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Frag die, die es wissen

Wie ticken Jugendliche?

Wer das fragt, dem spuckt Google mit 165.000 Suchergebnissen ins Gesicht.

Auf den ersten Reihen: wohlgemerkt lauter Studien, die ManagerInnen, Eltern und Suchende lesen, um des heiligen Grals mächtig zu werden.

Den Nebenschauplatz Zuhause und Umfeld vergessen sie dabei.

Wer wissen will, wie und vor allem warum die Jugend so tickt, der braucht in erster Linie keine Experten, keine Studien und keine Glaskugel … der braucht einfach nur mal die Dialogfähigkeit mit der Generation “Oh Gott, diese Jugend”.

Also … wie ticken Jugendliche?

Frag sie, triff dich mit ihnen und hör ihnen zu, bevor du sprichst – aber überleg dir gute, wertschätzende und smarte Fragen.

Dann bist du der Experte, der bei Googles 165.000 Suchergebnissen nicht vor kommt und trotzdem mehr weiß als die Umfragebogen-Experten der heutigen Zeit.

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Wenn das Potential nur mehr entdeckt werden muss

Heute ist etwas passiert, dass mich sprachlos gemacht hat und wer mich kennt, der/die weiß … das ist echt nicht einfach 🙂

Ich war heute im Zuge meiner letzten whatchaSKOOL für dieses Jahr bei der NMS Herzgasse und zwar schon das 3. Mal in Folge.
Es ist eine Schule im Herzen des 10. Bezirks und ein wunderbarerer herzlicher Ort.

Die heutige whatchaSKOOL fand nicht wir die letzten Jahre im Turnsaal statt, sondern in einer Nachbar-Schule, da der Turnsaal aufgrund der hohen Teilnehmerzahl schon längst nicht mehr groß genug war 🙂

Es war eine meiner schönsten und wunderbarsten whatchaSKOOLs und eine, die mir zeigte: egal, wie schwierig es ist, wir müssen weiter an die Zukunft der Jugend glauben, denn diese sind es, die mit ihrer Energie und offenen Art das Zeug haben, für eine neue Weltordnung zu sorgen … sofern wir sie auf Augenhöhe behandeln.

Nun zu den Dingen, die mich sprachlos gemacht haben und ja, ich hatte nach der whatchaSKOOL Tränen in den Augen.

Alles begann damit, dass ich erfuhr, dass die Kids vor meinem Vortrag etwas vorbereitet hatten und es klang nach einem Geschenk oder einer Überraschung.
Ich freue mich jedes Mal sehr über Geschenke, doch diesmal war ich selbst nicht darauf gefasst, was da kommen würde.

Bevor ich los legte, betrat der Schulsprecher die Bühne und überreichte mir eine – von den Kids selbst gestaltete – Mappe mit ALLEN Stories der Kinder, die im Publikum anwesend waren.
Es waren über 150 Lebensgeschichten der Kinder, welche im Alter von 13 bis 16 waren und sie alle hatten mir einen handgeschriebenen Brief mit ihrer persönlichen Geschichte geschrieben. Wer sie waren, woher sie kamen und was ihre Lebensträume waren.

Es waren berührende Zeilen voller Zuversicht, Witz und lebensbejahender Energie.
Zeilen, die jeder erwachsene Mensch lesen sollte.

Diese Zeilen hatten sie als Dankeschön an das whatchado Team und mich verfasst und so hielt ich eine Mappe mit über 150 Lebensgeschichten dieser Kids in den Händen.

Als ich das Geschenk annahm und ich mich bedanken wollte, fiel mein Blick auf das Cover.
Sie hatten die Mappe „Das Handbuch der Lebensgeschichten“ getauft … als die Urspungsidee von whatchado.

Spätestens da konnte ich nicht anders und eine Träne kullerte meine Augen hinab.

Diese Kids hatten sich die Zeit genommen und in mühevoller und liebevoller Arbeit ein Geschenk geschaffen, welches unbezahlbar ist.
Ein Geschenk, welches Einen daran erinnert, wie sehr wir Großen doch das intrinsische Talent der Jugend vergessen.

Wenn Worte Leben verändern

Während meines Vortrages sprach ich ganz viel über Vorurteile. Über das Anders sein, egal ob wir Ausländern sind oder in den Augen anderer Menschen das falsche Geschlecht haben.
Ich sprach ganz viel über das Frauenbild, welches wir endlich ändern müssen und über die notwendige Gleichstellung von Geschlechtern.

Ich sprach mit den Kids über den Ursprung von Vorurteilen und was diese mit unserer Gesellschaft machen und wie sie uns auch manchmal die Jobchance verbauen.
z.B. wissen wir schon lange, dass Frauen in technischen Berufen oder in Führungsaufgaben den Männern um nichts nachstehen, bzw. teilweise überlegen sind und trotzdem haben wir das Problem, dass es immer noch Vorurteile gibt, die junge Mädchen sehr früh davon abhalten, diese Wege einzuschlagen.

Auch erzählte ich davon, dass ich selbst als Kind meinen Vornamen „Ali“ nicht cool fand, weil ich mich schämte, Ausländer zu sein und dass ich diesen heute jedoch extrem cool finde, weil z.B. auch einer der größten Boxer aller Zeiten, Muhammed Ali, mein Namensvetter ist 🙂

Eigentlich dachte ich ja, dass ich schon vor meinem Vortag das schönste Geschenk erhalten hatte, doch es ging weiter und zwar mit den wunderbarsten Überraschungen, die man sich vorstellen kann 🙂

Nach meinem Vortrag wurde die Bühne von einigen Kids gestürmt, die unbedingt Fotos und Selfies wollten.
Ein Junge kam zu mir und ich sah, dass dieser einen Pullover von Muhammad Ali anhatte. Bevor ich etwas sagen konnte, zog er diesen aus und sagte mir, er ist sehr stolz auf den Namen ALI und er möchte, dass ich seinen Pullover als Geschenk annehme. Er sagte, dass er weiß, dass mir der Pullover zu klein ist, doch er will unbedingt, dass ich diesen annehme.
Ich war so sprachlos und gleichzeitig gerührt, dass ich den Pullover dankend annahm und klarerweise seinen Fotowunsche mehr als gerne erfüllte 🙂

Danach kam ein Mädchen zu mir, dass mir erzählte, dass sie sich entgegen dem Rat ihrer Eltern jetzt doch für einen technischen Job entschieden hat und demnächst bei der ÖBB berufspraktische Tage macht. Sie sagte mir, dass sie in ihrer Familie eher dazu gedrängt wird „frauentypische“ Jobs zu machen und sie sich mit allen Mitteln dagegen gewehrt und auch endlich durchgesetzt hat.
Sie wollte sich bedanken, da unsere whatchaSKOOL ihr klar gemacht hatte, dass sie am richtigen Weg war.

Ich habe in den letzten Jahren viele NMS Schulen besucht und immer wieder habe ich gehört, dass diese einen hohen Migrantenanteil haben und dass der Unterricht dort unmöglich ist, weil die Kids nicht aufmerksam sind und die Lehrer nicht interessiert.

Wie unser Denken die Zukunft verändert

Wer das über NMS Schulen denken möchte, okay. Das werde ich nicht ändern können.

Doch wer daran glauben will, dass wir wunderbare Kids haben und LehrerInnen, die täglich gemeinsam an der Schule arbeiten, dem will ich sagen: willkommen in der Realität einer Welt, in der das, was wir durch Medien konsumieren, nichts mit der Realität zu tun hat.

Ich traue mich wetten, dass es niemanden gibt, der so breit und intensiv Schulen aller Stufen und Niveaus im In- und Ausland besucht hat, wie ich in den letzten Jahren und ich kann nur sagen: wer sich kein eigenes Bild macht, der glaubt letztendlich, wenn andere sagen „die Jugend will nicht und die LehrerInnen schon gar nicht“.

Wer sich die Mühe macht, die Augen aufmacht und die negativen Einzelfälle als das sieht, was sie sind – nämlich Einzelfälle – der wird verstehen, dass unsere Zukunft einen sehr guten Nährboden hat und einzig und allein davon abhängt, welche Zukunftschancen wir in sie hineinprojizieren.

Potentialentfaltung war noch nie so wichtig für unsere Zukunft wie heute und gleichzeitig finden wir Potentiale an jeder Ecke.

Interessanterweise kann ich nach all meinen Schulbesuchen eines mit Sicherheit sagen.
Je weniger eine Schule an materiellen Mitteln hat, umso eher überwiegt oftmals das Menschliche.

Und doch ist leider es der Mangel an materiellen Mitteln, der gerade diese Schulen in ihren Möglichkeiten bremst.

Danke an alle Schulen, die ich die letzten Jahren besuchen durfte.
Danke an die NMS Herzgasse für das heutige Weihnachtsgeschenk, welches ihr mir gemacht habt.

Ich trage es in meinem Herzen und freue mich auf nächstes Jahr bei euch!!
Ali

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Wissen entsteht an Grenzübergängen von Generationen

Mein erster Mentor (ohne dass er je eine Ahnung davon hatte) war Franz Kühmayer, ehemaliger Topmanager in der IT, heute erfolgreicher Berater und internationaler Keynote Speaker.

2011 wurde Johann “Hansi” Hansmann neben seiner Rolle als WHATCHADO’s erster Business Angel auch zu meinem Mentor und Freund. In die Runde der Mentoren, die auch Business Angels waren und Mentoren wurden, gesellten sich in den letzten 2 Jahren auch Brigitte Ederer (Ex-Siemens Vorstand HR), Claus Raidl (Präsident der Österreichischen Nationalbank) und Peter Püspök (Ex-Raiffeisen Niederösterreich Chef) hinzu.

Und seit einem Jahr ist auch Gerald Hüther, Autor und Neurobiologe, einer der Menschen, an den ich mich wende, wenn ich reflektierten Rat oder eine Meinung brauche.

Ohne meine Mentoren wäre ich meinen Weg bisher sicher holpriger gegangen, als es bis dato sowieso der Fall war 🙂

Erst Anfang diese Woche hatte ich wieder ein sehr inspirierendes Gespräch mit Hansi Hansmann und gestern auch eines mit Franz Kühmayer und gerade jetzt komme ich von einem Abendessen mit lieben Bekannten, von denen ich in diesen wenigen Stunden mehr über das Leben gelernt habe, als es je ein Buch geschafft hätte.

Diese drei Gespräche haben alle etwas gemeinsam und damit ist nicht nur gemeint, dass mich alle in meiner persönlichen Entwicklung einen Riesenschritt weitergebracht haben, sondern eine andere Tatsache, die mir mehr hilft, als ich dachte: Alle meine Mentoren und auch die Gesprächspartner, von denen ich am Meisten lerne, sind immer Menschen, die nicht in meinem Alter oder meinem Altershorizont sind.

Ich lerne am Meisten von Menschen, die mindestens 5-10 Jahre reifer oder mindesten 5-10 Jahre jünger sind als ich es bin.

Wenn ich z.B. mit Menschen spreche, die reifer sind als ich, merke ich sofort, wie wertvoll die Ansichten dieser Menschen sind, wenn sie die Jahre ihrer Erfahrung sprechen lassen. Jahre, die mir definitiv fehlen.

Jede Zeit und jede Epoche hat bei ihren Zeitgenossen Erfahrungen hinterlassen, die im Zuge eines Reflektionsprozesses wertvolles Wissen in sich birgt. Wissen, dass vielleicht für weitere Zeugen dieser Zeit nichts besonderes darstellt, aber für jemanden, der nicht aktiver Teil dieser Zeit war, ein Fundus an neuen Denkweisen beinhaltet.

Ein Gespräch mit jemanden, der 10 Jahre reifer oder 10 Jahre jünger ist als ich, bringt mir immer mehr als ein Gespräch mit einer gleichaltrigen Person. Der Grund ist einfach: jemand, der genauso wie ich 34 Jahre +/- wenige Jahre ist, lebt in der selben Lebenswelt wie ich. Diese Person hatte wahrscheinlich die selben Kindheitshelden wie ich, hat die selben Serien geschaut und ist mit den selben Geschichten aufgewachsen und hat den selben kulturellen Wandel erlebt so weiter.

Aber jemand, der fast eine Dekade entfernt ist (egal in welche Richtung), hat in allen oben genannten Bereichen ganz andere Inhalte erfahren.

Ich bin noch mit den Spice Girls, den Backstreetboys und mit David Hasselhoff als Michael Knight aufgewachsen und das war für mich das Normalste und ist es immer noch. Sehe ich mir aber an, dass die Helden der Kids heute One Direction heißen und aussehen wie Bubies, die frisch aus der Waschmaschine kommen, kann ich entweder den Kopf schütteln oder mir von einem Jugendlichen erzählen lassen, WAS daran so cool ist.

Anstatt über andere Generationen zu schimpfen, könnte ich doch durch den aktiven Austausch mit einem Zeitgenossen dieser Zeit darüber sprechen, was aktuell “hip” ist und mir erklären lassen, was denn daran ausschlaggebend ist.

Dies führt dazu, dass ich nicht mehr über eine Generation spreche, sondern mit! ihnen.

Das gilt sowohl für das Gespräch als auch für das Verständnis für “jüngere” und “reifere/ältere” Menschen.

Jede Generation hat ihre Erfahrungen und echtes Wissen und Verständnis für die Welt entsteht erst, wenn sich dieses mit dem eigenen vermischt.

Anstatt sich nur mit Gleichaltrigen zu unterhalten, sollten wir lernen, uns mit Menschen zu unterhalten – ungeachtet deren Alter und Generation. Schliesslich sind wir in unserem Leben alle mal “die Jüngeren” und “die Älteren”.

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Eine Geschichte über gute Menschen, die böse handeln

Ich war dreizehn Jahre alt, als ich eines Tages nach dem Fußball nach Hause kam und sie auf mich warteten.

„Sie“ waren eine Gruppe von immer fünf bis sechs Jugendlichen um die siebzehn bis neunzehn Jahre, die jeden Nachmittag zusammen „abhingen“ und jeden, der nicht genug Kraft hatte schikanierten.

Tja, mit dreizehn Jahren war ich nicht gerade der stärkste Junge der Gegend und an diesem Nachmittag fiel die Wahl wohl auf mich.

Ich weiß noch, wie ich die Straßenseite wechseln wollte, aber da niemand sonst in der Nähe war, fiel mein Versuch des Ausweichens natürlich auf.

Philipp, der Anführer der Bande, war immer etwas zwiespältig – manchmal winkte er nett rüber, die anderen Male war es der Mittelfinger, dem er einem entgegenstreckte.

Ich wusste nie, was ich von ihm halten sollte und das machte mir am meisten Angst.

An diesem Tag war er es, der mir den Weg abschnitt und mit typischen Floskeln begann, mich aufzuhalten.
Er fragte mich, ob ich eine Zigarette wolle, was ich verneinte, da ich nichts davon hielt.

Als mich alle Jungs umzingelt hatten, begannen mich alle zu fragen, ob ich eine Zigarette haben möchte.
Wieder sagte ich nein und ging einfach weiter, wurde aber recht unsanft durch einen Stoß gegen meine Schulter gestoppt.
Philipp sagte mir, dass ich lieber mal eine Zigarette probieren soll.
Um endlich meine Ruhe zu haben, sagte ich ihnen, dass ich halt eine haben will.
So schnell, konnte ich gar nicht schauen, hielten mich zwei der Jungs fest und Philipp rauchte sich eine Zigarette an und hielt sie mir zuerst zum Mund.
Mit mehr oder weniger schlechten Versuchen probierte ich diese, aber er zog sie schnell wieder zurück.
Wenige Sekunden später hat er mir die Zigarette mit den Worten „rauchen ist ungesund“ auf meinem Handrücken ausgedrückt und zwar so fest, dass ich mich heute noch an die Hitze des Feuers erinnern kann.
Irgendwann begann ich zu weinen und sie ließen mich los und gingen weg.
Ich traute mich nicht nach Hause, da ich nach Zigarette roch und meine Hand mir weh tat.
Zum Glück war Winter und ich tat etwas Schnee auf meine Hand, weil es so weh tat.
Zuhause gab ich mir mehrere Pflaster auf die Hand und sagte meinen Eltern, dass ich mich einfach in der Schule aufgekratzt hatte und daher die Pflaster habe.
Ich schwor mir, dass ich, wenn ich mal die Chance dazu bekommen würde, es Philipp zurück zahlen würde.
Für mich war er Feindbild Nummer eins und aufgrund meiner Wut konnte ich an nichts mehr anderes denken, als es ihm mal genauso gleich zu tun.
Im Nachhinein denke ich, dass kein dreizehn jähriges Kind sich in diesem Alter mit solchen Themen auseinandersetzen sollte, aber damals war es das erste, an das ich denken konnte, wenn ich wach wurde und das letzte, bevor ich ins Bett ging.
Im Sommer drauf starb Philipps Mutter.
Kurz darauf erfuhr ich die Geschichte hinter dem Tod seiner Mutter.
Als Philipp geboren wurde, verließ der Vater die Familie. Die Mutter, die viel zu jung war, begann mit den falschen Leuten Zeit zu verbringen und wurde drogenabhängig.
Seit seinem 13 Lebensjahr war Philipp mehr oder weniger der Einzige in der Familie, der sich um seine kleine Schwester kümmerte, die damals 2 Jahre jünger war als er.
Als seine Mutter nicht mehr fähig war, für die Familie zu sorgen, kamen sie zur Großmutter, die selbst nicht mehr ganz fit war.
Philipps Schwester wurde später auch drogenabhängig und und kam zu einer Pflegefamilie und dann in Behandlung.s
Der Vater, der nach seiner Geburt weggelaufen war, kam zwar zurück, aber als er sah, in welchem Zustand die Familie ist, sagte er der Mutter, dass er froh ist, dass er damals abgehaut ist.
Als er das tat, waren Philipp und seine Schwester ebenfalls im Raum.
Als ich diese Geschichte hörte, war mein ganzer Hass weg.
Ich wusste nicht warum, aber plötzlich tat er, der mir weh getan hatte, so sehr leid, dass ich für ihn da sein wollte.
Mir war es egal, was mir angetan wurde, weil ich plötzlich nachvollziehen konnte, warum dies passierte.
Nach dem Tod seiner Mutter habe ich Philipp nur mehr vereinzelt gesehen und wenn, war er nur mehr ein Schatten seiner selbst.
Im Leben sehen wir Handlungen von Menschen und bilden uns ein, diese Menschen verurteilen zu dürfen.
Dafür, dass sie Dinge tun, die „nicht normal“ oder „nicht logisch“ sind oder wir unterstellen ihnen, dass sie „nicht menschlich“ sind.
Kein Mensch wird als böse geboren … es sind die Erfahrungen unserer Umwelt, die uns zu dem machen, wie wir zu anderen sind.
Was ich damals gelernt habe ist, dass ich keinen Menschen – egal wie hart dieser zu mir ist – dafür verurteilen darf, WER die Person ist.
Ich darf zwar Handlungen dieser Person verurteilen und beurteilen, aber niemals die Person selbst.
Schließlich wissen wir alle nicht, welche Steine einen Weg bisher gepflastert haben.
Wir verurteilen schnell mal Menschen, wegen Dingen, die sie tun und setzen diese Handlung mit der Person selbst auf eine Ebene.
Gleichzeitig vergessen wir aber, dass alle Handlungen, die passieren, immer durch das Weltbild dieser Person gelenkt werden – und es kann oft sein, dass dieses Weltbild durch Geschehnisse geformt wurde, die für diese Person kein anderes Handeln zulassen.
Philipp, und das denke ich mir oft, war sicher nicht stolz auf seine Taten und er wird es heute immer noch nicht sein.
Aber, wenn man bedenkt, was dieser Junge damals durchgemacht hat, kann man nur etwas zurück steigen und ihm alles Gute für seine Zukunft wünschen.