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Der erste Tag

Weltweit ist heute das Fest der Güte, der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit.

Und gleichzeitig erleben wir – zumindest gefühlt – eine Zeitenwende, die uns Angst macht. Wir haben Trump, wie haben den Klimawandel, einen politischen Rechtsruck in Europa und andere unzählige Spannungen, die uns teilweise sprachlos und ohnmächtig erstarren lassen.

Ganz klar müssen wir erkennen, dass es Herausforderungen gibt, die wir so noch nicht gesehen haben und diese Ungewissheit macht uns Angst.

Gleichzeitig denke ich, wir sind nicht die ersten unserer Art, die vor diesen Herausforderungen standen. Eher denke ich, wir Menschen leben nicht lange genug, um zu erleben, wie sich die Geschichte wiederholt.

Finanzkrisen gab es auch vor 2008, Angst vor Arbeitsplatzverlusten durch Technologien auch schon durch die Industrialisierung und dem Radio wurde auch der Tod schon mehrmals vorausgesagt.

Fakt ist, wir leben in der besten aller Welten und Zeiten und trotzdem haben wir das Gefühl, es könnte irgendwo immer schlimmer werden.

Würden wir nur einfach länger leben … so 300 Jahre statt nur 90. Dann wären wir alle Zeitzeugen einer Geschichte und ihrer Muster. Wir müssten uns nicht mehr aufgrund unserer jungen Daseins ängstlich zurück ziehen und auf bessere Zeiten hoffen, nein … wir würden das Negative wie das Positive bewertungsfrei als das sehen, was es ist: Der Lauf der Dinge.

Tag 1

An jedem Tag bekommen wir eine neue Chance, die Welt zu verändern. Nein, nicht die da draußen, die macht sowieso was sie will.

Eher ist es unsere Sichtweise auf die Geschehnisse, die unser Fortkommen bestimmt. Die Dinge, die um uns passieren (Klimawandel, Trump, Rechtsruck in Europa, der hupende Autofahrer neben uns, der selbstmörderische Radfahrer im Weihnachtsverkehr) können wir nicht immer mitbestimmen, doch wir können zu jedem Augenblick in unserer Achtsamkeit festlegen, wie wir mit diesen Dingen umgehen wollen.

Spinnt man dieses Gedankenspiel weiter, merken wir, wie wenig wir – so gesehen – “mit”bestimmen können und auch wenn dies auf den ersten Blick Hoffnungs- und Handlungslosigkeit hervorruft, so merken wir beim zweiten Durchatmen, dass dies die beste aller Freiheiten mit sich zieht.

Zum ersten Mal realistisch zu Erkennen, was wir steuern können und was nicht, erleichtert nicht nur unseren Rucksack der Verbindlichkeiten an die Gesellschaft, sondern schafft auch Raum für den Fokus auf unsere Potentiale und Talente. Denn zu wissen, was wirklich die Dinge sind, die wir beeinflussen können, führt uns unweigerlich dazu, die Werkzeuge, einzusetzen, die wir seit dem Tag unserer Geburt in uns tragen.

Mit dem Geiste des Anfängers

Zu verstehen, wie sehr unser Geist und unsere Gedanken die äußere Welt bewerten, hilft uns dabei, diese Bewertungsmechanismen neu zu schreiben. Wie kann es sonst sein, dass zwei Freunde, die sich seit 20 Jahren kennen, beim Thema Politik komplett auseinander driften? Ist es, weil einer recht hat und der andere nicht? Was ist in diesem Fall recht? Das demokratische Prinzip, auch wenn es dieses war, welches Diktatoren zur Macht verhalf?

Gut und Böse sind genauso nur Projektionen unseres Geistes wie der Umstand, Fan vom FC Barcelona oder Real Madrid zu sein: Befindlichkeiten und deren Auslegungen in unserem Geist.

Doch wie wäre es, wenn wir uns nicht mit der Bewertung von Gut und Böse und deren Konsequenzen quälen müssten, sondern stattdessen die Dinge einfach so sehen würden, wie sie sind, ohne diese zeitgleich zu bewerten.

Dies würde zu einem klaren Geist, einem klaren Fokus und einer inneren Ruhe führen, aus deren Kraft wir auf den Wellen des Lebens surfen könnten.

Im Daoismus ist mir im letzten Jahr der Begriff “Wu Wei” untergekommen, dessen Grundauslegung es ist, die Dinge im Verlauf ihrer Natur zu akzeptieren und sich nicht dagegen zu stellen.

Bedeutet dies, alles mit sich geschehen zu lassen? Klarerweise nein, das wäre naiv.

Bedeutet es, zu erkennen, wie wenig man das Geschehene ungeschehen machen? Ja.

Bedeutet es, sein Leben im Hier und Jetzt zu leben und nicht mit Gedanken in der Vergangenheit oder mit Sorgen an die Zukunft zu verbringen? Ja.

Irrtümlich wird es zu sehr mit “nichts tun” im Sinne von auf der Couch sitzen und abwarten übersetzt, doch es ist eher gemeint, dass man fühlt, was richtig ist und was nicht und sich wie ein Fisch im Wasser bewegt und nicht versucht, gegen den Fluss zu schwimmen, wenn dies dem Fisch nicht gut tut.

Und so ist heute – so wie an jedem Tag – an dem wir aufwachen, Tag 1 vom Rest unseres Lebens.

Eines Lebens, dessen Sichtweise davon abhängig ist, wie wir die Umstände und Vorkommnisse begrüßen und in Dankbarkeit als Lernerfahrungen sehen.

In ca. 100 Jahren werden wir alle aller Wahrscheinlichkeit nicht mehr Leben und die Frage wird sein, wessen Leben wir gelebt haben und welche Erfahrungen wir als menschliche Wesen gemacht haben.

Es ist unsere Entscheidung, ob wir den heutigen Tag als einen normalen Tag sehen als Tag 1.

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