivierend, da verdammt viel weitergegangen ist und zwar mehr, als ich es je für möglich gehalten hätte. 

Aber irgendwie auch schade, dass ich es zwar vor Augen hatte, aber immer zu kurzfristig gedacht habe und mir selbst damit nicht gutes tat. 

Wir entwickeln uns laufend weiter, jeden Tag und vergessen oft, von wo aus wir gestartet sind. 
Sich dies immer wieder vor Augen zu führen zeigt uns die Wunder des persönlichen Fortschritts und diese brauchen Zeit … Zeit, die wir uns geben sollten. 

Geben wir uns wirklich Zeit und in welcher Zeitspanne bewerten wir unseren Fortschritt?

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Wissen wir, in welcher Schlange wir stehen?

Ich bin seit gestern in Krabi, einer wunderschönen Provinz im Süden Thailands und werde die nächsten Tage hier verbringen. Bis vor kurzem war ich genau am anderen Ende Thailands und zwar in Chiang Mai, einem kulturell wertvollen Flecken Erde. Komplett anders als Bangkok und die sonst touristischen Plätze dieses Landes. 

Wenn man einige Tage in Ruhe verbringt, fallen einem typische Gewohnheiten, wie sie uns aufgrund von Stress und Überarbeitung nicht mehr bewusst sind, eher ins Auge. 

Der Flughafen Chiang Mai ist an sich ein wichtiger Transferpunkt des Nordens, in seiner Größe und Ausstattung aber eher eine schlichte und überschaubare Lokation. Sie erfüllt ihren Zweck ohne dabei besonders schick zu wirken, muss es auch nicht. 

Aufgrund meiner Standard-Paranoia, das jeweilige Flugzeug zu verpassen, waren wir auch diesmal wieder fast zwei Stunden zu früh am Airport … man könnte ja in einen Stau kommen, der Security-Check könnte ewig dauern und und und … wenn es darum geht, mit dem Flieger unterwegs zu sein, laufe ich gerne trotz Sonnenschein mit einem Regenschirm durch die Gegend. 

Tja, da waren wir, am Flughafen … und ja, zwei Stunden können verdammt lang sein, aber auch sehr lehrreich, wenn man einfach nur beobachtet. 

Uns fiel eine fast hundert Meter lange Schlange auf, dessen Ende zuerst gar nicht ersichtlich war. Nachdem wir der Schlange zum Anfang gefolgt waren, sahen wir, dass diese in einem stinknormalen Laden mündete, der klassische Mitbringsel verkaufte. Und diese nicht mal viel günstiger. Es gab kleine Mützen, Postkarten, T-Shirts, etc. Alles Dinge, die man überall in Thailand an jeder Ecke günstig kaufen kann. 

Aber irgendwie schrie diese Schlange nach “hier stehen viele, daher wichtig”. 

Was mir auch auffiel war, dass die meisten sich einfach anstellten, weil nun mal so viele andere auch dort standen. Teilweise sahen die Leute gar nicht, wo sie gerade anstanden. Sie wussten nur, dass es “da vorne” was tolles geben musste. 

Es war das klassische “einfach mal mitmachen, man könnte ja was verpassen”, gefolgt von “wenn alle da anstehen, muss es richtig sein”. 

Aus der Ferne betrachtet war es paradox. Alle Personen, die in Chiang Mai am Airport auf ihren Flug warteten, würden beim nächsten Stop, wo sie ankamen, die selben Produkte kaufen können und das sogar teilweise günstiger. 

Als ich schon ansetzen wollte, um mich in bester Wiener Manier, darüber aufzuregen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. 

Irgendwie stehen wir doch alle in unterschiedlichen Lebensphasen in einer Schlange an, deren Ende wir nicht kennen. Wir tun es trotzdem, weil es die Masse macht und weil die es eben macht, fühlen wir uns geborgen und nicht allein.

Dieses mit der Masse gehen, in Schlangen zu stehen, deren Ende wir nicht selbst überprüft haben, führt langfristig zur Aufgabe des eigenen Entscheidungswillens. 

Zwei Beispiele:

Die Wohlstandsschlange

Wir laufen jahrelang in einem Hamsterrad, schuften uns in gesichtslosen Umgebungen ab und arbeiten Tag ein Tag aus für die Wünsche und Träume anderer, weil uns irgendwann erzählt wurde, dass uns am Ende dieser Schlange namens “Arbeitsleben” die wohlverdiente Pension erwartet. 

Dann, ohne Vorwarnung, schreiben die Medien darüber, wie es unseren Pensionen wirklich geht. Es gibt plötzlich Möglichkeiten, sich seine Pension ausrechnen zu lassen und alle schreiben darüber. Darum sieht man sich als braver Mensch, der in der Schlange steht, auch mal an, was einen selbst am Ende dieser Schlange erwartet. Mit der Erkenntnis, dass die Berechnung ausspuckt, dass die wohlverdiente Pension eher einem Engerschnallen des Gürtels gleicht. 

Für viele ein Schock und klar, die Medien lieben es, das Volk schimpft … Manche darüber, dass sie ja schon seit über 30 Jahren Schlange stehen, also arbeiten und schuften, und erst jetzt sehen, dass die goldene Zukunft doch eher ein fauler Apfel ist. 

Sie merken, dass sie seit dem sie denken können, gehört haben, dass diese eine Schlange die richtige ist. Da soll man sich brav anstellen, weil es alle tun und das der “normale” Weg ist. Also taten sie dies ohne je das Ende der Schlange in Frage zu stellen und dann wurden sie enttäuscht, als sie erfuhren, dass es da vorne nicht Marmelade, sondern ungesalzene Butter am Brot gab. 

Die Digitalisierungsschlange

In den letzten Jahren wurde immer bekannter, was diverse Social Media Companies, allen voran Facebook, mit unseren Daten machen. 

Vor zwei Wochen wohnte ich einer Diskusion bei, bei der die Moderatorin sich beschwerte, dass Facebook ihre Daten ja seit neuestem verwendet, um mit Werbung Geld zu machen. 

Ich fragte sie höflich, was sie denn die letzten zwei Jahre dachte, warum

1. Facebook ihre ganzen Likes wolle und

2. wie sie dachte, dass Facebook Geld verdient.

Die Frage danach, ob sie sich mit den AGBs auseinandergesetzt habe, BEVOR sie sich angemeldet habe, verkniff ich mir, setzte aber nach, indem ich fragte, wie oft sie bedroht wurde, damit sie ihre Familienfotos und ihr Interesse für den Donauturm (stand ja auf ihrer Facebook Page) auf Facebook stellt. 

Wir alle posten, liken, kommentieren und drücken unsere Gefühle durch Emoticons auf Plattformen aus, deren Besitzer wir nicht kennen und deren Hauptsitz an einem Ort liegt, dessen Gesetzesauslegung nicht der Europäischen Denke in Hinsicht Datenschutz entspricht. 

Ach ja, wir tun dies freiwillig … übersetzt: durch unseren freien Willen, ja! wirklich!

Und dann diskutieren wir darüber, wie böse diese Plattformen sind. 

Wir stellen uns in diese kollektive Schlange aus Sehen und Gesehen werden und tun selbst alles, damit alle unser tolles Leben sehen, kommentieren und liken und tun ja alles, damit die Welt (unsere Facebook Friends) sieht, was für tolle Leute wir kennen. 

Und nochmal, in diese Schlange haben wir uns freiwillig gestellt und zwar weil unsere Freunde auch schon da waren und weil “halt alle dabei sind” und haben brav partizipiert. 

Wir haben alle die AGBs akzeptiert, weil uns das Gefühl der Masse, die alle anstehen, Sicherheit vorgespielt hat. 

Und jetzt, wo immer mehr bekannt wird, dass Social Media Kanäle es auf unsere Daten (habe ich schon erwähnt, dass wir diese freiwillig hochladen) abgesehen haben, diskutieren wir wie schlimm das Ganze geworden ist … nur um dann schnell die neuesten Fotos vom Weihnachtsbaum hochzuladen und uns an den Likes zu ergötzen. 

Ja, wir stehen immer noch in der Schlange, kennen mittlerweile deren Sinn, finden es nicht befriedigend, aber bleiben trotzdem dort, weil ja alle dabei sind und Alternativen zu anstrengend wären. 

Das Selbe gilt übrigens 1:1 für die Wohlstandsschlange: wir kennen deren undankbares Ende, aber bleiben dabei. 

Anstatt in Anbetracht der nicht rosigen Zukunft unser eigenes Ding (Stichwort Unternehmertum) zu machen, erfinden wir Ausreden, warum alles ja doch nicht so schlimm ist … nachdem wir uns davor beschwert haben, dass unsere Pension ein Witz sein wird. 

Wir alle – auch ich – stehen in Schlangen, weil wir irgendwann mal gehört haben, dass das schon so passt und haben es getan ohne vorher den Sinn und Zweck zu hinterfragen. Wir sind, ähnlich Lemmingen, einfach mal hinterhergelaufen. 

Alles gut, solange wir nicht entdecken, dass wir in der falschen Schlange angestanden sind.

Wir können jeden Tag die Schlange wechseln, uns davon entfernen oder – was das coolste ist – eine eigene starten.

Wissen wir, in welcher Schlange wir stehen und warum?

Krabi, 3. Jänner, 2016

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“same same, but different” statt Vorsätze für den Kanal

Wenige Tage noch bis Neujahr.

Wenige Tage noch bis “und welche Vorsätze hast du für 2016?”. 

Wenige Tage noch bis “das war ein bescheidenes Jahr”. 

Wenige Tage noch bis “das war ein geiles Jahr”. 

Nur noch wenige Tage, bis wir “von neu” starten und auf eine bessere Zukunft hoffen … so wie letztes Jahr, das Jahr zuvor und alle Jahre, die davor lagen.

Aber auch wie all die Jahreswechsel, die noch vor uns liegen. 

Vor nicht gerade mal 48 Stunden waren oben angeführte Gedanken und Gespräche an der Tagesordnung. 

Heute habe ich mich dabei ertappt, wie ich an 2016 gedacht habe, das besser als 2015 werden soll und mich wieder dabei erwischt, wie ich einzelne Bereiche durchgehe und mich frage, wie ich diese “besser” machen kann und plötzlich fand ich mich wieder in mitten einer gedanklichen Liste von vermeintlichen Vorsätzen, die ich selbst bei anderen belächle.

Und das Problem bei “jetzt mach ich es besser”-Ansätzen und Optimierungsversuchen ist doch, dass es für diese nach oben keine Grenzen gibt und so spinnt das Gehirn eine nicht endende Welle von Ideen und Ansätzen, wie alles 2016 besser sein könnte. 

Warum müssen wir immer alles auf Teufel komm raus besser machen?

Warum fragen wir uns oft gegenseitig, was wir kommendes Jahr besser machen wollen?

Warum sind wir nie mit dem “jetzt” zufrieden? Warum nicht mal für eine kurze Dauer zufrieden sein und in Ruhe die eigenen Erfahrungen wirken lassen und die sich daraus ergebenden Veränderungen akzeptieren. 

2015 war ein heftiges Jahr, beruflich, privat und sonst auch in jedem Bereich dazwischen. Nicht nur für mich, für viele andere wohl auch. 

Würde ich es im Nachhinein besser machen wollen? Theoretisch ja, aber dann würde mir ein Lastwagen voller Erfahrungen fehlen, die mich heute zu dem machen, der ich bin. 

Die Frage müsste doch eher sein, ob ich jetzt in diesem Augenblick der bin, der ich sein will. 

Meine Antwort ist ja. 

Die Frage müsste doch sein, ob ich jetzt, wenige Tage nach dem Jahreswechsel, glücklich und begeistert bin. 

Die Antwort ist ja. 

Ich will mir dieses Jahre keine Vorsätze vornehmen, die wie Upgrades wirken – nur meinen Weg fortsetzen und schauen, wo mich dieser hinführt und nicht jedes Jahr auf Reset drücken, weil ich mir dann einrede, dass dieser eine Jahreswechsel alles ändert. 

Wir sind an dem Tag nach dem Jahreswechsel die selben, wie am Tag davor. 

Wollen wir wirklich etwas ändern, wird es nicht dieser Tag sein, der alles ändert, sondern unser Wille, es zu tun und dieser ist unabhängig von internationalen Feiertagen.

Chiang Mai, 2. Jänner, 2016

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Mein offener Brief an Österreich, meine Heimat und langjährigster Freund meiner Familie

Liebes Österreich,

was ist los mit dir? Ich erkenne dich gar nicht wieder!

Ich will nicht jammern und einer dieser “früher war alles besser” Typen sein, aber Hey! früher warst du echt nicht so fremd und so weit weg von deinen Prinzipien.

Mir kommt es vor, als würdest du dich selbst nicht mehr spüren, dich nicht mehr kennen und zerrissen sein … als wärst du irritiert, zwischen den Welten gefangen und dir nicht mehr sicher, wofür du stehst.

Als wir uns kennenlernten, waren meine Eltern und ich gerade aus unserer Heimat geflohen.

Wir flohen, weil wir nicht sterben wollten – noch nicht jetzt, dafür waren wir zu jung und hatten zu wenig von der Welt gesehen.

Wir flohen, weil wir für unsere Freiheit einstanden – ein Gut, für das du seit je her stehst und das dich zur Heimat von Millionen macht.

Wir flohen, weil unser Gedankengut anderen ein Dorn im Auge war.

Wir flohen … weil wir mussten.

Nicht freiwillig, nicht geplant, nicht gewollt.

Wir verloren alles, unsere Heimat, unsere Freunde, unsere Familien, einen Teil unserer Identität und fanden diese bei dir, unserem neuen Freund, der uns aufnahm, als wir es am nötigsten hatten.

In dir fanden wir Frieden, in dir sahen wir Hoffnung, in dir entdecken wir Ruhe und Weitsicht und bei dir fanden wir unsere neue Heimat … meine Heimat und eines Tages auch die Heimat meiner Kinder.

So dachte ich zumindest.

Ich wuchs bei dir auf, wurde ab und zu damit konfrontiert, dass ich hier nicht willkommen war – fand aber auf jeden, der mich nicht wollte, hunderte, die mich mit offenen Armen aufnahmen und mich dabei unterstützen der Mensch zu werden, der ich heute bin.

Als ich in meiner Pubertät die Schule hinschmiss und Gefahr lief in einer Statistik zu landen, warst du darauf vorbereitet, botest mir Alternativen und ich konnte aus meinem Fehler lernen, konnte studieren, arbeiten und selbst Arbeitsplätze schaffen … ich konnte, als einst Fremder, und in den Augen vieler als “Fehler im System” abgestempelt, in diesem Land meine eigenen Schritte gehen, meine Träume leben und meine Fußstapfen hinterlassen.

Ohne deinem geordneten Umfeld, deiner vielfältigen Kultur und deiner sanften und diplomatischen Weitsicht, wäre ich wahrscheinlich untergegangen – bei dir konnte ich mich aber immer selbst überraschen und Wege gehen, die mir in anderen Ländern dieser Welt wohl verschlossen geblieben wären.

Ich werde in einer Woche 34 Jahre alt. Den Großteil meines Lebens habe ich bei dir verbracht, weiß aber nicht, ob ich den Rest bei dir verbringen möchte.

Du bist – auch aufgrund deiner Offenheit für Vielfalt – eine der herzlichsten und lebenswertesten Orte dieser Welt … und doch hast du dich verändert.

Du hast vergessen, dass Menschen, die bei dir Zuflucht suchen, dies nicht aus Habgier, Sucht oder materiellen Wünschen tun.

Du hast vergessen, dass du als Symbol für Neutralität und Sicherheit, ein Vorbild für Hoffnung bist.

Du hast vergessen, dass es auch Fremde und Gäste waren, die dieses Land groß gemacht haben.

Du hast vergessen, dass Toleranz die Größe ist, die Hetze und Fremdenverachtung überbrückt.

… und du hast vergessen, dass du viel mehr bist, als nur ein Flüchtlingsheim, dessen Name derzeit für Unmenschlichkeit, Leid und Unfähigkeit steht.

Mal ganz ehrlich, das hast du nicht nötig.

Steh auf und besinn dich auf deine Stärken zurück.

Steh auf und, verdammt noch mal, sorg dafür, das österreichische Gastfreundschaft nicht nur ein Modewort zwischen Schanigärten und Cafehäusern bleibt.

Steh auf und zeig allen, dass Österreich mehr als nur die Kombination von “Sound of Music” und Hetze gegen Fremde ist.

Es ist nicht leicht, ich weiß … aber wenn eine Seele dieser Welt, Ruhe, Freundschaft und Weitsicht in sich vereint, dann deine.

Mach mich wieder stolz … mach dich wieder stolz.

Ich glaube an dich,

Ali … Wiener im Herzen seit 1985, “echter” Österreicher seit 1991

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Ziele und ihre Sinnhaftigkeit – ein Blick zurück aufs Leben

Ich werde oft von Schülern, Studenten und auch jungen Gründern gefragt, wie man im Leben seine Ziele erreicht und was das Geheimnis dabei ist.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob gerade ich der Richtige bin, der diese Frage beantworten kann – obwohl ich gestehen muss, dass ich mich oft frage, ob meine Ziele im Leben mich am Ende meiner Reise glücklich machen werden.

Als ehemaliger Schulabbrecher mit einem radikalen Hang zum Rebellieren und Regeln brechen, denke ich, dass es sicher “konstantere” Menschen gibt, die diese Frage um einiges gesellschaftlich korrekter beantworten können 🙂

Sehe ich mir die letzten 33 Jahre meines Lebens an, kann ich eigentlich nur verwundert zugeben, dass ich sehr wohl viele meiner, mir selbst gesteckten, Ziele erreicht habe:

Ziele, die ich mir im Alter von ca. 14 Jahren gesteckt habe:

  • ich möchte einmal im 1. Bezirk Wiens wohnen: done
  • ich möchte Lehrer sein und unterrichten: done
  • ich möchte das Handbuch der Lebensgeschichten bauen: done
  • ich möchte in einem internationalen Umfeld arbeiten: done
  • ich möchte auf jedem Kontinent einmal gearbeitet haben: in Planung
  • ich möchte alle Berufe dieser Welt einmal ausprobieren: in Arbeit 🙂
  • ich möchte einmal wieder zurück in den Iran: on hold
  • ich will eines Tages studieren und es auch beenden: done
  • ich will viele Religionen kennenlernen und ausprobieren: fast done

Ziele, die ich mir 2009 gesteckt habe:

  • ich will als kompletter Quereinsteiger in die Kreativbranche: done
  • ich möchte einmal etwas gründen: done
  • ich möchte vor vielen Menschen sprechen: done
  • ich möchte auf Englisch vor Menschen sprechen: done
  • ich möchte Menschen inspieren: done
  • ich möchte einen Marathon laufen: in Planung, in sehr ferner Zukunft 🙂
  • ich möchte nie wieder nur für Geld arbeiten: done
  • ich will glücklich sein und wenn ich es einen Monat hintereinander nicht bin, den Grund dafür aus meinem Leben schaffen: ja, immer wieder gehts 🙂

Hinter all diesen Zielen steckte immer ein Grund, ein Warum, dessen Kern nur ich kannte. Mein Leben lang war ich – glücklicherweise – von Menschen und Mentoren umgeben, die mich darin bestärkten, mich zu fragen, warum ich tue, was ich tue.

Es waren Menschen, die selbst erlebt hatten, wie es ist, wenn man als Zombie falschen Göttern (“immer höher und weiter”) hinterherläuft und irgendwann aus der Erschöpfung heraus sich fragt, “warum das Ganze” – nur, um dann zu erkennen, dass die Antwort genauso unsinnig ist, wie die Energien und die Lebenszeit, die man bis dahin verschwendet hat.

Diese Menschen – unter anderem meine Eltern, dann Gerhard, einer meiner Lehrer in der Unterstufe und auch mein erster Chef bei Sun Microsystems, Reinhard – waren Anker und Orientierungskeuzungen meines Lebens, denen es nicht egal war, ob ich falschen Zielen hinterher rannte. Diesen Menschen war ich so wichtig, dass sie mich so lange nervten, bis ich den Grund für meine Ziele wusste und wehe ich sagte “Naja, alle wollen das ja so” 🙂

Wir gründeten whatchado mit dem Ziel, alle Lebensgeschichten dieser Welt der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen – quasi eine Sammlung aller möglichen Lebens- und Karrierepfade, vereint und geordnet an einem einheitlichen Ort.

Der Grund aber, war niemals ein Exit, niemals nur das Umkrempeln einer Branche oder das Aufbauen eines 500-Mann Unternehmens.

Der Grund, das WARUM, war, dass wir sahen, dass es schlicht und einfach (weltweit) keine Möglichkeit gibt, herauszufinden, was man aus dem eigenen Leben machen kann.

Der Grund war, dass wir sahen, dass Orientierungslosigkeit eine der größten Herausforderungen unserer Generationen darstellt und es bei den ganz Jungen sogar zur Jugendarbeitslosigkeit führen kann – ein fataler Umstand, der keinem jungen Menschen widerfahren sollte.

Dass wir daraus ein Unternehmen machten, das gut gewachsen ist, wir über internationale Grenzen gegangen sind und neben den Videostories mittlerweile unsere Plattform noch weiterausgebaut haben, ist das Resultat des “Warum”.

2011, als wir noch ehrenamtlich daran gearbeitet haben, war nur das “Warum” ausschlaggebend, weil wir wussten, dass sich – wenn wir dieses nicht aus den Augen verlieren – alles andere schon fügen würde.

Bei jedem Wachstumsschritt, z.B. auch mit dem Hinzuholen von Business-Angels Anfang 2014, stand das “Warum” im Vordergrund.

Wir haben immer darauf geachtet, dass die Menschen, die am Projekt whatchado mitarbeiten, immer wissen, warum wir tun, was wir tun.

2015 – eine Zwischenbilanz

Egal wo ich derzeit hinblicke, von Bildungseinrichtungen bis zu Traineeprogrammen internationaler Konzerne bis hin zu StartUp-Events … alle sprechen über Goals, Deadlines und Fokus. Ein bisschen so, als würde man als Pferd in den Startlöchern eines großen Rennens warten, bis der Startschuß fällt und man sich nur mehr mit Anderen messen muss.

Dass Ziele wichtig sind, sagt uns unser Verstand und gerade dieser benötigt Ziele am Meisten – ohne Ziele sind wir wie ein Fahne im Wind und werden – so wie es die Anderen wollen – gschoben und gedreht und helfen dabei, die Ziele anderer Menschen zu erfüllen.

Daher treffe ich selten junge Erwachsene, die keine Ziele haben. Angefangen von der berühmten Weltreise, über einen Segelschein bis hin zum Weltretten ist alles dabei. Je nachdem, ob es sich um einen Studienabsolventen mit Konzernambitionen oder einen angehenden StartUp-Superhelden handelt, reicht die Palette von Größenwahn bis hin zu bescheidenen Zielen a la “ein Exit in den ersten drei Jahren sollte schon drinnen sein”. Zumeist wird das Ganze quittiert mit einer Prise “work hard, party hard”, um zu unterstreichen, dass Goals, Deadlines und Fokus im Job sicher noch nicht das Maximum des Erlebnisses sind.

Und manchmal, wenn ich mit den angehenden “Machern” über ihre Ziele und Träume rede, überkommt mich ein Gefühl der Austauschbarkeit … jeder will es “schaffen”, jeder will “work hard, party hard”, jeder will die Welt sehen und ganz top sein … quasi ein Leben wie eine Rooftopbar in New York.

Ich denke aber auch, dass – wenn es um Ziele geht – wir nicht gelernt haben, uns die richtigen Fragen zu stellen und stattdessen die falschen Fragen stellen und dabei den Fokus auf das falsche Ende der Reise legen.

Mittlerweile weiß jeder Mensch, dass nur intrinsische Motivation langfristig zum Erfolg und zur eigenen Zufriedenheit führt. Auf Ziele umgelegt, wäre dies der Ansatz, sich beim Festlegen seiner Ziele zurst die Frage nach dem “Warum” zu stellen.

Ab wann sind wir Kopien?

Kann es sein, dass all jene, die es im Job ganz nach oben schaffen wollen, die Welt sehen wollen und auch den Segelschein machen wollen, den kürzesten Weg gegangen sind und sich dabei an den Zielen anderer Menschen bedient haben?

Mir kommt es gefühlt so vor, als würde die halbe Menschheit, die gerade auf den Arbeitsmarkt drängt, bzw. diesen seit wenigen Jahren bevölkert, im Grunde auf ein Set von nicht mal 5 – 10 Zielen zurückgreifen. 🙂

Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, dass sich Menschen überhaupt Ziele setzen, dennoch glaube ich, dass sich viele Menschen nicht mit der Frage auseinandergesetzt haben, was sie selbst wirklich wollen.

Zwei Aussagen, die hier immer wieder auftauchen, wenn ich mit Lehrern oder Bildungsexperten spreche, zeigen die Wahrnehmung am Ehesten:

1.) Es ist richtig schlimm, dass Jugendliche ihre Ziele nicht kennen.

2.) Ist ja nicht so tragisch, wenn Menschen sich zwischenzeitlich an Zielen anderer Menschen orientieren – ist ja besser als nichts.

Über beide Punkte könnte ich stundenlang reden, diskutieren und auch gerne streiten, beschränke mich aber auf das Niederschreiben meines kürzesten Gedankenganges zu beiden Meinungen:

1.) Ist es schlimm, nicht ganz genau zu wissen, welche Ziele man verfolgt?

Nein, solange man sich selbst Zeit nimmt, dieser Frage nachzugehen, ist man am richtigen Weg – einfach, weil man sich bewusst mit sich selbst auseinander setzt. Dieser Prozess braucht Zeit, Ruhe und Geduld. Man muss sich zum ersten Mal bewusst mit sich selbst befassen, seine Umwelt einbeziehen und sich darüber klar werden, was man will und – das ist noch wichtiger – was man nicht will.

Kann mühsam sein – ist es auch – ist aber die einzige Art und Weise, wie wir erkennen, wer wir sind und wohin wir möchten.

2.) Ist es schlimm, die Ziele anderer Menschen zu leben, weil man die eigenen noch nicht kennt?

Ich denke ja, weil uns diese Illusion der Zielverfolgung (“Zwar nicht meins, aber irgendeinem Ziel folge ich ja eh grad”) von unserem Wertesystem abbringt. Unsere Ziele sind ein Mittel, um uns in unserem Wertesystem (und wie wir die Welt sehen) weiterzuentwickeln. Leben wir die Ziele anderer Menschen, laufen wir Gefahr, damit ein anderes Wertesystem – das nicht das unserer ist – zu nähren und adaptieren im schlimmsten Fall eine andere Weltsicht, die niemals mit unserer gedeckt hätte. Diese andere Sichtweise muss nicht schlimm sein, aber es ist definitiv nicht unsere und führt dazu, dass wir irgendwann aufwachen und merken, dass wir nicht unser Werte und Ziele leben und uns fragen, wie das passieren konnte und wann wir wohl die Kurze verpasst haben.

Es ist ein bisschen wie bei der Geschichte mit dem Frosch im Kochtopf:

Gibt man einen Frosch (uns selbst) in einen Kochtopf mit kochendem Wasser (andere Weltsicht), wird dieser die Gefahr sofort erkennen und aus dem Topf rausspringen.

Gibt man aber den Frosch in einen Topf mit lauwarmen Wasser (unsere gewohnte Umgebung mit unserer Weltsicht) und dreht dann langsam das Feuer auf – immer nur ein Grad nach dem anderen – merkt der Frosch nicht, dass er irgendwann im kochenden Wasser sitzt (andere Weltsicht) und wenn er es merkt … tja, dann ist es zumeist schon zu spät und der Deckel ist drauf.

Wie finden wir unsere Ziele und was tun wir damit?

Die eigenen Ziele zu finden ist ein langer Weg, an dessen Ende man zumeist das gesamte Gerüst wieder auf den Kopf stellen kann, weil sich im Laufe der Zeit unsere Umwelt, unsere Werte und andere Umstände verändern und damit – manchmal – auch unsere Ziele.

Die Steps, sich selbst und die eigenen Ziele zu finden, fängt immer bei einem selbst an und gliedern sind in x einfache Schritte, die mir in meinem Leben bisher geholfen haben:

1. Stell deinen Selbstwert vor deinen Marktwert

Einigen wir uns als Menschen darauf, dass wir uns unserer Ziele klar werden möchten – ungeachtet dessen, ob wir diese schon kennen oder nicht – verhindern wir, dass wir plötzlich die Ziele anderer Menschen verfolgen. Wir behalten uns quasi die Freiheit bei, jederzeit zwischen dem lauwarmen und kochenden Wasser zu unterscheiden.

Anderen Menschen bei ihren Zielen zu helfen oder sich gemeinsam auf ein Ziel zu einigen ist voll und ganz okay und verspricht auch das Gefühl von Glück, wenn man diese Ziele erreicht hat. Nur muss dies ein bewusster Schritt sein, nicht die Alternative zu einem nicht vorhandenen Konstrukt an Zielen.

2. Denke an dein Sterbett

Ein Gedankenhack, der mir immer geholfen hat, meine Ängste und Wünsche zu realisieren, bzw. harte Entscheidungen zu “überleben”, war der Zeitsprung in die Zukunft an mein Sterbebett. Ich frage mich dann immer, ob ich – wenn ich eines Tages auf mein Leben zurückblicke und es 5 Minuten vor 12 ist, ich diese oder jene Entscheidung bereuen werde. Ich frage mich dann auch, ob ich in Verbitterung zurückblicken werde oder ob ich mir dann denke “Geh Ali, was scheisst du dich an – ist ja eh nichts passiert” 🙂

Dieser Gedankensprung hilft mir, Dinge in Relation zu sehen und zu verstehen, was mir wichtig ist und was mir nur in dieser Sekunde wichtig ist.

3. Was fehlt dir, damit du um 5 vor 12 über das gesamte Gesicht grinsen kannst?

Der zweite Teil dieses Gedankenexperiments ist der richtig coole Part. Wenn man in diesem “5 vor 12”-Mode ist, in dem man auf sein Leben zurück blickt, erkennt man auch leichter, was einem wirklicht fehlt, um glücklich zu sein. Wenn ich z.B. weiß, dass ich es am Ende meines Lebens nicht bereuen möchte, mein Heimatland gesehen zu haben, kann ich in dieser Sekunde sofort ableiten, dass eines meiner Ziele sein muss, in den Iran zu fliegen und mein Heimatland zumindest einmal zu erleben.

Im Grunde geht es darum, sich bewusst zu werden, was man nicht bereuen möchte (Punkt 2) und dann auf den Jetzt-Zustand zu blicken und eine Liste zu erstellen, die ich gerne als “road to smiling faces” bezeichne.

Das sind dann die Ziele, deren “Warum” man am Ende seiner Reise zu schätzen weiß.

4. Denke konservativ, denke groß:

Wer Läufern beim Sprint zusieht, weiß, dass diese bei einem 200-Meter-Lauf nicht darauf aus sind, genau 200 Meter zu laufen, sondern immer einige Meter weiterlaufen, weil sie bei der 200-Meter-Marke immer noch ihr hohes Tempo halten möchten und erst nach erreichen dieser Marke das Tempo drosseln.

Genauso verhält es sich mit Zielen – “shoot for the moon and if you miss, you’ll land among the stars” von Norman Vincent Peale bringt es perfekt auf den Punkt:

Bei einigen Menschen (wie mich z.B.) verhält es sich so, dass wir – wenn wir uns einem Ziel nähern – im Alltagsstress auch zufrieden sind, wenn es nicht ganz 100% wurden, sondern nur 90%. Manchmal ist diese Denke der soliden 90% sogar gesündern, als die perfektionistischen 100%.

Dieses Verhalten ist nicht falsch oder schlecht, es ist zutiefst menschlich und findet sich auch wieder bei “done is better than perfect”.

Wollen wir aber in einem Bereich unseres Lebens unbedingt die 100% erreichen, dann ist der Trick dabei, sein Ziel auf 110% zu heben, da man beim Verfehlen der letzten 10% immer noch das eigentliche Ziel erreicht hat.

Mir hat diese Denkweise in den letzten Jahren immer dann geholfen, wenn ich mich selbst oder ähnliche Kandidaten dazu bringen wollte, unsere Ziele auf der sicheren Seite zu sehen. Es ist ein bisschen so, dass man hier von einer vorsichtigen Kalkulation sprechen kann, die dazu führt, dass wir unsere Ziele ganz sicher erreichen.

Will man eine Berufsorientierungsplattform aufbauen, die Menschen weltweit hilft, ihre Berufung zu entdecken, kann man es sich nicht leisten, klein zu denken – das wäre ein zu hohes Risiko. Stattdessen müssen wir uns als Ziel setzen, die ganze Welt zu erreichen (ja, alle 7 Milliarden Menschen), um dann irre glücklich zu sein, wenn es z.B. nur 25% (also 1,7 Milliarden) werden.

5. Egal was du tust, mach irgendwas

Ziele gehören definiert und man tut sich selbst leichter, wenn man diese festlegt auf etwas, dass man nachher überpürfen kann. Am Meisten helfen hier wirklich Deadlines und die Erfassung des Zieles wie in einer Checkliste.

Manchmal ist man aber noch nicht so weit und ist dann deprimiert, weil man das Ziel noch nicht geschärft hat und redet sich ein, dass man noch nichts tun kann, um das Ziel zu erreichen.

Ganz ehrlich, das ist Bullshit: ein nicht ganz klares Ziel ist besser als kein Ziel und solange man ungefähr weiß, wohin es geht, kann man diesen Weg auch gehen.

Ich will auf den Großglockner, weiß aber noch nicht genau welche Route? Okay, aber ich kann ja schon mal meinen Rucksack packen und herausfinden, wie ich von meiner Wohnung aus zum Fuss des Berges komme 🙂

6. Warte auf Niemanden

Ich bin es leid, Menschen zu hören, die mir immer sagen, dass sie zwar eine super tolle Idee haben, aber ihnen gerade das Geld, die Mittel, das Netzwerk, die Erfahrung, das Team, die Wunderkerze, etc. fehlt. Mein Input dazu ist, dass niemals im Leben der richtige Zeitpunkt ist, um mit einer Sache zu starten. Der Grund, warum einige Menschen ihre Ziele immer erreichen ist, dass sie nicht warten und zwar auf nichts und niemanden und beginnen, ihre Fußstapfen zu setzen. Wir haben im Leben keine Garantie dafür, dass das – was uns gerade in der Sekunde fehlt – auch ja rechtzeitig eintrudelt und nur für uns zur Verfügung steht. Das ist eine Wunschvorstellung, die auf die Liste der Weihnachtswünsche gehört, aber nicht in unsere Lebensplanung.

Daher ist Jeder gut beraten, nicht auf einen Weggefährten zu warten, sondern zuerst mal selbst den Pfad zu gehen. Verfolgt man seine Ziele ungeachtet der Widerstände, passiert etwas Magisches: es scheint dann, als würde das gesamte Umfeld einem dabei helfen, den eigenen Weg zu gehen. Und wenn es hart auf hart kommt, muss man sich vor Augen führen, dass – wenn es einfach wäre – es wohl Jeder schaffen könnte und das Erreichen des Ziels keine Besonderheit mehr wäre.

Nach all den Jahren, in denen ich über das Leben und meine Ziele nachgedacht habe, bin ich zu einem sehr simplen Schluss gekommen, der das Leben radikal einfacher macht:

Im Leben passieren Dinge, deren Sinn wir nicht im Voraus, sondern immer est im Nachhinein verstehen. Uns in unsere eigene Zukunft zu versetzen, kann dabei helfen, sich selbst mehr ernst zu nehmen.

 

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Ein Geschenk namens Zeit – Gerald Hüther wird mein Mentor

Eine Nacht habe ich drüber schlafen müssen und realisiere erst gerade erst, was passiert ist.

Seit ich denken kann, ist Gerald Hüther ein Mensch, zu dem ich aufblicke.

Die Ansichten des promovierten Gehirnforschers gehören zum fortschrittlichsten, was in den letzten Jahren aus dem Herzen Europas in die Welt hinausgetragen wurde.

Seine Thesen und Ansichten, wonach alle Kinder volles Potential haben, aber dann durch Schule und Erziehung für die Wirtschaft und “die Welt da draußen” zurechtgetrimmt werden, sind Fundamente und Ankerpunkte, die genau erklären, was in unserer Welt falsch läuft:

* warum manche von uns sich auch im Erwachsenenalter fragen, ob sie im richtigen Job sind

* warum Kinder denken, sie seinen blöd – nur weil sie in dem einen oder anderen Fach keine Begabung haben

* warum alle Kinder in der Schule das Selbe lernen und Fokus auf Individualität in geringem Maße an Schulen zu finden ist – ja, es gibt tolle Schulen, die Kindern Zeit geben, ihr Potential zu entfalten, aber diese sind nicht die Mehrheit … noch nicht

* warum wir Angst haben zu scheitern – oder glaubt allen ernstes jemand, dass die Be”Wertung” eines Menschen in Noten jemanden auf ein Leben mit gesundem Risikoverständnis vorbereitet?

* warum wir in der Schule und in der Erziehung nicht wirklich fürs Leben, sondern fürs Arbeitsleben vorbereitet werden

* warum wir in der Interaktion mit unseren Mitmenschen mehr das Objekt als das Subjekt gesehen werden

Etwas mehr Hirn bitte

Im Film Alphabet von Erwin Wagenhofer ist Hüther einer der Hauptakteure, der Einblicke in die Entwicklungsstadien unseres Gehirnes gibt und aufzeigt, warum Potential wirklich in jedem Menschen steckt – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe und Alter.

Der Film hat mich damals, als ich ihn das erste Mal im Kino sah, dazu bewegt, mir Gerald Hüther als Mentor zu wünschen. Ein Mensch, der auf Basis von fundiertem Wissen und dem richtigen Gespür für den Kommunikations-Need von uns Menschen, in die Welt hinausgeht und Menschen dazu einlädt, ihr eigenes Gehirn und das ihrer Gemeinschaft einzuschalten.

Vielleicht lag der Wunsch auch daran, dass ich ein Kind war, dass von “Schulexperten” lernte, dass seine Art und Weise “nicht normal” ist, dass seine Denkweise “nicht strukturiert” ist und dass seine Energie und Begeisterung Nebenerscheinungen sind, die in der “echten – sprich Arbeitswelt” schon vorbeigehen … sonst sei man ja “kindisch” und nicht vorbereitet auf die Welt.

Als wir WHATCHADO aufbauten, wussten wir, dass unsere Unwissenheit, unsere Enttäuschung über das bestehende System und unsere Energie des kreativen Chaos etwas unglaubliches und nachhaltiges aufbauen können.

So entstand whatchado mit dem Ziel, die größte Orientierung- und Inspirationsplattform der Welt zu werden.

Ich habe, nachdem ich den Film Alphabet das erste Mal sah, monatelang gezögert, mich bei Gerald Hüther zu melden – zu groß der Respekt, zu groß die Angst vor einem “Nein” (Gedanke: man könnte ja mich der Anfrage scheitern).

Ich wollte ihn schon immer als Mentor, aber als ich den Reiz in meinem Gehirn spürte, es zu tun, stockte ich aufgrund von Angst und weil ich mich fragte, ob das “normal” sei, sein Idol zu fragen, ob er der eigene Mentor werden möchte. Und so schlief meine Begeisterung, mich an ihn zu wenden, einfach ein und schlummerte vor sich hin.

Oktober 2014 – einige Dinge müssen sich ändern

Im Oktober 2014 machte ich eine sehr schwere Zeit durch – ich war täglich nur unterwegs, war mehr im Flieger als am Boden und wenn ich mal Zeit hatte, wollte ich nur mehr schlafen, damit ich zumindest irgendwie 4-5 Stunden zur Ruhe kam.

Ende letzten Jahres – eigentlich jeden Jahres – kommen mein Team und ich an unsere Grenzen, weil plötzlich die halbe Welt durchdreht und alles auf diese wenigen Monate verteilt, was das ganze Jahr aufgeschoben wurde – das sind die externen Impulse, die am meisten Energie rauben, aber auch die coolen Momente, die für viele positive Überraschungen sorgen.

In dieser Zeit habe ich gesehen, dass ich – wenn ich wenig Energie habe – risikoscheuer und ängstlicher als sonst agiere und habe mir fest vorgenommen, mich noch mehr meinen Ängsten zu stellen.

Eigentlich versuche ich mich ja jedes Jahr einer anderen Angst zu stellen – letztes Jahr z.B. war es die Angst vor dem Präsentieren auf englisch vor vielen Menschen.

Als ich mal wieder für mich beschloss, noch mutiger zu agieren, schoß mir plötzlich in den Sinn, dass ich irrsinnig gerne mit Gerald Hüther darüber sprechen möchte und da war sie wieder … dieses “puh, ob der mich beachtet?”.

“Aber egal” dachte ich mir, mehr als ein Nein oder Nicht-Beachtung kann es nicht sein und verfasste ein Schreiben an ihn, dessen Versand ich mehrere Tage vor mich hinschob, bis ich plötzlich in einem Anfall von “Ali-was-scheisst-du-dich-so-an”-Gedankengut verschickte.

Der Text war wohl überlegt, meine Bitte dabei recht klar: “Gerald, ich will dich als meinen Mentor, als den, der mich challenged und herausfordert, wenn ich dabei bin, das Bildungs- und Orientierungssystem zu verändern.”

Und dann drehte ich meinen Rechner ab und hoffte, dass die Wellen des Internets meine Flaschenpost namens E-Mail in den richtigen Hafen nach Göttingen (wo Gerald Hüther unterrichtet) bringen und ein – hoffentlich gut gelaunter Gerald Hüther – diese lesen würde.

We are closed

Ach ja, ich vergaß – 2014 war sein Jahr des Sabbaticals. Sogar auf seiner Website stand “ich bin nicht erreichbar”. Soviel zu meinem Wunsch, dass er mein Schreiben bekommen würde.

Hinzu kommt, dass eine Person wie er unzählige Anfragen erhält – über 74.000 Facebook-Fans sprechen eine klare Sprache. Hier war die Wahrscheinlichkeit, dass sich mein Schreiben gegen die vielen anderen durchsetzt im unteren einstelligen Prozentbereich.

Und dann … “Warten auf Godot”

Die Tage vergingen, das Jahresende näherte sich, mein Energiehaushalt füllte sich so schnell wie es sich wieder leerte und ich vergaß, jeden Tag daran zu denken, ob eine Antwort kommen könnte.

Und immer dann – wenn man einer Sache nicht hinterherläuft, sondern Dinge “passieren” lässt und sein Leben lebt – zeigt das Universum seine Muskeln:

Lieber Ali,
über Deine Nachricht mit dem Hinweis auf Dein Whatchado-Projekt habe ich mich sehr gefreut.
Das gefällt mir sehr und ich würde mich sehr freuen, mich einmal in Ruhe mit Dir zu unterhalten.
……
sag Bescheid.

Herzliche Grüsse, Gerald

You only got one shot, do not miss your chance to blow – This opportunity comes once in a lifetime (Lose yourself, Eminem, Soundtrack 8Mile)

Was Eminem schon immer wusste und wir bei whatchado seit 2011 leben, traf wieder ein … wir hatten unseren OneShot.

21. Februar, 2015 – #Dclass – die Zukunft der Bildungskonferenzen

Nach Wochen des Maliverkehrs wurde ich auf die Konferenz #dclass in Berlin aufmerksam, weil mich Gerald Hüther darauf hinwies. Er sagte mir, dass er als Speaker dort sein wird und schlug vor, dass wir uns dort treffen könnten.

Die Dclass ist eine Konferenz, die Bildung und Wirtschaft verknüpft, aber keine Politiker und “Experten” auf die Bühne lässt, sondern

* Schulabbrecher, die Bücher schreiben,

* Kinder, die fordern, dass Minecraft ein Unterrichtsgegenstand wird

* und eben auch Neurowissenschaftler, die darüber erzählen, was bei Erziehung wirklich falsch läuft.

 

Ein Haufen von Vordenkern und “Menschen” – nicht wegen ihrer Rolle dort, sondern wegen sich selbst.

Zu verdanken war die Konferenz Van Bo, seines Zeichens Erfinder der Harz-IV Möbel und Vordenker einer neuen Generation.

VanBo rief und 500! (in Worten: fünfhundert) Teilnehmer kamen.

Dank des wunderbaren Teams der Dlcass Konferenz erhielt ich ein Karma-Ticket und konnte dort teilnehmen … Berlin, here we come 🙂

Mit Gerald Hüther vereinbarte ich, dass wir uns vor Ort nach seinem Vortrag unterhalten und ich Zeit bekam, ihn von meinem Wunsch zu überzeugen.

Problem: Ich wusste, dass es nicht so leicht sein wird, weil viele Teilnehmer nur wegen ihm hinkamen und man schon beim Eingang hörte, dass sich alle auf ihn freuten und mit “nur mal kurz sprechen wollten”.

Er kam etwas verspätet zu seinem Vortrag und als er kam, herrschte Ausnahmezustand – er wurde schnell verkabelt, auf die Bühne gebracht und dann ging es schon los mit tosendem Applaus.

Nach seinem Vortrag hüpften all jene auf, die unbedingt “nur 2 Minuten” mit ihm reden wollten und begannen ihn zu suchen – einer von ihnen war ein Perser, der aus Wien angereist war und genau 2 Stunden Zeit hatte, weil danach sein Flieger ging.

“Gerne etwas später bitte, Ali und ich haben noch etwas zu besprechen”

Als ich endlich bei ihm stand und ich mich vorstellte, sah ich, dass er nicht lange nachdenken musste, wer ihn den jetzt angesprochen hatte.

Wie versprochen, nahm er sich die Zeit und wir setzten und knapp eine Stunde in eine ruhige Ecke und bei Cafe und Wasser erzählte ich ihm von meinem Anliegen, von meiner Geschichte, der Geschichte von whatchado und was unser Ziel ist und wo wir heute stehen.

Ich zeigte ihm Fotos von unserem Team, erzählte ihm von unserem Wachstum und unserem Ansatz, dass wir die Wirtschaft in die Pflicht nehmen und mit dieser zusammen die größte Inspirations- und Orientierungsplattform der Welt bauen.

Ganz ruhig hörte er mir zu und fragte ganz genau nach, wenn ich mal wieder (aus Nervosität) zu schnell redete 🙂

Am Ende fasste ich meinen ganzen Mut zusammen und sagte ihm

“Gerald, der Grund, warum ich hier bin ist … (kurz stockte ich, weil ich mir echt blöd vorkam) … dass ich dich als Mentor haben möchte für die all die Schritte, die ich mit whatchado noch gehen möchte. Bisher war es okay, dass einige Verrückte die Welt retten wollten, aber für die nächsten Steps benötige ich einen Mentor, der mich herausfordert, wenn es um die Weiterentwicklung dieser Idee geht. Ich will dich als meinen Mentor.”

Kurz war es still, dann sagte er recht locker: “Ja Ali, das würde ich sehr gerne machen”.

Erst dachte ich, dass ich etwas überhört hatte, aber nein, es war wirklich so, wie ich es mir gewünscht hatte … Gerald Hüther wurde mein Mentor. Ein Augenblick, auf den ich lange gewartet hatte.

Ich konnte zuerst gar nicht anders, als ihn zu umarmen und grinste dann den restlichen Tag über das ganze Gesicht.

Als ich ein Foto von uns wollte, sagte er sogar “was, gar kein Selfie?” Gut, dann Selfie 🙂

Wien, drei Monate später

Gestern Abend, also knapp drei Monate später, haben wir uns in Wien getroffen, gut gegessen, die halbe Nacht geredet und immer wieder über Bildung, Jungend, Gehirnforschung und neue Ansätze der Potentialentfaltung gesprochen – immer wieder wurde ich von ihm mit neuen Denkweisen und -ansätzen konfrontiert, so dass ich am Ende des Abends mit mehr Fragen nach Hause ging, als ich erwartet hatte – aber ich wusste, dass es die richtigen Fragen waren und ich freue mich jetzt schon auf unser nächstes Treffen – vielleicht sogar an seiner Uni in Göttingen.

Die Stunden, die wir mit Gesprächen verbracht haben, waren lehrreicher als jeder MBA und jedes Managementbuch über Führung. Das Tolle bei Mentoren ist, dass sie sich Zeit, Geduld und Fokus für einen nehmen und man diese Geschenke nicht nur spürt, sondern diese einen auch auf ewig prägen.

Diese Post trägt den Titel “Ein Geschenk namens Zeit” … aber ich denke, worum es wirklich geht ist, dass man sich die Zeit, die einen qualitativ weiterbringt, wünschen und erarbeiten muss.

Dass ich Gerald treffen durfte, verdanke ich mehreren glücklichen Umständen, einer falschen Flugbuchung und einer Truppe von wundervollen Menschen, die eine tolle Konferenz auf die Beine gestellt haben und mich haben daran teilhaben lassen.

Ich selbst versuche meine Erfahrungen der letzten Jahre weiterzugeben – sei es an StartUps, an Studenten oder an Menschen, die einfach andere Denkmodelle erfahren möchten. Ich denke, dass es die beste Art ist, etwas weiterzugeben, wenn man das eigene Wissen und alle Erfahrungen für einen anderen Menschen aufbereitet und genau dann, wenn dieser es selbst wünscht und danach fragt, weitergibt.

Was ich gestern Abend auch gelernt habe und mich dazu veranlasst, noch mehr an diese Wunder dieser Welt zu glauben ist, wie ich gestern Abend meinen Bezug zu meinen Wünsche definiert habe:

Ein Wunsch ist – wenn man es sich vorstellen kann – nur noch eine Tatsache, dessen Zeitpunkt des Eintreffens man sich erarbeiten muss.

… und hier steckt auch schon der Kern drinnen, es ist Arbeit, seine Ziele zu erfüllen … von alleine kommt nichts … Mentoren können nur einladen und inspirieren, den Weg muss man selbst gehen.

Wien, 18.5.2015

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Wie man andere Menschen in 3 Schritten ändert

Etwas mit Menschen aufzubauen, ein Team zu führen, aber auch das Zusammenleben mit dem Liebespartner, der Familie und Freunden hat am Ende des Tages einen gemeinsamen Nenner: die Erkenntnis, dass andere Menschen niemals so sind und niemals das tun, was wir uns wünschen.

Wobei unsere Wünsche, also die “Vorstellungen unseres Ideal-Bildes”, auch nur das Endresultat unserer Erfahrungen, unserer Hoffnungen und unserer Ängste sind und diese sind – wenn wir uns selbst ehrlich sind – immer eine Abspaltung unserer Erfahrungen mit unseren Mitmenschen, deren Hoffnungen und deren Ängste.

Seit dem Tag unserer Geburt bauen wir uns unsere eigene Welt auf – es stimmt, wir alle bewohnen den selben Planenten und auch der menschliche Körper funktioniert weltweit nach den selben Regeln, aber wenn es um unser Weltbild geht – darum, was wir als “Fakt” sehen – scheiden sich die Geister schon eher.

Wo der eine die Farbe “grün” sieht, der andere aber “türkis” schreit und im Endeffekt der Farbenprofi bescheinigt, dass es sich um “petrol” handelt … an dieser Stelle entsteht ein Kreuzungspunkt der “Weltbilder” und es kommt zur Reibung der Meinungen und Erfahrungen. “Komplett klar, das ist doch bitte grün” folgt auf “Bist du farbenblind? Das ist türkis, so wie die Farbe meines Lieblingsshirts und die kenn ich doch auswendig”.

Die Antwort, dass es eigentlich petrol ist, spielt schon längst keine Rolle mehr – viel mehr geht es darum, das eigene Weltbild zu wahren, es zu verteidigen und die andere Seite als “falsch” darzustellen. Egal ob am Fussballplatz (“das war ein klarer Elfmeter, das sieht ein Blinder”), bei Religionskriegen (“Kreuzzüge”) oder im engen Umfeld von Familie, Romanze oder Arbeitsplatz: wir alle sind den Denkmustern anderer Menschen ausgeliefert und müssen uns damit auseinandersetzen.

“Na warte, ich ändere dein Denken schon”

Wie oft möchten wir unserem Gegenüber klar machen, dass wir doch recht haben und ihm oder ihr am Liebsten an die Gurgel hüpfen möchten. Wie oft laufen wir zu Gleichgesinnten und holen uns dort die Bestätigung, dass “wir ja eh” recht haben und die anderen “blind” sind. Wir alle kennen das und wir alle wissen auch, dass uns das mächtig nerven kann – egal ob privat oder beruflich.

Die Familie: Menschen, die wir immer lieben

Klingt komisch, ist paradox, aber wir alle kennen das: wir lieben unsere Familie (fast immer), egal was kommt, egal wie oft wir streiten und egal, wie die Weltbilder auseinander gehen. Bei Lebenspartnern, die wir uns selbst ausgesucht haben, lernen wir, darüber hinweg zu sehen – streiten aber doch immer wieder wegen “der falschen Denkweise”, weil ja unsere die richtige ist und zerstören Beziehungen, weil wir das Ego unserer Weltansicht durchboxen möchten.

Die Arbeit: Menschen, die wir immer um uns haben

Im Arbeitsleben suchen wir uns zwar den Arbeitsplatz aus, aber das Verhalten der Kollegen ist immer nur ein Ausschnitt ihres Lebens. Wir kennen nicht deren Vergangenheit, nicht ihre Ängste und auch nicht ihre Hoffnungen und doch … wir verbringen mit diesen Menschen mehr Zeit als mit der gesamten Familie.

Und es ist der Arbeitsplatz, von dem wir die besten Schauermärchen mitnehmen über Kollegen, die “es einfach nicht checken”, egal wie oft man es ihnen sagt. Und auch hier suchen wir uns Gleichgesinnte, die uns in unserer Denke “über die anderen” bestätigen und uns noch mehr aufputschen, das Weltbild der Gegenseite zu verabscheuen und uns als “Lehrer” zu sehen, der es dem anderen ja nur hilfreich näher bringen möchte. Am Ende wollen wir ja nur helfen – in Wahrheit wollen wir aber, dass die andere Person sich ändert und das tut, was in unserer Denke richtig ist.

Ist das böse? Nein, es ist menschlich und zwar zutiefst.

Unser Gehirn kennt “das” Weltbild und war nur das unsere und da das Gehirn gerne in Mustern arbeitet, greift es immer wieder auf das Wissen dieses Weltbildes zurück. Der Grund liegt darin, dass “Umdenken”, also z.B. auch das Ändern von Denkmustern sehr Ressourcen-fressend ist und es daher unserem Gehirn einfacher fällt, auf das bestehende Wissen zurückzugreifen, anstatt ein komplett neues Denken in Anbetracht zu ziehen und vielleicht auch zu adaptieren.

Bestes Beispiel ist das Rauchen: wir wissen alle, das es falsch ist und wir sagen es auch, aber wir schaffen es nicht, von heute auf morgen das Muster “Griff zur Zigarette nach Mittagessen” abzuschaffen – weil es anstrengend ist.

Und genau so verhält es sich mit der Aussage “natürlich bin ich offen für neue Ideen und Denkweisen”. Wir sagen es, wir wünschen es uns – wir wissen, dass uns neue Denkweisen weiterbringen, aber wir scheitern darin, diese von heute auf morgen zu akzeptieren, bzw. uns hinzusetzen und uns mit diesen auseinander zu setzen.

Wie man andere Menschen ändert

Bevor ich whatchado gegründet habe, war ich zuvor ca. 10 Jahre voll berufstätig und davor ca. 5 Jahre neben der Schule immer am Arbeiten. In Summe habe ich bis heute über 42 Jobs ausgeübt und dabei gelernt, wie man es schafft, dass man andere Menschen ändert. Einen Großteil dieser Erfahrungen verdanke ich der dankbaren Tatsache, dass ich das Riesenglück hatte, mit Menschen – egal ob Vorstände, Techniker, Bauarbeiter, Supermarktverkäufer, Familienunternehmer, Lagermitarbeiter, Laborassistenten, Kinokassen-Mitarbeiter (und ca. 100 weiteren) – zu arbeiten und von ihnen allen zu lernen.

Im Grunde gibt es eine Sache, die es zu verstehen gibt und die dabei hilft, andere Menschen zu verändern:

Es geht nicht.

Ja, es geht wirklich nicht.

Und nein, es wird niemals gehen.

Nicht mit Versuchen, nicht mit “Logik” und schon gar nicht mit Druck.

Der Gehirnforscher, Gerald Hüther, hat einmal so schön gesagt, dass man Menschen nur “einladen” kann, aber das Gehirn nicht zwingen kann, “etwas neues” zu lernen. Nur wenn der Mensch Neugierde spürt, wird das Gehirn in der Lage sein, sich neuem Denken zu öffnen. Ansonsten blockiert es. Das ist wie beim Lernen von Kindern: ist Neugierde da, wird der Stoff nur so aufgesaugt, folgt das Lernen aber einem Druck von oben (“jetzt kapier das doch endlich, ist ja nicht so schwer”), kann es leicht passieren, dass man etwas zehn mal liest, aber es einfach nicht versteht und sich dadurch dumm fühlt. In Wirklichkeit ist dies nur eine logische Konsequenz davon, wie wir gestrickt sind.

Im Laufe der letzten Jahre und auch als Unternehmensgründer habe ich gelernt, dass es unmöglich ist, Menschen zu ändern – an der Oberfläche spielt der Mensch vielleicht gerne eine “Änderung” mit, innen drin aber … hat man keine Chance, wenn man es unbedingt mit Druck möchte.

Eine Person zu ändern ist einfacher als 7 Milliarden Menschen zu ändern

Das Einzige, was man tun kann, um den Umstand der eigenen Unzufriedenheit mit dem Denken anderer Menschen entgegenzuwirken ist, den Menschen zu ändern, den man selbst ändern kann. Und zwar ist das die Person, die uns im Spiegel anblickt: wir selbst.

Ich muss zugeben, es ist kein einfaches Unterfangen, aber ein lösbares – wenn auch nur in kleinen Schritten:

1. Überdenken unserer Erwartungshaltung & unseres Weltbildes

Wir müssen uns darüber im Klaren werden, was wir von anderen Menschen erwarten können – ungeachtet dessen, was wir von uns verlangen. Andere Menschen sind nicht wir und andere Menschen haben auch nicht die selben Ziele und Herausforderungen wie wir. Wenn wir unsere Erwartungshaltung gegenüber anderen Menschen immer unrealistisch halten und zwar nur auf Basis von dem, was wir für richtig halten, werden wir ein Leben voller Enttäuschungen leben. Daher ist das Um und Auf, dass wir erkennen, dass andere Menschen andere Dinge erreichen als wir. Das bedeutet nicht, dass sie schlechter sind als wir, es bedeutet nur, dass andere Menschen andere Denkmuster und andere Stärken und Schwächen als wir ihr Eigen nennen.

2. Überdenken unserer Aktionen & Reaktionen

Wir müssen verstehen, dass die Art und Weise, wie wir Menschen ändern wollen, bzw. ihnen “helfen” wollen, nicht die Art und Weise ist, wie es vielleicht für uns funktioniert. Was wir als “wir wollten ja nur helfen” sehen, kann in den Augen einer anderen Person ein Angriff oder ein Eingriff in einen sehr persönlichen Bereich darstellen. Zu verstehen, dass unsere Aktionen nicht als das gesehen werden, was wir damit meinen, ist ein Riesenschritt in Richtung Selbstreflexion und echter Hilfe. Oftmals wollen Menschen z.B. nur jemanden, der ihnen einen Weg zeigt, sie aber nicht dabei begleitet, diesen auch zu gehen. Manchmal wollen Menschen nur einen Weg aufgezeigt haben, aber nicht die genaue Marschroute und die Anordnung der Schritte. Solange wir das nicht verstanden haben, werden wir jede Ablehnung gegenüber “unserer Hilfe” als “Nicht-Verstehen-Wollen” deuten und unser Gegenüber abstempeln mit “die Person will ja gar nicht”.

3. Überdenken unserer Umwelt

Unser Handeln und Denken resultieren auch aus den Erfahrungen, die wir mit anderen Menschen machen und zwar denen, mit denen wir uns umgeben. Verbringen wir viel Zeit mit Menschen, nehmen wir deren Denkweise zu Teilen an. So definieren sich bei Freundeskreisen auch z.B. gemeinsam gelebte Werte und gemeinsamer Humor. Genauso ist auch zu erklären, warum wir bei manchen Menschen immer schlecht drauf sind und alles negativ sehen, andere uns wiederum Energie geben und uns aufbauen.

Uns von Energiesaugern zu trennen, hilft uns dabei, uns auf unsere Energien und positiven Seiten zu konzentrieren und hilft auch dabei, unser Weltbild zu einem positiven zu drehen. Daraus resultiert, dass wir mehr Fokus darauf haben, die Dinge zu ändern, die wir tatsächlich ändern können, anstatt uns nur darüber aufzuregen, warum andere Menschen so sind wie sie sind.

Am Ende des Tages gilt es immer zu verstehen, dass wir nur dieses eine Leben haben und wir bestimmen, was für uns an Werten und Direktiven gilt und wie wir dieses Leben leben wollen. Wollen wir wirklich etwas ändern, müssen wir bei uns anfangen … nicht bei 7 Milliarden anderen Menschen.

Ali, im Landeanflug über Berlin ☺

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365 Chancen und die Bereitschaft, sich zu blamieren

Jahreswechsel 2014 auf 2015 … Silvester, Neujahr, xxx … you name ist.

Der Sprung der Minutenzeigers auf 60 oder auf 00 (Auslegungssache) ist jedes Jahr wieder eines der Highlights von Menschen aller Welt. Auch wenn nicht alle zur selben Sekunde aufschreien, so ist sich doch die ganze Welt darüber einig, dass es Zeit für ein neues Jahr wird … egal wie “geil” oder “schrecklick” das vorige war.

Es wäre wohl vermessen zu behaupten, dass jetzt “endlich” alles besser wird … sei es durch zehn Neujahrsvorsätze, von denen man dann neun bricht und beim zehnten sich vornimmt, dieses sicher nächstes Jahr umzusetzen oder durch den Irrglauben, dass sich 2015 die Erde sicher anders dreht als die Jahre zuvor.

Der Jahreswechsel ist in den Köpfen von uns Menschen dem indischen Gott Ganesha (http://de.wikipedia.org/wiki/Ganesha) gleichzusetzen … dem, der für Neuanfang steht. Der, der dabei ist, wenn wir Menschen unser Leben umkrempeln, von heute auf morgen in andere Städte ziehen, eine Beziehung beenden und eine andere anfangen und auch der, der dabei ist, wenn wir beschließen, jetzt doch ins Fitnesscenter zu gehen.

Geht es um Neuanfänge, setze ich eher auf die indische Gottheit als auf den “3-2-1-Happy-New-Year” Counter … verleitet letzteres doch dazu, alles was auf Neuanfang deutet, auf den einen letzten Termin im Jahr aufzuschieben, wogegen der indische Bro Veränderung auch unterjährige supportet.

Ob Ganesha, Silvester, Horoskope … Neuanfänge braucht (manchmal) jeder, einige freiwillig, andere … tja, eben nicht.

Neuanfang ohne Reflektion auf das Alte kann funktionieren, wird auch funktionieren … will man aber nicht die selben Pfade wie bisher treten, ist ein Blick auf die bisherigen Fussstapfen notwendig – ja drängt sich sogar richtig auf, will man wirklich “neu” beginnen.

“Warum war ich bisher nicht glücklich”, “was hat mich zurückgehalten”, etc. – lauter Fragen der Vergangenheit, deren Antworten man schon seit Ewigkeiten mit sich selbst rumträgt.

Reflektion

Reflektion ist die Zeit, in der man die Zeit auch arbeiten lässt … für sich selbst.
Reflektion ist, wenn man bereit ist, sich damit auseinander zu setzen, warum man “scheisse” gebaut hat, obwohl man doch eigentlich nichts schlimmes vorhatte.
Reflektion ist, sich einzugestehen, dass man eigentlich nichts weiß, nie etwas gewusst hat, aber sich selbst zu unsicher war, dies einzugestehen.
Reflektion ist, sich vor Augen zu führen, welche Meilensteine erreicht, welche Drachen besiegt und welche Burgdamen gerettet wurden – es ist das “sich darüber klar werden”, wie viel man weitergebracht hat, obwohl alle um einen herum nur die Pfützen sehen, während “ja eh” die Sonne scheint … halt nur hinter den Wolken.
Reflektion ist, die Waage, die sich Leben nennt, mit all den Dingen aufzufüllen, die sich ausgleichen – mit den guten und den lehrreichen.

365 Chancen

Ich sitze gerade in Barcelona auf einer Anhöhe und blicke seit Tagen aus meinem Zimmer auf die Stadt und das Meer hinab. Das Glück, die Sonne auf meiner Seite zu haben, ermöglicht einen Ausblick, wie man ihn zum Jahreswechsel in Europa wohl nicht vermutet hätte.

Das letzte Jahr hatte – oh Wunder – nur 365 Tage, bot mir aber 365 Möglichkeiten, mich selbst zu challangen. Es war mir Abstand das lehrreichste Jahr meines Lebens, das härteste und auch das genialste … wurde mir doch gezeigt, dass ich bei vielen Dingen erst komplett am Anfang stehe.
Mein Baby WHATCHADO ist längst kein Baby mehr, sondern eher ein Jugendlicher, der gerade aus der Pubertät raus ist und in die weite Welt hinaus will.
Mein Privatleben hat sich in allen Bereichen um 360 Grad gedreht, hat mich durchgeschüttelt und mich an meine Grenzen gebracht und mir gezeigt, welches Glück ich mit den Menscehn um mich herum habe.
Ich habe gesehen, dass ich viele meiner Freunde seit der Gründung von WHATCHADO vernachlässigt habe und es Zeit wird, das berühmte “derzeit hab ich Stress, lass uns doch später treffen” nicht mehr als Ausrede gelten lassen möchte (an diese Stelle ein riesiges SORRY Leute).

Die Angst vor der Angst

Ich habe auch gesehen, dass ich noch sehr viel zu lernen habe und dies noch eine lange Reise sein wird, all das zu erfahren, was ich wissen will.
Ich habe mich 2014 meinen größten Ängsten gestellt, meiner massiven Flugangst und meiner Angst, vor Menschen auf englisch zu sprechen.
Die Angst vor beidem habe ich immer noch, aber ich habe beides akzeptiert und mache es einfach trotzdem. Auch wenn ich in beiden Fällen danach immer ein neues T-Shirt anziehen muss, weil meines bereits komplett durchgeschwitzt ist 🙂

Vor Menschen auf englisch zu sprechen, war eine Angst, die ich seit meinem 14. Lebensjahr mit mir rumschleppe. Ich habe über 10 Jahre gestottert, habe aus diesem Grund (unter Anderem) auch die Schule hingeschmissen und mir immer Schreckensszenarien ausgemalt, sollte ich mal vor Menschen sprechen müssen.
2012 und 2013 habe ich mit mir selbst gekämpft, um bei Vorträgen der Beste zu werden und 2014 gelernt, dass dies auch auf englisch klappt 🙂
Die Angst, die ich Anfang 2012 hatte, als ich das erste Mal die Chance hatte, vor Menschen zu sprechen, war nicht die Angst vor dem Vortrag – es war die Angst vor der Angst selbt.
Ich hattet Angst, mich zu blamieren und musste lernen, dass ich ein Mindset entwickeln muss, dass es mir ermöglicht, mich geistig darauf vorzubereiten, mich vor anderen zu blamieren.
2012 habe ich Stunden damit verbracht, mein Stottern auf der Bühen abzulegen – jedes Wochenende stellte ich mich vor einen Spiegel und übte und übte und scheiterte immer wieder. Mal bei dem einen Wort, mal bei dem einen Buchstaben, mal hatte ich komplette Blackouts … und das, obwohl ich komplett alleine im Raum stand und nur ich mein größter Kritiker war.
Es brauchte Wochen und Monate, bis ich begriff, dass ich eigentlich davor Angst hatte, was andere von mir halten würden.

Während einer meiner Übungssessions fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich beschloss, zu testen, was passieren würde, wenn ich (geistig) davon ausging, dass ich mich sowieos blamieren werde. Interessanterweise war es genau die Einstellung, die ich brauchte. Ab diese Sekunde wusste ich, dass es “nur besser” werden kann, weil ich ja nichts zu verlieren hatte.

Zu wissen, dass man sich auf alle Fälle blamieren wird, verschafft einem Freiheit … Freiheit, sich selbst weiterzuentwickeln. Freiheit, nichts für “die Augen anderer” tun zu müssen und die Freiheit, Dinge passieren zu lassen, anstatt sie bis auf den letzten Atemzug zu kontrollieren.

So kam es, dass ich dieses Jahr allen ernstes auf der TEDx Salzburg auftreten durfte – ich war sichtlich nervös, aber “Mum, I did it” und es machte verdammt viel Spaß!

Zu verdanken habe ich das alles Niki Ernst, einem Wegbegleiter, der in mir etwas sah, als ich es selbst noch nicht wusste.

Jeder Tag

Jeder Tag, an dem ich aufwache, ist die “eine” Chance, mein Leben ein Stückchen besser zu machen. Ich muss, und das musste ich erst lernen, nicht immer “das eine große Ding” landen – lieber will ich, dass ich mich Stück für Stück weiterentwickle.
Die letzten drei Jahre haben mir gezeigt, dass das Leben ein Marathon und kein Sprint ist – ein StartUp mitaufzubauen aber ein Marathon im Sprinttempo sein kann.

Von Vorsätzen für das neue Jahr halte ich wenig … eher will ich, dass ich Dinge streiche, um mich auf die richtigen 4-5 Dinge zu fokussieren, die mein Leben bereichern.
Beruflich habe ich mein Ding gefunden und werde alles daran setzen, dass wir uns weiterentwickeln und uns selbst übertreffen.
Was die anderen Sachen betrifft, so kann ich grob sagen, dass es sich um die Themen Familie, Freunde, Gesundheit und Zeit dreht … wohl nichts neues in einer hektischen Welt, aber mit dem Unterschied, dass ich hier ganz gezielt vorgehen werde.
Ich kann nicht alle Freunde immer regelmäßig treffen, aber ich kann dafür sorgen, dass alle unsere Treffen unvergessliche Momente werden. Ich kann sicher nicht immer 3-4 mal die Woche ins Fitnesscenter gehen, aber ich kann mich gezielt darum kümmern, die beste Effizienz herauszuholen und mein Leben so anpassen, dass meine Gesundheit davon profitiert.

Ich habe nur 24 Stunden am Tag … so wie alle Menschen auf dieser Welt, genauso wie Steve Jobs, Angela Merkel, Bobby DeKeyser und meine Mutter … diese richtig zu nutzen wird 2015 der größte Spaß und ich will keine einzige Minute vergeuden, nicht eine.

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Sonne und Schatten – ein Fazit aus zwei Tagen on the road und drei Flügen

Ich wurde letzte Woche zweimal gebeten, ein bisschen zu beschreiben wie meine Tage aussehen und was ich denke und fühle … gut, hier der Versuch einer Selbstanalyse.

21:46 sitze gerade im Flieger auf der Startbahn in Frankfurt – warten auf den Start Richtung Wien und erfahre gerade, dass ich ja doch während des Starts sogar weiter meinen Laptop verwenden kann … wenn er klein genug ist, Ja, ist er 🙂

22:01 Gerade gestartet und mitten drin im Steigflug, bist du deppad, das ist eine Wacklerei in der Kurve … in Kürze hoffentlich auf Flughöhe und ca. 10000m über dem Boden und dem Himmel wieder mal ein bisschen näher … leider ohne Sonne, aber dass sie da ist weiß ich auch so 🙂
Meine Flugangst hab ich auf delay gestellt, weil gerade zu müde, um den Turbulenzen Raum zu geben.

Gestern um die selbe Uhrzeit, wusste ich nicht mehr in welcher Stadt ich gerade bin. Kurz dachte ich, es ist Berlin – nur um mich zu wundern, warum es hier Labskaus gibt, eine typische Speise aus Hamburg. Ja, ich war in Hamburg.

Wenige Stunden davor war ich auf der SMRC14, der Eventreihe, die mein Baby whatchado und das ganze Team nach Deutschland gebracht hatte. Gerade mal zwei Jahre – fast auf den Tag genau – ist es her, dass ich mich mit meiner Lederhose und dem Wiener Schmäh in Deutschland versucht habe – fürs Business war es hervorragend und für neue Freundschaften sowieso.

Es ist gerade mein dritter Flug in zwei Tagen und wenn am 1.1.2015 das neue Jahr eingeläutet wird, habe ich in meiner Schreibtischschublade über fünfzig Flugtickets als Andenken angereichert … ja, es gibt auch bessere Andenken.

Wir werden oft als cooles, bestes, erfolgreiches, younameit-StartUp bezeichnet und haben das Glück und die Ehre, dass wir doch einige Male medial gefeatured wurden und auch immer wieder bei B2B Events, wo unsere Hauptklientel unterwegs ist, uns zu Wort melden dürfen.

Die Bezeichnungen cool, erfolgreich, etc. sind dabei nicht immer die glücklichsten Bezeichnungen, da Erfolg einen Bruder hat, über den die wenigsten sprechen – ungeachtet davon, was als erfolgreich betitelt wird*.

Dieser Bruder hat nicht einen Namen, er hat mehrere. Scheitern, Arbeiten bis zum Umfallen & TryAndError sind nur wenige der Namen, die man doch manchmal in den Mund nimmt.

Gestern Abend noch mit meinem Kindheitsfreund und Co-Founder Jubin in Hamburg unterwegs, war ich heute zur Frankfurter Buchmesse eingeladen, um über das Handbuch der Lebensgeschichten und unsere Erfahrungen aus fast 3000 Lebensgeschichten zu sprechen. Die Frankfurter Buchmesse bitte!! Hallo, der Traum jedes Medienmenschen und ein Erlebnis, dass man gesehen haben sollte. Fachpresse – offline und online Medien und jede Menge neuer Gesichter und Finnlad dieses Jahr als Gastland … es war herrlich.

Eine Woche zuvor sagte mir mein Arzt, dass ich auf meine Stimme achten soll, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass wir allein zwischen August und Dezember ca. 35 mal auf diversen Bühnen auftreten, um den Menschen WHATCHADO näher zu bringen. Bei diesen Auftritten sind im Durchschnitt 50 bis 150 Personen im Publikum – alles potentielle Netzwerkknoten, die unsere Botschaft weitertragen und hier präsent zu sein, ist in der frühen Phase unseres jungen Unternehmens essentiell wichtig.

22:12: Alter, die ersten Turbulenzen … geh bitte

22:14: wieder vorbei, alles gut

Dieser Post ist fast eine Art Fazit der letzten 2,5 Jahre und fasst zusammen, dass jeder Sonnenstrahl einen Schatten hervorbringt und dass diese zwei unweigerlich miteinander verwandt – ja sogar verheiratet – sind.

Dieses Wochenende werde ich nutzen, um runter zu kommen … wie das funktioniert weiß ich noch nicht ganz, aber es wird eine Mischung aus Training, Fussball, lange schlafen und gutes Essen sein – so die Theorie, denn nach jeder voll gepackten Woche kommt ein Loch, dass alles reflektiert, was passiert ist und einen spüren lässt, was man stattdessen nicht gemacht hat, bzw. bewusst hinten dran gestellt hat.

Ich brauche meistens Samstag fast den halben Tag, bis ich meine Mitte gefunden habe – etwas, dass mir an heftigen Arbeitstagen innerhalb von fünf Minuten gelingt und in der “freien” Zeit die Hälfte meiner Nerven kostet. Wenn ich im Urlaub bin, geht das innerhalb von wenigen Stunden, dass ich komplett unten bin, aber da weiß ich auch, dass jetzt Tage kommen, wo es kein Hoch und kein Tief gibt, sondern – zumeist – nur Strand, Sonne, Cocktails und maximal ein halbwilder Affe, der meinem Motorroller auf irgendeiner thailändischen Insel hinterherläuft 🙂

22:31: es gibt Brötchen und Cafe … geil

In der Nicht-Urlaubszeit hingegen kommt das abwärts nach dem aufwärts wie das Amen im Gebet.
Ehrlicherweise hatte ich es nicht geglaubt, als mir andere Gründer erzählt hatten, dass die Wochenenden das Härteste sind, weil man dort gezwungenermaßen runterkommt (ist ja sonst fast kein anderer im Dienst) und sich plötzlich im Strudel von Gedankenverwirrungen wieder findet und nicht weiß, ob man jetzt einfach in einem Cafe entspannen soll oder doch lieber noch den einen Vertrag lesen soll oder vielleicht doch noch die Präsentation für nächste Woche vorbereiten soll.

Und ehe man sich versieht, ist es Samstag Abend und man weiß, dass kommende Woche noch so viele Themen anstehen, dass man lieber Sonntag Mittag mit der Vorbereitung beginnen sollte. Ja, bisschen stressig ist es manchmal schon und ja, die – noch nicht vorhandenen – grauen Haare lassen grüßen.

Im Endeffekt weiß ich jetzt schon, dass ich bis Ende November knapp zehn Abende und teilweise Tage habe, die es mir erlauben, mich Freunden und Familie zu widmen. Diese sind aber heilig.

Ich habe nicht vor, mich zu beklagen … habe ich mir dieses Leben doch selbst ausgesucht und weiß, dass es da draußen hunderte, tausende Menschen gibt, die sich auf die Reise der Firmengründung eingelassen haben. Ja, es ist eine Reise – kein Sprint, sondern ein Marathon – der aber im Sprinttempo stattfindet und garantiert, dass man am Ende der Teil-Strecke ein anderer Mensch ist.

Wer war dieser Mensch 2012?

Es kommt der Punkt, an dem man zurückblickt und sich die Frage stellt, wer man noch vor wenigen Jahren war. Man sieht sich selbst an und realisiert, dass es im Leben immer irgendwie weitergeht und Ängste und Sorgen, die man vor Kurzem noch hatte, genau die Dinge waren, die einen am Weitesten gebracht haben.

Man erkennt, dass es nur darum geht, niemals aufzugeben und vor allem, dass man verstehen lernt, was man im Leben nicht kann und worin man gut ist.

Dieser Lernprozess ist leider leichter gesagt als getan … in Wahrheit ist es so, dass man – jedes Mal, wenn man denkt, dass man es verstanden hat – wieder bei null anfängt, nur um zu verstehen, dass man eigentich eh am richtigen Weg war und nur aus falschen Zweifeln halbe Entscheidungen getroffen hat, die einen auf den falschen Pfad geführt haben. Klingt kompliziert, ist es aber nicht 🙂

Man erkennt, dass es im Leben immer wieder Menschen sind, die einem die Wegmarken setzen und dass es im Leben nicht viel braucht, um Erinnerungen zu sammeln, die einem vielleicht eines Tages am Sterbebett eine wundervoll bunte Revue des eigenen Lebens präsentieren.

Bevor ich gegründet habe, dachte ich das Erfolg ein Produkt der eigenen Leistung ist – ich musste aber erkennen, dass es – neben der eigenen Leistung – auch ein Abfallprodukt von mehrern Bruchlandungen ist und dass jeder Erfolg umso besser schmeckt und riecht, wenn man sich seine geschundenen Knie ansieht und weiß, dass jede Narbe verdammt noch mal echt verdient wurde.

Und nochmal, ich bin nicht der Einzige, dem es so geht und nein, ich bin nicht arm, mitleidungsbedürftig oder sonst was – it’s part of the deal. Will man verdammt noch mal die Welt retten, kann man dies nicht mit den Händen im Hosensack tun. Das wird euch jeder bestätigen, der es tut oder versucht hat.

Ich bin kommende Woche zwei Nächte in Zürich und beende die Woche mit einem der dankbarsten Teile meines Jobs, nämlich Vorträgen in Schulen. Wenn es gut geht, zusammen mit unserem Minister Hundstorfer. Dann gehe ich ins Wochenende und bereite mich auf die kommenden Wochen vor, wo wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sind – ja, so ist das im Herbst immer und das ist gut so 🙂

Als ich heute in der S-Bahn von der Messe Frankfurt zum Airport fuhr und meiner Musik lauschte, merkte ich, wie müde und leer ich war. Müdigkeit und “ich habs mir selbst ausgesucht, wie geil ist das denn”-Glücksgefühle gaben sich quasi die Klinke in die Hand.
Jedem Glücksgefühl folgten konstant Sorgen über alle möglichen Themen, die man nicht ausschalten kann. Jeder kennt das – wenn man müde ist, ist alles schnell mal ein Problem und eine Sorge.
Ist man fit, geht alles easy – und die Probleme sind plötzlich Herausforderungen 🙂

Im Grunde geht es mir um eine Sache, die normalerweise totgeschwiegen wird, aber einen wichtigen Bereich unseres Lebens ausmacht. Das Umgehen mit den nicht immer schönen Seiten von sonnigen Tagen. Es ist einfach keine Ausnahme, sondern die Regel, dass hell auf dunkel folgt und umgekehrt.

So oft wie in den letzten Tagen habe ich noch nie gehört, dass ich viel unterwegs bin und ich doch irre müde sein muss und dann werde ich immer gefragt, ob das denn gesund sei und wie lange ich das noch mache.

Meine Antwort ist mittlerweile fast immer die Selbe: “ich habe es mir selbst ausgesucht, ich lebe ein Leben, dass ich selbst bestimme … und das mache ich so lange, bis es mir keinen Spaß mehr macht … aber das kann noch eine sehr lange Zeit dauern.”

Ende – wir sind in Parking position und der halbe Flieger hat Stress, dass sie wohl nicht aussteigen dürfen 🙂

23:50 Nachtrag: kein einziges car2go am Flughafen und die letzte Schnellbahn geht erst in 27 Minuten. Wird heut doch noch später, aber hey … bin schon lang nicht mehr um Mitternacht Schnellbahn gefahren – vielleicht wirds ja lustig.

Gute Nacht.
*Ich persönlich denke, ein Unternehmen – egal ob StartUp oder Konzern – ist dann erfolgreich, wenn es jedes Jahr ein besseres Unternehmen als das Jahr zuvor ist und auf dem Weg dorthin nicht das Geld ausgeht.

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Jede Reise ist nur so gut wie ihre Wegbegleiter

“Vergiss niemals, wo du herkommst und die Menschen, die dich auf diesem Weg begleitet haben.” — Meine Eltern

 

10. Oktober, 2012 — Mittagszeit — WHATCHADO tritt das erste Mal in Hamburg bei der Social Media Recruiting Conference auf.

10. Oktober, 2012 — Nachmittag — Robindro Ullah von der Deutschen Bahn sagt zu, als erstes Unternehmen WHATCHADO in Deutschland umzusetzen.

Jänner, 2013 — erste Dreharbeiten in Deutschland bei der Deutschen Bahn und damit der Start für WHATCHADO in Deutschland. Zwar 2 Jahre zu früh laut damaliger Planung, aber das Beste, dass uns hätte passieren können.

Oktober, 2014 — back to the roots

WHATCHADO ist schon ein sehr cooles Konzept, ehrlich — ich steh drauf … vielleicht auch, weil ich einer der Mitgründer bin und finde, dass wir damit echt die Welt retten.

Klingt arrogant, oder? Naja, im Grunde geht es ja darum, im Leben zu sich und seinen Dingen zu stehen — ob im Guten oder im Schlechten. Und ich finde eben, dass WHATCHADO echt echt rockt.

Denke ich aber, dass wir unseren Erfolg nur uns verdanken? Wohl kaum.

Wegbegleiter — die Menschen, die dich pushen, ohne das du es merkst

Teil jeder Umsetzung sind Wegbegleiter, die einen pushen, fördern und fordern — manchmal merkt man es, manchmal nicht. Und doch sind sie da und bestimmen mit, wie dein Leben verläuft.

In wenigen Wochen bin ich wieder in Hamburg — meiner Meinung nach ja die geheime Hauptstadt Deutschlands und eine der schönsten Städte in Europa.

Dass WHATCHADO in Deutschland ist und ich in Kürze wieder in Hamburg, verdanke ich einigen wenigen Menschen, deren Impact größer war, als sie es vielleicht selbst wissen — sowohl beruflich als auch — und das ist das Wichtigste — menschlich.

10253802_10152029358180947_674830817771952869_nDass ich im Oktober 2012 in Hamburg WHATCHADO vorstellen durfte und als Resultat plötzlich die Deutsche Bahn auf uns gesetzt hat, verdanke ich einigen wenigen Menschen, deren Präsenz sich in den letzten Jahren immer und immer wieder in mein Leben eingebrannt hat.

Jörn Hendrik (@jormason) hatte mich im Juni 2012 kurzfristig auf Twitter zur SMRC (Social Media Recruiting Conference) als Vortragenden eingeladen, nachdem er dort am 1. Tag der Konferenz von uns gehört hatte.

Er war zu dem Zeitpunkt einer der Mitorganisatoren und hatte nach kurzem Twittertalk mit mir beschlossen, dass ich am nächsten Tag dort vor Ort die OpenKeynote halten sollte. Uns gab es zu dieser Zeit gerade mal 6 Monate, aber wir bekamen die Chance — im Nachhinein betrachtet recht krass ☺

Vor Ort versuchte ich, so gut wie möglich aufzutreten — war aber durch und durch nervös, weil es gerade mal mein 4. oder 5. Auftritt als WHATCHADO CEO war.

Was danach passierte, war recht verrückt. Frank Sitta, Stefan Person und Jan Kirchner — die Veranstalter der SMRC — fragten mich, ob ich mir vorstellen könnte, in Hamburg bei der SMRC im Oktober 2012 aufzutreten. Was ich auch dankend annahm, ohne zu ahnen, was auf uns zukommt ☺

Frank & Stefan — zwei, die wissen was sie tun

6. September, 2014 — 2 Jahre und einge gemeinsame Events später, die sich von Halle bis nach Eisenach gezogen haben, habe ich Frank und Stefan — die Helden hinter der SMRC — nicht nur besser kennengelernt — nein, ich habe sie ins Herz geschlossen.

Fachlich gesehen, sind ihre Events sowieso top

  • Future Recruiting Camp: Wenn es um kollaboratives Erarbeiten von Zukunftsthemen geht, die schon heute das Recruiting weiterbringen. Hier werden Themen positioniert und besprochen, die Mut benötigen, um diese umzusetzen, aber langfristig unumgänglich sind für gute HR Arbeit. JA!FutureRecruitingCamp WartburgDer Event fand auf der Wartburg statt — einer genialen Burg, auf der auch Martin Luther wirkte — die coolste Location, die ich je gesehen habe ☺
  • Mitteldeutsche Personaltagung: Es ist komplett klar, dass gerade KMUs das Fundament einer guten Wirtschaft sind und genau dieser Bereich wird hier abgedeckt. Vorträge, Diskussionen und eine eigene Fachausstellung garantieren, dass der Event einen selbst weiterentwickelt — sei es um weitere Ideen oder konkrete Umsetzungtips.Mitteldeutsche Personaltagung

Ich hatte das echte Glück, überall dabei sein zu dürfen und mich mit ihnen weiterzuentwickeln.

Der Weg, der noch vor uns liegt

Am 9. Oktober, 2014 werde ich bei der SMRC#14 darüber sprechen, wo wir heute stehen und welche Erfahrungen wir im Personalbereich gesammelt haben, wenn es darum geht, gute Geschichten zu erzählen.

Ich freue mich auf alle neuen und bekannten Gesichter, auf Hamburg und auf den fachlichen Austausch.

Wer dabei sein möchte, einige wenige Tickets gibt es noch.