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Small is beautiful – Kapitelauszug aus “Und Was Machst Du So?”

Hier eine Kostprobe meines Buches “Und Was Machst Du So?” und zwar eines meiner Lieblingskapitel “Small is beautiful”.


Wachstum um des Wachstums Willen ist dein Grab

Die Natur wächst und vergeht – und der Mensch als Teil von ihr auch. Unternehmen werden von Menschen gebaut. Sie sind unser kreativer Beitrag zur Natur. Warum können wir nicht akzeptieren, dass es auch für ihr Wachstum Grenzen gibt? Vom Philosophen und Umweltaktivisten Leopold Kohr stammt der Ausspruch »Small is beautiful«. In seinem Buch „Das Ende der Großen. Zurück zum menschlichen Maß“ beschreibt er, dass alle Dinge, die wir erschaffen, eine organische Wachstumsgröße haben. Wenn sie überschritten wird, gleitet unsere Schöpfung ins Chaos über. Wir können sie nicht mehr beherrschen. Kohr bezieht diese Theorie auf Nationen und Unternehmen. Wir leben in einer Zeit, in der wir dieses Phänomen gut beobachten können. Viele große altehrwürdige Konzerne und Institutionen kranken und werden von wendigen, kleinen Einheiten links und rechts überholt.

Was macht dieser Wunsch immer weiterzuwachsen, mit uns Menschen?

Macht es uns glücklich? Ich habe viele finanziell sehr erfolgreiche Menschen kennengelernt. Doch Glück und Zufriedenheit haben die wenigsten ausgestrahlt. Die meisten waren innerlich unruhig und getrieben. Ich habe auch kaum einen Chef erlebt, der sich mit dem Wachstum seines Unternehmens zufrieden gab und sich für das kommende Jahr die gleichen Ziele wie für das laufende gesetzt hat. Die simple Rechnung dahinter ist: Mehr Personal, mehr Kosten, mehr Umsatz. Deshalb müssen wir in den Himmel wachsen. Und dabei geben wir Jahr für Jahr die Möglichkeit, unsere Entwicklung zu steuern, aus der Hand.

Unter Druck entstehen Diamanten

Die Maxime, ständig zu wachsen, entfacht einen unheimlichen Druck auf die Verantwortlichen und die Mitarbeiter. »Unter Druck entstehen Diamanten«, sagte mir mal ein Vorstand. Aber Menschen sind keine Steine. Druck setzt für einen kurzen Zeitraum Kräfte frei und lässt uns Aufgaben zu Ende bringen, die wir sonst nicht erledigt bekommen hätten. Hält sich dieser Zustand über einen längeren Zeitraum konstant auf einem hohen Level, dann verwandeln sich die erzwungene Kreativität und Schaffenskraft in Versagensangst. Dieser Dauerdruck ist eine Art von negativem Stress, der krankmacht.

Starker Druck von außen bringt uns dazu, ein Tempo zu laufen, das nicht das unsere ist. Deshalb sollten intrinsische Zielsetzungen die Zukunft der Führung sein. Wenn man selbst beginnt, sich Ziele zu setzen, die dem eigenen geistigen und körperlichen Vermögen entsprechen, ist es weniger wahrscheinlich, aus dem Ruder zu laufen. Legen wir aber den Fokus auf Zielsetzungen, die nur von außen festgelegt werden, laufen wir Gefahr, in einem Hamsterrad zu landen, dessen Betrieb wir nicht mehr stoppen können.

Manche Selbständige und kleine Familienunternehmen haben das erkannt. Sie nutzen die Freiheit, die ihnen ein flexibles Arbeitsumfeld bietet, und stellen andere Attribute in den Vordergrund. Zusammenhalt, Kostendeckung, Nachhaltigkeit. Niemand muss auf Teufel komm raus jedes Jahr um 10 Prozent wachsen, nur weil es der Markt so will.

Schrumpfkur? Fehlanzeige.

Bei Sun Microsystems habe ich diese Spirale von ihrer bittersten Seite kennengelernt. Wir hatten gerade ein schlechtes Jahr hinter uns gebracht. Und waren nur froh, dass es vorbei war. Wir standen knietief in den roten Zahlen. In der Zeit, als ich dort arbeitete, glaubte das Unternehmen noch an einen Turnaround. Ein CFO – Chief Financial Officer – wurde angeheuert, der weiter versuchte, die Zahlen zu optimieren, und hier und da ein paar Anpassungen vornahm. Währenddessen hatten HP und IBM begonnen, die besten Leute abzuwerben. Die Stimmung war im Keller. Bei jedem Strategiemeeting erklärten internationale Manager, wie es wieder aufwärts gehen und um wie viel Sun im nächsten Jahr wachsen werde. Nämlich mindestens schneller als der Markt. Branchenanalysen gingen von 13 Prozent Wachstum aus. Wir wollten 14 schaffen. Wir Mitarbeiter wussten, wie weit diese Träume von der Realität entfernt waren. 14 Prozent? Wir hatten massenhaft Kunden und Talente an die Konkurrenz verloren und hätten dringend neue Perspektiven gebraucht. Ein erster Schritt wäre gewesen, sich gesundzuschrumpfen. Eine Schrumpfkur von 14 Prozent wäre angebracht gewesen.

Die Wachstumsillusion

Bei heutigen Startups läuft diese Wachstumsillusion ähnlich ab. Sie bekommen zu Beginn ein fettes Investment und wollen mit dem fremden Geld in den Himmel wachsen. Platz 1 der Download-Charts. Mindestens. Fragt man nach dem Warum, gibt es keine Antwort. Bei 95 Prozent der jungen Unternehmen geht es nicht um Problemlösungen, auch wenn das auf den Visitenkarten steht, sondern um Wachstum. Höher, schneller, weiter. Am besten quer in eine Branche hinein, deren aufgeblähte Struktur hunderttausende Jobs sichert.

Wachstum funktioniert auf Kosten der Qualität und entfernt den Gründer weit von seinen anfänglichen Zielen. Das ist so, als würde ich meinem zukünftigen Sohn sagen: »Du bist 1,80 Meter groß. Super. Jetzt schauen wir, dass wir dich auf 1,90 Meter bekommen, damit du besser im Basketball wirst.« Dann träufele ich ihm Wachstumshormone in die Frühstücksflocken, und er wächst. Nur dass seine Knochen porös werden, die Arterien verstopfen und er kaum mehr geradeaus laufen kann, geschweige denn Basketball spielen.

Neue Kleidung, neue Schminke, neue Sneakers

Diese Illusion zerrüttet unsere Gesellschaft und unser Miteinander. Alle wollen immer schöner, immer größer, immer besser werden. Sie kaufen Apps, die ihnen helfen, ihr Körperfett runterzutrainieren. Sie kaufen jede Woche neue Kleidung, neue Schminke, neue Sneakers. Weil die Mode plötzlich 52-mal pro Jahr neue Trends vorgaukelt. Dieser Wachstumswahnsinn wird uns noch das Leben kosten und höhlt jetzt schon unsere Natur und unsere Umwelt aus.

Es geht aber auch anders

Ein Startup mit Schwerpunkt auf Medizintechnik für Kinder hatte in den ersten beiden Jahren phantastische Umsätze. Deshalb haben sie Personal eingestellt. Einer der Gründer hat sich hingesetzt und die Kosten durchgerechnet. Er erkannte, dass bei der aktuellen Konstellation ein weiteres Wachstum in dieser Größenordnung nicht zu erwarten ist. Er hat intern durchgeboxt, dass die Planung berücksichtigt, dass das Startup im dritten Jahr nicht wachsen würde. Die Gründer haben die Hälfte der Belegschaft gekündigt, obwohl sie keine Zahlungsprobleme hatten, und sich eine Strategie überlegt. Ihre Fragen waren: Müssen wir um jeden Preis wachsen? Steigert sich unsere Lebensqualität, wenn wir in zehn Jahren tausend Mitarbeiter haben? Es zerreißt uns vor Arbeit. Was ist der Zweck, dass wir uns aufopfern? Sie entschieden, dass sie Umsätze und Mitarbeiter haben wollten, aber auch Zeit für ihre Familien und eine nachhaltige Entwicklung. Daran haben sie die Umsatzziele angepasst. Sie sind gewachsen, aber nur auf dreißig Leute. Der Plan ist aufgegangen. Dem Unternehmen geht es gut.

Wachstumsstreben gibt ein Tempo vor, das kaum mehr zu drosseln ist.

Hat man seinen Investoren einmal versprochen, diese und jene Zahlen zu erreichen, dann ist der Kurs nur sehr schwer zu korrigieren. Dass ich bei whatchado die ersten drei Jahre dieses Spiel mitgespielt habe, war einer meiner größten Fehler. Niemand zwang mich mit vorgehaltener Waffe dazu, und doch war ich ein Getriebener. Dafür kann ich niemandem außer mir selbst die Schuld geben.

Mein Leben lang habe ich gedacht, ich will dieses »höher, schneller, weiter«. Und dann bist du in einem Affentempo an einem Punkt, der dich körperlich und psychisch an deine Grenzen bringt, und fragst dich: »Muss das denn so sein?« Und da hat es bei mir zu rattern begonnen, ob ich langfristig der richtige CEO für whatchado bin. Wachstum ist wichtig, nur eben nicht, wenn es künstlich die Grenzen sprengt. Seien es die des Unternehmens oder die eigenen, die man als Mensch gerne mal übersieht.

Mittlerweile bremse ich, bevor solche Entscheidungen überhaupt anstehen, und erkläre den Investoren, weshalb ich permanentes Wachstum auf hohem Tempo für schädlich halte. Das Schöne ist, dass unsere Investoren – entgegen dem Trend – Nachhaltigkeit vor bedingungsloses Wachstum stellen und wir uns auch deshalb so gut verstehen. Wenn Startups mich als Berater engagieren, und sie schaffen es nicht, mir schlüssig zu erklären, weshalb sie so dramatisch wachsen wollen, wie sie es auf ihren PowerPoint-Folien präsentieren, dann können sie mich in dieser Sekunde von ihrer Mentorenliste streichen.

»Das gefällt den Investoren«, gilt übrigens nicht als Argument.

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Wenn das Potential nur mehr entdeckt werden muss

Heute ist etwas passiert, dass mich sprachlos gemacht hat und wer mich kennt, der/die weiß … das ist echt nicht einfach 🙂

Ich war heute im Zuge meiner letzten whatchaSKOOL für dieses Jahr bei der NMS Herzgasse und zwar schon das 3. Mal in Folge.
Es ist eine Schule im Herzen des 10. Bezirks und ein wunderbarerer herzlicher Ort.

Die heutige whatchaSKOOL fand nicht wir die letzten Jahre im Turnsaal statt, sondern in einer Nachbar-Schule, da der Turnsaal aufgrund der hohen Teilnehmerzahl schon längst nicht mehr groß genug war 🙂

Es war eine meiner schönsten und wunderbarsten whatchaSKOOLs und eine, die mir zeigte: egal, wie schwierig es ist, wir müssen weiter an die Zukunft der Jugend glauben, denn diese sind es, die mit ihrer Energie und offenen Art das Zeug haben, für eine neue Weltordnung zu sorgen … sofern wir sie auf Augenhöhe behandeln.

Nun zu den Dingen, die mich sprachlos gemacht haben und ja, ich hatte nach der whatchaSKOOL Tränen in den Augen.

Alles begann damit, dass ich erfuhr, dass die Kids vor meinem Vortrag etwas vorbereitet hatten und es klang nach einem Geschenk oder einer Überraschung.
Ich freue mich jedes Mal sehr über Geschenke, doch diesmal war ich selbst nicht darauf gefasst, was da kommen würde.

Bevor ich los legte, betrat der Schulsprecher die Bühne und überreichte mir eine – von den Kids selbst gestaltete – Mappe mit ALLEN Stories der Kinder, die im Publikum anwesend waren.
Es waren über 150 Lebensgeschichten der Kinder, welche im Alter von 13 bis 16 waren und sie alle hatten mir einen handgeschriebenen Brief mit ihrer persönlichen Geschichte geschrieben. Wer sie waren, woher sie kamen und was ihre Lebensträume waren.

Es waren berührende Zeilen voller Zuversicht, Witz und lebensbejahender Energie.
Zeilen, die jeder erwachsene Mensch lesen sollte.

Diese Zeilen hatten sie als Dankeschön an das whatchado Team und mich verfasst und so hielt ich eine Mappe mit über 150 Lebensgeschichten dieser Kids in den Händen.

Als ich das Geschenk annahm und ich mich bedanken wollte, fiel mein Blick auf das Cover.
Sie hatten die Mappe „Das Handbuch der Lebensgeschichten“ getauft … als die Urspungsidee von whatchado.

Spätestens da konnte ich nicht anders und eine Träne kullerte meine Augen hinab.

Diese Kids hatten sich die Zeit genommen und in mühevoller und liebevoller Arbeit ein Geschenk geschaffen, welches unbezahlbar ist.
Ein Geschenk, welches Einen daran erinnert, wie sehr wir Großen doch das intrinsische Talent der Jugend vergessen.

Wenn Worte Leben verändern

Während meines Vortrages sprach ich ganz viel über Vorurteile. Über das Anders sein, egal ob wir Ausländern sind oder in den Augen anderer Menschen das falsche Geschlecht haben.
Ich sprach ganz viel über das Frauenbild, welches wir endlich ändern müssen und über die notwendige Gleichstellung von Geschlechtern.

Ich sprach mit den Kids über den Ursprung von Vorurteilen und was diese mit unserer Gesellschaft machen und wie sie uns auch manchmal die Jobchance verbauen.
z.B. wissen wir schon lange, dass Frauen in technischen Berufen oder in Führungsaufgaben den Männern um nichts nachstehen, bzw. teilweise überlegen sind und trotzdem haben wir das Problem, dass es immer noch Vorurteile gibt, die junge Mädchen sehr früh davon abhalten, diese Wege einzuschlagen.

Auch erzählte ich davon, dass ich selbst als Kind meinen Vornamen „Ali“ nicht cool fand, weil ich mich schämte, Ausländer zu sein und dass ich diesen heute jedoch extrem cool finde, weil z.B. auch einer der größten Boxer aller Zeiten, Muhammed Ali, mein Namensvetter ist 🙂

Eigentlich dachte ich ja, dass ich schon vor meinem Vortag das schönste Geschenk erhalten hatte, doch es ging weiter und zwar mit den wunderbarsten Überraschungen, die man sich vorstellen kann 🙂

Nach meinem Vortrag wurde die Bühne von einigen Kids gestürmt, die unbedingt Fotos und Selfies wollten.
Ein Junge kam zu mir und ich sah, dass dieser einen Pullover von Muhammad Ali anhatte. Bevor ich etwas sagen konnte, zog er diesen aus und sagte mir, er ist sehr stolz auf den Namen ALI und er möchte, dass ich seinen Pullover als Geschenk annehme. Er sagte, dass er weiß, dass mir der Pullover zu klein ist, doch er will unbedingt, dass ich diesen annehme.
Ich war so sprachlos und gleichzeitig gerührt, dass ich den Pullover dankend annahm und klarerweise seinen Fotowunsche mehr als gerne erfüllte 🙂

Danach kam ein Mädchen zu mir, dass mir erzählte, dass sie sich entgegen dem Rat ihrer Eltern jetzt doch für einen technischen Job entschieden hat und demnächst bei der ÖBB berufspraktische Tage macht. Sie sagte mir, dass sie in ihrer Familie eher dazu gedrängt wird „frauentypische“ Jobs zu machen und sie sich mit allen Mitteln dagegen gewehrt und auch endlich durchgesetzt hat.
Sie wollte sich bedanken, da unsere whatchaSKOOL ihr klar gemacht hatte, dass sie am richtigen Weg war.

Ich habe in den letzten Jahren viele NMS Schulen besucht und immer wieder habe ich gehört, dass diese einen hohen Migrantenanteil haben und dass der Unterricht dort unmöglich ist, weil die Kids nicht aufmerksam sind und die Lehrer nicht interessiert.

Wie unser Denken die Zukunft verändert

Wer das über NMS Schulen denken möchte, okay. Das werde ich nicht ändern können.

Doch wer daran glauben will, dass wir wunderbare Kids haben und LehrerInnen, die täglich gemeinsam an der Schule arbeiten, dem will ich sagen: willkommen in der Realität einer Welt, in der das, was wir durch Medien konsumieren, nichts mit der Realität zu tun hat.

Ich traue mich wetten, dass es niemanden gibt, der so breit und intensiv Schulen aller Stufen und Niveaus im In- und Ausland besucht hat, wie ich in den letzten Jahren und ich kann nur sagen: wer sich kein eigenes Bild macht, der glaubt letztendlich, wenn andere sagen „die Jugend will nicht und die LehrerInnen schon gar nicht“.

Wer sich die Mühe macht, die Augen aufmacht und die negativen Einzelfälle als das sieht, was sie sind – nämlich Einzelfälle – der wird verstehen, dass unsere Zukunft einen sehr guten Nährboden hat und einzig und allein davon abhängt, welche Zukunftschancen wir in sie hineinprojizieren.

Potentialentfaltung war noch nie so wichtig für unsere Zukunft wie heute und gleichzeitig finden wir Potentiale an jeder Ecke.

Interessanterweise kann ich nach all meinen Schulbesuchen eines mit Sicherheit sagen.
Je weniger eine Schule an materiellen Mitteln hat, umso eher überwiegt oftmals das Menschliche.

Und doch ist leider es der Mangel an materiellen Mitteln, der gerade diese Schulen in ihren Möglichkeiten bremst.

Danke an alle Schulen, die ich die letzten Jahren besuchen durfte.
Danke an die NMS Herzgasse für das heutige Weihnachtsgeschenk, welches ihr mir gemacht habt.

Ich trage es in meinem Herzen und freue mich auf nächstes Jahr bei euch!!
Ali

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Demut, der Spiegel unserer Gedanken

Gestern habe ich gelernt, was wahre Größe und Demut bedeutet.

Ich war eingeladen, im Finale einer großen Marketing-Trophy zu sprechen, bei der die besten Marketing-Konzepte von HAK-SchülerInnen gekürt wurden.

Bevor der Sieger bekannt gegeben wurde, wurden die beiden besten Teams auf die Bühne gebeten – die Spannung war extrem hoch, was auch an den 300 Schülern und ihren Lehrern lag, die im Publikum mitfieberten.

Auch im Finale waren zwei SchülerInnen, die gemeinsam ein tolles Projekt eingereicht hatten und vor der Verlautbarung über das Gesicht strahlten und sich einfach freuten, dass sie dabei waren.

Dann das Ergebnis: sie hatten den zweiten Platz erreicht, nicht den ersten.

Und dann passierte das Interessante … Keine der beiden Mädchen wirkte geknickt oder enttäuscht. Es wirkte sogar so, als ob ihnen noch mehr bewusst wurde, wie weit sie es geschafft hatten.

Ich sprach nachher noch mit Beiden, weil ich ihnen zu ihrer Reaktion und ihrer Stärke gratulieren und sie etwas aufbauen wollte.
War aber nicht wirklich notwendig, weil sie – entgegen meiner Erwartungen – wirklich überglücklich waren, dass ihre Idee es so weit geschafft hatte und sie auf der Bühne stehen durften.

Sie erzählten mir, dass sie jetzt feiern gehen – etwas, das ich auch nicht erwartet hatte.

Ich habe in den letzten Jahren viele Preisverleihungen und Events erlebt, wo es immer einen Erstplatzierten und damit auch gleichzeitig immer Menschen gab, die es eben nicht auf den 1. Platz geschafft hatten. Nirgends ist der Grat zwischen Freude und Kummer so schmal, wie bei einer Preisverleihung, wo nur mehr wenige Teams im Finale stehen.

Bei Erwachsenen habe ich oft gesehen, dass sich diese zwar “offiziell” für die Erstplatzierten freuen, aber ihre Körperhaltung und die Stimme deutlich zeigen, dass sie es den anderen nicht vergönnen und eigentlich stinksauer sind.

Gestern Nachmittag wurde ich von diesen Schülerinnen eines besseren belehrt, denen es wirklich nur um das Dabeisein ging – einer Tugend, die zwar immer wieder bei Wettkämpfen genannt wird, aber von uns Erwachsenen wenig gelebt wird.

Zu groß ist unser Fokus auf “Wettkampf” als Mittel, um ganz oben zu sein – wissentlich, dass dies immer bedeutet, dass jemand anderer “schlechter” ist als man selbst.

Konkurrenz wurde viele Jahre als das Allheilmittel im Business gesehen – dass Kooperation aber mehr bringt und weniger Verlierer zurück lässt, haben dabei viele vergessen oder übersehen.

Im Laufe der letzten vier Jahre hat sich immer wieder gezeigt, dass starker Fokus auf den Wettbewerber einen selbst vom Weg abbringt und mehr für Neid und Zorn sorgt, als es einem hilft.

Ich selbst war ein Mensch, der sich sehr schwer tat, anderen Menschen & Projekten eine bessere Platzierung zu gönnen. Was ich daraus gelernt habe war, dass es mir selbst nicht gut tat.
Anstatt mich auf meine Zukunft und meine Stärken zu konzentrieren, hatte ich immer im Blick, was mir “gerade fehlt”, damit ich aufschliessen kann.

Wachstum und Größe entstehen durch den Fokus auf das, was man kann und erreicht hat – nicht mittels Abgleich mit anderen. Wenn man sich immer mit anderen vergleicht, wird man immer verlieren, weil es immer jemanden geben wird, der das Eine oder Andere einfach besser macht.

Oft höre ich auch, dass Menschen oder Teams unzufrieden mit sich selbst sind, weil sie sich im letzten Jahr nicht “so sehr” gesteigert haben, wie es gerne wollten – dabei vergessen wir, dass wir hier von “nur” 365 Tagen sprechen.

Was ich gelernt habe ist, in 1000-Tagen Zyklen zu denken.
1000 Tage sind ca. 3 Jahre und das ist eine Zeitspanne, in der man Veränderung und Fortschritt erkennt, weil sich hier auch Auswirkungen bestimmter Entscheidungen zeigen.

Vergleiche ich mich selbst mit vor einem Jahr, kann ich sagen, dass ich mich in jedem Aspekt etwas weiterentwickelt habe – kann aber nicht sagen, ob das auch nachhaltige Entwicklungen sind.

Vergleiche ich mich aber mit mir vor 3 Jahren, kann ich sagen, dass ich alle meine Träume weit übertroffen habe und viele Dinge sich verfestigt haben, die vor 3 Jahren nicht möglich gewesen wären und einfach ihre Zeit gebraucht haben.

Wir denken zu oft, dass wir Rennmaschinen sind, die im Wettkampf mit anderen Rennmaschinen stehen und sind enttäuscht, wenn wir das Rennen nicht als Erster gewinnen.

Die Frage ist aber, wer uns wirklich zwingt, dieses Rennen zu fahren – wir selbst oder unser Umfeld?
Ich denke nicht, dass wir über sieben Milliarden VERSCHIEDENE Menschen auf dieser Welt sind, damit wir uns dann miteinander vergleichen.

Diesen Vergleich können wir nur verlieren … oder wir machen es wie die beiden Schülerinnen und zeigen Demut vor dem, wie weit wir gekommen sind.
Glücklicher und lebenswerter macht es unsere Zukunft alle Mal.

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Warum ich tue was ich tue

Lieber Ali,

hier das versprochene Foto auch wenn es leider etwas verschwommen ist. Ich möchte dir nochmal sagen, auch wenn ich es bereits zum 3. Mal sage, wie toll deine Vörträge sind. Hör bitte nicht damit auf. Du gibst uns Schüler/innen dadurch soviel Hoffnung. Du baust uns richtig auf. 

Vielen Dank dafür! 

Meine ganze Klasse hast du bereits zum 2. Mal begeistert. Ich beneide jeden/ jede der/die dich als Lehrer haben durfte. 

All diese Worte meine ich wirklich ernst und sind weder übertrieben noch ausgeschmückt. 

Ich stehe jetzt auch vor all diesen Fragen – “wie gehts weiter mit mir?” Ich gehe in die 5. Klasse und maturiere heuer und weiß noch nicht so genau was ich werden möchte, aber auch ich möchte bei meinem Beruf anderen etwas weitergeben. 

Ich hoffe ich schaffs.

Liebe Grüße

Aylin Celik aus der Bhak Wien 22

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Der Businessplan, der Feind im Bett eines StartUps

Diese Woche war ich bei einer Podiumsdiskussion der TU Wien zum Thema StartUps und ein wichtiger Part davon war auch die Frage nach dem Businessplan, welchen man differenziert betrachten muss.

Nach der Diskussion, und das ist eine meiner Lieblingsparts an meinem Job, gibt es Studenten, die zwecks Fragen auf mich zukommen und mit denen ich dann über ihre Idee, Bedenken und Hoffnungen spreche.

Eine Sache, die mir immer wieder unterkommt, ist die Frage nach dem Businessplan. Immer wieder höre ich “ja, an dem arbeiten wir schon seit einigen Wochen und bis Ende (Wunschmonat eintragen) ist dieser fertig.”

Wenn ich nachfrage, wie es mit Prototypen, Usertests, Gesprächen mit potentiellen Kunden, etc. aussieht, ernte ich starre Blicke und den Verweis, dass man eben noch auf den Businessplan wartet.

Versteht mich nicht falsch.

Ich habe nichts gegen Businesspläne, im Gegenteil: ohne diese ist eine vernünftige Planung nicht möglich.

Das ist in etwa wie eine Schiffsfahrt, auf der ich ohne Karte und geplante Route unterwegs bin. Irgendwann geht einem der Sprit aus, ohne dass man am Ziel angekommen ist und auch die eigene Mannschaft kann sich wenig ins Zeug legen, wenn sie keine Ahnung hat, wohin die Reise geht.

Dieser sollte beinhalten, wie sich das Business auf einen geplanten Zeitraum entwickelt und alle Parameter beinhalten, die die Schrauben dieser Maschinerie darstellen.

Also: Businesspläne sind wichtig!

Aber! Steht man am Anfang einer Idee, muss einem klar sein, dass der Businessplan einem Blick in die Schneekugel gleicht. Egal, was man da reinschreibt, man hat keine Ahnung, ob das auch nur annähernd stimmt,

Mit anderen Worten: Wenn ich anfangs nur eine Idee habe, aber keine Erfahrungswerte habe, muss mir bewusst sein, dass der Businessplan ein Gedankenexperiment ist, dass beim ersten realen Eingriff der Aussenwelt endet.

Ja, der Businessplan endet beim ersten Kunden.

Im Grunde bedeutet das, dass jedes StartUp – welches ohne Erfahrung startet – den Businessplan auf jeden Fall durchdenken muss, aber für diesen nicht mehr als ein langes Wochenende einplanen sollte.

Man sollte sich die Zeit nehmen, einmal über das ganze Vorhaben nachzudenken und dieses abzubilden, aber sich gleichzeitig bewusst sein, dass dies nur wage Annahmen sind, die wahrscheinlich nichts oder wenig mit der Realität zu tun haben.

D.h. für alle ohne Erfahrung, die etwas starten wollen: anstatt Wochen und Monate mit dem Businessplan zu verbringen, verkürzt diesen Vorgang auf wenige Tage und beginnt mit etwas, dass euch echtes Feedback und echten Mehrwert bringt:

  • baut einen Prototypen
  • redet mit potentiellen Kunden
  • redet mit potentiellen Usern
  • sprecht mit potentiellen Partnern
  • präsentiert eure Idee auf Events vor fremden Personen
  • NICHT! mit Eltern, Freunden, Bekannten sprechen … die werden euch immer sagen, wie super alles ist

Egal, was ihr tut … bleibt nicht in eurer Wohnung sitzen und denkt, dass ein Excel-Sheet euer Business startet.

Ihr müsst raus und etwas tun, damit ihr auch Feedback erhaltet. Jeder Schritt der Anfangsphase sollte dazu dienen, euch zu zeigen, wie ihr euch verbessern könnt und wo ihr absolut nichts verloren habt.

Lernt, euch eine dicke Haut zuzulegen, weil echtes Feedback verdammt weh tun kann, aber das Einzige ist, dass euch weiterbringt.

Erfahrene Investoren schätzen Prototypen, Kundenfeedbacks und erste Market-Fit-Ergebnisse mehr als jeden Businessplan, der oft nur überzogenes Wunschdenken ist.

… zumindest die ersten zwei Jahre – danach sollte man sein Business schon so sehr kennen, dass man die Zukunft in Pläne gießen kann. Und das kann dann sogar ein richtig schönes Excel Sheet sein.

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Jubin Honarfar wird CEO von WHATCHADO, der Brief an alle whatchado Mitarbeiter

Im Laufe dieser Woche gab es einen Wechsel in der Führungsspitze von whatchado, der uns noch besser für unsere Zukunft aufstellt und mich irre stolz macht 🙂

Am Besten beschreibt es die E-mail, die ich heute früh an das gesamte Team geschrieben habe.

Ali

———- Forwarded message ———-
From: Ali Mahlodji <ali@whatchado.com>
Date: 2015-07-08 8:02 GMT+02:00
Subject: Announcement – Jubin Honarfar wird CEO von WHATCHADO
To: Team

Liebe whatchadooler!

Diese E-Mail schreibe ich stellvertretend für die gesamte Geschäftsführung und Hansi (Hansmann), unserem Freund und Wegbegleiter der ersten Stunde bei whatchado.

Bereits vorgestern beim Frühstück wurde es schon verkündet – heute per E-Mail an alle, die nicht dabei sein konnten.

Seit Montag ist Jubin neuer CEO der whatchado GmbH und damit die neue Spitze im Game, die beste Orientierungsplattform der Welt zu werden.

Diese Entscheidung ist nach langen Gesprächen und Diskussionen zwischen den drei Geschäftsführern und Hansi gefallen und es ist eine der wichtigsten und wegweisendsten Entscheidungen der Gesellschaft.

Jede Phase eines StartUps braucht eine andere Führung und andere Rollen

Die letzten Jahre habe ich als CEO dabei sein dürfen, als aus einer Idee Substanz entstand und diese mit Leben gefüllt wurde und ich kann euch sagen, es war die beste Zeit meines Lebens 🙂

Heute braucht es einen CEO, der bestehende Strukturen ausbaut, das stark angewachsene Team leitet und den Markt weiter für uns erobert 🙂

Das whatchado Team braucht einen CEO, der öfter im Haus ist, direkt am Ort des Geschehens ist und den Puls des Teams spürt. Alles andere habt ihr als Team nicht verdient.

Wir haben – weil dies unser wichtigstes Jahr wird – in der Geschäftsführung vor einigen Monaten beschlossen, dass wir unsere Rollen noch besser aufteilen und jeder Geschäftsführer das macht, was er am Besten kann:

* Lucanus kümmert sich um die Organisation- und Internationalisierung sowie die nächste Finanzierungsrunde

* Jubin konzentriert sich auf den Ausbau des Sales-Teams in der DACH Region

* Ali ist Botschafter, der die whatchado-Story nach außen bringt

In dieser Phase wurde auch immer klarer, dass das operative Management immer mehr bei Lucanus und Jubin liegen sollte, weil ein Außenbotschafter, der 90% der Zeit außer Haus ist, der Company als CEO nicht das geben kann, was diese braucht.

Nach einer Beobachtungsphase von einigen Monaten hat sich herausgestellt, dass diese Art der Zusammenarbeit eine geniale Konstellation bedeutet, die sich auch in unseren Zahlen widerspiegelt.

Jubin wird neuer CEO

Es gibt wenige Menschen, die in den letzten Jahren von whatchado und den jungen Jahren meiner Kindheit mit mir durch dick und dünn gegangen sind und es gibt wenige Menschen, die dabei immer mehr über sich hinausgewachsen sind.

Jubin, auch laut Status auf Facebook, mein Bruder :), hat whatchado von Tag eins geatmet, war dabei, als wir hingefallen sind und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass wir wieder aufgestanden sind.

Wir haben gemeinsam einige der härtesten Tage der Company erlebt und es immer noch geschafft, danach zu lachen.

Jubin kennt das Business wie kein zweiter, er hat das Sales-Team aufgebaut und ist mit seinem Team für einen Großteil unseres Umsatzes verantwortlich.

Er ist der richtige CEO, den diese Company braucht und ich möchte, dass ihr alle – so wie ihr mich immer unterstützt habt – auch ihn unterstützt und seiner Marschrichtung folgt.

Er ist unser aller neuer CEO und ich bin mir sicher, dass wir damit in eine extrem coole Zukunft segeln.

Die Geschäftsführung wird weiterhin aus Lucanus, Jubin und mir bestehen.

Da whatchado international und auf Wachstumskurs ist, werde ich in meiner Rolle als Außenbotschafter mehr als genug zu tun haben – diesmal aber als Co-Founder, Chief Visionary & Chief Storyteller.

Ich bin stolz auf das gesamte Team und Leute, es war mir eine Ehre, die letzten 3,5 Jahr euer CEO gewesen zu sein! Haut rein, es wird ein geiles Jahr!!

Ali,

stellvertretend für Lucanus, Jubin und Hansi

PS: und für die Leser des Blogs, anbei noch ein kleines Best-Of der schönsten Augenblicke aus 18 Jahren Ehe Jubin und Ali

Videodreh

The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar

Back Camera

The Untouchables - Ali Mahlodji und Jubin Honarfar

whatchado Co-Founder Ali Mahlodji & Jubin Honarfar

whatchado Co-Founder Ali Mahlodji & Jubin Honarfar

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365 Chancen und die Bereitschaft, sich zu blamieren

Jahreswechsel 2014 auf 2015 … Silvester, Neujahr, xxx … you name ist.

Der Sprung der Minutenzeigers auf 60 oder auf 00 (Auslegungssache) ist jedes Jahr wieder eines der Highlights von Menschen aller Welt. Auch wenn nicht alle zur selben Sekunde aufschreien, so ist sich doch die ganze Welt darüber einig, dass es Zeit für ein neues Jahr wird … egal wie “geil” oder “schrecklick” das vorige war.

Es wäre wohl vermessen zu behaupten, dass jetzt “endlich” alles besser wird … sei es durch zehn Neujahrsvorsätze, von denen man dann neun bricht und beim zehnten sich vornimmt, dieses sicher nächstes Jahr umzusetzen oder durch den Irrglauben, dass sich 2015 die Erde sicher anders dreht als die Jahre zuvor.

Der Jahreswechsel ist in den Köpfen von uns Menschen dem indischen Gott Ganesha (http://de.wikipedia.org/wiki/Ganesha) gleichzusetzen … dem, der für Neuanfang steht. Der, der dabei ist, wenn wir Menschen unser Leben umkrempeln, von heute auf morgen in andere Städte ziehen, eine Beziehung beenden und eine andere anfangen und auch der, der dabei ist, wenn wir beschließen, jetzt doch ins Fitnesscenter zu gehen.

Geht es um Neuanfänge, setze ich eher auf die indische Gottheit als auf den “3-2-1-Happy-New-Year” Counter … verleitet letzteres doch dazu, alles was auf Neuanfang deutet, auf den einen letzten Termin im Jahr aufzuschieben, wogegen der indische Bro Veränderung auch unterjährige supportet.

Ob Ganesha, Silvester, Horoskope … Neuanfänge braucht (manchmal) jeder, einige freiwillig, andere … tja, eben nicht.

Neuanfang ohne Reflektion auf das Alte kann funktionieren, wird auch funktionieren … will man aber nicht die selben Pfade wie bisher treten, ist ein Blick auf die bisherigen Fussstapfen notwendig – ja drängt sich sogar richtig auf, will man wirklich “neu” beginnen.

“Warum war ich bisher nicht glücklich”, “was hat mich zurückgehalten”, etc. – lauter Fragen der Vergangenheit, deren Antworten man schon seit Ewigkeiten mit sich selbst rumträgt.

Reflektion

Reflektion ist die Zeit, in der man die Zeit auch arbeiten lässt … für sich selbst.
Reflektion ist, wenn man bereit ist, sich damit auseinander zu setzen, warum man “scheisse” gebaut hat, obwohl man doch eigentlich nichts schlimmes vorhatte.
Reflektion ist, sich einzugestehen, dass man eigentlich nichts weiß, nie etwas gewusst hat, aber sich selbst zu unsicher war, dies einzugestehen.
Reflektion ist, sich vor Augen zu führen, welche Meilensteine erreicht, welche Drachen besiegt und welche Burgdamen gerettet wurden – es ist das “sich darüber klar werden”, wie viel man weitergebracht hat, obwohl alle um einen herum nur die Pfützen sehen, während “ja eh” die Sonne scheint … halt nur hinter den Wolken.
Reflektion ist, die Waage, die sich Leben nennt, mit all den Dingen aufzufüllen, die sich ausgleichen – mit den guten und den lehrreichen.

365 Chancen

Ich sitze gerade in Barcelona auf einer Anhöhe und blicke seit Tagen aus meinem Zimmer auf die Stadt und das Meer hinab. Das Glück, die Sonne auf meiner Seite zu haben, ermöglicht einen Ausblick, wie man ihn zum Jahreswechsel in Europa wohl nicht vermutet hätte.

Das letzte Jahr hatte – oh Wunder – nur 365 Tage, bot mir aber 365 Möglichkeiten, mich selbst zu challangen. Es war mir Abstand das lehrreichste Jahr meines Lebens, das härteste und auch das genialste … wurde mir doch gezeigt, dass ich bei vielen Dingen erst komplett am Anfang stehe.
Mein Baby WHATCHADO ist längst kein Baby mehr, sondern eher ein Jugendlicher, der gerade aus der Pubertät raus ist und in die weite Welt hinaus will.
Mein Privatleben hat sich in allen Bereichen um 360 Grad gedreht, hat mich durchgeschüttelt und mich an meine Grenzen gebracht und mir gezeigt, welches Glück ich mit den Menscehn um mich herum habe.
Ich habe gesehen, dass ich viele meiner Freunde seit der Gründung von WHATCHADO vernachlässigt habe und es Zeit wird, das berühmte “derzeit hab ich Stress, lass uns doch später treffen” nicht mehr als Ausrede gelten lassen möchte (an diese Stelle ein riesiges SORRY Leute).

Die Angst vor der Angst

Ich habe auch gesehen, dass ich noch sehr viel zu lernen habe und dies noch eine lange Reise sein wird, all das zu erfahren, was ich wissen will.
Ich habe mich 2014 meinen größten Ängsten gestellt, meiner massiven Flugangst und meiner Angst, vor Menschen auf englisch zu sprechen.
Die Angst vor beidem habe ich immer noch, aber ich habe beides akzeptiert und mache es einfach trotzdem. Auch wenn ich in beiden Fällen danach immer ein neues T-Shirt anziehen muss, weil meines bereits komplett durchgeschwitzt ist 🙂

Vor Menschen auf englisch zu sprechen, war eine Angst, die ich seit meinem 14. Lebensjahr mit mir rumschleppe. Ich habe über 10 Jahre gestottert, habe aus diesem Grund (unter Anderem) auch die Schule hingeschmissen und mir immer Schreckensszenarien ausgemalt, sollte ich mal vor Menschen sprechen müssen.
2012 und 2013 habe ich mit mir selbst gekämpft, um bei Vorträgen der Beste zu werden und 2014 gelernt, dass dies auch auf englisch klappt 🙂
Die Angst, die ich Anfang 2012 hatte, als ich das erste Mal die Chance hatte, vor Menschen zu sprechen, war nicht die Angst vor dem Vortrag – es war die Angst vor der Angst selbt.
Ich hattet Angst, mich zu blamieren und musste lernen, dass ich ein Mindset entwickeln muss, dass es mir ermöglicht, mich geistig darauf vorzubereiten, mich vor anderen zu blamieren.
2012 habe ich Stunden damit verbracht, mein Stottern auf der Bühen abzulegen – jedes Wochenende stellte ich mich vor einen Spiegel und übte und übte und scheiterte immer wieder. Mal bei dem einen Wort, mal bei dem einen Buchstaben, mal hatte ich komplette Blackouts … und das, obwohl ich komplett alleine im Raum stand und nur ich mein größter Kritiker war.
Es brauchte Wochen und Monate, bis ich begriff, dass ich eigentlich davor Angst hatte, was andere von mir halten würden.

Während einer meiner Übungssessions fiel es mir wie Schuppen von den Augen und ich beschloss, zu testen, was passieren würde, wenn ich (geistig) davon ausging, dass ich mich sowieos blamieren werde. Interessanterweise war es genau die Einstellung, die ich brauchte. Ab diese Sekunde wusste ich, dass es “nur besser” werden kann, weil ich ja nichts zu verlieren hatte.

Zu wissen, dass man sich auf alle Fälle blamieren wird, verschafft einem Freiheit … Freiheit, sich selbst weiterzuentwickeln. Freiheit, nichts für “die Augen anderer” tun zu müssen und die Freiheit, Dinge passieren zu lassen, anstatt sie bis auf den letzten Atemzug zu kontrollieren.

So kam es, dass ich dieses Jahr allen ernstes auf der TEDx Salzburg auftreten durfte – ich war sichtlich nervös, aber “Mum, I did it” und es machte verdammt viel Spaß!

Zu verdanken habe ich das alles Niki Ernst, einem Wegbegleiter, der in mir etwas sah, als ich es selbst noch nicht wusste.

Jeder Tag

Jeder Tag, an dem ich aufwache, ist die “eine” Chance, mein Leben ein Stückchen besser zu machen. Ich muss, und das musste ich erst lernen, nicht immer “das eine große Ding” landen – lieber will ich, dass ich mich Stück für Stück weiterentwickle.
Die letzten drei Jahre haben mir gezeigt, dass das Leben ein Marathon und kein Sprint ist – ein StartUp mitaufzubauen aber ein Marathon im Sprinttempo sein kann.

Von Vorsätzen für das neue Jahr halte ich wenig … eher will ich, dass ich Dinge streiche, um mich auf die richtigen 4-5 Dinge zu fokussieren, die mein Leben bereichern.
Beruflich habe ich mein Ding gefunden und werde alles daran setzen, dass wir uns weiterentwickeln und uns selbst übertreffen.
Was die anderen Sachen betrifft, so kann ich grob sagen, dass es sich um die Themen Familie, Freunde, Gesundheit und Zeit dreht … wohl nichts neues in einer hektischen Welt, aber mit dem Unterschied, dass ich hier ganz gezielt vorgehen werde.
Ich kann nicht alle Freunde immer regelmäßig treffen, aber ich kann dafür sorgen, dass alle unsere Treffen unvergessliche Momente werden. Ich kann sicher nicht immer 3-4 mal die Woche ins Fitnesscenter gehen, aber ich kann mich gezielt darum kümmern, die beste Effizienz herauszuholen und mein Leben so anpassen, dass meine Gesundheit davon profitiert.

Ich habe nur 24 Stunden am Tag … so wie alle Menschen auf dieser Welt, genauso wie Steve Jobs, Angela Merkel, Bobby DeKeyser und meine Mutter … diese richtig zu nutzen wird 2015 der größte Spaß und ich will keine einzige Minute vergeuden, nicht eine.

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Sonne und Schatten – ein Fazit aus zwei Tagen on the road und drei Flügen

Ich wurde letzte Woche zweimal gebeten, ein bisschen zu beschreiben wie meine Tage aussehen und was ich denke und fühle … gut, hier der Versuch einer Selbstanalyse.

21:46 sitze gerade im Flieger auf der Startbahn in Frankfurt – warten auf den Start Richtung Wien und erfahre gerade, dass ich ja doch während des Starts sogar weiter meinen Laptop verwenden kann … wenn er klein genug ist, Ja, ist er 🙂

22:01 Gerade gestartet und mitten drin im Steigflug, bist du deppad, das ist eine Wacklerei in der Kurve … in Kürze hoffentlich auf Flughöhe und ca. 10000m über dem Boden und dem Himmel wieder mal ein bisschen näher … leider ohne Sonne, aber dass sie da ist weiß ich auch so 🙂
Meine Flugangst hab ich auf delay gestellt, weil gerade zu müde, um den Turbulenzen Raum zu geben.

Gestern um die selbe Uhrzeit, wusste ich nicht mehr in welcher Stadt ich gerade bin. Kurz dachte ich, es ist Berlin – nur um mich zu wundern, warum es hier Labskaus gibt, eine typische Speise aus Hamburg. Ja, ich war in Hamburg.

Wenige Stunden davor war ich auf der SMRC14, der Eventreihe, die mein Baby whatchado und das ganze Team nach Deutschland gebracht hatte. Gerade mal zwei Jahre – fast auf den Tag genau – ist es her, dass ich mich mit meiner Lederhose und dem Wiener Schmäh in Deutschland versucht habe – fürs Business war es hervorragend und für neue Freundschaften sowieso.

Es ist gerade mein dritter Flug in zwei Tagen und wenn am 1.1.2015 das neue Jahr eingeläutet wird, habe ich in meiner Schreibtischschublade über fünfzig Flugtickets als Andenken angereichert … ja, es gibt auch bessere Andenken.

Wir werden oft als cooles, bestes, erfolgreiches, younameit-StartUp bezeichnet und haben das Glück und die Ehre, dass wir doch einige Male medial gefeatured wurden und auch immer wieder bei B2B Events, wo unsere Hauptklientel unterwegs ist, uns zu Wort melden dürfen.

Die Bezeichnungen cool, erfolgreich, etc. sind dabei nicht immer die glücklichsten Bezeichnungen, da Erfolg einen Bruder hat, über den die wenigsten sprechen – ungeachtet davon, was als erfolgreich betitelt wird*.

Dieser Bruder hat nicht einen Namen, er hat mehrere. Scheitern, Arbeiten bis zum Umfallen & TryAndError sind nur wenige der Namen, die man doch manchmal in den Mund nimmt.

Gestern Abend noch mit meinem Kindheitsfreund und Co-Founder Jubin in Hamburg unterwegs, war ich heute zur Frankfurter Buchmesse eingeladen, um über das Handbuch der Lebensgeschichten und unsere Erfahrungen aus fast 3000 Lebensgeschichten zu sprechen. Die Frankfurter Buchmesse bitte!! Hallo, der Traum jedes Medienmenschen und ein Erlebnis, dass man gesehen haben sollte. Fachpresse – offline und online Medien und jede Menge neuer Gesichter und Finnlad dieses Jahr als Gastland … es war herrlich.

Eine Woche zuvor sagte mir mein Arzt, dass ich auf meine Stimme achten soll, nachdem ich ihm erzählt hatte, dass wir allein zwischen August und Dezember ca. 35 mal auf diversen Bühnen auftreten, um den Menschen WHATCHADO näher zu bringen. Bei diesen Auftritten sind im Durchschnitt 50 bis 150 Personen im Publikum – alles potentielle Netzwerkknoten, die unsere Botschaft weitertragen und hier präsent zu sein, ist in der frühen Phase unseres jungen Unternehmens essentiell wichtig.

22:12: Alter, die ersten Turbulenzen … geh bitte

22:14: wieder vorbei, alles gut

Dieser Post ist fast eine Art Fazit der letzten 2,5 Jahre und fasst zusammen, dass jeder Sonnenstrahl einen Schatten hervorbringt und dass diese zwei unweigerlich miteinander verwandt – ja sogar verheiratet – sind.

Dieses Wochenende werde ich nutzen, um runter zu kommen … wie das funktioniert weiß ich noch nicht ganz, aber es wird eine Mischung aus Training, Fussball, lange schlafen und gutes Essen sein – so die Theorie, denn nach jeder voll gepackten Woche kommt ein Loch, dass alles reflektiert, was passiert ist und einen spüren lässt, was man stattdessen nicht gemacht hat, bzw. bewusst hinten dran gestellt hat.

Ich brauche meistens Samstag fast den halben Tag, bis ich meine Mitte gefunden habe – etwas, dass mir an heftigen Arbeitstagen innerhalb von fünf Minuten gelingt und in der “freien” Zeit die Hälfte meiner Nerven kostet. Wenn ich im Urlaub bin, geht das innerhalb von wenigen Stunden, dass ich komplett unten bin, aber da weiß ich auch, dass jetzt Tage kommen, wo es kein Hoch und kein Tief gibt, sondern – zumeist – nur Strand, Sonne, Cocktails und maximal ein halbwilder Affe, der meinem Motorroller auf irgendeiner thailändischen Insel hinterherläuft 🙂

22:31: es gibt Brötchen und Cafe … geil

In der Nicht-Urlaubszeit hingegen kommt das abwärts nach dem aufwärts wie das Amen im Gebet.
Ehrlicherweise hatte ich es nicht geglaubt, als mir andere Gründer erzählt hatten, dass die Wochenenden das Härteste sind, weil man dort gezwungenermaßen runterkommt (ist ja sonst fast kein anderer im Dienst) und sich plötzlich im Strudel von Gedankenverwirrungen wieder findet und nicht weiß, ob man jetzt einfach in einem Cafe entspannen soll oder doch lieber noch den einen Vertrag lesen soll oder vielleicht doch noch die Präsentation für nächste Woche vorbereiten soll.

Und ehe man sich versieht, ist es Samstag Abend und man weiß, dass kommende Woche noch so viele Themen anstehen, dass man lieber Sonntag Mittag mit der Vorbereitung beginnen sollte. Ja, bisschen stressig ist es manchmal schon und ja, die – noch nicht vorhandenen – grauen Haare lassen grüßen.

Im Endeffekt weiß ich jetzt schon, dass ich bis Ende November knapp zehn Abende und teilweise Tage habe, die es mir erlauben, mich Freunden und Familie zu widmen. Diese sind aber heilig.

Ich habe nicht vor, mich zu beklagen … habe ich mir dieses Leben doch selbst ausgesucht und weiß, dass es da draußen hunderte, tausende Menschen gibt, die sich auf die Reise der Firmengründung eingelassen haben. Ja, es ist eine Reise – kein Sprint, sondern ein Marathon – der aber im Sprinttempo stattfindet und garantiert, dass man am Ende der Teil-Strecke ein anderer Mensch ist.

Wer war dieser Mensch 2012?

Es kommt der Punkt, an dem man zurückblickt und sich die Frage stellt, wer man noch vor wenigen Jahren war. Man sieht sich selbst an und realisiert, dass es im Leben immer irgendwie weitergeht und Ängste und Sorgen, die man vor Kurzem noch hatte, genau die Dinge waren, die einen am Weitesten gebracht haben.

Man erkennt, dass es nur darum geht, niemals aufzugeben und vor allem, dass man verstehen lernt, was man im Leben nicht kann und worin man gut ist.

Dieser Lernprozess ist leider leichter gesagt als getan … in Wahrheit ist es so, dass man – jedes Mal, wenn man denkt, dass man es verstanden hat – wieder bei null anfängt, nur um zu verstehen, dass man eigentich eh am richtigen Weg war und nur aus falschen Zweifeln halbe Entscheidungen getroffen hat, die einen auf den falschen Pfad geführt haben. Klingt kompliziert, ist es aber nicht 🙂

Man erkennt, dass es im Leben immer wieder Menschen sind, die einem die Wegmarken setzen und dass es im Leben nicht viel braucht, um Erinnerungen zu sammeln, die einem vielleicht eines Tages am Sterbebett eine wundervoll bunte Revue des eigenen Lebens präsentieren.

Bevor ich gegründet habe, dachte ich das Erfolg ein Produkt der eigenen Leistung ist – ich musste aber erkennen, dass es – neben der eigenen Leistung – auch ein Abfallprodukt von mehrern Bruchlandungen ist und dass jeder Erfolg umso besser schmeckt und riecht, wenn man sich seine geschundenen Knie ansieht und weiß, dass jede Narbe verdammt noch mal echt verdient wurde.

Und nochmal, ich bin nicht der Einzige, dem es so geht und nein, ich bin nicht arm, mitleidungsbedürftig oder sonst was – it’s part of the deal. Will man verdammt noch mal die Welt retten, kann man dies nicht mit den Händen im Hosensack tun. Das wird euch jeder bestätigen, der es tut oder versucht hat.

Ich bin kommende Woche zwei Nächte in Zürich und beende die Woche mit einem der dankbarsten Teile meines Jobs, nämlich Vorträgen in Schulen. Wenn es gut geht, zusammen mit unserem Minister Hundstorfer. Dann gehe ich ins Wochenende und bereite mich auf die kommenden Wochen vor, wo wir in Deutschland, Österreich und der Schweiz unterwegs sind – ja, so ist das im Herbst immer und das ist gut so 🙂

Als ich heute in der S-Bahn von der Messe Frankfurt zum Airport fuhr und meiner Musik lauschte, merkte ich, wie müde und leer ich war. Müdigkeit und “ich habs mir selbst ausgesucht, wie geil ist das denn”-Glücksgefühle gaben sich quasi die Klinke in die Hand.
Jedem Glücksgefühl folgten konstant Sorgen über alle möglichen Themen, die man nicht ausschalten kann. Jeder kennt das – wenn man müde ist, ist alles schnell mal ein Problem und eine Sorge.
Ist man fit, geht alles easy – und die Probleme sind plötzlich Herausforderungen 🙂

Im Grunde geht es mir um eine Sache, die normalerweise totgeschwiegen wird, aber einen wichtigen Bereich unseres Lebens ausmacht. Das Umgehen mit den nicht immer schönen Seiten von sonnigen Tagen. Es ist einfach keine Ausnahme, sondern die Regel, dass hell auf dunkel folgt und umgekehrt.

So oft wie in den letzten Tagen habe ich noch nie gehört, dass ich viel unterwegs bin und ich doch irre müde sein muss und dann werde ich immer gefragt, ob das denn gesund sei und wie lange ich das noch mache.

Meine Antwort ist mittlerweile fast immer die Selbe: “ich habe es mir selbst ausgesucht, ich lebe ein Leben, dass ich selbst bestimme … und das mache ich so lange, bis es mir keinen Spaß mehr macht … aber das kann noch eine sehr lange Zeit dauern.”

Ende – wir sind in Parking position und der halbe Flieger hat Stress, dass sie wohl nicht aussteigen dürfen 🙂

23:50 Nachtrag: kein einziges car2go am Flughafen und die letzte Schnellbahn geht erst in 27 Minuten. Wird heut doch noch später, aber hey … bin schon lang nicht mehr um Mitternacht Schnellbahn gefahren – vielleicht wirds ja lustig.

Gute Nacht.
*Ich persönlich denke, ein Unternehmen – egal ob StartUp oder Konzern – ist dann erfolgreich, wenn es jedes Jahr ein besseres Unternehmen als das Jahr zuvor ist und auf dem Weg dorthin nicht das Geld ausgeht.

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Jede Reise ist nur so gut wie ihre Wegbegleiter

“Vergiss niemals, wo du herkommst und die Menschen, die dich auf diesem Weg begleitet haben.” — Meine Eltern

 

10. Oktober, 2012 — Mittagszeit — WHATCHADO tritt das erste Mal in Hamburg bei der Social Media Recruiting Conference auf.

10. Oktober, 2012 — Nachmittag — Robindro Ullah von der Deutschen Bahn sagt zu, als erstes Unternehmen WHATCHADO in Deutschland umzusetzen.

Jänner, 2013 — erste Dreharbeiten in Deutschland bei der Deutschen Bahn und damit der Start für WHATCHADO in Deutschland. Zwar 2 Jahre zu früh laut damaliger Planung, aber das Beste, dass uns hätte passieren können.

Oktober, 2014 — back to the roots

WHATCHADO ist schon ein sehr cooles Konzept, ehrlich — ich steh drauf … vielleicht auch, weil ich einer der Mitgründer bin und finde, dass wir damit echt die Welt retten.

Klingt arrogant, oder? Naja, im Grunde geht es ja darum, im Leben zu sich und seinen Dingen zu stehen — ob im Guten oder im Schlechten. Und ich finde eben, dass WHATCHADO echt echt rockt.

Denke ich aber, dass wir unseren Erfolg nur uns verdanken? Wohl kaum.

Wegbegleiter — die Menschen, die dich pushen, ohne das du es merkst

Teil jeder Umsetzung sind Wegbegleiter, die einen pushen, fördern und fordern — manchmal merkt man es, manchmal nicht. Und doch sind sie da und bestimmen mit, wie dein Leben verläuft.

In wenigen Wochen bin ich wieder in Hamburg — meiner Meinung nach ja die geheime Hauptstadt Deutschlands und eine der schönsten Städte in Europa.

Dass WHATCHADO in Deutschland ist und ich in Kürze wieder in Hamburg, verdanke ich einigen wenigen Menschen, deren Impact größer war, als sie es vielleicht selbst wissen — sowohl beruflich als auch — und das ist das Wichtigste — menschlich.

10253802_10152029358180947_674830817771952869_nDass ich im Oktober 2012 in Hamburg WHATCHADO vorstellen durfte und als Resultat plötzlich die Deutsche Bahn auf uns gesetzt hat, verdanke ich einigen wenigen Menschen, deren Präsenz sich in den letzten Jahren immer und immer wieder in mein Leben eingebrannt hat.

Jörn Hendrik (@jormason) hatte mich im Juni 2012 kurzfristig auf Twitter zur SMRC (Social Media Recruiting Conference) als Vortragenden eingeladen, nachdem er dort am 1. Tag der Konferenz von uns gehört hatte.

Er war zu dem Zeitpunkt einer der Mitorganisatoren und hatte nach kurzem Twittertalk mit mir beschlossen, dass ich am nächsten Tag dort vor Ort die OpenKeynote halten sollte. Uns gab es zu dieser Zeit gerade mal 6 Monate, aber wir bekamen die Chance — im Nachhinein betrachtet recht krass ☺

Vor Ort versuchte ich, so gut wie möglich aufzutreten — war aber durch und durch nervös, weil es gerade mal mein 4. oder 5. Auftritt als WHATCHADO CEO war.

Was danach passierte, war recht verrückt. Frank Sitta, Stefan Person und Jan Kirchner — die Veranstalter der SMRC — fragten mich, ob ich mir vorstellen könnte, in Hamburg bei der SMRC im Oktober 2012 aufzutreten. Was ich auch dankend annahm, ohne zu ahnen, was auf uns zukommt ☺

Frank & Stefan — zwei, die wissen was sie tun

6. September, 2014 — 2 Jahre und einge gemeinsame Events später, die sich von Halle bis nach Eisenach gezogen haben, habe ich Frank und Stefan — die Helden hinter der SMRC — nicht nur besser kennengelernt — nein, ich habe sie ins Herz geschlossen.

Fachlich gesehen, sind ihre Events sowieso top

  • Future Recruiting Camp: Wenn es um kollaboratives Erarbeiten von Zukunftsthemen geht, die schon heute das Recruiting weiterbringen. Hier werden Themen positioniert und besprochen, die Mut benötigen, um diese umzusetzen, aber langfristig unumgänglich sind für gute HR Arbeit. JA!FutureRecruitingCamp WartburgDer Event fand auf der Wartburg statt — einer genialen Burg, auf der auch Martin Luther wirkte — die coolste Location, die ich je gesehen habe ☺
  • Mitteldeutsche Personaltagung: Es ist komplett klar, dass gerade KMUs das Fundament einer guten Wirtschaft sind und genau dieser Bereich wird hier abgedeckt. Vorträge, Diskussionen und eine eigene Fachausstellung garantieren, dass der Event einen selbst weiterentwickelt — sei es um weitere Ideen oder konkrete Umsetzungtips.Mitteldeutsche Personaltagung

Ich hatte das echte Glück, überall dabei sein zu dürfen und mich mit ihnen weiterzuentwickeln.

Der Weg, der noch vor uns liegt

Am 9. Oktober, 2014 werde ich bei der SMRC#14 darüber sprechen, wo wir heute stehen und welche Erfahrungen wir im Personalbereich gesammelt haben, wenn es darum geht, gute Geschichten zu erzählen.

Ich freue mich auf alle neuen und bekannten Gesichter, auf Hamburg und auf den fachlichen Austausch.

Wer dabei sein möchte, einige wenige Tickets gibt es noch.

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Die Entscheidung, ein StartUp zu gründen – worauf mich niemand vorbereitet hat

Ehrlich … hätte ich gewusst, was mir alles bevor steht, als ich im Oktober 2011 beschloss, dass ich ein StartUp mitgründe … ich glaube, ich hätte davor noch mal eine Kur und eine halbe Weltreise gemacht.

Jaja, ich weiß eh alles … oder doch nicht?

Nach fast 10 Jahren Berufserfahrung in mehr als 6 Branchen, darunter auch in Leitungsfunktionen, dachte ich, dass ich vieles schon weiß oder auf vieles schon vorbereitet sei.
Ich dachte, dass ich mittlerweile damit umgehen kann, wenn Unerwartetes sich vor mir auftut und ich ins kalte Wasser springen muss – auch wenn ich davon (wirklich!) absolut keinen Schimmer habe.

Es war ja sonst in meinem Leben auch nie schwer, sich in unentdeckte Gebiete zu schmeissen, sich Aufgaben und Jobs anzunehmen, von denen ich keine Ahnung hatte, aber bereit war, alles zu lernen was dafür notwendig war, um diese umzusetzen.
Ich war von Kindesbeinen immer der, dem gesagt wurde, dass “das ja nicht normal sei” wie ich denke und handle – und trotzdem ging es sich immer gut aus, trotz Schrammen und Wunden.
Egal ob Schulabbruch, Abendstudium, radikaler Jobwechsel über Branchen hinweg, etc. … alles ging sich irgendwie immer aus, auch wenn es immer eine neue Reise war.

Nein, auf das StartUp Leben bereitet dich nichts vor – zumindest hat mich nichts auf das vorbereitet, was in den folgenden zwei Jahren nach der Gründung folgte. Aus einer kleinen naiven Gruppe von 4 Helden ist eine Truppe von über 30 Personen geworden, die an eine Idee glauben, die ich mit 14 Jahren hatte.

Zwei unserer Mitarbeiter haben sogar Kinder … eine Verantwortung, die mich – als unser erster Mitarbeiter mit Kinder bei uns anfing – fast einen Monat lang nicht schliefen ließ.

Vom Wohnzimmer in die “Firma”

Von einem kleinen 4x4m Büro und meinem Wohnzimmer, in dem die Geschichte seinen Anfang nahm, sind wir in eine echtes Büro mit genug Zimmern für alle Mitarbeiter gezogen und ja, wir haben sogar genug Türen, sodass man in Ruhe arbeiten kann. 5 Toiletten und 2 Cafemaschinen runden das Bild des “Unternehmens”, der “Firma”, der “GmbH” ab.

WHATCHADO Team 2012

Es ist schon verrückt, was das richtige Team zustande bringt … was Anfangs als banale Idee begann, ist heute eine der innovativsten HR Lösungen für Österreich, Deutschland und Schweiz mit über 2000 Berufsbildern aus über 5 Kontinenten, ausgezeichnet mit dem UN World Summit Award und erst vor zwei Wochen schrieb die Süddeutsche einen Artikel über uns mit dem Titel “Das Leben der Anderen”.

Ich sitze gerade in der Steiermark in St. Michael, es ist 2:00 früh und ich könnte auf mein Team nicht stolzer sein.
Diese Gruppe aus Träumern, Realisten, Optimisten und Pragmatikern hat etwas erschaffen, dass vielen Menschen dabei hilft, sich selbst auf ihrem Weg zu ihrer Berufung zu finden.

WHATCHADO Weihnachtsgeschenke verschickenWeihnachten 2011 – das Team verschickt scharfe Salamis und handgeschriebene Karten

Und Ende 2011, kurz vor unserer Gründung, reichte unser Horizont nicht mal ganz aus, um für uns selbst die Frage zu beantworten, ob wir jemals aus Österreich hinauswollen, bzw. hinaus können.

Klar, wir wussten, dass WHATCHADO die ganze Welt vernetzen soll, aber wir trauten uns nicht, es auszusprechen, als wir die Dokumente für die Firmengründung vorbereiteten.

Planung vs. “Scheiss drauf, die Chance kommt nie wieder”

Wir waren nicht eine Sekunde darauf vorbereitet, als Ende 2012 der erste deutsche Kunde uns nach Deutschland brachte (nach dem er uns auf einer Konferenz hatte vortragen gesehen). Aber wir gingen trotzdem den Weg, international zu werden … auch wenn wir unsere Hausaufgaben für Österreich noch nicht gemacht hatten. Wir mussten damals eine Entscheidung treffen – wollten wir langsam alles aufbauen oder die Chance nutzen.

Diese eine Chance zu nutzen war ein Segen, der uns und unserer geistigen Vorstellung eine Tür öffnete – bei vielen anderen wahrgenommenen Chancen war es verlorene Liebesmüh und leere Kilometer.

Wenn wir für jedes Mal, als jemand “etwas tolles” mit uns auf die Beine stellen wollte, es aber mangels Arbeitsmoral und -aufwand wieder lies, einen EUR bekommen hätten … Boy, wir hätten die Investmentrunde Anfang 2014 auch mit Kleingeld aufstellen können.

Hast du ein StartUp, ist jede/r um dich ein Experte … wirklich

Es ist ein bisschen so wie beim Fussball. Beim Ländermatch stehen dann plötzlich 40.000 Fussballtrainer auf den Rängen und jeder weiß es besser, weil der eine Freund eines Freundes auch mal in einem Verein einen Ball gekickt hat.

“Geht es langsam an und stresst euch nicht”,
“ihr müsst jede Chance nutzen”,
“wenn ihr zu langsam seid, werdet ihr überholt”,
“lieber mal eine Risikoanalyse machen”,
“Wow, ihr habt es geschafft” (nachdem wir den ersten Kunden hatten),
“wenn ihr alles kontrollieren könnt, seid ihr das Bottleneck”,
“wenn ihr nicht mehr die Kontrolle habt, habt ihr einiges falsche gemacht”
“ihr müsst das investierte Geld verpulvern, damit ihr wachsen könnt”,
“schaut, dass ihr in den ersten 3 Jahren einen Exit hinlegt”,
“lenkt das Unternehmen nicht so, als würdet ihr einen Exit hinlegen wollen”
… und so weiter.

So viele Fragen und Möglichkeiten und am Ende des Tages sind es recht einsame Entscheidungen, für die man gerade stehen muss … gerade dann, wenn es die falschen waren.
Und ganz ehrlich … im Nachhinein, mit dem damaligen Wissensstand, würde ich es bei allen Entscheidungen genauso wieder machen. Woher sollte ich es denn auch besser wissen?

Ich habe das Glück, ein Netzwerk von Unternehmern und Gründern um mich zu haben, die ich immer um Rat bitten kann, aber die letzte Entscheidung nimmt einem dann doch niemand ab.

Teilweise klingt es banal, aber es gibt wirklich diese Augenblicke, in denen man absolut nicht weiß, was richtig oder falsch ist und keine Kapazitäten hat, Szenarien zu entwickeln, wie diese oder jene Entscheidung sich auswirken könnte.

Die Reise, für die du dir selbst dein Ticket ausstellst

Ich spreche normalerweise ja immer nur über die tollen Seiten des Gründens, aber manchmal muss man auch mal den Tradeoff ins Licht rücken. Alles im Leben hat seinen Preis, kein Licht ohne Schatten, kein Pro ohne Contra und kein Regenbogen ohne Regen … klingt melodramatisch, ist aber im Grunde eine simple Gleichung und diese findet sich auch bei einem StartUp.

Ich erwähnte am Anfang, dass es Dinge gibt, die dir am Anfang niemand sagt und auf die du nicht vorbereitet sein kannst … damit meinte ich aber nicht die oben angeführten Punkte.

Was ich meine – und das ist das Tolle – ist, dass es allen Gründern und Gründerinnen genau so geht.

Schlaflose Nächte, Entscheidungs-Ohnmacht, Selbstzweifel, Ablenkungen, Verlust von Fokus, Müdigkeit, Up and Downs im Tagesryhtmus, Glücksausbrüche in fliegendem Wechsel mit kompletter Verzweiflung, you name it … all das ist das Normalste auf der Welt, wenn man sich auf diese Reise einlässt.

Es sind Dinge, die mich sehr Nahe an meine Grenzen und Möglichkeiten bringen und mir zeigen, was mir wichtig ist. Es sind Dinge, die mir vor Augen führen, was noch in mir steckt und was ich bisher nicht gekannt habe. Es sind Dinge, die mich herausfordern … immer dann, wenn ich etwas schon aufgegeben habe.

Es sind – sieht man zurück – die Dinge, die diese Reise zum Leuchten bringen.

Und um den ersten Satz von diesem Post richtig zu stellen:

Ehrlich … hätte ich gewusst, was mir alles bevor steht, als ich im Oktober 2011 beschloss, dass ich ein StartUp mitgründe … ich glaube, ich hätte schon viel früher damit angefangen.

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