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Sonne und Schatten – ein Fazit aus zwei Tagen on the road und drei Flügen

Ich wurde letzte Woche zweimal gebeten, ein bisschen zu beschreiben wie meine Tage aussehen und was ich denke und fühle … gut, hier der Versuch einer Selbstanalyse.

21:46 sitze gerade im Flieger auf der Startbahn in Frankfurt – warten auf den Start Richtung Wien und erfahre gerade, dass ich ja doch während des Starts sogar weiter meinen Laptop verwenden kann … wenn er klein genug ist, Ja, ist er 🙂

22:01 Gerade gestartet und mitten drin im Steigflug, bist du deppad, das ist eine Wacklerei in der Kurve … in Kürze hoffentlich auf Flughöhe und ca. 10000m über dem Boden und dem Himmel wieder mal ein bisschen näher … leider ohne Sonne, aber dass sie da ist weiß ich auch so 🙂
Meine Flugangst hab ich auf delay gestellt, weil gerade zu müde, um den Turbulenzen Raum zu geben.

Gestern um die selbe Uhrzeit, wusste ich nicht mehr in welcher Stadt ich gerade bin. Kurz dachte ich, es ist Berlin – nur um mich zu wundern, warum es hier Labskaus gibt, eine typische Speise aus Hamburg. Ja, ich war in Hamburg.

Wenige Stunden davor war ich auf der SMRC14, der Eventreihe, die mein Baby whatchado und das ganze Team nach Deutschland gebracht hatte. Gerade mal zwei Jahre – fast auf den Tag genau – ist es her, dass ich mich mit meiner Lederhose und dem Wiener Schmäh in Deutschland versucht habe – fürs Business war es hervorragend und für neue Freundschaften sowieso.

Es ist gerade mein dritter Flug in zwei Tagen und wenn am 1.1.2015 das neue Jahr eingeläutet wird, habe ich in meiner Schreibtischschublade über fünfzig Flugtickets als Andenken angereichert … ja, es gibt auch bessere Andenken.

Wir werden oft als cooles, bestes, erfolgreiches, younameit-StartUp bezeichnet und haben das Glück und die Ehre, dass wir doch einige Male medial gefeatured wurden und auch immer wieder bei B2B Events, wo unsere Hauptklientel unterwegs ist, uns zu Wort melden dürfen.

Die Bezeichnungen cool, erfolgreich, etc. sind dabei nicht immer die glücklichsten Bezeichnungen, da Erfolg einen Bruder hat, über den die wenigsten sprechen – ungeachtet davon, was als erfolgreich betitelt wird*.

Dieser Bruder hat nicht einen Namen, er hat mehrere. Scheitern, Arbeiten bis zum Umfallen & TryAndError sind nur wenige der Namen, die man doch manchmal in den Mund nimmt.

Gestern Abend noch mit meinem Kindheitsfreund und Co-Founder Jubin in Hamburg unterwegs, war ich heute zur Frankfurter Buchmesse eingeladen, um über das Handbuch der Lebensgeschichten und unsere Erfahrungen aus fast 3000 Lebensgeschichten zu sprechen. Die Frankfurter Buchmesse bitte!! Hallo, der Traum jedes Medienmenschen und ein Erlebnis, dass man gesehen haben sollte. Fachpresse – offline und online Medien und jede Menge neuer Gesichter und Finnlad dieses Jahr als Gastland … es war herrlich.

Eine Woche zuvor sagte mir mein Arzt, dass ich auf meine Stimme achten soll, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass wir allein zwischen August und Dezember ca. 35 mal auf diversen Bühnen auftreten, um den Menschen WHATCHADO näher zu bringen. Bei diesen Auftritten sind im Durchschnitt 50 bis 150 Personen im Publikum – alles potentielle Netzwerkknoten, die unsere Botschaft weitertragen und hier präsent zu sein, ist in der frühen Phase unseres jungen Unternehmens essentiell wichtig.

22:12: Alter, die ersten Turbulenzen … geh bitte

22:14: wieder vorbei, alles gut

Dieser Post ist fast eine Art Fazit der letzten 2,5 Jahre und fasst zusammen, dass jeder Sonnenstrahl einen Schatten hervorbringt und dass diese zwei unweigerlich miteinander verwandt – ja sogar verheiratet – sind.

Dieses Wochenende werde ich nutzen, um runter zu kommen … wie das funktioniert weiß ich noch nicht ganz, aber es wird eine Mischung aus Training, Fussball, lange schlafen und gutes Essen sein – so die Theorie, denn nach jeder voll gepackten Woche kommt ein Loch, dass alles reflektiert, was passiert ist und einen spüren lässt, was man stattdessen nicht gemacht hat, bzw. bewusst hinten dran gestellt hat.

Ich brauche meistens Samstag fast den halben Tag, bis ich meine Mitte gefunden habe – etwas, dass mir an heftigen Arbeitstagen innerhalb von fünf Minuten gelingt und in der “freien” Zeit die Hälfte meiner Nerven kostet. Wenn ich im Urlaub bin, geht das innerhalb von wenigen Stunden, dass ich komplett unten bin, aber da weiß ich auch, dass jetzt Tage kommen, wo es kein Hoch und kein Tief gibt, sondern – zumeist – nur Strand, Sonne, Cocktails und maximal ein halbwilder Affe, der meinem Motorroller auf irgendeiner thailändischen Insel hinterherläuft 🙂

22:31: es gibt Brötchen und Cafe … geil

In der Nicht-Urlaubszeit hingegen kommt das abwärts nach dem aufwärts wie das Amen im Gebet.
Ehrlicherweise hatte ich es nicht geglaubt, als mir andere Gründer erzählt hatten, dass die Wochenenden das Härteste sind, weil man dort gezwungenermaßen runterkommt (ist ja sonst fast kein anderer im Dienst) und sich plötzlich im Strudel von Gedankenverwirrungen wieder findet und nicht weiß, ob man jetzt einfach in einem Cafe entspannen soll oder doch lieber noch den einen Vertrag lesen soll oder vielleicht doch noch die Präsentation für nächste Woche vorbereiten soll.

Und ehe man sich versieht, ist es Samstag Abend und man weiß, dass kommende Woche noch so viele Themen anstehen, dass man lieber Sonntag Mittag mit der Vorbereitung beginnen sollte. Ja, bisschen stressig ist es manchmal schon und ja, die – noch nicht vorhandenen – grauen Haare lassen grüßen.

Im Endeffekt weiß ich jetzt schon, dass ich bis Ende November knapp zehn Abende und teilweise Tage habe, die es mir erlauben, mich Freunden und Familie zu widmen. Diese sind aber heilig.

Ich habe nicht vor, mich zu beklagen … habe ich mir dieses Leben doch selbst ausgesucht und weiß, dass es da draußen hunderte, tausende Menschen gibt, die sich auf die Reise der Firmengründung eingelassen haben. Ja, es ist eine Reise – kein Sprint, sondern ein Marathon – der aber im Sprinttempo stattfindet und garantiert, dass man am Ende der Teil-Strecke ein anderer Mensch ist.

Wer war dieser Mensch 2012?

Es kommt der Punkt, an dem man zurückblickt und sich die Frage stellt, wer man noch vor wenigen Jahren war. Man sieht sich selbst an und realisiert, dass es im Leben immer irgendwie weitergeht und Ängste und Sorgen, die man vor Kurzem noch hatte, genau die Dinge waren, die einen am Weitesten gebracht haben.

Man erkennt, dass es nur darum geht, niemals aufzugeben und vor allem, dass man verstehen lernt, was man im Leben nicht kann und worin man gut ist.

Dieser Lernprozess ist leider leichter gesagt als getan … in Wahrheit ist es so, dass man – jedes Mal, wenn man denkt, dass man es verstanden hat – wieder bei null anfängt, nur um zu verstehen, dass man eigentich eh am richtigen Weg war und nur aus falschen Zweifeln halbe Entscheidungen getroffen hat, die einen auf den falschen Pfad geführt haben. Klingt kompliziert, ist es aber nicht 🙂

Man erkennt, dass es im Leben immer wieder Menschen sind, die einem die Wegmarken setzen und dass es im Leben nicht viel braucht, um Erinnerungen zu sammeln, die einem vielleicht eines Tages am Sterbebett eine wundervoll bunte Revue des eigenen Lebens präsentieren.

Bevor ich gegründet habe, dachte ich das Erfolg ein Produkt der eigenen Leistung ist – ich musste aber erkennen, dass es – neben der eigenen Leistung – auch ein Abfallprodukt von mehrern Bruchlandungen ist und dass jeder Erfolg umso besser schmeckt und riecht, wenn man sich seine geschundenen Knie ansieht und weiß, dass jede Narbe verdammt noch mal echt verdient wurde.

Und nochmal, ich bin nicht der Einzige, dem es so geht und nein, ich bin nicht arm, mitleidungsbedürftig oder sonst was – it’s part of the deal. Will man verdammt noch mal die Welt retten, kann man dies nicht mit den Händen im Hosensack tun. Das wird euch jeder bestätigen, der es tut oder versucht hat.

Ich bin kommende Woche zwei Nächte in Zürich und beende die Woche mit einem der dankbarsten Teile meines Jobs, nämlich Vorträgen in Schulen. Wenn es gut geht, zusammen mit unserem Minister Hundstorfer. Dann gehe ich ins Wochenende und bereite mich auf die kommenden Wochen vor, wo wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sind – ja, so ist das im Herbst immer und das ist gut so 🙂

Als ich heute in der S-Bahn von der Messe Frankfurt zum Airport fuhr und meiner Musik lauschte, merkte ich, wie müde und leer ich war. Müdigkeit und “ich habs mir selbst ausgesucht, wie geil ist das denn”-Glücksgefühle gaben sich quasi die Klinke in die Hand.
Jedem Glücksgefühl folgten konstant Sorgen über alle möglichen Themen, die man nicht ausschalten kann. Jeder kennt das – wenn man müde ist, ist alles schnell mal ein Problem und eine Sorge.
Ist man fit, geht alles easy – und die Probleme sind plötzlich Herausforderungen 🙂

Im Grunde geht es mir um eine Sache, die normalerweise totgeschwiegen wird, aber einen wichtigen Bereich unseres Lebens ausmacht. Das Umgehen mit den nicht immer schönen Seiten von sonnigen Tagen. Es ist einfach keine Ausnahme, sondern die Regel, dass hell auf dunkel folgt und umgekehrt.

So oft wie in den letzten Tagen habe ich noch nie gehört, dass ich viel unterwegs bin und ich doch irre müde sein muss und dann werde ich immer gefragt, ob das denn gesund sei und wie lange ich das noch mache.

Meine Antwort ist mittlerweile fast immer die Selbe: “ich habe es mir selbst ausgesucht, ich lebe ein Leben, dass ich selbst bestimme … und das mache ich so lange, bis es mir keinen Spaß mehr macht … aber das kann noch eine sehr lange Zeit dauern.”

Ende – wir sind in Parking position und der halbe Flieger hat Stress, dass sie wohl nicht aussteigen dürfen 🙂

23:50 Nachtrag: kein einziges car2go am Flughafen und die letzte Schnellbahn geht erst in 27 Minuten. Wird heut doch noch später, aber hey … bin schon lang nicht mehr um Mitternacht Schnellbahn gefahren – vielleicht wirds ja lustig.

Gute Nacht.
*Ich persönlich denke, ein Unternehmen – egal ob StartUp oder Konzern – ist dann erfolgreich, wenn es jedes Jahr ein besseres Unternehmen als das Jahr zuvor ist und auf dem Weg dorthin nicht das Geld ausgeht.

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