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Small is beautiful – Kapitelauszug aus “Und Was Machst Du So?”

Hier eine Kostprobe meines Buches “Und Was Machst Du So?” und zwar eines meiner Lieblingskapitel “Small is beautiful”.


Wachstum um des Wachstums Willen ist dein Grab

Die Natur wächst und vergeht – und der Mensch als Teil von ihr auch. Unternehmen werden von Menschen gebaut. Sie sind unser kreativer Beitrag zur Natur. Warum können wir nicht akzeptieren, dass es auch für ihr Wachstum Grenzen gibt? Vom Philosophen und Umweltaktivisten Leopold Kohr stammt der Ausspruch »Small is beautiful«. In seinem Buch „Das Ende der Großen. Zurück zum menschlichen Maß“ beschreibt er, dass alle Dinge, die wir erschaffen, eine organische Wachstumsgröße haben. Wenn sie überschritten wird, gleitet unsere Schöpfung ins Chaos über. Wir können sie nicht mehr beherrschen. Kohr bezieht diese Theorie auf Nationen und Unternehmen. Wir leben in einer Zeit, in der wir dieses Phänomen gut beobachten können. Viele große altehrwürdige Konzerne und Institutionen kranken und werden von wendigen, kleinen Einheiten links und rechts überholt.

Was macht dieser Wunsch immer weiterzuwachsen, mit uns Menschen?

Macht es uns glücklich? Ich habe viele finanziell sehr erfolgreiche Menschen kennengelernt. Doch Glück und Zufriedenheit haben die wenigsten ausgestrahlt. Die meisten waren innerlich unruhig und getrieben. Ich habe auch kaum einen Chef erlebt, der sich mit dem Wachstum seines Unternehmens zufrieden gab und sich für das kommende Jahr die gleichen Ziele wie für das laufende gesetzt hat. Die simple Rechnung dahinter ist: Mehr Personal, mehr Kosten, mehr Umsatz. Deshalb müssen wir in den Himmel wachsen. Und dabei geben wir Jahr für Jahr die Möglichkeit, unsere Entwicklung zu steuern, aus der Hand.

Unter Druck entstehen Diamanten

Die Maxime, ständig zu wachsen, entfacht einen unheimlichen Druck auf die Verantwortlichen und die Mitarbeiter. »Unter Druck entstehen Diamanten«, sagte mir mal ein Vorstand. Aber Menschen sind keine Steine. Druck setzt für einen kurzen Zeitraum Kräfte frei und lässt uns Aufgaben zu Ende bringen, die wir sonst nicht erledigt bekommen hätten. Hält sich dieser Zustand über einen längeren Zeitraum konstant auf einem hohen Level, dann verwandeln sich die erzwungene Kreativität und Schaffenskraft in Versagensangst. Dieser Dauerdruck ist eine Art von negativem Stress, der krankmacht.

Starker Druck von außen bringt uns dazu, ein Tempo zu laufen, das nicht das unsere ist. Deshalb sollten intrinsische Zielsetzungen die Zukunft der Führung sein. Wenn man selbst beginnt, sich Ziele zu setzen, die dem eigenen geistigen und körperlichen Vermögen entsprechen, ist es weniger wahrscheinlich, aus dem Ruder zu laufen. Legen wir aber den Fokus auf Zielsetzungen, die nur von außen festgelegt werden, laufen wir Gefahr, in einem Hamsterrad zu landen, dessen Betrieb wir nicht mehr stoppen können.

Manche Selbständige und kleine Familienunternehmen haben das erkannt. Sie nutzen die Freiheit, die ihnen ein flexibles Arbeitsumfeld bietet, und stellen andere Attribute in den Vordergrund. Zusammenhalt, Kostendeckung, Nachhaltigkeit. Niemand muss auf Teufel komm raus jedes Jahr um 10 Prozent wachsen, nur weil es der Markt so will.

Schrumpfkur? Fehlanzeige.

Bei Sun Microsystems habe ich diese Spirale von ihrer bittersten Seite kennengelernt. Wir hatten gerade ein schlechtes Jahr hinter uns gebracht. Und waren nur froh, dass es vorbei war. Wir standen knietief in den roten Zahlen. In der Zeit, als ich dort arbeitete, glaubte das Unternehmen noch an einen Turnaround. Ein CFO – Chief Financial Officer – wurde angeheuert, der weiter versuchte, die Zahlen zu optimieren, und hier und da ein paar Anpassungen vornahm. Währenddessen hatten HP und IBM begonnen, die besten Leute abzuwerben. Die Stimmung war im Keller. Bei jedem Strategiemeeting erklärten internationale Manager, wie es wieder aufwärts gehen und um wie viel Sun im nächsten Jahr wachsen werde. Nämlich mindestens schneller als der Markt. Branchenanalysen gingen von 13 Prozent Wachstum aus. Wir wollten 14 schaffen. Wir Mitarbeiter wussten, wie weit diese Träume von der Realität entfernt waren. 14 Prozent? Wir hatten massenhaft Kunden und Talente an die Konkurrenz verloren und hätten dringend neue Perspektiven gebraucht. Ein erster Schritt wäre gewesen, sich gesundzuschrumpfen. Eine Schrumpfkur von 14 Prozent wäre angebracht gewesen.

Die Wachstumsillusion

Bei heutigen Startups läuft diese Wachstumsillusion ähnlich ab. Sie bekommen zu Beginn ein fettes Investment und wollen mit dem fremden Geld in den Himmel wachsen. Platz 1 der Download-Charts. Mindestens. Fragt man nach dem Warum, gibt es keine Antwort. Bei 95 Prozent der jungen Unternehmen geht es nicht um Problemlösungen, auch wenn das auf den Visitenkarten steht, sondern um Wachstum. Höher, schneller, weiter. Am besten quer in eine Branche hinein, deren aufgeblähte Struktur hunderttausende Jobs sichert.

Wachstum funktioniert auf Kosten der Qualität und entfernt den Gründer weit von seinen anfänglichen Zielen. Das ist so, als würde ich meinem zukünftigen Sohn sagen: »Du bist 1,80 Meter groß. Super. Jetzt schauen wir, dass wir dich auf 1,90 Meter bekommen, damit du besser im Basketball wirst.« Dann träufele ich ihm Wachstumshormone in die Frühstücksflocken, und er wächst. Nur dass seine Knochen porös werden, die Arterien verstopfen und er kaum mehr geradeaus laufen kann, geschweige denn Basketball spielen.

Neue Kleidung, neue Schminke, neue Sneakers

Diese Illusion zerrüttet unsere Gesellschaft und unser Miteinander. Alle wollen immer schöner, immer größer, immer besser werden. Sie kaufen Apps, die ihnen helfen, ihr Körperfett runterzutrainieren. Sie kaufen jede Woche neue Kleidung, neue Schminke, neue Sneakers. Weil die Mode plötzlich 52-mal pro Jahr neue Trends vorgaukelt. Dieser Wachstumswahnsinn wird uns noch das Leben kosten und höhlt jetzt schon unsere Natur und unsere Umwelt aus.

Es geht aber auch anders

Ein Startup mit Schwerpunkt auf Medizintechnik für Kinder hatte in den ersten beiden Jahren phantastische Umsätze. Deshalb haben sie Personal eingestellt. Einer der Gründer hat sich hingesetzt und die Kosten durchgerechnet. Er erkannte, dass bei der aktuellen Konstellation ein weiteres Wachstum in dieser Größenordnung nicht zu erwarten ist. Er hat intern durchgeboxt, dass die Planung berücksichtigt, dass das Startup im dritten Jahr nicht wachsen würde. Die Gründer haben die Hälfte der Belegschaft gekündigt, obwohl sie keine Zahlungsprobleme hatten, und sich eine Strategie überlegt. Ihre Fragen waren: Müssen wir um jeden Preis wachsen? Steigert sich unsere Lebensqualität, wenn wir in zehn Jahren tausend Mitarbeiter haben? Es zerreißt uns vor Arbeit. Was ist der Zweck, dass wir uns aufopfern? Sie entschieden, dass sie Umsätze und Mitarbeiter haben wollten, aber auch Zeit für ihre Familien und eine nachhaltige Entwicklung. Daran haben sie die Umsatzziele angepasst. Sie sind gewachsen, aber nur auf dreißig Leute. Der Plan ist aufgegangen. Dem Unternehmen geht es gut.

Wachstumsstreben gibt ein Tempo vor, das kaum mehr zu drosseln ist.

Hat man seinen Investoren einmal versprochen, diese und jene Zahlen zu erreichen, dann ist der Kurs nur sehr schwer zu korrigieren. Dass ich bei whatchado die ersten drei Jahre dieses Spiel mitgespielt habe, war einer meiner größten Fehler. Niemand zwang mich mit vorgehaltener Waffe dazu, und doch war ich ein Getriebener. Dafür kann ich niemandem außer mir selbst die Schuld geben.

Mein Leben lang habe ich gedacht, ich will dieses »höher, schneller, weiter«. Und dann bist du in einem Affentempo an einem Punkt, der dich körperlich und psychisch an deine Grenzen bringt, und fragst dich: »Muss das denn so sein?« Und da hat es bei mir zu rattern begonnen, ob ich langfristig der richtige CEO für whatchado bin. Wachstum ist wichtig, nur eben nicht, wenn es künstlich die Grenzen sprengt. Seien es die des Unternehmens oder die eigenen, die man als Mensch gerne mal übersieht.

Mittlerweile bremse ich, bevor solche Entscheidungen überhaupt anstehen, und erkläre den Investoren, weshalb ich permanentes Wachstum auf hohem Tempo für schädlich halte. Das Schöne ist, dass unsere Investoren – entgegen dem Trend – Nachhaltigkeit vor bedingungsloses Wachstum stellen und wir uns auch deshalb so gut verstehen. Wenn Startups mich als Berater engagieren, und sie schaffen es nicht, mir schlüssig zu erklären, weshalb sie so dramatisch wachsen wollen, wie sie es auf ihren PowerPoint-Folien präsentieren, dann können sie mich in dieser Sekunde von ihrer Mentorenliste streichen.

»Das gefällt den Investoren«, gilt übrigens nicht als Argument.

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Da stimmt doch was nicht

Es ist 5:30 in der früh.

Ich scrolle in meinem Instagram Feed und entdecke wieder mal einen StartUp Superstar, der ein Foto von seinen zwei neuen Rennautos in der Garage postet.
Darunter Hashtag #workhardplayhard.
Eigentlich nichts aussergewöhnliches.

Der Lauf in die Realität

Gegen 6:00 laufe ich den Wiener Donaukanal entlang – bis auf ein paar Enten, einen Fischer und zwei weitere Läufer, bin ich einer der Wenigen, der die Morgenluft genießt.

Unter einer Brücke sehe ich von Weitem etwas liegen.
Bei genauerem Hinsehen ist es ein Jemand. Ein Mann. Eingewickelt in eine Decke.

Eine Person, die die ganze Nacht auf einer Decke unter der Brücke verbracht hat. Unfreiwillig.

Er lag auch schon gestern und auch schon letzte Woche dort. Morgens packt er seine Sachen, versucht den Tag rüberzubiegen und begibt sich Nachts wieder an „seinen“ Schlafplatz, dem ihm keiner neidig ist – soviel ist Gewiss, auch ohne ihn zu fragen.

Vor zwei Monaten war ich in Wien in einer Schule, in der mir eine Lehrerin erzählte, dass es nicht genug Geld für Lehrmaterialien gibt und private Spenden dabei helfen, Bücher und etwaige Dinge zu finanzieren.

Sie erzählte mir zudem, dass es Eltern gibt, die vorne und hinten nicht wissen, wie sie ihr Leben finanzieren sollen.
Von was ich schreibe passiert in Wien, nicht in (Bitte hier Namen eines Katastrophengebietes eintragen).

Living in a bubble #workhardplayhard

Die letzten fünf Jahre habe ich in einem „höher, schneller, weiter“-Umfeld verbracht, der StartUp Welt.
Manche nennen es eine Ausprägung des Turbokapitalismus – interessanterweise einer Sache, die mir vor dieser Zeit zutiefst wider war und immer noch ist.

Hier geht es im Grunde darum, mit dem Geld fremder Menschen so schnell wie möglich “etwas Großes” aufzubauen und alles diesem “großen” Ding unterzuordnen. Sei es das Familienleben, Freundschaften, die innere Stimme, etc. Es wird geduldet, sogar beklatscht, dass man teilweise am Rande seiner Möglichkeiten agiert und immer noch eins drauf setzt.

Es heißt, dass es am Ende des Tages immer um die Gesellschaft geht. Für Unbedarfte hört es sich an, als ginge es um die Menschen. Kenner wissen, es geht zumeist um einen kleinen Teil der Leute, die am Meisten vom Verkauf des Unternehmens profitieren.

Ach ja, habe ich es nicht erwähnt? Das Ziel von der aktuell gelebten StartUp Thematik ist der Verkauf des Unternehmens. Zuerst spricht man davon, etwas “Großes” aufzubauen, dann dass man eine tolle Company will und das nachhaltig. Und dann zählt es als großer Sieg (“man hat es geschafft”), wenn man das Ganze hernimmt und einem Konzern verkauft, der die junge Pflanze in seinem Apparat eingliedert. Klarerweise nicht gleich, sondern so nach ca. 3-5 Jahren.

Ja, das ist Erfolg. Für wie viel reingestecktes Geld bekomme ich einen Return?

Was ist schlecht daran, Geld zu verdienen?

Absolut nichts, ich mag Geld sogar sehr und ich denke, dass es Möglichkeiten schafft.
Ich denke nur, dass wir in der aktuellen Lage den Fokus auf wie wir Business machen und feiern und das Gesamtbild unserer echten Gesellschaft und die Welt unser Kinder nicht in Relation stellen.

Ich denke, dass nachhaltiges und langfristiges Denken für unseren Planeten und der aktuelle Return-Gedanke sich im Weg stehen. Und zwar massiv.
Ja, ich denke, dass beides Hand in Hand funktionieren kann – zeitgleich sehe ich aber, dass es unsere Denkweisen blockieren.

Warum nicht mal wieder etwas “Echtes” anstreben?

Tolle Unternehmen, die es seit Jahrzehnten gibt, die von Familie zu Familie weitergereicht wurden, könnten im Verständnis der jetzigen StartUp Kultur unmöglich überleben. Es gilt nicht mehr als Erfolg, wenn man ein Unternehmen seit 20 Jahren besitzt, sondern es zählt, wer in kürzerer Zeit über eine Milliarde wert ist. Ungeachtet dessen, was das Unternehmen produziert und wie es damit wirkt.

Zu wichtig ist das Streben nach Maximierung von Anteilen und Returnausschüttungen.

Denen, denen es gut geht – und damit meine ich auch mich – muss bewusst sein, dass es in unserer Welt eine grobe Problematik namens Ungleichheit gibt, die sich darin zeigt, wie Ressourcen und Mittel verteilt sind.

Der “höher, schneller, weiter”-Gedanke der letzten Jahre fördert jedoch kein Miteinander und keine Gesellschaft des Teilens, sondern eine der Verdrängung und des “Nummer 1” seins. Auch wenn dies bedeutet, dass damit einhergehend irgendwer anderer eben der Verlierer ist. Selbst will man das ja nicht sein.

Wer oben ist, der gewinnt und am Weg dahin, will man ja nicht daran denken, jemals zweiter zu sein.

Wer sich Zeit nimmt und die Welt beobachtet, ist sich einig: es benötigt einer Umverteilung und hier dürfen und können wir nicht warten, bis diese die Politik in die Hand nimmt.

Ich denke, Teilen bedarf eines neuen Mindsets und zwar einem, dass das eigene Tun mit einer gesellschaftlichen Komponente verbindet.

Unser Tun und unser Handeln darf langfristig nicht mehr mit einem reinen „Return“-Gedanken verbunden sein.

Die Welt und deren Spaltung, die wir sehen, beruht unter Anderem darauf, dass die, die etwas haben, nicht mit anderen teilen, ohne an „ihren Return“ zu denken.

Unternehmertum und Ansammlung von Wohlstand ist gut

Ja, es ist gut, dass Unternehmertum aktuell gefördert wird.
Ja, es ist gut, dass wir Menschen dazu bringen, ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Und ja, ich werde mich auf jede Bühne stellen, um Entrepreneurship und Unternehmertun zu predigen.

Gleichzeitig sehe ich auch, dass die meisten StartUps der letzten Jahre im Großen und Ganzen keine Probleme unserer Gesellschaft lösen, sondern rein unseren Komfort verbessern wollen und zwar für die, denen es schon gut geht (ist Auslegungssache … wer reflektiert ist, versteht was ich meine).

Der hundertste Essenslieferdienst in Wien führt nicht dazu, dass wir eine bessere Gesellschaft haben, wenn gerade die halbe westliche Welt an Fettleibigkeit leidet und die andere verhungert.

Die tausendste „ich finde des besten Parkplatz“ App hilft im Alltag für die mit Autos, wird aber wohl weniger dazu führen, dass unsere Welt sich in zehn Jahren nach vorne entwickelt hat.
(Ich persönlich denke ja, dass Parkplatzknappheit eine Riesenchance ist, dass mehr Menschen auf kleinere oder keine Fahrzeuge umsteigen – eine Parkplatz Such-App bewirkt ja genau das Gegenteil :).

Bin ich wütend? Ja.
Bin ich verwirrt? Ja.

Was ich nicht verstehe

Wir leben in Zeiten, in denen durch das Internet Wissen fast kostenlos ist, Unternehmen gedeihen können und die hellsten und smartesten Köpfe zusammenkommen.

Und anstatt dass die hellsten Köpfe unserer Zeit sich der wahren Ursachen der Probleme unserer Welt annehmen, wird dieses Potential darin investiert, den nächsten Hockeystock und das nächste Unicorn zu finden.

Beides Anzeichen für radikalen Wachstum auf Kosten „der Company“ – was zählt, ist das nächste große Ding. Oft wird dann auch gepredigt, dass die armen StartUps ein Hochrisiko leben.

Ja, das stimmt, sie leben im Riskio … nur zumeist mit geborgtem Geld anderer Menschen, dass sich hinter Wörtern wir Seed-Round, A-Round, etc. verbirgt.

Wir leben in gedanklichen Blasen

Gestern sprach ich mit einer Freundin, die an der „3. Mann Tour“ teilgenommen hatte. Einer Tour, die den Teilnehmer in die Kanalisation Wiens führt.
Sie erzählte mir, dass tägliche hunderte Kanal-Mitarbeiter sprichwörtlich “die Scheisse von den Wänden abkratzen”. Wie hoch die Gefahr von Infektionen ist will ich gar nicht wissen. Aber das ist echtes Risiko und zwar im Sinne einer Gesellschaft, die sich keine Gedanken machen muss, wo ihre Toilettgänge verschwinden.

Sehe ich mir Wien an, sehe ich, dass wir alles haben:
1. Habe ich Durst, trinke ich aus der nächsten Wasserleitung.
2. Breche ich mir die Hand, kann ich in das nächste Spital.
3. Denke ich, die Politiker spinnen, gehe ich vor das Parlament und schreie es laut und niemand buchtet mich ein und
4. wenn ich als angestellter Mitarbeiter arbeitslos werde, gibt es ein System, dass mich eine Zeit lang auffängt.

Ja, wir leben im Paradies! (wer mir jetzt kommt mit “aber wir müssen schauen, dass es auch so bleibt” -> behaltet euch den Gedanken, das ist die Standardausrede für Ego-getriebenes Verhalten. Das habe ich als Flüchtling schon vor 20 Jahren gehört und seitdem wurde Wien immer besser).

Also, wo war ich? Ach ja, wir leben im Paradies!

Gleichzeitig driftet die Schere zwischen oben und unten auseinander und wer ein Unicorn hat, der ist ganz oben.
Erst danach wird von überlegt „der Gesellschaft etwas zurück zu geben“.

Die “Giving back” Selbstlüge – eine Milderung des schlechten Gewissens

Witzigerweise ist es fast die selbe Wortwahl und im selben Zyklus, wie ich diese in den letzten Jahren von vielen (nicht allen) Konzernen gehört habe, die ihre Weste weiß waschen wollen. Eine Weste, deren Helligkeit verloren ging, als ein verrücktes Wachstumsdenken auf Kosten andere einsetze und sie dazu führte, dafür belohnt zu werden.

Was hier passiert ist folgender Gedanke, den ich dieses Jahr schon zweimal von CEOs von Wachstumsunternehmen gehört habe: “egal wen oder was ich ausquetsche, damit mein Unternehmen erfolgreich wird. Wenn es mal so weit ist ncah dem Exit, geb ich eh was zurück.”
Aha … solange ich später mal was “Gutes” tue, kann ich bis dahin auf alles pfeiffen.

Auch okay, oder?
Da rennt doch was falsch?

Gründe und löse ein Problem

Bei der Gründung von whatchado wollte ich immer ein Problem lösen. Eines, das sich Orientierungslosigkeit bei Kindern nennt und welches langfristig zu Jugendarbeitslosigkeit führt und die Gesellschaftsspirale nach unten dreht. Mit der whatchaSKOOL haben wir gestartet, weil wir nicht zusehen wollten, wie die Zukunft unserer Jugend aufs Spiel gesetzt wird.

Wir haben Investment bekommen. Ja, das stimmt.
Zeitgleich ich hätte mich 2011 niemals getraut, einem Investment zuzustimmen, wenn wir nicht bis dahin ca. 60.000 EUR zugesicherten Umsatz gehabt hätten und bewiesen hätten, dass wir

  1. ein ECHTES! Problem lösen und
  2. ein Model gefunden haben, mit dem wir uns selbst erhalten können und das nachhaltig

Denke ich, dass etwas nicht stimmt.
Ja, das denke ich und zwar von Tag zu Tag mehr.

Zurück in meiner Realität

Es ist ca. 7:20.

Ich nehme mein Handy, klicke wieder auf Instagram und suche nach dem Hashtag #workhardplayhard: 3,169,820 Treffer.
Ich suche nach dem Hashtag #givingback: 526,391 Treffer.

Instagram ist nicht repräsentativ für unsere Welt, zeitgleich stellvertretend für ein Blitzlicht unserer Gesellschaft und ihrer Werte, in der 6-mal so viele Menschen ihre Botschaften mit “höher, schneller, weiter” versehen als mit der Botschaft, etwas zurück zu geben.

Geben, dessen Verlust mir nicht weh tut

Ich komme Heim, dusche mich. Ich denke an den Mann unter der Brücke.

Ich ziehe mich an, gehe zurück und stecke dem Mann unter der Brücke etwas Geld zu.
Geld, dass ich wahrscheinlich für den nächsten Kinobesuch oder den Aperol Spritz an einem Sommerabend sowieso ausgegeben hätte.
Geld, dass mir nicht weh tut, wenn es jemand anderer hat.

Es wird nicht sein Leben ändern, ihm aber vielleicht einen würdigen Vormittag ermöglichen.

Was wir auf der Welt nicht (noch mehr) brauchen ist #workhardplayhard.
Was wir endlich mal brauchen ist #sharingWithoutACause.

Das ist das, womit meine Kinder aufwachsen sollen. Miteinander, nicht gegeneinander.

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Der Businessplan, der Feind im Bett eines StartUps

Diese Woche war ich bei einer Podiumsdiskussion der TU Wien zum Thema StartUps und ein wichtiger Part davon war auch die Frage nach dem Businessplan, welchen man differenziert betrachten muss.

Nach der Diskussion, und das ist eine meiner Lieblingsparts an meinem Job, gibt es Studenten, die zwecks Fragen auf mich zukommen und mit denen ich dann über ihre Idee, Bedenken und Hoffnungen spreche.

Eine Sache, die mir immer wieder unterkommt, ist die Frage nach dem Businessplan. Immer wieder höre ich “ja, an dem arbeiten wir schon seit einigen Wochen und bis Ende (Wunschmonat eintragen) ist dieser fertig.”

Wenn ich nachfrage, wie es mit Prototypen, Usertests, Gesprächen mit potentiellen Kunden, etc. aussieht, ernte ich starre Blicke und den Verweis, dass man eben noch auf den Businessplan wartet.

Versteht mich nicht falsch.

Ich habe nichts gegen Businesspläne, im Gegenteil: ohne diese ist eine vernünftige Planung nicht möglich.

Das ist in etwa wie eine Schiffsfahrt, auf der ich ohne Karte und geplante Route unterwegs bin. Irgendwann geht einem der Sprit aus, ohne dass man am Ziel angekommen ist und auch die eigene Mannschaft kann sich wenig ins Zeug legen, wenn sie keine Ahnung hat, wohin die Reise geht.

Dieser sollte beinhalten, wie sich das Business auf einen geplanten Zeitraum entwickelt und alle Parameter beinhalten, die die Schrauben dieser Maschinerie darstellen.

Also: Businesspläne sind wichtig!

Aber! Steht man am Anfang einer Idee, muss einem klar sein, dass der Businessplan einem Blick in die Schneekugel gleicht. Egal, was man da reinschreibt, man hat keine Ahnung, ob das auch nur annähernd stimmt,

Mit anderen Worten: Wenn ich anfangs nur eine Idee habe, aber keine Erfahrungswerte habe, muss mir bewusst sein, dass der Businessplan ein Gedankenexperiment ist, dass beim ersten realen Eingriff der Aussenwelt endet.

Ja, der Businessplan endet beim ersten Kunden.

Im Grunde bedeutet das, dass jedes StartUp – welches ohne Erfahrung startet – den Businessplan auf jeden Fall durchdenken muss, aber für diesen nicht mehr als ein langes Wochenende einplanen sollte.

Man sollte sich die Zeit nehmen, einmal über das ganze Vorhaben nachzudenken und dieses abzubilden, aber sich gleichzeitig bewusst sein, dass dies nur wage Annahmen sind, die wahrscheinlich nichts oder wenig mit der Realität zu tun haben.

D.h. für alle ohne Erfahrung, die etwas starten wollen: anstatt Wochen und Monate mit dem Businessplan zu verbringen, verkürzt diesen Vorgang auf wenige Tage und beginnt mit etwas, dass euch echtes Feedback und echten Mehrwert bringt:

  • baut einen Prototypen
  • redet mit potentiellen Kunden
  • redet mit potentiellen Usern
  • sprecht mit potentiellen Partnern
  • präsentiert eure Idee auf Events vor fremden Personen
  • NICHT! mit Eltern, Freunden, Bekannten sprechen … die werden euch immer sagen, wie super alles ist

Egal, was ihr tut … bleibt nicht in eurer Wohnung sitzen und denkt, dass ein Excel-Sheet euer Business startet.

Ihr müsst raus und etwas tun, damit ihr auch Feedback erhaltet. Jeder Schritt der Anfangsphase sollte dazu dienen, euch zu zeigen, wie ihr euch verbessern könnt und wo ihr absolut nichts verloren habt.

Lernt, euch eine dicke Haut zuzulegen, weil echtes Feedback verdammt weh tun kann, aber das Einzige ist, dass euch weiterbringt.

Erfahrene Investoren schätzen Prototypen, Kundenfeedbacks und erste Market-Fit-Ergebnisse mehr als jeden Businessplan, der oft nur überzogenes Wunschdenken ist.

… zumindest die ersten zwei Jahre – danach sollte man sein Business schon so sehr kennen, dass man die Zukunft in Pläne gießen kann. Und das kann dann sogar ein richtig schönes Excel Sheet sein.

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Das Gefühl, die eigene Ideen in Händen zu halten

Ich wurde heute von einer Studentin, die kurz davor steht, ihr eigenes Ding zu starten, gefragt, wie es sich anfühlt, wenn aus der eigenen Idee ein Produkt entsteht, dass dann wirklich “real” existiert.

Das war in etwa meine Antwort:

“In unserem täglichen Leben halten wir nur selten inne und reflektieren die Wunder, die um uns herum passieren.
Wir laufen und versuchen, Meter um Meter zu machen, um dann festzustellen, dass wir noch immer zu langsam sind.
Manchmal scheint mir, als hätten wir vergessen, stolz auf uns zu sein.

Und dann gibt es Tage und Momente, die einem vor Augen führen, dass Motivation eine innere Kraft ist, die sehr viel mit Überraschungen der eigenen Umgebung zu tun hat.

Der Tag, an dem man sein eigenes Produkt in den Händen hält, ist ein magischer Augenblick, der all die Tränen und investierte Energie der Vergangenheit wieder ausgleicht.
Es ist ein Augenblick, auf den man hingearbeitet hat und wenn dieser da ist, bleibt die Welt kurz stehen.

Sein eigenes Produkt in den Händen ist zu halten ist … ja, es ist, als würde man aus einem Traum erwachen, der hoffentlich niemals enden wird.”

Leute, niemals aufhören, an die eigenen Ideen zu glauben … immer akzeptieren, dass diese realer sind, als wir anfangs glauben.

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365 Chancen und die Bereitschaft, sich zu blamieren

Jahreswechsel 2014 auf 2015 … Silvester, Neujahr, xxx … you name ist.

Der Sprung der Minutenzeigers auf 60 oder auf 00 (Auslegungssache) ist jedes Jahr wieder eines der Highlights von Menschen aller Welt. Auch wenn nicht alle zur selben Sekunde aufschreien, so ist sich doch die ganze Welt darüber einig, dass es Zeit für ein neues Jahr wird … egal wie “geil” oder “schrecklick” das vorige war.

Es wäre wohl vermessen zu behaupten, dass jetzt “endlich” alles besser wird … sei es durch zehn Neujahrsvorsätze, von denen man dann neun bricht und beim zehnten sich vornimmt, dieses sicher nächstes Jahr umzusetzen oder durch den Irrglauben, dass sich 2015 die Erde sicher anders dreht als die Jahre zuvor.

Der Jahreswechsel ist in den Köpfen von uns Menschen dem indischen Gott Ganesha (http://de.wikipedia.org/wiki/Ganesha) gleichzusetzen … dem, der für Neuanfang steht. Der, der dabei ist, wenn wir Menschen unser Leben umkrempeln, von heute auf morgen in andere Städte ziehen, eine Beziehung beenden und eine andere anfangen und auch der, der dabei ist, wenn wir beschließen, jetzt doch ins Fitnesscenter zu gehen.

Geht es um Neuanfänge, setze ich eher auf die indische Gottheit als auf den “3-2-1-Happy-New-Year” Counter … verleitet letzteres doch dazu, alles was auf Neuanfang deutet, auf den einen letzten Termin im Jahr aufzuschieben, wogegen der indische Bro Veränderung auch unterjährige supportet.

Ob Ganesha, Silvester, Horoskope … Neuanfänge braucht (manchmal) jeder, einige freiwillig, andere … tja, eben nicht.

Neuanfang ohne Reflektion auf das Alte kann funktionieren, wird auch funktionieren … will man aber nicht die selben Pfade wie bisher treten, ist ein Blick auf die bisherigen Fussstapfen notwendig – ja drängt sich sogar richtig auf, will man wirklich “neu” beginnen.

“Warum war ich bisher nicht glücklich”, “was hat mich zurückgehalten”, etc. – lauter Fragen der Vergangenheit, deren Antworten man schon seit Ewigkeiten mit sich selbst rumträgt.

Reflektion

Reflektion ist die Zeit, in der man die Zeit auch arbeiten lässt … für sich selbst.
Reflektion ist, wenn man bereit ist, sich damit auseinander zu setzen, warum man “scheisse” gebaut hat, obwohl man doch eigentlich nichts schlimmes vorhatte.
Reflektion ist, sich einzugestehen, dass man eigentlich nichts weiß, nie etwas gewusst hat, aber sich selbst zu unsicher war, dies einzugestehen.
Reflektion ist, sich vor Augen zu führen, welche Meilensteine erreicht, welche Drachen besiegt und welche Burgdamen gerettet wurden – es ist das “sich darüber klar werden”, wie viel man weitergebracht hat, obwohl alle um einen herum nur die Pfützen sehen, während “ja eh” die Sonne scheint … halt nur hinter den Wolken.
Reflektion ist, die Waage, die sich Leben nennt, mit all den Dingen aufzufüllen, die sich ausgleichen – mit den guten und den lehrreichen.

365 Chancen

Ich sitze gerade in Barcelona auf einer Anhöhe und blicke seit Tagen aus meinem Zimmer auf die Stadt und das Meer hinab. Das Glück, die Sonne auf meiner Seite zu haben, ermöglicht einen Ausblick, wie man ihn zum Jahreswechsel in Europa wohl nicht vermutet hätte.

Das letzte Jahr hatte – oh Wunder – nur 365 Tage, bot mir aber 365 Möglichkeiten, mich selbst zu challangen. Es war mir Abstand das lehrreichste Jahr meines Lebens, das härteste und auch das genialste … wurde mir doch gezeigt, dass ich bei vielen Dingen erst komplett am Anfang stehe.
Mein Baby WHATCHADO ist längst kein Baby mehr, sondern eher ein Jugendlicher, der gerade aus der Pubertät raus ist und in die weite Welt hinaus will.
Mein Privatleben hat sich in allen Bereichen um 360 Grad gedreht, hat mich durchgeschüttelt und mich an meine Grenzen gebracht und mir gezeigt, welches Glück ich mit den Menscehn um mich herum habe.
Ich habe gesehen, dass ich viele meiner Freunde seit der Gründung von WHATCHADO vernachlässigt habe und es Zeit wird, das berühmte “derzeit hab ich Stress, lass uns doch später treffen” nicht mehr als Ausrede gelten lassen möchte (an diese Stelle ein riesiges SORRY Leute).

Die Angst vor der Angst

Ich habe auch gesehen, dass ich noch sehr viel zu lernen habe und dies noch eine lange Reise sein wird, all das zu erfahren, was ich wissen will.
Ich habe mich 2014 meinen größten Ängsten gestellt, meiner massiven Flugangst und meiner Angst, vor Menschen auf englisch zu sprechen.
Die Angst vor beidem habe ich immer noch, aber ich habe beides akzeptiert und mache es einfach trotzdem. Auch wenn ich in beiden Fällen danach immer ein neues T-Shirt anziehen muss, weil meines bereits komplett durchgeschwitzt ist 🙂

Vor Menschen auf englisch zu sprechen, war eine Angst, die ich seit meinem 14. Lebensjahr mit mir rumschleppe. Ich habe über 10 Jahre gestottert, habe aus diesem Grund (unter Anderem) auch die Schule hingeschmissen und mir immer Schreckensszenarien ausgemalt, sollte ich mal vor Menschen sprechen müssen.
2012 und 2013 habe ich mit mir selbst gekämpft, um bei Vorträgen der Beste zu werden und 2014 gelernt, dass dies auch auf englisch klappt 🙂
Die Angst, die ich Anfang 2012 hatte, als ich das erste Mal die Chance hatte, vor Menschen zu sprechen, war nicht die Angst vor dem Vortrag – es war die Angst vor der Angst selbt.
Ich hattet Angst, mich zu blamieren und musste lernen, dass ich ein Mindset entwickeln muss, dass es mir ermöglicht, mich geistig darauf vorzubereiten, mich vor anderen zu blamieren.
2012 habe ich Stunden damit verbracht, mein Stottern auf der Bühen abzulegen – jedes Wochenende stellte ich mich vor einen Spiegel und übte und übte und scheiterte immer wieder. Mal bei dem einen Wort, mal bei dem einen Buchstaben, mal hatte ich komplette Blackouts … und das, obwohl ich komplett alleine im Raum stand und nur ich mein größter Kritiker war.
Es brauchte Wochen und Monate, bis ich begriff, dass ich eigentlich davor Angst hatte, was andere von mir halten würden.

Während einer meiner Übungssessions fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich beschloss, zu testen, was passieren würde, wenn ich (geistig) davon ausging, dass ich mich sowieos blamieren werde. Interessanterweise war es genau die Einstellung, die ich brauchte. Ab diese Sekunde wusste ich, dass es “nur besser” werden kann, weil ich ja nichts zu verlieren hatte.

Zu wissen, dass man sich auf alle Fälle blamieren wird, verschafft einem Freiheit … Freiheit, sich selbst weiterzuentwickeln. Freiheit, nichts für “die Augen anderer” tun zu müssen und die Freiheit, Dinge passieren zu lassen, anstatt sie bis auf den letzten Atemzug zu kontrollieren.

So kam es, dass ich dieses Jahr allen ernstes auf der TEDx Salzburg auftreten durfte – ich war sichtlich nervös, aber “Mum, I did it” und es machte verdammt viel Spaß!

Zu verdanken habe ich das alles Niki Ernst, einem Wegbegleiter, der in mir etwas sah, als ich es selbst noch nicht wusste.

Jeder Tag

Jeder Tag, an dem ich aufwache, ist die “eine” Chance, mein Leben ein Stückchen besser zu machen. Ich muss, und das musste ich erst lernen, nicht immer “das eine große Ding” landen – lieber will ich, dass ich mich Stück für Stück weiterentwickle.
Die letzten drei Jahre haben mir gezeigt, dass das Leben ein Marathon und kein Sprint ist – ein StartUp mitaufzubauen aber ein Marathon im Sprinttempo sein kann.

Von Vorsätzen für das neue Jahr halte ich wenig … eher will ich, dass ich Dinge streiche, um mich auf die richtigen 4-5 Dinge zu fokussieren, die mein Leben bereichern.
Beruflich habe ich mein Ding gefunden und werde alles daran setzen, dass wir uns weiterentwickeln und uns selbst übertreffen.
Was die anderen Sachen betrifft, so kann ich grob sagen, dass es sich um die Themen Familie, Freunde, Gesundheit und Zeit dreht … wohl nichts neues in einer hektischen Welt, aber mit dem Unterschied, dass ich hier ganz gezielt vorgehen werde.
Ich kann nicht alle Freunde immer regelmäßig treffen, aber ich kann dafür sorgen, dass alle unsere Treffen unvergessliche Momente werden. Ich kann sicher nicht immer 3-4 mal die Woche ins Fitnesscenter gehen, aber ich kann mich gezielt darum kümmern, die beste Effizienz herauszuholen und mein Leben so anpassen, dass meine Gesundheit davon profitiert.

Ich habe nur 24 Stunden am Tag … so wie alle Menschen auf dieser Welt, genauso wie Steve Jobs, Angela Merkel, Bobby DeKeyser und meine Mutter … diese richtig zu nutzen wird 2015 der größte Spaß und ich will keine einzige Minute vergeuden, nicht eine.

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Die Entscheidung, ein StartUp zu gründen – worauf mich niemand vorbereitet hat

Ehrlich … hätte ich gewusst, was mir alles bevor steht, als ich im Oktober 2011 beschloss, dass ich ein StartUp mitgründe … ich glaube, ich hätte davor noch mal eine Kur und eine halbe Weltreise gemacht.

Jaja, ich weiß eh alles … oder doch nicht?

Nach fast 10 Jahren Berufserfahrung in mehr als 6 Branchen, darunter auch in Leitungsfunktionen, dachte ich, dass ich vieles schon weiß oder auf vieles schon vorbereitet sei.
Ich dachte, dass ich mittlerweile damit umgehen kann, wenn Unerwartetes sich vor mir auftut und ich ins kalte Wasser springen muss – auch wenn ich davon (wirklich!) absolut keinen Schimmer habe.

Es war ja sonst in meinem Leben auch nie schwer, sich in unentdeckte Gebiete zu schmeissen, sich Aufgaben und Jobs anzunehmen, von denen ich keine Ahnung hatte, aber bereit war, alles zu lernen was dafür notwendig war, um diese umzusetzen.
Ich war von Kindesbeinen immer der, dem gesagt wurde, dass “das ja nicht normal sei” wie ich denke und handle – und trotzdem ging es sich immer gut aus, trotz Schrammen und Wunden.
Egal ob Schulabbruch, Abendstudium, radikaler Jobwechsel über Branchen hinweg, etc. … alles ging sich irgendwie immer aus, auch wenn es immer eine neue Reise war.

Nein, auf das StartUp Leben bereitet dich nichts vor – zumindest hat mich nichts auf das vorbereitet, was in den folgenden zwei Jahren nach der Gründung folgte. Aus einer kleinen naiven Gruppe von 4 Helden ist eine Truppe von über 30 Personen geworden, die an eine Idee glauben, die ich mit 14 Jahren hatte.

Zwei unserer Mitarbeiter haben sogar Kinder … eine Verantwortung, die mich – als unser erster Mitarbeiter mit Kinder bei uns anfing – fast einen Monat lang nicht schliefen ließ.

Vom Wohnzimmer in die “Firma”

Von einem kleinen 4x4m Büro und meinem Wohnzimmer, in dem die Geschichte seinen Anfang nahm, sind wir in eine echtes Büro mit genug Zimmern für alle Mitarbeiter gezogen und ja, wir haben sogar genug Türen, sodass man in Ruhe arbeiten kann. 5 Toiletten und 2 Cafemaschinen runden das Bild des “Unternehmens”, der “Firma”, der “GmbH” ab.

WHATCHADO Team 2012

Es ist schon verrückt, was das richtige Team zustande bringt … was Anfangs als banale Idee begann, ist heute eine der innovativsten HR Lösungen für Österreich, Deutschland und Schweiz mit über 2000 Berufsbildern aus über 5 Kontinenten, ausgezeichnet mit dem UN World Summit Award und erst vor zwei Wochen schrieb die Süddeutsche einen Artikel über uns mit dem Titel “Das Leben der Anderen”.

Ich sitze gerade in der Steiermark in St. Michael, es ist 2:00 früh und ich könnte auf mein Team nicht stolzer sein.
Diese Gruppe aus Träumern, Realisten, Optimisten und Pragmatikern hat etwas erschaffen, dass vielen Menschen dabei hilft, sich selbst auf ihrem Weg zu ihrer Berufung zu finden.

WHATCHADO Weihnachtsgeschenke verschickenWeihnachten 2011 – das Team verschickt scharfe Salamis und handgeschriebene Karten

Und Ende 2011, kurz vor unserer Gründung, reichte unser Horizont nicht mal ganz aus, um für uns selbst die Frage zu beantworten, ob wir jemals aus Österreich hinauswollen, bzw. hinaus können.

Klar, wir wussten, dass WHATCHADO die ganze Welt vernetzen soll, aber wir trauten uns nicht, es auszusprechen, als wir die Dokumente für die Firmengründung vorbereiteten.

Planung vs. “Scheiss drauf, die Chance kommt nie wieder”

Wir waren nicht eine Sekunde darauf vorbereitet, als Ende 2012 der erste deutsche Kunde uns nach Deutschland brachte (nach dem er uns auf einer Konferenz hatte vortragen gesehen). Aber wir gingen trotzdem den Weg, international zu werden … auch wenn wir unsere Hausaufgaben für Österreich noch nicht gemacht hatten. Wir mussten damals eine Entscheidung treffen – wollten wir langsam alles aufbauen oder die Chance nutzen.

Diese eine Chance zu nutzen war ein Segen, der uns und unserer geistigen Vorstellung eine Tür öffnete – bei vielen anderen wahrgenommenen Chancen war es verlorene Liebesmüh und leere Kilometer.

Wenn wir für jedes Mal, als jemand “etwas tolles” mit uns auf die Beine stellen wollte, es aber mangels Arbeitsmoral und -aufwand wieder lies, einen EUR bekommen hätten … Boy, wir hätten die Investmentrunde Anfang 2014 auch mit Kleingeld aufstellen können.

Hast du ein StartUp, ist jede/r um dich ein Experte … wirklich

Es ist ein bisschen so wie beim Fussball. Beim Ländermatch stehen dann plötzlich 40.000 Fussballtrainer auf den Rängen und jeder weiß es besser, weil der eine Freund eines Freundes auch mal in einem Verein einen Ball gekickt hat.

“Geht es langsam an und stresst euch nicht”,
“ihr müsst jede Chance nutzen”,
“wenn ihr zu langsam seid, werdet ihr überholt”,
“lieber mal eine Risikoanalyse machen”,
“Wow, ihr habt es geschafft” (nachdem wir den ersten Kunden hatten),
“wenn ihr alles kontrollieren könnt, seid ihr das Bottleneck”,
“wenn ihr nicht mehr die Kontrolle habt, habt ihr einiges falsche gemacht”
“ihr müsst das investierte Geld verpulvern, damit ihr wachsen könnt”,
“schaut, dass ihr in den ersten 3 Jahren einen Exit hinlegt”,
“lenkt das Unternehmen nicht so, als würdet ihr einen Exit hinlegen wollen”
… und so weiter.

So viele Fragen und Möglichkeiten und am Ende des Tages sind es recht einsame Entscheidungen, für die man gerade stehen muss … gerade dann, wenn es die falschen waren.
Und ganz ehrlich … im Nachhinein, mit dem damaligen Wissensstand, würde ich es bei allen Entscheidungen genauso wieder machen. Woher sollte ich es denn auch besser wissen?

Ich habe das Glück, ein Netzwerk von Unternehmern und Gründern um mich zu haben, die ich immer um Rat bitten kann, aber die letzte Entscheidung nimmt einem dann doch niemand ab.

Teilweise klingt es banal, aber es gibt wirklich diese Augenblicke, in denen man absolut nicht weiß, was richtig oder falsch ist und keine Kapazitäten hat, Szenarien zu entwickeln, wie diese oder jene Entscheidung sich auswirken könnte.

Die Reise, für die du dir selbst dein Ticket ausstellst

Ich spreche normalerweise ja immer nur über die tollen Seiten des Gründens, aber manchmal muss man auch mal den Tradeoff ins Licht rücken. Alles im Leben hat seinen Preis, kein Licht ohne Schatten, kein Pro ohne Contra und kein Regenbogen ohne Regen … klingt melodramatisch, ist aber im Grunde eine simple Gleichung und diese findet sich auch bei einem StartUp.

Ich erwähnte am Anfang, dass es Dinge gibt, die dir am Anfang niemand sagt und auf die du nicht vorbereitet sein kannst … damit meinte ich aber nicht die oben angeführten Punkte.

Was ich meine – und das ist das Tolle – ist, dass es allen Gründern und Gründerinnen genau so geht.

Schlaflose Nächte, Entscheidungs-Ohnmacht, Selbstzweifel, Ablenkungen, Verlust von Fokus, Müdigkeit, Up and Downs im Tagesryhtmus, Glücksausbrüche in fliegendem Wechsel mit kompletter Verzweiflung, you name it … all das ist das Normalste auf der Welt, wenn man sich auf diese Reise einlässt.

Es sind Dinge, die mich sehr Nahe an meine Grenzen und Möglichkeiten bringen und mir zeigen, was mir wichtig ist. Es sind Dinge, die mir vor Augen führen, was noch in mir steckt und was ich bisher nicht gekannt habe. Es sind Dinge, die mich herausfordern … immer dann, wenn ich etwas schon aufgegeben habe.

Es sind – sieht man zurück – die Dinge, die diese Reise zum Leuchten bringen.

Und um den ersten Satz von diesem Post richtig zu stellen:

Ehrlich … hätte ich gewusst, was mir alles bevor steht, als ich im Oktober 2011 beschloss, dass ich ein StartUp mitgründe … ich glaube, ich hätte schon viel früher damit angefangen.

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