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Wenn du merkst, dass du nie alleine unterwegs warst

Am 10. April diesen Jahres habe ich beschlossen, einen der letzten Punkte meiner Traumliste von 2010 zu bewältigen:
Ich will einen Marathon laufen.

Ali Mahlodji Traumliste

Der 10. April, 2016 war der Tag des Wien Marathons und als ich gegen Mitternacht im Internet die Fotos des Events sah, wusste ich, dass ich diesen Wunsch nicht noch ein Jahr aufschieben möchte.

Auf Hinweis von Hans-Jörg, einem meiner besten Freunde, beschloss ich, dass ich lieber davor einen Halbmarathon laufe, damit ich „überhaupt mal irgendwie“ ein Gefühl dafür bekomme.
Angepeilt wurde der Graz Halbmarathon, der heute am 9. Oktober stattfand.

Anfang Juni begann mein Training, dass auf 58 Einheiten zwischen Juni und Anfang Oktober ausgelegt war.
Von diesen 58 Trainingseinheiten schaffte ich allerdings nur 34, die anderen 24 waren zeitlich nicht möglich.

Bei meinem ersten Trainingslauf am 1. Juni, 2016 brach ich den Lauf nach 7 Minuten wieder ab.
Grund war, dass ich dachte, irgendwas stimmt mit meinem Herzen und meiner Brust nicht – die Schmerzen waren nicht zum Aushalten und mein Brustbereich verkrampfte sich immer mehr nach hinten in den Rücken.
Ich war gerade mal einen Kilometer gelaufen, bekam aber keine Luft mehr und mein Puls war in verrückten Höhen.

Ich brach ab, ging zu einem Arzt und einem Lungenfacharzt (ich habe seit meinem 13. Lebensjahr chronisches Asthma) und beide machten mir klar, dass mein Körper in den letzten Jahren nicht das tun durfte, wofür er gemacht ist: sich bewegen. Daher waren meine Zustände nach meinem ersten Lauf einfach das Ergebnis einer schlecht trainierten Person.

Im Laufe der 4 Monate des Trainings mauserte ich mich von Kilometer zu Kilometer – und jede Woche dachte ich mir „warum tust du dir das an, du hast eh genug zu tun“.
Anfangs war ich stolz, dass ich 5 Kilometer schaffte, dann waren es 7, dann 10 und eines Tages sogar 15 Kilometer.
Aber niemals mehr und der Halbmarathon, den ich laufen wollte, betrug doch irgendwie 21 Kilometer 🙂

Meine durchschnittliche Kilometerzeit lag während meines Trainings konstant zwischen 7:20 und 7:55 Minuten und das bei Läufen, die nicht annähernd an die komplette Distanz herankamen.

Daher und weil ich 24 meiner Trainings nicht absolviert hatte, dachte ich mir im Vorfeld des Halbmarathons, dass
1. ich froh bin, wenn ich überhaupt ins Ziel komme
2. ich eine Zeit von ca. 7:40-8:00 Minuten pro Kilometer schaffe

Parallel zu meinem Laufvorbereitungen habe ich in den letzten 4 Monaten auch mit Mentaltraining begonnen.
Es war „Zufall“, dass ich damit fast zeitgleich mit den Marathonvorbereitungen begann – keine Absicht in der Korrelation.
Ein schönes Nebenprodukt des Mentalcoachings ist, dass ich irgendwie – ohne groß nachzudenken – meine Ernährung umstellte und plötzlich auch viel mehr Arbeit in der selben Zeit schaffte und auch genug Zeit für das Schlafen fand (aktuell bei guten 7 Stunden pro Nacht).

Hans-Jörg, der mich angestiftet hatte, den Halbmarathon zu laufen, sagte mir „wir laufen den gemeinsam, ich lass dich nicht allein“.
Eine Entscheidung, wie sie echt besser nicht hätte sein können.

Im Laufe der Zeit bis zum Halbmarathon traf ich mich auch mit Ahmer Khan, der selbst einen Halbmarathon und Marathon gelaufen ist und eine beeindruckende Geschichte hat. Er war es, der mich mit dem „Gefühl des Zieleinlaufs“ infizierte und mir echt gute Ratschläge gab.
Zwecks Abchecken meiner Gesundheit und ob es überhaupt eine gute Idee war, den Halbmarathon zu laufen, besuchte ich das Sportzentrum SPOWI, die mir klar machten, wo aktuell meine Grenzen lagen und mir sagten, wie ich mein Training auslegen soll (Mike Gattereder, danke!).

Ich absolvierte meine Trainings normalerweise immer gegen 5:30 in der früh, weil das die einzige Zeit war, die ich neben meinen Reisen und meinen beruflichen und privaten Themen „frei“ machen konnte. Blöd waren die Tage, als mein Flieger bereits um 6:00 abhob, dann musste ich das Training streichen.

In dieser Zeit waren der Zuspruch meiner Mutter, meines Bruders und meiner Freundin (aka Verlobte) die tragende Stütze, dass ich mir überhaupt den Wecker immer wieder auf 5:00 stellte und laufen ging.

Entgegen aller Pläne, die letzte Woche vor dem Lauf vorbildhaft zu verbringen (gute Ernährung, leichtes Training, kein Stress), wurde die Woche die stressigste aller letzten Wochen 🙂

Gestern Abend fuhren Hans-Jörg und ich nach Graz, um ausgeruht in den Halbmarathon zu starten.

Bis dato hatte ich während des Laufens immer selbst auf meine Uhr geschaut, damit ich ja nicht „zu schnell“ laufe.
Der Tip, den ich am Öftesten hörte, war „lass dich ja nicht mitreissen von der Euphorie und laufe lieber defensiv langsamer“.
Daher war in meinem Kopf einprogrammiert, jeden Kilometer mit ca. 7:40-8:00 Minuten abzuschliessen, damit mir die Puste nicht zu früh ausgeht.
Davor hatte ich echt Respekt.

Auch heute war mein Plan, immer auf die Uhr zu sehen und damit mein Tempo zu kalibrieren.

Hans-Jörg sagte mir, dass ich ihm vertrauen und die Uhr im Hotel lassen soll und einfach mit ihm laufen soll.
Er kümmert sich schon darum, dass wir die richtige Zeit laufen.

Zuerst wehrte ich mich, hatte ich mich doch 4 Monate mit meiner Uhr vorbereitet und hatte „mein Konzept“, dass mir garantierte, dass ich mich körperlich nicht überanstrenge und ausfalle.

Er sagte mir, dass ich ihm vertrauen soll, was ich dann auch tat. Ich lief ohne Zeitnehmer, sondern nur mit ihm.
Hans-Jörg war jahrelang Sportler und ist auch sonst echt fit – bisschen das Gegenteil von mir 🙂

Heute lief ich den Grazer Halbmarathon in 02 Stunden 13 Minuten und 35 Sekunden.
Das bedeutet eine Kilometerzeit von 6:14 Minuten, was über 1,5 Minuten unter dem liegt, was ich dachte laufen zu können.
Schnellste Kilometerzeit: 5:37

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Im Ziel dachte ich zuerst, dass die Zeitnehmung falsch war, dann sah ich aber, dass ich nicht nur die längste Distanz meines Lebens, sondern auch die beste Zeit – und zwar konstant bei jedem der 21 Kilometer – gelaufen war.
Ich verstand nicht, wie das ging – ich hatte immer bewusst das Tempo reduziert, als ich merkte, dass ich von der Menge und den Menschen am Streckenrand begeistert euphorisch aufgepusht war.

Und auch körperlich dachte ich nicht, dass ich so ein “schnelles” Tempo konstant halte.

Und dennoch hatte es Hans-Jörg irgendwie geschafft, dass ich eine Zeit hingelegt hatte, die komplett absurd geklungen hätte, wenn mir das jemand vor dem Lauf gesagt hätte.

Ich fragte Hans-Jörg warum ich den Lauf „so gut“ absolviert hatte.

Er sagte mir, dass allein das Training und die mentale Vorbereitung eine große Rolle spielen (okay, das wusste ich), aber dann sagte er mir etwas, dass plötzlich alles logisch erschienen liess.

Er sagte mir „hättest du die Uhr die ganze Zeit bei dir gehabt, hättest du dir eingeredet, dass du nicht schneller laufen solltest und das Display hätte in dir ein Warnsignal ausgelöst, wenn du es doch getan hättest. Ohne einer Uhr ging es plötzlich nur mehr um deinen Körper und deinen Willen.“

Es stimmte … als wir liefen, waren Hans-Jörg und meine Gedanken die einzigen Konstanten, der ich folgte und als ich ab Kilometer 19 eine starke Belastung in den Beinen spürte, war es das geistige Regulieren meiner Gedanken und mein Fokus auf Hans-Jörgs Tempo, dass mich dann über die Ziellinie trug.

Im Endeffekt bin ich den Halbmarathon selbst gelaufen, schon klar … trotzdem war es der Glaube eines Freundes daran, dass ich „mehr Potential habe, als ich es selbst denke“, dass mich dazu brachte, mich selbst zu überraschen.

Als ich kurz vor dem Zieleinlauf am Streckenrand noch zufällig Evi, eine ganz liebe Freundin, und ihre Familie sah, die mich auch anfeuerten, war diese Kombination die Mischung, die „einen bekanntlich“ trägt: die vielzitierte Euphorie, die einen erwischt, wenn du merkst, wie viele Menschen sich wünschen, dass du ins Ziel kommst.
Schmerzen in den Beinen und in der Brust sind dann plötzlich wie verschwunden.

Nach dem Zieleinlauf habe ich Hans-Jörg an die hundert Mal abgeknutscht und wusste gar nicht mehr, wie ihm danken soll – zumal er nur wegen mir die Distanz absichtlich langsamer lief. Er braucht in der Regel für die Strecke mindestens eine halbe Stunde weniger.

Als ich dann in meiner Wohnung war, wurde mir plötzlich bewusst, was auch für unser berufliches Leben gilt:
Wir erreichen oft unsere Ziele und laufen in den Augen vieler unsere Rennen alleine … und dennoch sind wir niemals alleine unterwegs.

Es sind immer die Wegbegleiter, die an uns glauben, die uns pushen, wo wir nicht mehr können und die uns überraschen, wenn wir nur mehr grau zu sehen glauben.

Leute, danke … euch allen, die mich die letzten Monate begleitet haben.
Der heutige Lauf ist euch allen gewidmet!

PS: meine Learnings vom heutigen Lauf

1. ich werde 2017 beim Vienna City Marathon den Halbmarathon laufen, nicht den „großen“. Einfacher Grund: es reizt mich nicht und die Balance Trainingszeit und Glücksgefühl ist beim Vienna City Marathon echt schon sehr cool 🙂
2. unser Körper ist dafür gemacht, sich zu bewegen, unglaubliches zu schaffen und ist nicht dafür gemacht „ruhig zu sitzen“. Wir Menschen haben mal Mammuts gejagt, sind Entdecker und Erschaffer unserer Welt und dennoch verletzen wir uns heute manchmal, wenn wir nur „falsch“ einen Kugelschreiber hochheben.

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Trennung, der wahre Neubeginn

Ein Vorteil wenn man viel unterwegs ist (70+ Flüge letztes Jahr) zeigt sich darin, dass man viel Zeit allein verbringt.

Manchmal kann das ein sehr einsames Gefühl sein – nein, es ist immer ein einsames Gefühl, gerade wenn man öfters den letzten Flieger nimmt – aber oftmals ist es auch eine wunderschöne Zeit, um zu reflektieren.

Wenn man in einem Unternehmen operativ tätig ist und sich nicht regelmäßig herausnimmt, übersieht man am Ende des Tages die wichtigste Person, um die man sich kümmern muss … sich selbst.

Letztes Jahr habe ich mir vorgenommen, Zeit zum Reflektieren nicht mehr dem Zufall zu überlassen und habe damit gekämpft, mich von Ablenkungen zu befreien, die ich mir selbst geschaffen habe. Ich dachte allen Ernstes, dass ich dies in wenigen Monaten bewerkstelligen könne. Im Endeffekt brauchte ich fast ein Jahr, um mich in eine Position zu bringen, in der ich mich frei, produktiv, glücklich und erfolgreich bewegen konnte.

Ich arbeite keine Minute weniger als früher, aber ich habe mein mentales Setting und meine Gedanken umstrukturiert und damit auch, wie ich den Tag lebe und wahrnehme.

Über den ganzen Prozess zu erzählen wäre zu weitreichend – vielleicht mache ich das ein anderes Mal, aber was ich hier niederschreiben möchte, ist der Einfluss, den mein Umfeld auf mich hatte und hat.

Ich erkannte letztes Jahr zunehmend, dass ich mich teilweise mit Menschen umgab, die ein anderes Bild von Erfolg hatten als ich. Ich erkannte, dass ich von Menschen umgeben war, die ein anders Bild auf den “Menschen als Mitarbeiter” hatten und auch, dass ich viel von Menschen umgeben war, die nur in knallharten Zahlen dachten. Hinzu kamen auch Menschen, die nur Zeit mit Einem verbrachten, wenn dieser ihnen auch etwas brachte.

Teilweise kam ich mir vor wie ein Zahlungsmittel, dessen Wert befristet war und zwar solange, wie ich in den Augen anderer “funktionierte” und deren Erfolgswelt lebte.

Ich musste erst lernen meine Werte zu festigen und zu leben und mich dann von all jenen zu trennen, die meine Weltsicht blockierten und trübten. Bitte nicht falsch verstehen, diese Personen haben nichts „Böses” gemacht – sie waren sie selbst und das ist gut so. Nur passte deren Weltbild nicht zu meinem Bild des Jetzt und der Zukunft und so schwächte ich mich selbst konstant, in dem ich Zeit mit ihnen verbrachte.

Dieses Wochenende saß ich mit Peter zusammen. Er war mal Fussballprofi, was für viele schon ein Traum ist, brach diese Karriere (in den Augen anderer) abrupt ab und lebt heute als Autor, Inspirator und Projektinitiator von Jugendprojekten. Er ist einer der wenigen Menschen, bei denen ich mich nach unseren Treffen “aufgeladen” fühle und zwar auf 140% … und das an schlechten Tagen. 🙂

Das Traurige daran … dass ich dieses Gefühl viele Jahre nicht kannte.

Schuld war ich selbst, verbrachte ich doch zu viel Zeit mit Menschen, die an mir saugten, wo sie etwas benötigten, aber ebenso meine Sichtweisen in die Schublade „werd erwachsen” steckten. Nach solchen Gesprächen war ich zumeist den ganzen Tag in einem seelischen Tief.

Wer sich einmal Zeit nimmt, erkennt selbst, bei welchen Menschen wir nach dem Gespräch mehr Energie haben als zuvor und bei welchen Menschen wir danach am Besten einfach vor dem Fernseher rumlungern wollen.

Mit Peter spreche ich z.B. über Träume und Vision so wie andere über die nächste Überweisung ihrer Miete sprechen.

Für uns ist das “Realität werden” von Träumen und Vision genauso real, wie für andere der nächste Steuerausgleich.

Ich war schon immer so und dachte bis vor einigen Jahren noch, dass ich ein Spinner bin – mein Problem war aber eher, dass ich nur im falschen Umfeld war. Einem, das ich mir selbst ausgesucht hatte, ohne darüber nachzudenken, ob es mich genauso förderte wie ich die Menschen darin.

Heute habe ich eine Liste gemacht mit Menschen, bei denen “meine” Themen als das Normalste auf der Welt betrachtet werden und die ich als Freunde zählen kann. Es sind fast genauso viele “Freunde”, wie noch vor einigen Jahren, aber mit einem kleinen Unterschied. Mehr als die Hälfte der Namen von früher sind nicht mehr auf der Liste.

Klingt auf den ersten Blick schade, aber am Ende des Tages ist es die beste Lösung und zwar für alle Seiten. Die Freunde von früher, die mich als Spinner abstempelten, haben nun andere Freunde, die ihre Sprache sprechen und ich habe den Fokus auf die gelegt, die mit meiner Sichtweise etwas anfangen können.

Die lehrreichste Lektion in diesem Prozess war eine, die schmerzhafter nicht hätte sein können.

Ich musste erst lernen, dass man sich im Leben zuerst von den Dingen, die man in seiner Zukunft nicht mehr haben möchte, trennen muss, damit die Dinge, die einem die Zukunft ausfüllen sollen, erscheinen.

Zu oft sind wir unzufrieden mit etwas, wissen auch warum und haben uns und allen Freunden schon zig mal erzählt, dass wir es hassen, aber trennen uns nicht davon. Lieber reden wir uns ein, dass wir uns neben diesen Dingen, die uns runterziehen, etwas aufbauen können, das das Negative ersetzt und dann erst den Wechsel oder die Trennung vollziehen.

Dabei vergessen wir, dass unser Fokus im Leben begrenzt ist. Wir können nicht täglichen mit etwas Negativem leben und nebenbei etwas Großartiges und Wundervolles aufbauen.

Man kann nicht in einer katastrophalen Beziehung leben und dabei in aller Ruhe eine wundervolle Beziehung nebenbei aufbauen. Wer ehrlich zu sich selbst und seinem Umfeld ist, trennt sich und macht dann erst Raum frei für eine neue Beziehung.

Und so ist es bei allem im Leben. Ein katastrophaler Job lässt uns gar keine Kraft, nebenbei und in akzeptabler Zeit unseren Traumjob zu bauen. Manchmal muss man kündigen und ist dann “frei” für etwas Neues.

Und so musste ich letztes Jahr lernen, dass unser Umfeld, also die Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen, eigentliche die geheime Macht sind, die uns formt … das Gute ist, wir können uns diese selbst aussuchen.