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Medienkonsum

Warum der Pythagoras in der Schule mit dem neuesten Spiderman Film konkurriert – Medienkonsum mal anders betrachtet

Ich hatte heute früh einen Vortrag in einer Schule.
Ca. 200 Jungendlichen zwischen dem 16. und 19. Lebensjahr wollte ich erzählen, was wir bei WHATCHADO aus über 5000 Lebensgeschichten über die Arbeitswelt gelernt haben.

Ich war der zweite Speaker und konnte erst 20 Minuten später anfangen, da mein Vorredner komplett überzog.
Als er fertig war, hatte sich fast ein Viertel des Saals geleert und die Jugendlichen, die noch drinnen waren, hatten bereits ihre Handies gezückt und sahen sich auf Snapchat an, was denn die Freunde so tun.
Eine Lehrerin klagte mir ihr Leid, in dem sie mir sagte, dass „es einfach total langweilig ist, wie das rüber gebracht wird – so kann man doch nicht vor Kids sprechen“.

Es stimmte.

Der Vortrag meines Vorredners war – wenn dieser für Manager gewesen wäre – richtig interessant, aber leider so aufbereitet, wie eben Manager diesen konsumieren.
Es ging mehr um Fakten und Theorie als um Praxis, auf den Folien war elendslanger Text aneinandergereiht und die Stimmlage des Sprechers war konstant monoton wie das Abfahrtssignal der Bahn, wenn diese die Station verlässt.

Ich halte zwar viele Keynotes (2015 über 150 Mal), aber was die wenigsten Menschen wissen ist, dass Vorträge vor Jugendlichen die wahre Meisterklasse sind und die Vorträge sind, vor denen ich den meisten Respekt habe – ja, manchmal auch schlaflose Nächte.

Vorträge vor 500 bis 1000 Managern sind auch sportlich und mit viel Respekt verbunden, aber diese begeistert man interessanterweise leichter, wenn man etwas zu sagen hat.

Jugendliche hingegen sind schwerer zu erreichen, da sie in der heutigen Welt mehr denn je Zielscheibe von Informationen sind: Werbung, Marken, Brands, Arbeitgeber, etc.
Alle buhlen durch massive Werbebotschaften und über diverse Kanäle der digitalen und nicht digitalen Welt um die Aufmerksamkeit dieser Zielgruppe.

Und dann gibts natürlich auch noch die Themen Berufsorientierung, Schule und Lebensplanung, welche hier auch einen Stück der Aufmerksamkeit der Jugendlichen füllen (sollten).

Ja, es ist nun mal so, dass heute der Pythagoras mit dem neuesten Spiderman-Film in Konkurrenz steht, wenn es darum geht, wer die meiste Aufmerksamkeit bekommt.

Jugendliche sind einer schieren Flut von Informationen ausgeliefert und haben in ihrem jungen Leben nicht gelernt, damit umzugehen (okay, auch die meisten Erwachsenen können das teilweise nicht).
Durch die ständig wachsende Zahl von Kommunikationsdiensten (Facebook, Snapchat, whatsapp, etc.) werden sie noch öfter abgelenkt und mit „Informationen“ beschossen, die sie irgendwie verarbeiten müssen.

Medien, die Werbung und so ziemlich jede Lifestyle-Brand, haben es verstanden, dass Informationen so aufbereitet gehören, dass Jugendliche diese aufgrund von Neugierde und Begeisterung konsumieren und sich nicht vorkommen, als würden sie beschallt, sondern unterhalten werden.

Keine Werbung der Welt zählt heute nur mehr Fakten auf ohne auch den emotionalen Faktor ins Spiel zu bringen, der am Ende des Tages den entscheidenden Impuls auslöst.

D.h. Werbung hat (teilweise) verstanden: willst du, dass deine Zielgruppe deine Message versteht, bereite diese für sie auf und zwar so, dass diese verdaut werden kann.

Tja, und dann gibt es die Art und Weise, wie wir “Erwachsenen” unseren Kindern Informationen näher bringen, wenn wir denken, dass wir sie belehren müssen: belehrend, von oben herab, Fakten um Fakten und oft mit der gedanklichen Einstellung “das muss gelernt werden”.

Was wir nicht vergessen dürfen ist, dass die selben Jugendlichen, die sich für Brands, Filme, Social Media, etc. interessieren, die selben Menschen sind, die in der Schule sitzen und Informationen konsumieren MÜSSEN.
Wir vergessen teilweise, dass der Mensch, der dort etwas lernen soll, die Informationen innerhalb der Schule genauso konsumiert und verarbeitet wie die Messages, die außerhalb der Schule auftauchen.

Ja, der Pythagoras steht mit dem neuesten Spiderman-Film in Konkurrenz und Entertainment is the new learning.

Was mir manchmal auffällt, wenn ich Schulen besuche ist, dass mir manche Lehrer vor meinen Vorträgen sagen, dass die Kinder sehr unaufmerksam sind, sie nach 30 Minuten komplett zu machen und ich es nicht persönlich nehmen soll, wenn die Kids dann auf ihren Handies rumspielen.

Zumeist nach den Vorträgen, erzählen mir die selben Lehrer, dass sie es noch nie gesehen hätten, dass ihre Kids über eine Stunde lang aufmerksam bei der Sache sind und dass es eine echte Ausnahme war und sie selbst nicht wissen, warum die Kids nicht frühzeitig gelangweilt waren.

Nein, wir bei WHATCHADO sind nicht viel intelligenter als andere Menschen und auch haben wir kein „Super-Erklärungsgen-für-Schüler“, dass uns hilft, die Kids bei der Stange zu halten.

Hier ein Erklärungsversuch, worauf wir bei unseren Präsentation an Schulen achten:

Eines vorweg: Klar ist, dass Lehrer es IMMER schwieriger haben werden, als externe Vortragende, weil das in den Köpfen der Kids ein „muss“ ist, was der oder die Lehrerin von sich gibt. Das ist mir bewusst und daher weiß ich auch, dass der härteste, aber gleichzeitig wertvollste Job der Welt, der des Lehrers ist.

So, nun zu meiner (sehr subjektiven) Erklärung:

Wir bei WHATCHADO tun die Dinge, die wir tun, für Menschen, die nicht wissen, was sie aus ihrem Leben machen wollen.
Wir tun es auch für Jugendliche und wir wissen, dass diese Informationen nur konsumieren, wenn ihr Gehirn das interessant findet, also wenn die Lust am Entdecken gegeben ist.
Fakt ist, das Gehirn lernt nicht, wenn die Lust am Lernen nicht befriedigt wird.

Und da wir das bei WHATCHADO wissen, bereiten wir alle unsere Schulvorträge so auf, dass es den Kids gefällt – NICHT UNS!
Wir bauen keine Präsentationen, von denen wir denken, dass diese uns selbst oder irgendwelchen Erwachsenen gefallen, sondern tun dies komplett abgestimmt auf das Medienverhalten von Jugendlichen.

Jede Erklärung, jede Statistik (ja, wir haben in unseren whatchaSKOOL Präsentationen jede Menge Zahlen), jeder gute Rat, etc. ist eingepackt in Informationsbrocken, die so aufbereitet sind, dass wir Jugendliche zum Nachdenken und zur Selbstreflexion animieren, aber immer mit dem Ansatz, dass diese Information aufgrund von Neugierde konsumiert wird.

Eine „coole Präsentation“ ist bei uns keine sozialromantische Vorstellung oder Goodie, sondern die EINZIGE Art und Weise, wie wir garantieren können, dass diese Jugendlichen in dieser Flut von Informationen etwas neues lernen und bei der Sache sind. Anders haben wir gar keine Chance, dass irgendwas hängen bleibt.

Wir müssen als Erwachsene verdammt noch mal runter von unserem hohen Ross und unseren Expertenstatus ablegen und beginnen, uns in diese Kids (die nebenbei unsere Zukunft sind) hineinzuversetzen.
Wenn es uns gelingt, zu verstehen, wie die Lebenswelt dieser Kids aussieht und wenn wir anfangen, unser Wirken daran anzupassen, schaffen wir es erst, dass diese von uns lernen wollen.

„Lernen” und „müssen“ sind zwei Worte, die niemals im selben Satz stehen sollten.
Das weiß auch die Gehirnforschung, aber hier erzähle ich niemandem etwas neues.

Dies bedeutet auch, dass wir Kinder auf Augenhöhe behandeln müssen, denn Kinder merken, wenn wir ihnen etwas von oben herab aufdrücken wollen.
Dass wir Erwachsenen älter sind als Kids, ist nicht unser Verdienst, sondern hat schlicht und einfach mit der Tatsache zu tun, dass sich unsere Eltern früher kennengelernt haben, als die Eltern dieser Kids.

Im Grunde ist es einfach, wenn man Kinder erreichen will:
1. Augenhöhe statt „von oben herab“: Kinder sind Menschen, zwar jüngere, aber Menschen.
2. Message für Kids aufbereiten, nicht für sich selbst: Alle Informationen, die Kinder erfassen und lernen sollen, MÜSSEN an das Kommunikationsverhalten dieser Kids angepasst sein. Zu oft passiert es, dass Erwachsene es für sich selbst tun und sich dann wundern, wenn es Kids nicht inhalieren wollen.
3. Ehrlichkeit: Kinder checken sofort, wenn man sie zum Narren hält und zahlen es einem mit Ignoranz zurück. Ist vielleicht hart, aber immerhin ehrlich.
4. Respekt: Kinder kennen am Anfang ihres Lebens glücklicherweise diesen falschen Respekt vor Älteren nicht und das ist gut so. Erst später lernen wir den total verrückten Respekt vor dem Alter. Ein Respekt, der mit keinem Aspekt verdient, sondern nur zufällig entstanden ist (niemand sucht sich schliesslich aus, WANN er oder sie geboren wird). Respekt sollte daher keine Frage des Alters sein, sondern immer neu verdient werden. Gerade bei Kindern.

Ich denke, dass wir Kinder erst dann erreichen, wenn wir uns daran zurück erinnern, wann wir selbst gerne gelernt haben.
Es war immer dann, wenn uns etwas interessiert hat oder wenn der Lehrer „es richtig gut gemacht hat“.

Kinder wollen lernen und sie sind im Grunde neugierig … wer das versteht und hier die richten Antworten liefert, kann sich ihres Dankes sicher sein.

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