Beiträge

Jetzt mein Buch bestellen!

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail Adresse ein um neue Blog Posts in deine Inbox zu bekommen.

Die Kunst, sich selbst auszuhalten

“Bleib so wie du bist”.

Wie oft hören wir diesen nett gemeinten Rat und wissen schon beim Lesen dieses Satzes, dass “nett” immer der kleine Bruder von “scheisse” ist.

“Bleib so wie du bist” … das ist die Wunschformel, die reflektierten Menschen den Schauer runterjagt, weil es suggeriert, dass man sich ja nicht verändern soll. Um Gottes Willen, nicht nach vorne verändern, sondern bitte auch in einigen Jahren noch so bleiben wie man heute ist.

Ehrlich, kennen wir auch nur eine Person, die wirklich vor hat, sich überhaupt nicht zu verändern?

Gerade war Silvester und die halbe Welt, wenn nicht sogar fast die ganze, hat Neujahrsvorsätze formuliert und sich damit den eigenen KickOff einer neuen Zeitenwende suggeriert.

Neujahrsvorsätze sind das “geht scho Burschen, das nächste Match wird besser” der normalen Menschen, wie wir es sind. In ihnen steckt Hoffnung, Neugierde, Begierde und der Wunsch, sich nicht nach hinten in die Vergangenheit zu entwickeln, sondern nach vorne. Da wo sie sich (noch) versteckt… unsere Zukunft im Garten Eden mit all ihren Erfüllungen unserer Wünsche, die uns zu dem Menschen machen, der wir sein wollen.

“Bleib so wie du bist” … so gesehen eine Schandtat der Bedeutungslosigkeit.

André Heller sagte mal mit einem Augenzwinkern, dass er allen Menschen, die ihm diesen Ausspruch mitgeben, droht, dass sie von seinem Anwalt hören.

Ich selbst habe dies in meiner Jugend sehr oft anderen Menschen gewünscht und checke erst jetzt, dass ich wollte, dass alles so bleibt, wie es ist. Vielleicht war es Angst, dass ich dadurch erkenne, dass ich mich nicht weiterentwickle, wenn sich alle um mich herum evolutionär der Zukunft hingeben.

Es ist 2018, ich sitze in Südafrika – einem Land, in welchem die Menschen wissen wie es ist, wenn man aufgrund seiner Hautfarbe nach unten selektiert wird. In dem Menschen das Gut der freien Wahlen, der Gleichstellung vor dem Gesetz und das Feiern des Lebens als Aufbruch in die Zukunft nur zu gut kennen. Ein Land, in dem die Gegensätze weiter, und manchmal auch näher, nicht sein könnten.

Es war Nelson Mandela, der mal gesagt hat, dass es nicht die Dunkelheit ist, die wir fürchten, sondern unser Licht.

Ich habe mit Gerald Hüther, meinem Mentor, Ende Oktober bei einer Bildungskonferenz im wunderbaren Schloss Puchberg einen Abend darüber sinniert, wie sehr Menschen doch Angst vor ihrem Potential haben, ihrem Licht. Wie sehr wir uns damit begnügen, nicht gut genug zu sein, weil wir Angst davor haben, auf dem Weg zu unserem Glück und unserer Potentialentfaltung zu scheitern.

Angst davor, zu erkennen, dass unsere Träume vielleicht wirklich unsere einzig echte Realität sind und unsere Potentiale die Werkzeuge auf dem Weg dorthin.

Ich muss zugeben, dass ich die letzten Tage mit mir selbst gekämpft habe. Es war vielleicht weniger ein Kampf, als der innere Dialog, wie mein 2018 aussehen soll. Wer ich sein will und wie ich mich erfinden möchte. Eine Prozedur, die ich jedes Jahr um die selbe Zeit durchmache.

Während ich mit mir selbst haderte, wurde mir immer mehr klar, dass es vielleicht nicht immer an der Zeit ist, sich neu zu erfinden. Den Kids, Mitarbeitern und Führungskräften versuche ich immer klar zu machen, dass sie nicht erst “jemand” werden müssen, da sie schon jemand sind und zwar seit dem Tag ihrer Geburt.

Um ganz ehrlich zu sein, es war Anna, die mir in einem stillen Augenblick klar machte, was ich selbst übersah: ich rannte nach vorne, ohne zu wissen, wohin und vergaß dabei, die Reise namens Lebens zu genießen.

Ich wollte mich schon “wieder” (wie jedes Jahr) auf Druck neu erfinden und war drauf und dran, all das Schöne, dass es bei meinem jetzigen Ich noch zu entdecken gibt, mit rasendem Tempo zu überspringen.

Und so sitze ich hier, fast 15 Stunden Flugzeit von meinem Zuhause entfernt und merke, dass ich hier das tun sollte, wofür ich hergekommen bin … nämlich “Loslassen” in seiner reinsten Form. Manche nennen es auch einfach Urlaub.

Wie meine Vision für 2018 aussieht? Keine Ahnung, doch ich weiß, wie es sich anfühlt: ein zufriedener Ali. Zufrieden im Tun, im Beobachten und vor allem im Sein.

Werde ich weitermachen, was ich tue oder kommt etwas komplett neues? Ich denke, etwas von Beidem und vielleicht auch ganz anders. Das Schöne ist, dass gerade – während ich diese Zeilen schreibe – eine Last von meinen Schultern fällt und ich weiß, dass alles genauso wie es ist, gut ist und meine Entwicklung sich ergibt, während ich meinen Weg gehe.

Das Einzige, was ich mental mehr trainieren will, ist das ablegen von Täuschungen. Wir Menschen sind so oft – ja fast tagtäglich – von Dingen um uns herum enttäuscht. Sei es die Politik, der blöde Autofahrer neben uns oder der Arbeitskollege aus dem Lift. Wir machen unsere Unzufriedenheit davon abhängig, wie uns “andere da draußen” enttäuschen, dass wir so unsere Selbstwirksamkeit aufgeben.

Doch eigentlich sind Enttäuschungen etwas wunderbares, da sie das Ende der Täuschung sind und diese entstehen ja eigentlich immer dann, wenn wir von Anfang an Glaubenssätze und Erwartungen in uns tragen, die vielleicht schon immer nur Wunschvorstellungen an Dritte waren, die nur in unserem Kopf, aber nicht in der Realität, existiert haben.

Um mit Mandela zu schließen: “Es ist unser Licht, das wir fürchten. Nicht unsere Dunkelheit.”

Daher lasst 2018 das Jahr eures Lichts werden. Ihr müsst euch nicht neu erfinden, ihr seid schon wer.

Ali

Jetzt mein Buch bestellen!

Blog via E-Mail abonnieren

Gib deine E-Mail Adresse ein um neue Blog Posts in deine Inbox zu bekommen.

Ziele und ihre Sinnhaftigkeit – ein Blick zurück aufs Leben

Ich werde oft von Schülern, Studenten und auch jungen Gründern gefragt, wie man im Leben seine Ziele erreicht und was das Geheimnis dabei ist.

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob gerade ich der Richtige bin, der diese Frage beantworten kann – obwohl ich gestehen muss, dass ich mich oft frage, ob meine Ziele im Leben mich am Ende meiner Reise glücklich machen werden.

Als ehemaliger Schulabbrecher mit einem radikalen Hang zum Rebellieren und Regeln brechen, denke ich, dass es sicher “konstantere” Menschen gibt, die diese Frage um einiges gesellschaftlich korrekter beantworten können 🙂

Sehe ich mir die letzten 33 Jahre meines Lebens an, kann ich eigentlich nur verwundert zugeben, dass ich sehr wohl viele meiner, mir selbst gesteckten, Ziele erreicht habe:

Ziele, die ich mir im Alter von ca. 14 Jahren gesteckt habe:

  • ich möchte einmal im 1. Bezirk Wiens wohnen: done
  • ich möchte Lehrer sein und unterrichten: done
  • ich möchte das Handbuch der Lebensgeschichten bauen: done
  • ich möchte in einem internationalen Umfeld arbeiten: done
  • ich möchte auf jedem Kontinent einmal gearbeitet haben: in Planung
  • ich möchte alle Berufe dieser Welt einmal ausprobieren: in Arbeit 🙂
  • ich möchte einmal wieder zurück in den Iran: on hold
  • ich will eines Tages studieren und es auch beenden: done
  • ich will viele Religionen kennenlernen und ausprobieren: fast done

Ziele, die ich mir 2009 gesteckt habe:

  • ich will als kompletter Quereinsteiger in die Kreativbranche: done
  • ich möchte einmal etwas gründen: done
  • ich möchte vor vielen Menschen sprechen: done
  • ich möchte auf Englisch vor Menschen sprechen: done
  • ich möchte Menschen inspieren: done
  • ich möchte einen Marathon laufen: in Planung, in sehr ferner Zukunft 🙂
  • ich möchte nie wieder nur für Geld arbeiten: done
  • ich will glücklich sein und wenn ich es einen Monat hintereinander nicht bin, den Grund dafür aus meinem Leben schaffen: ja, immer wieder gehts 🙂

Hinter all diesen Zielen steckte immer ein Grund, ein Warum, dessen Kern nur ich kannte. Mein Leben lang war ich – glücklicherweise – von Menschen und Mentoren umgeben, die mich darin bestärkten, mich zu fragen, warum ich tue, was ich tue.

Es waren Menschen, die selbst erlebt hatten, wie es ist, wenn man als Zombie falschen Göttern (“immer höher und weiter”) hinterherläuft und irgendwann aus der Erschöpfung heraus sich fragt, “warum das Ganze” – nur, um dann zu erkennen, dass die Antwort genauso unsinnig ist, wie die Energien und die Lebenszeit, die man bis dahin verschwendet hat.

Diese Menschen – unter anderem meine Eltern, dann Gerhard, einer meiner Lehrer in der Unterstufe und auch mein erster Chef bei Sun Microsystems, Reinhard – waren Anker und Orientierungskeuzungen meines Lebens, denen es nicht egal war, ob ich falschen Zielen hinterher rannte. Diesen Menschen war ich so wichtig, dass sie mich so lange nervten, bis ich den Grund für meine Ziele wusste und wehe ich sagte “Naja, alle wollen das ja so” 🙂

Wir gründeten whatchado mit dem Ziel, alle Lebensgeschichten dieser Welt der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen – quasi eine Sammlung aller möglichen Lebens- und Karrierepfade, vereint und geordnet an einem einheitlichen Ort.

Der Grund aber, war niemals ein Exit, niemals nur das Umkrempeln einer Branche oder das Aufbauen eines 500-Mann Unternehmens.

Der Grund, das WARUM, war, dass wir sahen, dass es schlicht und einfach (weltweit) keine Möglichkeit gibt, herauszufinden, was man aus dem eigenen Leben machen kann.

Der Grund war, dass wir sahen, dass Orientierungslosigkeit eine der größten Herausforderungen unserer Generationen darstellt und es bei den ganz Jungen sogar zur Jugendarbeitslosigkeit führen kann – ein fataler Umstand, der keinem jungen Menschen widerfahren sollte.

Dass wir daraus ein Unternehmen machten, das gut gewachsen ist, wir über internationale Grenzen gegangen sind und neben den Videostories mittlerweile unsere Plattform noch weiterausgebaut haben, ist das Resultat des “Warum”.

2011, als wir noch ehrenamtlich daran gearbeitet haben, war nur das “Warum” ausschlaggebend, weil wir wussten, dass sich – wenn wir dieses nicht aus den Augen verlieren – alles andere schon fügen würde.

Bei jedem Wachstumsschritt, z.B. auch mit dem Hinzuholen von Business-Angels Anfang 2014, stand das “Warum” im Vordergrund.

Wir haben immer darauf geachtet, dass die Menschen, die am Projekt whatchado mitarbeiten, immer wissen, warum wir tun, was wir tun.

2015 – eine Zwischenbilanz

Egal wo ich derzeit hinblicke, von Bildungseinrichtungen bis zu Traineeprogrammen internationaler Konzerne bis hin zu StartUp-Events … alle sprechen über Goals, Deadlines und Fokus. Ein bisschen so, als würde man als Pferd in den Startlöchern eines großen Rennens warten, bis der Startschuß fällt und man sich nur mehr mit Anderen messen muss.

Dass Ziele wichtig sind, sagt uns unser Verstand und gerade dieser benötigt Ziele am Meisten – ohne Ziele sind wir wie ein Fahne im Wind und werden – so wie es die Anderen wollen – gschoben und gedreht und helfen dabei, die Ziele anderer Menschen zu erfüllen.

Daher treffe ich selten junge Erwachsene, die keine Ziele haben. Angefangen von der berühmten Weltreise, über einen Segelschein bis hin zum Weltretten ist alles dabei. Je nachdem, ob es sich um einen Studienabsolventen mit Konzernambitionen oder einen angehenden StartUp-Superhelden handelt, reicht die Palette von Größenwahn bis hin zu bescheidenen Zielen a la “ein Exit in den ersten drei Jahren sollte schon drinnen sein”. Zumeist wird das Ganze quittiert mit einer Prise “work hard, party hard”, um zu unterstreichen, dass Goals, Deadlines und Fokus im Job sicher noch nicht das Maximum des Erlebnisses sind.

Und manchmal, wenn ich mit den angehenden “Machern” über ihre Ziele und Träume rede, überkommt mich ein Gefühl der Austauschbarkeit … jeder will es “schaffen”, jeder will “work hard, party hard”, jeder will die Welt sehen und ganz top sein … quasi ein Leben wie eine Rooftopbar in New York.

Ich denke aber auch, dass – wenn es um Ziele geht – wir nicht gelernt haben, uns die richtigen Fragen zu stellen und stattdessen die falschen Fragen stellen und dabei den Fokus auf das falsche Ende der Reise legen.

Mittlerweile weiß jeder Mensch, dass nur intrinsische Motivation langfristig zum Erfolg und zur eigenen Zufriedenheit führt. Auf Ziele umgelegt, wäre dies der Ansatz, sich beim Festlegen seiner Ziele zurst die Frage nach dem “Warum” zu stellen.

Ab wann sind wir Kopien?

Kann es sein, dass all jene, die es im Job ganz nach oben schaffen wollen, die Welt sehen wollen und auch den Segelschein machen wollen, den kürzesten Weg gegangen sind und sich dabei an den Zielen anderer Menschen bedient haben?

Mir kommt es gefühlt so vor, als würde die halbe Menschheit, die gerade auf den Arbeitsmarkt drängt, bzw. diesen seit wenigen Jahren bevölkert, im Grunde auf ein Set von nicht mal 5 – 10 Zielen zurückgreifen. 🙂

Versteht mich nicht falsch, ich finde es gut, dass sich Menschen überhaupt Ziele setzen, dennoch glaube ich, dass sich viele Menschen nicht mit der Frage auseinandergesetzt haben, was sie selbst wirklich wollen.

Zwei Aussagen, die hier immer wieder auftauchen, wenn ich mit Lehrern oder Bildungsexperten spreche, zeigen die Wahrnehmung am Ehesten:

1.) Es ist richtig schlimm, dass Jugendliche ihre Ziele nicht kennen.

2.) Ist ja nicht so tragisch, wenn Menschen sich zwischenzeitlich an Zielen anderer Menschen orientieren – ist ja besser als nichts.

Über beide Punkte könnte ich stundenlang reden, diskutieren und auch gerne streiten, beschränke mich aber auf das Niederschreiben meines kürzesten Gedankenganges zu beiden Meinungen:

1.) Ist es schlimm, nicht ganz genau zu wissen, welche Ziele man verfolgt?

Nein, solange man sich selbst Zeit nimmt, dieser Frage nachzugehen, ist man am richtigen Weg – einfach, weil man sich bewusst mit sich selbst auseinander setzt. Dieser Prozess braucht Zeit, Ruhe und Geduld. Man muss sich zum ersten Mal bewusst mit sich selbst befassen, seine Umwelt einbeziehen und sich darüber klar werden, was man will und – das ist noch wichtiger – was man nicht will.

Kann mühsam sein – ist es auch – ist aber die einzige Art und Weise, wie wir erkennen, wer wir sind und wohin wir möchten.

2.) Ist es schlimm, die Ziele anderer Menschen zu leben, weil man die eigenen noch nicht kennt?

Ich denke ja, weil uns diese Illusion der Zielverfolgung (“Zwar nicht meins, aber irgendeinem Ziel folge ich ja eh grad”) von unserem Wertesystem abbringt. Unsere Ziele sind ein Mittel, um uns in unserem Wertesystem (und wie wir die Welt sehen) weiterzuentwickeln. Leben wir die Ziele anderer Menschen, laufen wir Gefahr, damit ein anderes Wertesystem – das nicht das unserer ist – zu nähren und adaptieren im schlimmsten Fall eine andere Weltsicht, die niemals mit unserer gedeckt hätte. Diese andere Sichtweise muss nicht schlimm sein, aber es ist definitiv nicht unsere und führt dazu, dass wir irgendwann aufwachen und merken, dass wir nicht unser Werte und Ziele leben und uns fragen, wie das passieren konnte und wann wir wohl die Kurze verpasst haben.

Es ist ein bisschen wie bei der Geschichte mit dem Frosch im Kochtopf:

Gibt man einen Frosch (uns selbst) in einen Kochtopf mit kochendem Wasser (andere Weltsicht), wird dieser die Gefahr sofort erkennen und aus dem Topf rausspringen.

Gibt man aber den Frosch in einen Topf mit lauwarmen Wasser (unsere gewohnte Umgebung mit unserer Weltsicht) und dreht dann langsam das Feuer auf – immer nur ein Grad nach dem anderen – merkt der Frosch nicht, dass er irgendwann im kochenden Wasser sitzt (andere Weltsicht) und wenn er es merkt … tja, dann ist es zumeist schon zu spät und der Deckel ist drauf.

Wie finden wir unsere Ziele und was tun wir damit?

Die eigenen Ziele zu finden ist ein langer Weg, an dessen Ende man zumeist das gesamte Gerüst wieder auf den Kopf stellen kann, weil sich im Laufe der Zeit unsere Umwelt, unsere Werte und andere Umstände verändern und damit – manchmal – auch unsere Ziele.

Die Steps, sich selbst und die eigenen Ziele zu finden, fängt immer bei einem selbst an und gliedern sind in x einfache Schritte, die mir in meinem Leben bisher geholfen haben:

1. Stell deinen Selbstwert vor deinen Marktwert

Einigen wir uns als Menschen darauf, dass wir uns unserer Ziele klar werden möchten – ungeachtet dessen, ob wir diese schon kennen oder nicht – verhindern wir, dass wir plötzlich die Ziele anderer Menschen verfolgen. Wir behalten uns quasi die Freiheit bei, jederzeit zwischen dem lauwarmen und kochenden Wasser zu unterscheiden.

Anderen Menschen bei ihren Zielen zu helfen oder sich gemeinsam auf ein Ziel zu einigen ist voll und ganz okay und verspricht auch das Gefühl von Glück, wenn man diese Ziele erreicht hat. Nur muss dies ein bewusster Schritt sein, nicht die Alternative zu einem nicht vorhandenen Konstrukt an Zielen.

2. Denke an dein Sterbett

Ein Gedankenhack, der mir immer geholfen hat, meine Ängste und Wünsche zu realisieren, bzw. harte Entscheidungen zu “überleben”, war der Zeitsprung in die Zukunft an mein Sterbebett. Ich frage mich dann immer, ob ich – wenn ich eines Tages auf mein Leben zurückblicke und es 5 Minuten vor 12 ist, ich diese oder jene Entscheidung bereuen werde. Ich frage mich dann auch, ob ich in Verbitterung zurückblicken werde oder ob ich mir dann denke “Geh Ali, was scheisst du dich an – ist ja eh nichts passiert” 🙂

Dieser Gedankensprung hilft mir, Dinge in Relation zu sehen und zu verstehen, was mir wichtig ist und was mir nur in dieser Sekunde wichtig ist.

3. Was fehlt dir, damit du um 5 vor 12 über das gesamte Gesicht grinsen kannst?

Der zweite Teil dieses Gedankenexperiments ist der richtig coole Part. Wenn man in diesem “5 vor 12”-Mode ist, in dem man auf sein Leben zurück blickt, erkennt man auch leichter, was einem wirklicht fehlt, um glücklich zu sein. Wenn ich z.B. weiß, dass ich es am Ende meines Lebens nicht bereuen möchte, mein Heimatland gesehen zu haben, kann ich in dieser Sekunde sofort ableiten, dass eines meiner Ziele sein muss, in den Iran zu fliegen und mein Heimatland zumindest einmal zu erleben.

Im Grunde geht es darum, sich bewusst zu werden, was man nicht bereuen möchte (Punkt 2) und dann auf den Jetzt-Zustand zu blicken und eine Liste zu erstellen, die ich gerne als “road to smiling faces” bezeichne.

Das sind dann die Ziele, deren “Warum” man am Ende seiner Reise zu schätzen weiß.

4. Denke konservativ, denke groß:

Wer Läufern beim Sprint zusieht, weiß, dass diese bei einem 200-Meter-Lauf nicht darauf aus sind, genau 200 Meter zu laufen, sondern immer einige Meter weiterlaufen, weil sie bei der 200-Meter-Marke immer noch ihr hohes Tempo halten möchten und erst nach erreichen dieser Marke das Tempo drosseln.

Genauso verhält es sich mit Zielen – “shoot for the moon and if you miss, you’ll land among the stars” von Norman Vincent Peale bringt es perfekt auf den Punkt:

Bei einigen Menschen (wie mich z.B.) verhält es sich so, dass wir – wenn wir uns einem Ziel nähern – im Alltagsstress auch zufrieden sind, wenn es nicht ganz 100% wurden, sondern nur 90%. Manchmal ist diese Denke der soliden 90% sogar gesündern, als die perfektionistischen 100%.

Dieses Verhalten ist nicht falsch oder schlecht, es ist zutiefst menschlich und findet sich auch wieder bei “done is better than perfect”.

Wollen wir aber in einem Bereich unseres Lebens unbedingt die 100% erreichen, dann ist der Trick dabei, sein Ziel auf 110% zu heben, da man beim Verfehlen der letzten 10% immer noch das eigentliche Ziel erreicht hat.

Mir hat diese Denkweise in den letzten Jahren immer dann geholfen, wenn ich mich selbst oder ähnliche Kandidaten dazu bringen wollte, unsere Ziele auf der sicheren Seite zu sehen. Es ist ein bisschen so, dass man hier von einer vorsichtigen Kalkulation sprechen kann, die dazu führt, dass wir unsere Ziele ganz sicher erreichen.

Will man eine Berufsorientierungsplattform aufbauen, die Menschen weltweit hilft, ihre Berufung zu entdecken, kann man es sich nicht leisten, klein zu denken – das wäre ein zu hohes Risiko. Stattdessen müssen wir uns als Ziel setzen, die ganze Welt zu erreichen (ja, alle 7 Milliarden Menschen), um dann irre glücklich zu sein, wenn es z.B. nur 25% (also 1,7 Milliarden) werden.

5. Egal was du tust, mach irgendwas

Ziele gehören definiert und man tut sich selbst leichter, wenn man diese festlegt auf etwas, dass man nachher überpürfen kann. Am Meisten helfen hier wirklich Deadlines und die Erfassung des Zieles wie in einer Checkliste.

Manchmal ist man aber noch nicht so weit und ist dann deprimiert, weil man das Ziel noch nicht geschärft hat und redet sich ein, dass man noch nichts tun kann, um das Ziel zu erreichen.

Ganz ehrlich, das ist Bullshit: ein nicht ganz klares Ziel ist besser als kein Ziel und solange man ungefähr weiß, wohin es geht, kann man diesen Weg auch gehen.

Ich will auf den Großglockner, weiß aber noch nicht genau welche Route? Okay, aber ich kann ja schon mal meinen Rucksack packen und herausfinden, wie ich von meiner Wohnung aus zum Fuss des Berges komme 🙂

6. Warte auf Niemanden

Ich bin es leid, Menschen zu hören, die mir immer sagen, dass sie zwar eine super tolle Idee haben, aber ihnen gerade das Geld, die Mittel, das Netzwerk, die Erfahrung, das Team, die Wunderkerze, etc. fehlt. Mein Input dazu ist, dass niemals im Leben der richtige Zeitpunkt ist, um mit einer Sache zu starten. Der Grund, warum einige Menschen ihre Ziele immer erreichen ist, dass sie nicht warten und zwar auf nichts und niemanden und beginnen, ihre Fußstapfen zu setzen. Wir haben im Leben keine Garantie dafür, dass das – was uns gerade in der Sekunde fehlt – auch ja rechtzeitig eintrudelt und nur für uns zur Verfügung steht. Das ist eine Wunschvorstellung, die auf die Liste der Weihnachtswünsche gehört, aber nicht in unsere Lebensplanung.

Daher ist Jeder gut beraten, nicht auf einen Weggefährten zu warten, sondern zuerst mal selbst den Pfad zu gehen. Verfolgt man seine Ziele ungeachtet der Widerstände, passiert etwas Magisches: es scheint dann, als würde das gesamte Umfeld einem dabei helfen, den eigenen Weg zu gehen. Und wenn es hart auf hart kommt, muss man sich vor Augen führen, dass – wenn es einfach wäre – es wohl Jeder schaffen könnte und das Erreichen des Ziels keine Besonderheit mehr wäre.

Nach all den Jahren, in denen ich über das Leben und meine Ziele nachgedacht habe, bin ich zu einem sehr simplen Schluss gekommen, der das Leben radikal einfacher macht:

Im Leben passieren Dinge, deren Sinn wir nicht im Voraus, sondern immer est im Nachhinein verstehen. Uns in unsere eigene Zukunft zu versetzen, kann dabei helfen, sich selbst mehr ernst zu nehmen.